Heft 
(1861) 4 04
Seite
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Sultan Abdul Aziz Krönungsfeier.

Ich aber will

Dein Beſtes, Till! Er hielt ſein Wort Tills Geld iſt fort.

Triumph der Dunkelheit.

Er hat es weit im Denken gebracht, Er verſteht ſchon halb, was er ſelber gedacht. Und was er verſteht halb kann er dir's ſagen, Mit den Worten magſt du dich weiter plagen.

Alles und Nichts.

Eliſe hat eine Geſtalt zum Entzücken, Eliſe hat Feuer in ihren Blicken, Eliſe hat Zähne wie Elfenbein, Eliſe hat Füßchen zierlich und klein, Eliſe hat eine ſchneeweiße Hand, Eliſe hat Anmuth, Witz und Verſtand. Eliſe hat alles, was ſchön auf der Welt Nur hat Eliſe leider kein Geld!

Wohl jammerſchade iſt's in der That, Daß die arme Eliſe ſo gar nichts hat.

Nach einem Zanke.

Klothilde, du biſt eben So ſchön als wunderlich; Man kann nicht ohne dich Und auch nicht mit dir leben.

Gebet einer Frau.

Nicht länger iſt es zu ertragen

Mit meinem böſen Mann;

Ach geſtern hat er mich geſchlagen, Daß ich nicht ſtehen kann.

Gott, ende einmal meine Leiden, Zerreiß dies läſtge Band,

Nimm zu dir eines von uns beiden, Ich ziehe dann auf's Land.

Der Erbgraf.

Graf Ubaldo, reich an Renten, Arm an geiſtigen Talenten, Fröhnt dem Spiel, der Jagd, dem Wein Und dem Luxus ganz allein. Dreißig Ahnen, längſt verſtorben, Haben ihm das Recht erworben Unnütz auf der Welt zu ſein.

Paſtor Duns. Nur drei Mal träht der Hahn und ſtracks erwacht St. Peter Der ſchwere Sünder auf ſein Schrei'n. Zwei ganze Stunden kräht Herr Duns, der Bußtrompeter Und alle Sünder ſchlafen ein.

Friſches Ei gutes Ei.

Enthuſiasmus vergleich' ich gern Der Auſter, meine lieben Herrn,

Die, wenn ihr ſie nicht friſch genoßt, Wahrhaftig iſt eine ſchlechte Koſt.

Begeiſt rung iſt keine Heringswaare, Die man einpöckelt auf einige Jahre.

Mißdeutung. A.

Der Bundestag hat wie ein Leu gebrüllt, Seid ihr von Grauſen, Deutſche, nicht erfüllt? Macht euch gefaßt auf unerhörte Dinge,

Er geht umher und ſucht, wen er verſchlinge!

B.

Nicht doch, es war kein Brüllen, wie ihr wähnt, Der Bundestag hat nur ſehr laut gegähnt; Denn auf der Bärenhaut der Protokolle Sich wiegend, ſpielt er ſchlafend ſeine Rolle.

Das letzte Epigramm iſt nicht von 1861, ſondern von 1819, und hat keinen Demokraten, ſondern Auguſt Wilhelm v. Schlegel zum Verfaſſer.

Des Sultans Abdul Aziz Krönungsfeier.

ND rönungsfeierlichkeiten ſind in Deutſchland nichts Seltenes, die Thronbeſteigung eines Sultans G bietet indeß ſo viel Neues und Intereſſantes dar,

daß wir nicht umhin können, unſern Leſern des

S neuen Sultans Abdul Aziz Inthroniſation zu

O ſchildern. Sie fand am 5. Juli ſtatt. Eine un⸗ geheure Menſchenmenge hatte ſich dazu verſammelt und der heiterſte Himmel wölbte ſich über ihnen. Der Sultan verließ Morgens um eilf Uhr auf einem prachtvollen, von 26 Ruderern geführten Gala⸗Kaik unter dem Don⸗ ner der Geſchütze der vor dem Palaſt Dolma⸗Bagtſche ankernden Kriegsſchiffe den Palaſt. Drei große Kaiks fuhren vor, zwei hinter des Sultans Fahrzeug, das an Reichthum und Pracht kaum zu übertreffen iſt. Es iſt weiß mit reicher Vergoldung. Ein großer vergoldeter Vogel prangt an dem kunſtvoll geſchnitzten Vordertheil, auf dem Hintertheil erhebt ſich der Thron, mit Sammet bedeckt, von einem Baldachin überdacht, der von Pfeilern aus vergoldetem Silber getragen wird. Eine Menge der koſtbarſten Fahrzeuge hatten ſich vor der Einfahrt in den Hafen von Konſtantinopel und in dem goldenen Horn verſammelt. Ein bezaubernder Anblick. Aus dem Phanar, wo die bulgariſche Kirche erbaut werden ſoll, prangte ein herrlicher Triumphbogen. Die Kriegsſchiffe waren be⸗ flaggt und bewimpelt, und Kanonendonner und das laute Hurrah der in den Raagen aufgeſtellten Matroſen begrüßte das Fahrzeug des Sultans. Am Mittag lan⸗ dete der Sultan bei Ejub und ging in die Moſchee und dann in das Mauſoleum des Kriegers, der einſt des Propheten Standartenträger geweſen war. Dort in der Turbé, in der des Helden Aſche ruht, wurde der Sultan⸗ mit dem Säbel Osmans umgürtet. Nachdem dieſe Ce⸗ remonie vollendet war, verrichtete der Großherr in der

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