Heft 
(1861) 4 04
Seite
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126 Erinnerungen. Flluſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Rudolſtadt 431.000, Sondershauſen 527.000 Thlr., Waldeck 386.000 Thaler.

Bei der vorjährigen Ernte in England ſind nicht weniger als 4000 Schnittermaſchinen im Gange geweſen, welche in einem Tage die Arbeit von 40.000 Männern verrichteten. Trotzdem aber ſteigt der Arbeitslohn wegen Mangel an arbeitenden Händen.

Die Herrſchaft Diſchnowitz in der Nähe von Brünn iſt vom Kloſter Marienthal in Sachſen um den Preis von 480.000 Fl. angekauft worden.

Das größte Manufakturgeſchäft der Welt iſt wohl ein kürzlich in New⸗York eröffnetes Verkaufslokal. Die Front mißt 375 Fuß. Das Gebäude iſt 80 Fuß tief und 5 Stockwerke hoch, 200 Kommis beſorgen den Ver⸗ kauf, 40 Portiers beaufſichtigen die Ein⸗ und Ausgänge.

Das Attentat auf den König von Preußen iſt nicht das erſte, das gegen dieſe erlauchte Perſönlichkeit ſtattgefunden. Schon 1849 wurde auf den König, damals Prinzen von Preußen, nahe bei Mainz aus einem Wein⸗ berge geſchoſſen, als er mit Extrapoſt nach der badiſchen Grenze eilte, um dort das Kommando gegen die Inſur genten zu übernehmen. Der Schuß verletzte nur den Po⸗ ſtillon, und der Thäter iſt nie entdeckt worden; ein vor die Mainzer Aſſiſen verwieſenes Individuum, das des Verbrechens verdächtig war, wurde von den Geſchworenen freigeſprochen.

Humoriſtiſches.

Roſe, der Kabinetsſekretär Ludwigs des Vier⸗ zehnten, verheiratete ſeine Tochter an den Parlaments⸗ präſidenten Portial, welcher ſich bald nach der Vermälung fortwährend über die ſchlechte Aufführung ſeiner Frau beklagte. Roſe verſprach ihm, wenn ſeine Tochter ſich nicht ändere, ſolle ſie enterbt werden. Von dieſem Augenblicke an klagte Portial nicht mehr.

Alexander Kellet erzählt von einem franzöſiſchen Wundarzte, welcher von den Indianern ergriffen wurde, um lebendig geröſtet zu werden. Mitten in dieſem Ge⸗ ſchäft ſeien dieſe jedoch durch ein feindliches Getöſe unter⸗ brochen worden, und hätten die Flucht ergriffen. Der Wundarzt ſei hierauf Tage lang halb gebraten im Walde herumgelaufen, ehe er Hilfe gefunden habe.

Sonderbar, pflegte Major X zu ſagen, ich mache mich jede Minute anheiſchig dem Tode in's Antlitz zu ſchauen, und doch wage ich meinem Schneider nicht in's Geſicht zu ſehen.

Ein junger Mann war ſo kühn, eine Dame zu küſſen. Das iſt einfältig, mein Herr! rief ſie zürnend. O bitte, mein Fräulein, erlauben Sie, daß ich es viel⸗ fältig machel erwiederte der Kecke.

Die Zeiten ſind ſchlecht, klagte ein Menſch; es wird einem ſchwer, die Naſe über Waſſer zu halten. Es würde Dir leichter werden, wenn Du ſie nicht zu oft über Branntwein hielteſt, entgegnete ein Anderer.

Ein Mann machte Folgendes bekanut: Ich bitte meiner Frau nichts zu borgen. Da ich meine eigenen Schul⸗ den nicht bezahle, ſo iſt noch viel weniger zu erwarten, daß ich die ihrigen bezahlen werde.

Ein junger Taugenichts ſtahl in einem Garten Obſt. Der Eigenthümer ſah vom Fenſter aus, was vor ging. Ich ſehe, Ihr ſtehlt mir mein Obſt! rief er dem Diebe zu. Ganz recht, erwiederte Letzterer; Ihr thätet auch beſſer, herunter zu kommen und mir zu helfen, als vom Fenſter aus zuzuſehen.

Eine der edlen Schreibkunſt wenig mächtige Dame ſchrieb an ihre Freundinnen folgende Einladung: Bitte zum 5 T 6.(D. h. Bitte zum Thee zwiſchen fünf und ſechs Uhr.)

Der Vorſtand des Potsdamer Vereins für deutſche Sprache beklagt, daß die WorteVater undMutter in der Umgangsſprache immer mehr vonPapa undMa⸗

ma verdrängt werden, und fragt, ob es wohl Jemandem einfallen möchte, von einemPapalande oder einerMa⸗ maſprache zu reden oder in's vierte Gebot auch die frem⸗ den Worte einzuſchwärzen.

Vermiſchtes.

Proceß wegen einer Bibel. Aus Termonde in Belgien ſchreibt man von einem Proceſſe, der dort ver⸗ handelt worden und in welchem eine Bibel das Klageob⸗ jekt abgab. Dem katholiſchen Pfarrer von Opdorp war es zu Ohren gekommen, daß ein Pächter eine alte Bibel beſaß, aus welcher er zuweilen ſeiner Familie und ſeinem Hausgeſinde vorlas, wozu ſich auch wohl Nachbarn ein⸗ zufinden pflegten. Zu verſchiedenen Malen von dem Pfarrer aufgefordert, die Bibel herauszugeben, weigerte ſich der Pächter fortwährend, bis endlich der Pfarrer, von ſeinem Küſter begleitet, in Perſon erſchien und eine Art Hausſuchung vornahm, wobei die Bibel oben in einem Schranke gefunden, mitgenommen und in der pfarrherrli⸗ chen Küche feierlichſt verbrannt wurde. Jetzt aber klagte der Pächter, erſtens auf Entſchädigung von 100 Francs für die Bibel, die eine alte, ſeltene, mit Kupfern verzierte Folioausgabe war, dann auf Erſatz von 700 Francs, von denen er nachwies, daß er ſie in belgiſchen Staatspapieren kurz vor der Wegnahme der Bibel zwiſchen die Blätter derſelben gelegt hatte. Das Tribunal von Termonde hat den Pfarrer zur Zahlung von 800 Fres. und in die Ko⸗ ſten verurtheilt, während außerdem der königliche Proku⸗ rator bei der Sache eingeſchritten war und Pfarrer und Küſter wegen Verletzung des Hausrechts der erſte zu ſieben, der zweite zu vier Tagen Gefängniß verurtheilt wurden.

Dem verſtorbenen öſterreichiſchen Finanzminiſter Bruck wird von ſeiner Familie ein prächtiges Grabdenk⸗ mal aus Marmor errichtet, mit deſſen Ausführung Hans Gaſſer beauftragt iſt.

In Frankfurt a. M. litt ein junger Mann ſeit Kurzem beſtändig an heftigem Bruſtſchmerz. Der Arzt erklärte, in die ſchmerzende Stelle müſſe ein Schnitt ge⸗ macht werden; es geſchah, und aus der offenen Wunde zog er alsbald eine große Nähnadel..

In London wurde am 1. Auguſt ein großesAnti⸗ Crinoline⸗Meeting von Damen der höchſten Ariſtokratie gehalten. Ein Penny-a⸗liner erhielt mit Mühe und unter der Bedingung der größten Diskretion Zutritt. Da er insbeſondere verſprechen mußte, die Namen der Rednerinnen zu verſchweigen, ſo wurden dieſe nur mit Anfangsbuch⸗ ſtaben bezeichnet. Wie die Präſidentin, Herzogin von A., mittheilte, war das Meeting auf den Wunſch der Königin berufen worden, in welcher durch die vielen Unglücksfälle, die durch die Crinoline erzeugt worden ſeien, die Idee erregt wurde, eine ſolche Verſammlung möge die Aechtung der Crinoline ausſprechen. Trotz dieſes königlichen Wun⸗ ſches fand jedoch die Crinoline eifrige, ſehr lebhafie Ver theidigerinnen. So trat z. B., nachdem als warnendes Beiſpiel erwähnt worden war, daß eine Dame beim Sie⸗ geln eines Briefes Feuer gefangen, und ihrer Crinoline zum Opfer gefallen ſei, Lady C. auf und ſagte, ſie erin⸗ nere ſich keines Falles, daß eine Dame von hohem Rang ihren Tod in Folge des fraglichen Kleidungsſtückes gefun⸗ den habe. Was ſie ſelbſt anbetreffe, ſo ſiegle ſie nie ihre Briefe ſelbſt, ſondern gebe dieſelben ihrer Kammerjungfer zum Verſiegeln, und wenn dieſe Perſon es für gut finde, ihren Körper in anſpruchsvolle Stoffe zu hüllen, ſo thue ſie es auf ihre eigene Gefahr, und ſie(Lady C.) ſehe nicht ein, weßhalb man von ihr verlange ein ſo großes Opfer zu bringen, aus k m andern Grund, als um eine Per⸗ ſon in jener Lebensſtellung vor den Folgen ihrer Putz ſucht zu bewahren. Auch Lady M. konnte nicht begreifen, wie es möglich wäre, die verſchiedenen Klaſſen der Geſell⸗ ſchaft zu unterſcheiden, wenn dieſer Kleidungsartikel auf⸗ gegeben werde.

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