ſagte hweig. r Dich ſt aber Mittag eiern.
er Herr
Louiſe Meunier. 131
hatte ſchon wiederholt René zu ſeiner Mutter geſagt, „dem wir dieſes prächtige Orgelſpiel verdanken?“
Nach beendigter Meſſe verließ er die Kirche, ohne daß ſeine Neugierde befriedigt worden wäre; aber die Orgel, die in dieſem Momente ein Finale voll der glänzendſten Fugen erwarten ließ, ließ auf einmal ihre ſchwellenden Harmonien ſchweigen, um die kindlich ein⸗ fache Vokalkompoſition einer ergreifenden Idylle zu lispeln, die dem„Blumengarten“ oder einem andern pariſer Treibhaus ihr Daſein verdankte. Der tiefe Ein⸗ druck dieſes von der Mode protegirten Thema's war durch die Innigkeit des Vortrags und die Wärme des poetiſchen Gehaltes vollſtändig gerechtfertigt. In dem⸗ ſelben Augenblick erinnerte ſich René dieſen Zauber⸗ geſang von den beiden jungen Damen, bei denen er kürzlich Abends geweſen, gehört und ihre Wiederholung zu öftern Malen gewünſcht zu haben. Er glaubte, ohne ſich darum etwas einzubilden, annehmen zu dürfen, dieſer Geſang habe ihm gegolten und ſei von dem Betreffenden ſeinetwegen in der Meſſe zur Ausführung gekommen.
Unter dem ſüßen Eindrucke, den die Muſik auf ihn gemacht, betrachtete dann René mit ungewöhn⸗ lichem Behagen auf dem freien Platze des Dorfes das maleriſche Treiben der Landleute, die in kleinen Gruppen getheilt ſich nach Keuigkeiten frugen. Die grellen Farben der Frauenkleider zeigten ſich an dieſem hellen ſchönen Herbſt⸗Tage in ihrem ganzen Glanze; der Himmel war azurblau und nur hie und da ſegelten einige Wolken, wie große Leviathans auf dem Ocean, herum. René ſchlürfte mit Wohlbehagen die herrliche Landluft ein, während er der Gräfin ſeiner Mutter ſeinen Arm bot, um zum Schloß zurückzukehren und vor ſich hegein ihrer einfachen Toilette, Louiſe und Kläreleen, hinter ihnen Veronika davoneilen ſah. beid
Die beiden jungen Damen beguigh ch in's Haus des Doktors Renoult, wohin, wie oben bemerkt, Louiſe zum Feſte des Kirchenpatrons zu Mittag ge⸗ laden worden war. In der Normandie dreht ſich Alles um die Tafel, denn man ſpricht in dieſer glücklichen Provinz viel und oft. Jene Mahlzeit nun war ganz diplomatiſch. Nur die Ländlichkeit war davon verbannt, aber ſie war durch eine appetitliche Reichhaltigkeit erſetzt, die auf den erſten Anblick angenehm berührte. Noch nie hatte übrigens Louiſe die Küche luſtiger geſehen als an dieſem Tage; große lichte Flammen ſtiegen in dem Kamine auf, durch das große geöffnete Fenſter kam mit den Strahlen der Sonne zugleich ein lieblich milder Luftzug. Während die Magd den Salat reinigte und die feinen Kräuter zerſchnitt, bräunten ſich ein Kalbs⸗ braten und zwei Rebhühner am Bratſpieß, das Hühner⸗ frikaſſée ſchmorrte auf dem einen Ofenloch, der Haſen⸗ pfeffer auf dem zweiten; daneben kochte eine kräftige Suppe u. ſ. w. Klärchen legte überall munter mit Hand an. Der Doktor holte fünf bis ſechs verſiegelte Flaſchen mit Wein, die er alle öfter gegen das Licht hielt, um ſich von ihrer Durchſichtigkeit und Reinheit zu überzeugen.
Zwei⸗ oder dreimal unterbrach Klärchen die
„ Garten, wohin ihn über Aufforderung des Louiſe und Klärchen begleiteten
Vorbereitungen zum Eſſen, und ging mit Louiſe einige Male im Garten auf und ab; warfen jedesmal am Ende des Gartens einen flüchtigen Blick auf die ſtaubige Landſtraße, und kehrten dann, weil ſie Nie⸗ manden kommen ſahen, an ihre Arbeit zurück. Aber kaum hatten ſie den Tiſch mit dem klein karrirten Tiſch⸗ tuch gedeckt und das Silberzeug aufgeſetzt, als man plötzlich das Geräuſch eines ſchweren Wagens hörte, welcher eben anhielt. Das von den Fliegen gequälte Pferd ſchlug wiederholt in die Kieſel, die unter ſeinen Füßen lagen. Sofort drängten ſich Alle an die Reiſen⸗ den heran; die Einen führten Pferd und Wagen ein, die Anderen machten den neuen Ankömmlingen wieder⸗ holt ihre Komplimente. Klärchen nahm die große Schachtel, welche die reiche Gutsbeſitzerin, ihre Couſine, die Mutter Jeromes, mitgebracht, und führte letztere in das ſchönſte Zimmer des Hauſes, in welches der Doktor nur auf den Strümpfen zu gehen pflegte, und deſſen koſtbare Möbel nur an wenigen Tagen des Jah⸗ res von ihren Ueberzügen befreit wurden. Klärchen unterſtützte dann Madame Tiercelin— ſo hieß ihre Couſine— bei der Abnahme des großen gewirkten Shawls, der vorſichtig gefaltet wurde, damit er nicht bis zur Rückreiſe beſchädigt würde. Dann zog man aus der Schachtel eine große mit reichen koſtbaren Spitzen und— ganz ländlich ſittlich— mit Blumen und Bän⸗ dern ausſtaffirte Haube hervor, die die Schachtel vor den Unbilden des Straßenſtaubes hatte ſchützen müſſen.
Nun ging man in den Speiſeſalon; während des Speiſens war Alles ſchweigſam, nicht weil eine freudige Stimmung fehlte, ſondern vielmehr weil der Appetit zu groß war. Der Gutsbeſitzer und der Doktor aßen ganz unbefangen. Klärchen ſah ganz ernſt drein, wenn ſie auf Jerome blickte, nur hie und da flog ein gezwungenes Lächeln plötzlich über ihre Züge. Nur Frau Tiercelin aß nichts; ſie ſeufzte faſt unausgeſetzt. Sie war keine arme Frau, ſie war eine von den zimperlichen, ſtets weinerlich thuenden Bäuerinnen, die das ganze Leben hindurch ſtets klagen, weil ſie vom Dämon der Habſucht beſeſſen ſind. Wenn bei der Ernte einige Hek⸗ toliter Weizen oder Aepfelwein fehlten, wenn der Tag⸗ lohn größer wurde, oder wenn der Preis der Lebens⸗ mittel, die ſie zu verkaufen hatte, fiel, dann gab's ein dammern und Klagen ohne Ende. Wer ſie reden hörte, mußte ſie für die unglücklichſte Frau auf Gottes Erd⸗ boden halten; ſelbſt die Bettler, die ſich ihrer Thür näherten, hielt ſie für glücklicher und ſorgenfreier als ſich ſelbſt.
Als das Deſſert beendigt und eine gehörige Zahl Weingläſer geleert worden waren, war Alles in ge⸗ Hannter Erwartung, ob denn die gute Frau Troſt und Erquickung im Weine gefunden. Endlich entſchloß ſie ſah mit echt normanniſcher Langſamkeit, Jerome einen kleinen Wink zu geben:„Du weißt, mein Sohn, ich habe mit Herrn Renoult zu ſprechen,“ ſagte ſie. Der junge Mann ließ ſich das nicht zweimal ſagen; er erhob ſich vom Tiſche und ging geräuſchlos hinaus in den
Doktors
Sie blieben da⸗
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