Heft 
(1861) 4 04
Seite
129
Einzelbild herunterladen

ſeit

Anti⸗ atle

nter

Wie bekannt, iſt die reiche Plantin'ſche Druckerei eine der größten Merkwürdigkeiten Antwerpens, eine Officin des ſiebenzehnten Jahrhunderts, wie Curopa keine zweite beſitzt. Das ganze überreiche Material in Typen und Stöcken ꝛc. der weltberühmten Druckerei iſt noch vorhanden, ſelbſt noch das für dieſelbe eigens fabricirte Papier, auch wird die Druckerei als eine Familien⸗Reliquie ganz in ihrem urſprünglichen Zuſtande aufbewahrt. Das Feſtkomité Antwerpens hat nun beſchloſſen, den Theilnehmern und den Förderern des Feſtes ein Gedenkblatt mit den alten Thpen und Holzſchnitten auf dem alten Papiere mit der Preſſe der Officin drucken zu laſſen.

Das miniſterielle Fiſcheſſen, zu dem ſich die jewei⸗ ligen engliſchen Kabinets⸗Mitglieder regelmäßig kurz vor Schluß der Parlaments⸗Seſſion nach Greenwich begeben, iſt ein Brauch, der nicht ſo alt iſt wie unſer Jahrhundert. Er ſtammt aus Pitt's Zeiten und verdankt ſeine Exiſtenz durchaus keinem politiſchen Ereigniſſe. An dem Ufer von Dagenham Lake, in der Grafſchaft Eſſex, iſt noch heute ein beſcheidenes Landhaus zu ſehen, das dem reichen Kauf⸗ mann Preſton gehörte, und wohin er ſich, als er Unter⸗ haus⸗Mitglied für Dover war, mit ſeinem Freund, dem Sekretär des Schatzes unter Pitt, demOld George Roſe, auf ein paar Tage zurückzuziehen pflegte, wenn es im Londoner Parlamente gar zu ſchwül wurde. Dort ver gnügten ſie ſich mit Fiſchen und leerten manches Dutzend Flaſchen alten Portweins im ſtillen Behagen. Einmal bewogen ſie auch den überangeſtrengten Premier, mit dem ſie befreundet waren, in ihrem Bunde der Dritte zu ſein. Pitt kam, und. ſo gut gefiel es ihm am ſtillen See, daß er mehre Jahre gegen Schluß der Seſſion wieder dahin kam. Aber Pitt gönnte ſich wenig Muße. Eiſenbahnen gab es damals noch nicht, und der Ausflug, ſo angenehm er war, raubte ihm zu viel koſtbare Zeit. So ſchlug denn Sir Robert Perſton vor, ſie ſollten ihre Schmauſereien im benachbarten Greenwich halten; Sir Robert machte den Wirth und bezahlte die Zeche, aber Pitt brachte bald den einen und dann wieder den anderen ſeiner Kollegen als Gaſt mit, ſo daß die Miniſter⸗Geſellſchaft immer zahl⸗ reicher und natürlich die Zeche immer größer wurde. Schließlich wurde beſchloſſen, daß das Eſſen gemeinſchaft⸗ lich bezahlt werde und Sir Robert blos einen Korb Cham⸗ pagner ſtellen ſolle. Und dabei blieb es und ſeitdem hat ſich der Brauch des Fiſcheſſens in Greenwich erhalten, und die Zeche wird jetzt aus der Staatskaſſe beglichen.

In den letzten Tagen des Juli ſind große Heu⸗ ſchreckenſchwärme aus Rußland in Galizien eingebrochen und haben ſich auf den Feldern der Gemeinde Kozaczéwka, Okopy, Boryszkowce, Paniowce zielone, Trubezyn und Latkowce gelagert. So weit es die eingetretene Schnitt zeit zuläßt, wird die Vertilgung dieſes Inſektes eifrig betrieben.

Bei einem Fleiſchermeiſter in Neumark(Preuß. Schleſien) befindet ſich ein ganz munteres, ſchwarzſcheckiges Kalb, dem auf der einen Seite des Rückens ein faſt zwei Fuß langer Flügel(2) ausgewachſen iſt. Derſelbe hat mehre Gelenke und iſt beweglich, mit Haut und Haaren überwachſen, und hat vollſtändigen Blutumlauf.

In dem Katalog einer deutſchen Kurioſitäten⸗ ſammlung aus der erſten Hälfte des 18. Jahrhunderts findet ſich verzeichnet:Cingulum longum ex corio humano Turcico crassissimo e dorso desumtum.(Ein langer Gürtel aus der Haut eines Türken, vom Rücken genommen, wo ſie am dickſten iſt.)

Mit einem neuen Motor, deſſen Erfinder der franzöſiſche Ingenieur Boutet iſt und der eine förmliche Revolution in der Mechanik hervorzurufen geeignet ſein dürfte, wurden in Brüſſel gelungene Experimente ange⸗ ſtellt. Dieſer Motor hat zwei Elemente, die Luft und das Waſſer im natürlichen Zuſtande als Baſis, und als Princip den Druck, der von unten nach oben durch die Flüſſigkeit ausgeübt wird. Der Apparat iſt äußerſt ein⸗ fach; er beſteht aus einer beſtimmten Anzahl von Ballons, die an ein Rad befeſtigt ſind, deſſen Achſe inmitten eines

-

Feuilleton. 127

mit Waſſer gefüllten Beckens beweglich iſt. Die Ballons kommuniciren mit einander durch Schläuche, die der Luft die Cirkulation von einem Ballon in den andern, oder von mehren in einen einzigen geſtattet. Jeder Schlauch iſt mit einem Klappenhahn verſehen, der ſich durch die Bewegung des Apparats öffnet und ſchließt. Nehmen wir nun zwei Ballons A und B an, die vertikal in dem Becken befeſtigt ſind. A, der auf dem Grundo, iſt mit Luft ge⸗ füllt, B an der Oberfläche iſt leer. Wenn man den Hahn öffnet, ſo ſteigt die durch das Waſſer gepreßte Luft von A in B und hebt einen Kolben, über dem eine Kurbel iſt, an deren Welle ein Stellkreuz befeſtigt iſt, das der Welle die Bewegung mittels eines Sperrades mittheilt, ſo daß B, das durch die Luft, die ſich in A befand, ge⸗ ſchwellt wird und auf den Grund des Baſſins ſinkt, wäh⸗ rend A, das luftleer geworden, emporſteigt, welches Ma⸗ növer ſich abwechſelnd wiederholt. Auf dieſe Weiſe erhält man eine fortdauernde rotirende Bewegung, deren Kraft proportionirt iſt mit dem Hohlmaße oder vielmehr mit der Oberfläche des Ballons, und wenn man den Druck mehrer Ballons in ihrer Wirkung auf einen einzigen an⸗ wendet, ſo kann man damit ganz unberechenbare Trieb⸗ kräfte erzielen.

Der Orkan am 3. d. hat auch Preßburg heim⸗ geſucht und daſelbſt großen Schaden an Fenſterſcheiben und Dächern verurſacht. Auch ein Menſchenleben ging zu Grunde, indem ein Tapezierer, der eben in der Donau badete, von dem durch den Sturm hochgepeitſchten Wogen fortgeriſſen wurde.

Lord Palmerſton war am 5. Juli zur Grundſtein⸗ legung eines Bibliothekgebäudes nach Harrow geritten und ritt nach Beendigung der Feierlichkeit in Sturm und Re⸗ gen ſogleich wieder zurück, um rechtzeitig im Parlament zu erſcheinen. Ein Ritt von etwa 20 engliſchen Meilen von einem 76jährigen Greiſe!

Bekanntlich iſt vor mehr als fechs Jahren der DampferPacific auf der Fahrt von Liverpool nach Newyork mit 300 Paſſagieren an Bord verſchwunden, ohne daß man nähere Nachrichten über deſſen Untergang erhal⸗ ten hätte. Kürzlich iſt nun eine Nachricht über das un⸗ glückliche Schiff aufgetaucht. An der Weſtküſte einer der Hebrideninſeln wurde nämlich eine Flaſche aufgefiſcht, worin ein Zettel mit folgender Bleiſtiftſchrift ſich vorfand:Am Bord des Dampfers Pacific von Liverpool nach New⸗York Das Schiff ſinkt. Wir ſind in Eis gerathen. Am Bord ſchreckliche Verwirrung. Eisberge umdrängen uns von allen Seiten. Ich weiß, wir werden nicht davonkommen. Das Schiff ſinkt. Ich ſchreibe dies auf, damit unſere Freunde in England, wenn man dieſe Flaſche findet, unſer Schick⸗ ſal erfahren. Wer dieſen Zettel findet, möge ihn ſobald als möglich veröffentlichen. W. Graham. Man hat in den Schiffsregiſtern nachgeſchlagen und gefunden, daß ein gewiſſer Graham als Steuermann an Bord des ‚Paci⸗ fic war.

Folgenden merkwürdigen Fall von Scheintod er⸗ zählt eine Berliner Zeitung: In Weißenſee wohnt ein reiches Bauernpaar, das nur ein einziges Kind, ein Mädchen von etwa ſieben Jahren, beſitzt. Plötzlich fiel das bis dahin geſunde Kind wie vom Schlage getroffen todt nieder; alle Belebungsverſuche eines ſchleunigſt herbeigeholten Arztes blieben vergeblich. Nach Anſicht desſelben war das Kind todt, es wurde der Todtenſchein ausgeſtellt und die jammernden Eltern richteten Alles zur Begräbnißfeierlich⸗ keit her. Dieſelbe ſollte am dritten Tage ſtattfinden. Schon war dieſer Tag angebrochen. Die kleine Leiche lag im offenen Sarge, umkränzt mit Blumen, der Vater ſtand weinend daneben. Da kam es ihm plötzlich vor, als wenn eine leiſe Röthe die Wangen des Kindes färbe. Er hatte jetzt nichts Eiligeres zu thun, als in die Stadt zu ſenden und einen zweiten Arzt holen zu laſſen. Dieſer kam auch alsbald und ordnete, nachdem er den Körper des Kindes genau unterſucht hatte, an, daß dasſelbe ſofort aus dem Sarge genommen und in ein Bett gebnacht werden, daß man auch alle Vorbereitungen zur Beerdigung beſeitigen

*

*