Heft 
(1858) 11 11
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kehrte ſich wenig daran, als man ihm eine Büchſe mit angezündeten Phosphorſchwefelhöl⸗ zern entgegenhielt; es bedurfte eines von ſtarker Hand geführten Hiebes auf die Naſe des Raub⸗ thiers, um dasſelbe zu verſcheuchen. Aber ſelbſt, wenn alle dergleichen Störungen fern blieben, waren die Uebel und Beſchwerden, welche das Klima unvermeidlich mit ſich brachte, ſo außer⸗ ordentlich groß, daß man kaum begreift, wie eine ſolche Ruhe den Anforderungen der menſch⸗ lichen Natur genügen konnte. Beim Aufſtehen waren die Bettſäcke in Folge der Kälte, die jede Feuchtigkeit ſogleich niederſchlug, mit einer dicken Eiskruſte überzogen; das Barthaar nicht ſelten feſt angefroren. Die Kleidung ſtarrte von feuch⸗ ter Kälte, die Schuhe oder Stiefeln, ſteifgefro⸗ ren, mußten erſt aufgethaut werden, ehe man ſich von neuem in Bewegung ſetzen konnte, um nach Stunden der peinvollſten Strapatzen den Augenblick herbeizuführen, wo eine gleiche Nachtruhe den erſchöpften Männern unabweis⸗ bares Bedürfniß war, und daher von ihnen vielleicht mit einem ſonſt kaum erklärlichen Ver⸗ langen gewünſcht und erſehnt wurde. Nichts war unerwünſchter, als wenn etwa ein heftiger, mehrere Tage lang anhaltender Schneeſturm jeden Gedanken der Weiterreiſe unmöglich machte, denn dann ging die unglücklichſte Thaten⸗ loſigkeit mit den Empfindungen des Elends ihrer Lage Hand in Hand. Eine eigenthümliche Erſcheinung iſt die außerordentliche Eßluſt, wel⸗ che namentlich bei dieſen Schlittentouren her⸗ vortrat; ſie erklärt ſich aus dem geſunden Ein⸗ fluſſe der Luft und aus den erſ chöpfenden Arbeiten.

Wer müßte nicht Angeſichts ſolcher Erleb⸗ niſſe und Beſchwerden lebhaft inne werden, wie leicht und froh das Herz der arktiſchen Reiſen⸗

glücklich auf dem Sammelpunkte des Schiffs wieder vereinigt, wiederum die freien Fluthen der See geöffnet ſehen und ſich der Hoffnung zur Heimkehr getröſten können.

Burgruine Haßenſtein.*)

Auf einer jener Kuppen, die den Fuß des Erzgebirges umgürten, erhebt ſich inmitten dunkler Fichtenwaldung auf einem ſteilen Felsvorſprunge die Burgruine Haßenſtein, ungefähr eine Stunde Wegs von der Stadt Kaaden entfernt. Der Sage nach ſchon unter Heinrich III. im Jahre 1041 gegründet, ſpäter als Aufenthaltsort des gelehrten, als lateiniſcher Dichter hochgeachteten Bohuslav von Lobkowitz berühmt, bietet dieſe Burg jetzt noch eben ſo dem Freunde des Alterthums in ihren Trümmern, wie dem Freunde der Natur durch die herrliche Ausſicht von ihrer Höhe einen unbeſchreiblichen Reiz.

franz Steger.

Das Porträt dieſes renommirten Sängers dürfte hier um ſo paſſender und unſern Leſern

Dieſe Ruine wurde von unſerm Landsmanne, dem Landſchaftsmaler Wehli, einem Schü⸗ ler der Prager Akademie, der ſeine Studien in München und Düſſſeldorf fortſetzte, nach der Natur gezeichnet und lithographirt. Von demſelben befinden ſich Gemälde im Beſitze des Erzberzogs Karl Ludwig, ſo wie des Königs Ludwig von Baiern, welcher Letz⸗ tere dem Maler, der neben dem Pinſel auch

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willkommener erſcheinen, als Prag eigentlich als die Wiege ſeines Künſtlerruhmes betrachtet werden muß. Steger ſteht gegenwärtig in der Blüthe des Mannesalters und gaſtirt bekannt⸗ lich jetzt am k. k. Hofoperntheater in Wien. Zu Szent Endre(St. André) einem Städtchen im Peſth⸗Piliſer Komitat in Ungarn geboren, wid⸗ mete er ſich Anfangs der Pharmacie. Dochals⸗ bald betrat er, den Werth der ihm verliehenen Naturgabe wohl erkennend, die theatraliſche Laufbahn und war eine Zeit lang am Theater an der Wien engagirt. Später gehörte er unter dem Namen Stazié der Bühne in Agram an, von wo er an die Oper in Peſth berufen wurde. Doch nicht lange weilte er daſelbſt, als er einen ſehr vortheilhaften Antrag als erſter Tenor an unſer k. ſtänd. Theater erhielt. Was er hier in ſeinem einjährigen Wirken geleiſtet, und wie bald er ſich zum Lieblinge unſeres Publikums ge⸗ macht, iſt wohl den Leſern noch zu lebhaft im Gedächtniß. Lange konnte ſich ohnedieß unſere Oper des Beſitzes eines ſolchen Prachttenors nicht erfreuen, da Steger Anfangs 1853 den ſo ehrenvollen Ruf zum k. k. Hofoperntheater in Wien erhielt, woſelbſter durch drei Jahre engagirt blieb. Inzwiſchen gaſtirte er wiederholt mit dem ſchmeichelhafteſten Erfolge in Prag, dann auch in Stuttgart, Frankfurt, Leipzig, Hamburg, Lemberg, Temesvar und Hermannſtadt. Daß ihn auch jetzt noch die Reſidenz nicht entbehren kann, beweiſt, daß er ſchon zu wiederholten Ma⸗ len daſelbſt für die Winterſaiſon engagirt wurde. Sein eigentliches Fach iſt das der Helden; zu

feinen Glanzrollen gehören:Eleazar,Maſa⸗

niello,Okhelko,Tannhäuſer,Ernani, Manrico u. a.

den Griffel des Dichters führt, ein ehren⸗ volles, auerkennendes Schreiben zukommen

den ſchlägt, wenn ſie, nach all ſolchem Ungemach

Poetiſches Album. Gloſſe.

Die Sterne, die begehrt man nicht, Man freut ſich ihrer Pracht.

Und mit Entzücken blickt man auf In jeder heitern Nacht. Goethe.

O zürne nicht dem kühnen Auge, Das Deine Schönheit feſtgebannt, Laß Deinen Liebreiz mich bewundern Von ferne nur und ungekannt! 4* Wohl flammt's vor meinen trunknen Blicken, Gewahre ich Dein Angeſicht Doch in der Seele tönt es leiſe:. Die Sterne, die begehrt man nicht!

Ein Schifflein gleitet durch die Wellen Der ſturmbewegten, wilden See, Und eine ſchöne Palme pranget Auf eines Felſens ſteiler Höh';. Die Brandung trennt ſie von den Schiffern Und ſchäumt und ſpottet ihrer Macht Man ſegelt ſtumm an ihr vorüber, Man freut ſich ihrer Pracht.

ließ.

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fFeuilleton.

Die Schiffer ſenken ihre Ruder

Und blicken nach dem Felſen hin,

So lange noch im fernen Weſten

Die letzten Strahlen ſcheidend glüh'n; Und ob die Sonne auch verſunken

Und längſt vollendet ihren Lauf

Man meint die Palme noch zu ſehen, und mit Entzücken blickt man auf.

So biſt auch Du mir jetzt erſchienen, Ein gold'ner Stern in heit rer Höh', Und wie die Palme jenen Schiffern Auf ſturmbewegter wilder See!

Noch einen Blick ich ziehe weiter, Es ſei das Opfer ſtill gebracht!

Doch muß ich träumend Dein gedenken In jeder heitern Nacht.

E. Halma.

Der Korrektor.

Am Ufer des See's, den Weg entlang, Da geh' ich tagtäglich denſelben Gang. Da ſitz ich und male recht ungeſtört;

.

Das Summen der Bienen den Fleiß mich lehrt. Als einſt ich ſo zeichnete, dacht, ich mir, Ach, hätt' ich nur einen Korrektor hier!

Da kam eine Herde des Weges herab,

Ganz vorn ein Bock im klingenden Trab;

Und während die Ziegen vorüber gehn,

Bleibt ſtaunend der bärtige Meiſter ſtehn.

Der klettert zum Maler den Hügel hinan,

Beſieht ſich die Zeichnung und meckert ſodann.

Ei, frägt ihn der Maler, as biſt Du ſo froh?

Du kritiſches Böcklein, was meckerſt Du ſo?

Ach, Maler, ach Maler, ich ſag' es Dir frei, Als ich Dir nahte, ganz ſtill und ganz ſcheu, Erfreute die Zeichnung gar ſehr meinen Sinn,

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Ich ſah ja noch einige Böcke darin. Das merkte der Maler, die Sonn ging zur Ruh, Verdrießlich ſchlug er den Kaſten zu;

Ging ſtille, bedächtigen Schrittes nach Haus Und löſchte das, was er gemalt, wieder aus.

M. Wehli.

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