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danken, als daß er nicht von dem ganzen akade⸗ miſchen Körper hätte angenommen werden ſollen. Nur einen einzigen Streit gab es dabei. Es kam nämlich darauf an, ob Johanna allein einen Tem⸗ pel erhalten, oder ob auch ihre Schweſter, die Marquiſe von Quaſt, eine nicht minder berühmte Dame, an ihrer Gottheit Antheil nehmen ſollte. Da man nun wahrſcheinlich urtheilte, daß nie zwei Göttinen oder überhaupt zwei Weiber ohne Eiferſucht ſich mit einander vertragen könnten, ſo entſchied die Akademie endlich nach ſchweren Berathſchlagungen, daß jede der Schweſtern ihre Altäre für ſich haben ſollte. Man ſchritt darauſ zum Tempelbau, und die lateiniſche, griechiſche, italieniſche, franzöſiſche, ſpaniſche, ſlavoniſche, pol⸗ niſche, ungariſche, hebräiſche, chaldäiſche Sprache und wer weiß, was noch für Sprachen mehr, wurden zur Errichtung des ſonderbarſten Denk⸗ mals, welches die Galanterie jemals der weibli⸗ chen Schönheit errichtet hat, aufgeboten.
Nach dem Volksmunde.
„Rathet mir gut,“ ſagt die Braut,„aber rathet mir nicht ab.“
„Wenn nur der Buckel auch Bauch wär'“, ſagte der fränkiſche Bauernbub an der Kirchweih, ais er ſich ſatt gegeſſen und noch ein Hirſe⸗ brei kam.
„Ich hab' immer Unglück,“ ſagte der Reiche, als er ſich den Strumpf verkehrt anzog.
„Renlichkeit is die Hauptſach,“ ſagte der Bauer.„Junge, hol'n Beſen und feg'n Tiſch ab.“ —„4. „Das is'n Leiden,“ ſagte Fehlmann,„kann den Frack nicht ankriegen, und hab' keinen.“
„Arbeit zehrt!“ ſagte die alte Frau, als ſie eine Nachtmütze gemaſchen hatte und dann einen Laib Brod aß. d
„Spaß muß ſein,“ ſagte Hans, und kitzelte Grete mit der Miſtgabel. 4.
„Ordnung muß ſein,“ ſagte derſelbe, da brachten ſie ihn in's Spinnhaus.
„Ich habe mich zur Rube geſetzt,“ ſagte Hans, da er Bote geworden war.
„s iſt nur ein Uebergang!“ ſagte der Jäger zum Fuchs, da zog er ihm das Fell über die Ohren. 4
„Ich ſtrafe mein Weib nur mit guten Wor⸗ ten,“ ſagt Jener, da warf er der Frau die Bibel an den Kopf.
7, Ich ſitze gut,“ ſagte die Katze und ſaß auf dem Specke.
„Es wird alle Tage ſchlimmer,“ ſagte der Rabe, als man den Galgen abbrach.
„Alle guten Gebräuche kommen ab,“ ſagte das Mädchen, da hatte der Paſtor das Tanzen verboten.
„Was die Gewohnheit nicht thut!“ ſagte der Schneider, als er ein Stück von ſeinem eigenen DTuch in die Hölle geworfen.
„Ich will Dir's vergeſſe!“ ſagt der Schwabe,
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„Wo kein Schlag iſt,
„Und ſo weiter!“ ſagt
Wenn ich das Unglü Menſch geboren zu werden, lich das Glück haben,
ſich wendet, wenn ich aber
Ich datire mein Schreiben
kannt iſt; denn ich gehör ſchichte an, eben weil ich
den Menſchen.
man in früherer Zeit Fabelr lieber Korreſpondenzartikel n doch ſchließlich auf eins hin Natur nach ein ben Sie wohl, Das Wort„Kulturepoche“ in der jetzigen Kultur.
liegen gar ſehr im Argen.
kommen, lieſt Niemand als
klang, Elemente. Die neueren Er tiſchen Poeſie erhielten den weil er hofft, darüber krähen. Die Zeit
kommen, laufen wir davon.
Bemerkun
Das daß die Todten nicht gegen ſelben proteſtiren können.
alten Weibes an.
ſteller, dem Volke zu gefallen erſcheinen ſogleich— als alt
Auf die kleinſten und
haben. ſchlagen.
Die Erſcheinung, daß
Langweile Gähnen hervorruft erklären, daß die Laugwei Hunger iſt.
Von einem ſchlechten krank darnieder lag, Glücke hat er keinen edlen ſich das Uebel werfen kann.
paber Jokeli, denk Du dran!“ 44
ſagte der Mann, als er die Frau ſchlug.
mehr zu ſagen wußte.*nl.
Korreſpondenz aus dem Thierreiche.
ſich meiner Korreſpondenz zu erfreuen. Der Menſch kommt, mit Ansnahme der Advokaten, nie zu Federn, ergreife, ſo hängt ſicher auch— ein Braten daran.
das Ihnen vielleicht aus der Naturgeſchichte be⸗
Weltgeſchichte überlaſſe ich gern als Privilegium
Die Berichte aus dem Thierreiche nannte
Feind aller Politik bin, ſo erlau⸗ daß ich blos von Kultur rede.
Die literariſchen Zuſtände in der Thierwelt digen Romane, die uns von ihrer Species iſt eine Roßarbeit ſie zu leſen. Die neuen lyri⸗ ſchen Gedichte haben nur bei den Fiſchen An⸗ dieſe aber finden ſich drin wie in ihrem es werde bald
uns alle auf dem Laufenden, denn, ſobald ſie an⸗
größte Glück der Geſchichtsſchreiber iſt,
Vertumus nahm, der Pomona zu gefallen, zuerſt die Geſtalt eines jungen Landmanns, dann die eines Schnitters und endlich die Geſtalt eines . In unſern Tagen machen es ſich manche der ſogenannten populären Schrift⸗
zeichnungen ſind gemeine Menſchen darum ſo eiferſüchtig, weil ihr eeigenes Bewußtſein ihnen ſagt, daß ſie keine große Auszeichnung zu hoffen Es ſind Bettler, welche ſich um Pfennige
ſagte Jemand: Zu ſeinem
da iſt kein Vertrag!“
e Jener, als er nichts
ck gehabt hätte, als ſo würden Sie ſchwer⸗
wenn er zur Feder als Fuchs eine Feder aus dem Thierreiche,
e blos der Naturge⸗ ein Fuchs bin; die
1; wir wollen ſie jetzt ennen, denn es kommt aus. Da ich meiner
macht ohnehin Epoche
Die neuen vielbän⸗ zu⸗
das Pferd, denn es
zeugniſſe der drama⸗ Beifall des Löwen, kein Hahn mehr ungen aber erhalten
Reinecke.
gen.
die Ausſprüche der⸗
n, viel bequemer und e Weiber.
erbärmlichſten Aus⸗
ſowohl Hunger als „könnte man damit le auch ein geiſtiger
Menſchen, welcher
Theil, auf welchen
Manche Weiber ſind wie der Schweizerkäſe, nur in ihrer Iugend milde und ſüß, werden aber ſpäter ungenießbar ſcharf.
Ich habe Menſchen gekannt, welche ihr gan⸗ zes Leben lang nichts gerührt, als am Ende der — Schlag.
Das größte Labſal des Feigen iſt, wenn es dem Muthigen ſchlecht geht.
Wer immer mehr ſcheinen will, als er iſt der iſt gewiß noch weit weniger, als er wirklich ſcheint.
Die Erſchlaffung unſerer Zeit offenbart ſich dadurch am beſten, daß die meiſten Menſchen weder wahrhaft lieben, noch haſſen und verachten können, ſondern ſich immer nur in halben Em⸗ pfindungen und Konvenienzen herumtreiben.
Humoriſtiſches.
Der ehrgeizige Schuſter von Mailand.
In den ſo ereignißreichen Kriegsjahren, in deuen Italien von der franzöſiſchen Armee über⸗ ſchwemmt war, geſchah es unter anderem, daß ein General der großen Nation ſehr dringend einer neuen Beſchuhung benöthigte. Ein einge⸗ fleiſchter Verehrer von allem, was von Paris kam, war er doch in dem Augenblick gezwungen,
macher von Mailand zu ſenden.— Als dieſer eingetreten war und nach den Befehlen des geſtrengen Herrn fragte, fuhr ihn perſelbe ziemlich barſch an, und hielt ihm eine ange Strafpredigt über die Ungeſchicklichkeit und liederliche Arbeit der Fußbekleidungskünſtler in Mailand. „Getraut Er ſich wohl, Meiſter,“ ſagte er hierauf,„mir ein Paar bequemer und dabei paſ⸗ ſender, eleganter Stiefel zu machen, ſo verſuche Er's. Was Er verlangt, werde ich gerne bezah⸗ len, wenn Seine Arbeit entſprechen wird, wie⸗ wohl ich im Vorhinein überzeugt bin, daß man nur in Paris Stiefel comme il faut bekommen kann.“
Der Schuſter machte ſeinen ehrerbietigen Kratzfuß und verſprach, allen Anforderungen des gnädigen Herrn zu entſprechen, darauf wollte er ſich entfernen.
„Eh bien! wird er nicht Maß nehmen?“ rief der General kopfſchüttelnd.
„Iſt nicht vonnöthen, Eccellenza!“ erwie⸗ derte lächelnd der Befragte, und ging unter neuen Verbeugungen zur Thüre hinaus.
Wohl verwunderten ſich Alle, die dem Schu⸗ ſter auf der Gaſſe begegneten, da er gegen ſeine Gewohnheit mürriſch und grollend, ohne einen ſheuß zu erwiedern, eiligſt den Heimweg ver⸗ olgte.
1 Aber noch mehr wunderten ſich Weib und Geſellen, als er ſtumm und trotzig in die Werk⸗ ſtatt eintrat, alles über einander warf und dann in das arme Leder einſchnitt, als gelte es, das ganze Franzoſenland mit einem Schnitte zu ver⸗ tilgen. Unter ſolch' wunderlichem, außergewöhn⸗ lichen Treiben war endlich das Leder zugerichtet, doch keinem der Geſellen wurde es anvertraut. Der Meiſter ſelbſt nahm den Stiefel in Arbeit, der, ehe es noch Abend geworden, ſix und fertig wurde, ſo nett und gefällig von Form und Aus⸗ ſehen, ſo folid und pünktlich in Stich und Arbeit war, daß alsbald Alle inne wurden, es handle ſich hier um etwas mehr, als um einen gewöhn⸗ lichen Stiefel.
Des andern Tages um die beſtimmte Stunde
nach einem ihm auf das beſte empfohlenen Schuh⸗
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