a“ vorgeſtellt.„Hat mir ein Freund aus Sp⸗ten geſchickt!“ fügte der Alte mit einem liebenden Blick darauf hinzu.
Ein großer ausgetrockneter Kürbis wurde geſchüttelt.
„Das iſt eine Cocosnuß, die Milch iſt ein⸗ getrocknet, der Kern aber noch darin.“
Ein Fläſchchen, in dem ein paar Stücke Schwefel waren, präſentirte er als analyſirtes Tyrer Waſſer, bei deſſen chemiſcher Scheidung er ſelbſt in der Apotheke mitgewirkt hatte.
„Da haben wir aber noch einen Verſuch gemacht, der glücklich ausfiel,“ ſetzte er hinzu, „ſehen Sie, das iſt gepreßtes Bever Waſſer,“ und damit zeigte er uns ein Stück braunen Quarzes.
Jetzt kam ein Fläſchchen mit Alkohol an die Reihe, in dem ein oben ſpitziger unten aber knopfförmiger Pilz ſchwamm.
„Das iſt der Fötus eines Skorpions, man muß ihn in Spiritus aufbewahren, ſonſt geht er zu Grunde.“
Mit großer Vorſicht nahm der Alte ein Stück geſchmolzenes Zink, indem er es in der Hand wiegend, ſagte:
„Das iſt ſibiriſches Platina, es iſt ſehr theuer, das Stück hier wiegt acht Dukaten. Man wollte mir es ſchon oft abkaufen, aber wozu denn?— es gehört einmal zur Sammlung!“
Ich fand dieſe Anhänglichkeit rührend.
Nachdem er es wieder an ſeinen Platz ge⸗ legt hatte, brachte er ein abgenutztes, altes, roſtiges halbes Hufeiſen zum Vorſchein,— ich war ſehr begierig zu erfahren, was ſeine Phan⸗ taſie daraus machen werde.
Mit deklamatoriſcher Stimme ſprach er:
„Das iſt das Hufeiſen von Julius Cä⸗ ſar,“— und darauf legte er beſonders den Ton—„das er verlor, als er über den Bal⸗ kan zog; es ging von einer Hand zur andern, bis mir es voriges Jahr der Herr Rittmeiſter Graf S., der bei dem Regimente war, das vor Ihnen hier lag, für meine Sammlung ſchenkte.“
Er nahm nun drei gewöhnliche Kreuzer⸗ Cigarren in die Hand, die mit rothem Schellak überſtrichen waren.
„Das, meine Herren, ſind paprikaniſche Cigarren. Das Merkwürdigſte iſt, daß ſie ein rothes Deckblatt haben. Sie müſſen ſehr ſtark ſein; ich bekam ſie von einem Offizier, der an der Grenze von Paprika lag.“
„Pa— Paprika? was iſt denn das?“ platzte ich, außer mir vor Erſtaunen, heraus. Theodor gab mir zwar wieder einen Stoß, aber das half nichts mehr.
„Das wiſſen Sie nicht?“— fragte indi⸗ gnirt über meine Unwiſſenheit der Alte,— „das iſt der neu entdeckte Welttheil. Ich werde Ihnen ſpäter eine Karte davon zeigen. Ihr Pater, der dort zwei Jahre als Miſſionär lebte, hat mir erſt neuerlich wichtige Mit theilungen über jenes Land gemacht. Zum Beiſpiel heißt der König von Paprika Peter
Pors*). Die Frauen ſind dort auch auf eine merkwürdige Art bekleidet.— Ihr langes Haar flechten ſie nämlich in einen langen und breiten Zopf und umwinden ſich damit den Körper.— Mein Sohn iſt gegenwärtig dort mit einer mi⸗ litäriſchen Miſſion betraut.“
„Ihr Sohn?“ fragte ich wieder höchſt geſpannt.
„Ja, mein Sohn, der General Schramm, der gegenwärtig beim Kaiſer Napoleon iſt.— Er ſchreibt ſich zwar Schramm, es muß aber Schrann heißen, und ich werde ihn nächſtens in den Zeitungen reklamiren.— Als wir im Jahre vierzehn in Frankreich einzogen, da liebte ich in Chalons-sur-marne die Tochter eines
Poſtmeiſters— wir wollten uns heiraten— doch kam der Abmarſch dazwiſchen.— Arme Amelie!— Doch gehen wir weiter.— Hier ſehen Sie paprikaniſche Kaffeebohnen“— und
dabei zeigte er uns zwei getrocknete junge Pa⸗ prika—„ſie ſind ſo ſüß, daß man gar keinen Zucker dazu braucht. Die dritte hat mir der fürſtliche Obergärtner von E. abgebeten. Er hat ſie gepflanzt, ſie treibt jetzt ſchon eine drei⸗ ſchuhhohe Staude.“
Nun brachte er einen großen Pferdezahn hervor, dabei lag ein Zettel, worauf folgende Zeilen ſtanden:
„Dieß iſt der Zahn des jüngſt verſtorbe⸗ nen Rieſen Murphy, der hundert und zehn Zentner wog, das Uebrige werden Sie aus den Zeitungen erfahren haben.
Murphy.
„Sehen Sie,“ ſagte der Doktor,„das be⸗ kam ich aus Leipzig und“— ſetzte er wohlge⸗ fällig lächelnd hinzu—„ſo kommt aus allen Welttheilen irgend etwas, bis es das Ganze gibt.“
Zwei Kalbszähne erregten unſere Bewun⸗ derung als Hannibals kräftige Beißwerkzeuge.
Wir warteten auf die Erklärung einer klei⸗ nen zerſägten Cocosnuß, als uns der Doktor folgendermaßen belehrte:
„Das iſt ein Mammuthsei aus dem Eis⸗ meer. Der Mammuth exiſtirt jetzt nicht mehr. — Es war vor einiger Zeit ein Wiener bei mir, der durchaus die Hälfte davon für's Wie⸗ ner Naturalienkabinet wollte; wir durchſägten es, er ging dann fort, und verſprach mir zu ſchreiben, da er aber nichts von ſich hören ließ, ſo glaube ich, er muß geſtorben ſein, der Arme!“
Ein anderes Stück abgeſägter Cocosnuß erklärte er als die Hirnſchale eines ſiebenjähri⸗ gen Mohrenkindes.—„Sehen Sie nur, wie merkwürdig,“ bemerkte er,„auch ſogar der Hirnſchädel iſt braun und die Nähte ſind ganz verwachſen.“
Dann zeigte er uns ein Stückchen Marmor, das ich ſogleich als ein aus der Marmortafel⸗ mühle von Fürſtenbrunn bei Salzburg hervor⸗ gegangenes erkannte. Man verkauft es dort den beſuchenden Fremden, da ſich die darauf
*) Ungariſch: Pfeffer.
eingedrückten Blatt⸗ und Pflanzenformen, wenn das Täfelchen polirt iſt, ſehr gut ausnehmen. — Dabei lag ein halb deutſch, halb arabiſch beſchriebener Zettel, der von einem unſerer Kadeten herſtammte— der Kadet war ein ge⸗ borner Afrikaner, und auf dem Zettel bezeugte der Spaßmacher, daß dieſes Stück ein von der größten, ſtrengbewachten Pyramide von Ghiz⸗ zee mit Lebensgefahr geraubter Marmor ſei.
In einer Ecke ſtand eine Schildkröte, die meine Aufmerkſamkeit erregte, da das Gerippe einer Hundsruthe daran angebracht war.— Ich hob ſie daher auf und fand die Bauchhöhle der Schildkröte mit Holz gefüllt, an das jene Rück⸗ graths⸗Verlängerungsknorpeln mit Bindfaden feſtgemacht waren.— Mein fragender Blick wurde vom Doktor mit einem:„Die ge⸗ ſchwänzte Schildkröte!“ beantwortet. Dieſer ließ mir aber keine Zeit zum Bewundern, ſon⸗ dern zeigte mir ein Stück Schmiedeiſen von allen Seiten und ſagte:„Das iſt Eiſen von der Erdachſe!“
„Von der Erdachſe?“ rief ich aus.
„Nun ja! Die Engländer haben ſie ruinirt und darum ſind jetzt die Witterungsverhältniſſe ſo verkehrt. Freilich iſt es den Herren Eng⸗ ländern kommode, ſo gutes Eiſen umſonſt zu haben, und damit alle Ausſtellungspreiſe zu gewinnen.“
Nach mehreren anderen hiſtoriſchen und naturhiſtoriſchen Seltſamkeiten zeigte er endlich uoch die einſame Scheere eines zu Grunde ge⸗ gangenen Seekrebſes, und beklagte, daß ihm die Bosheit dieſes ſchöne Exemplar eines „Schiffbohrers“ zerſtört habe, wobei es ihm gar nicht auffiel, daß das daneben liegende Gehäuſe eines roth geſottenen Hummers, der von ihm ſelbſt als Hummer ganz richtig einge⸗ führt wurde, dem„Schiffbohrer“ bis auf die Farbe ganz ähnlich ſah.
Sonderbar berührte es mich, daß gerade das Letzte dieſer Sammlung, nach ſo vielen Phantaſieverirrungen, ſeinen wahren Namen erhalten hatte.— Doch es war noch nicht das Letzte.— Wir hatten zwei ziemlich große Papp⸗ ſchachteln in der Reihe überſprungen, und der Alte bedauerte ſehr, uns die darin enthaltenen Geheimniſſe nicht zeigen zu können, da um halb fünf Uhr ſeine gewöhnliche Promenade⸗ ſtunde beginne, von der er nie abweiche.
„Doch Etwas will ich Ihnen dennoch zei⸗ gen— warten Sie!“— und er nahm zwei Papiere heraus. In dem einen befand ſich etwas Schlacke, in dem anderen Straßenſtaub.
„Das ſind die zwei werthvollſten Sachen,
die ich beſitze, das“— er meinte die Schlacke, —„iſt Kohlenſamen, und dieß“— er deutete auf das andere Papier—„iſt verſteinerte Luft!“
Immermann's Münchhauſen, Du haſt hier Deine Realität! rief's in mir.
„Es iſt ein großes Geheimniß, ich erzähle es auch ſonſt Niemandem,“— fuhr er fort,— „der Kohlenſamen wird fünßzig Klafter unter der Erde angebaut, und binnen zehn Jahren
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