——.—„.
2
Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Dein Gott wird mein Gott ſein, Dein Fluß der meine und Dein Vaterland meine Heimat.“
Roland erwiederte mit Wärme und betheuerte wieder ſeine Liebe. Er wurde beredt, leidenſchaftlich und ſo überzeugend, daß er faſt ſich ſelbſt geglaubt hätte. Sara ſah ihn dabei mit vertrauenden Augen an, in denen die Rührung ſchimmerte. Da merkte Roland, daß er ſchon oder doch nahezu geliebt werde, und er beſchloß, die Sache friſch zur Entſcheidung zu führen. Als ſie nach Koblenz zurückgekehrt und von den Pferden geſtiegen waren, lud ihn Sara ein, ſie in's Haus zu begleiten.
„Wollen Sie mich Ihrem Vater vorſtellen?“ fragte der Marquis.
„Mein Vater iſt in Mainz, wo er Lieferungsge⸗ ſchäfte hat,“ antwortete ſie.„Ich bin allein zu Hauſe.“
„Man muß geſtehen,“ dachte ſich Roland,„daß dieſes Mädchen reizend iſt. Weder Vater, noch Mutter, noch Bruder, noch Schweſter, noch Mann— ſie hat auch nicht einen Fehler.“
Unglücklicher Weiſe wurde er beim Eintritt in den Salon ſehr verſtimmt. Lord Eaglethorpe erwartete Sara. Dieſe, welche ganz den Engländer vergeſſen hatte, überſah mit einem Blicke die Gefahr und ſchritt mit beſonderer Freundlichkeit auf ihn zu.„Welch ange⸗ nehme Ueberraſchung, Mylord!“ ſagte ſie mit einſchmei⸗ chelnder Stimme.
„Ueberraſchungen ſind meine Sache nicht,“ ſagte der Lord mit grollendem Tone.„Ich kam wie gewöhnlich, um Sie zu einer Spazierfahrt abzuholen, aber ich traf Sie nicht mehr zu Hauſe.“
Der ſchönen Sara trieb die Ungeduld das Blut in den Kopf; ſie nahm ſich indeſſen zuſammen und ſtellte mit unbefangener Höflichkeit die Herren einander vor. Roland ſchien entzückt über die neue Bekanntſchaft, Gaglethorpe, der wie ein ergrimmter Bulldogg aus⸗ ſah, hielt mit Mühe ſeinen Zorn zurück.
„Ich bitte um Entſchuldigung, Mylord,“ ſagte Sara.„Eine wichtige Angelegenheit zwang mich vor Ihrer Ankunft aus dem Hauſe. Ei, da ſchlägt ja ſchon die Stunde, wo Sie gewöhnlich den Hofcirkel zu beſuchen pflegen. Ich wage nicht, Sie länger zurückzuhalten.“
Der Engländer erhob ſich ohne ein Wort zu ſagen, ſchritt ſteif wie ein Automat nach der Thür und wandte ſich auf der Schwelle mit den Worten um:„Herr Mar⸗ quis, ich werde die Ehre haben, Sie morgen früh zu ſehen.“
„Zu jeder Zeit, wann es Ihnen gefällig iſt, My⸗ lord,“ ſagte Roland mit dem verbindlichſten Ausdruck. „Es wird mir ein Vergnügen ſein, die nähere Bekannt⸗ ſchaft Eurer Lordſchaft zu machen.“
GCaglethorpe entfernte ſich und die beiden Liebenden befanden ſich allein. Ich überlaſſe es dem Leſer, ſich die nun folgende Scene mit ihrem ſüßen Ge⸗ flüſter und feurigen Liebesſchwüren auszumalen. Ro⸗ land war kein Neuling mehr in ſolchem holden Verkehr. Er hatte ſchon ſo oft ewige Liebe geſchworen, daß ihm die beſten Phraſen ſo geläufig waren, wie einem Schüler das A⸗B⸗C.
Als er nach einer Stunde Saras Wohnung ver⸗ ließ, ſtieß er auf der Straße auf den Engländer, der ihn hier voll Wuth und Eiferſucht erwartete.
„Mein Herr!“ rief ihn Caglethorpe an,„ich will mich mit Ihnen ſchlagen.“
„Schön. Aber warum?“
„Sie lieben Fräulein von Kransperg 2ℳ
„Von ganzem Herzen; und Sie auch, wie ich glaube?“
„Ja ich liebe ſie, und ich will nicht, daß mir ſie der Erſte Beſte abſpänſtig macht.“
„Der Erſte Beſte— das iſt nicht höflich, Mylord. Ich bin kein Erſter Beſter; ich bin der Marquis Roland von Dives. Morgen früh werde ich die Ehre haben, Sie am Ufer der Moſel zu treffen. Wenn wir dort einen Gang mit einander machen, wird ſich hoffentlich Ihr Blut etwas abkühlen. Auf Wiederſehen, Mylord, und zum Abſchiede den guten Rath: geberden Sie ſich nie ſo un⸗ wirſch wie heute, das kann Ihnen bei den Damen nur ſchaden.“
Mit dieſen Worten drehte ſich der Marquis leicht und raſch auf der linken Ferſe um und ging dem Prinzen von Conds ſeine Aufwartung zu machen.
10.
Tags darauf, am Morgen um acht Uhr begaben ſich Roland und Herigny ans Moſelufer nach einem für ſolche Beſtellungen ſehr geeigneten Wäldchen, und erwarteten dort Lord ECaglethorpe, der bald nach ihnen mit einem Landsmann als Zeugen erſchien. Das Duell ging mit ſcharfen Klingen nach der Regel vor ſich und endigte damit, daß Eaglethorpe an der Bruſt verwundet, zuſammenſank. Roland, über ſeinen Sieg etwas beunruhigt, rief einige Bauern vom nächſten Felde herbei und ließ den Verwundeten nach der Stadt tragen.
„Sobald ich geheilt bin, tréffen wir uns wieder,“ ſagte der Engländer.
„Mylord,“ erwiederte Roland höflich,„ich ſtehe
jederzeit zu Ihren Dienſten.“
Und er eilte, Fräulein von Kransperg einen Morgenbeſuch zu machen. Soll ich von dem beiderſeitigen Entzücken des Wiederſehens erzählen und des Breiten be⸗ richten, wie die ſchöne Sara den Heroismus ihres Ge⸗ liebten mit unbeſchränkter Zärtlichkeit lohnte? Soll ich das volle Glück der folgenden Tage ſchildern, das in ſeiner Ueberſchwenglichkeit für eine Ewigkeit zu reichen ſchien? Soll ich ſagen, daß Roland nach und nach dieſes leicht errungenen Glückes müde wurde, daß er Abends an ihrer Seite oft zu gähnen anfing, und daß ſie, wenn ſie es bemerkte, darüber ſehr ungehalten wurde? Man erlaſſe es mir zu erzählen, wie ſie ſchmollte, wie Beide ſich entzweiten und wieder verſöhnten, um ſich wieder auf's neue zu entzweien. Als wiederum eine Aus⸗ ſöhnung gelungen war, fragte ihn Sara, ihr vollwan⸗ giges Haupt an ſeine Bruſt lehnend:„Roland, liebſt Du mich wirklich?“


