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nun in ihrer Wohnung, die auf das pracht⸗ vollſte möblirt war; Marie ſchenkte Punſch ein und das Kind ſchlummerte in ſeinem Bette. Da ſchlug es draußen zwölf Uhr. Die Glocken läuteten durch die ſtille Nacht. Reinhart erhob ſein Glas:„Vivat, Germania!“ Hell klangen die drei Gläſer zuſammen und Wor⸗ naſt rief:„Schön iſt es in der Fremde, in der Heimat aber iſt es doch am ſchönſten!“
Der Karfunkel. Eine Sage. Von K. G. Meyer.
In der Schenke des Dörfchens Schönhof ging es luſtig zu.— Die Feldfrüchte waren eingeheimſet, und die Scheuern der Inſaſſen reichlich gefüllt, denn der Segen des Herrn hatte ein fruchtbares Jahr beſchert.
Wie nun ſelten unſere Altvordern eine freudige Gelegenheit vorübergehen ließen, ohne ſie mit feſtlichen Gelagen zu feiern, ſo geſchah es auch beim heutigen Erntefeſte.
Barthel, der alte Dorfgeiger, ſtrich luſtig die Fidel, während Hanns, der krummbei⸗ nige Gemeindehirt, aus allen Kräften den Du⸗ delſack blies, daß man meinen mochte, die ausgedehnten Backen platzten vor Anſtrengung; — denn eben hatte Sigmund, des reichen Hubenbauers Sohn, und künftiger Beſitzer des anſehnlichſten Gehöftes im Dorfe, einen„Eig⸗ nen“ beſtellt, und dafür ein blankes Silber⸗ ſtück gezahlt. Seine Braut, des Schulzen ſchöne Theres am Arme, ſchritt Sigmund mit einem hellen Juchhei! durch die eine weite Gaſſe bildenden Dorfburſchen und Mädchen vor, und begann den luſtigen Reigen, an dem nun auch die übrigen, ſowie ſie gepaart ſtan⸗ den, theilnahmen, und zwar mit einer ſolchen Kraftäußerung, daß das alte Bretterhaus erzitterte.
Während ſo im Jubel und Tanze die Dorfjugend ihrer Freude freien Lauf ließ, ſaßen draußen unter der breitäſtigen Linde am runden Steintiſche, in ernſtes Geſpräch vertieft, die Alten der Gemeinde bei der ſchäumenden Bierkanne, bis die langgezogenen Töne des Aveläutens von den unfernen Thürmen des Seelauer Nonnenkloſters herübertönten und der Sonntagsfreude ein Ende machten.
Geige und Sackpfeife waren ſchon längere Zeit verſtummt,— die Burſchen und Dirnen hatten die Feſtkleider abgelegt, und beſorgten rührig das ohnehin heute länger als ſonſt auf ſein Futter wartende Melkvieh— nur der Hubenbauer mit dem Schulzen und noch einige Dorfälteſte ſaßen verſpätet am Stein⸗ tiſche und beſprachen die Ernte und die mor⸗ gen beginnende Herbſtſaat.— Wie ſie nun im Laufe des Geſpräches ſich bald von Einem
zum Andern wandten, ſo brachten die herüberzie⸗ henden Töne des Aveglöckchens von Seelau ſie auf den oft gefühlten Mangel einer eigenen Kirche, und indem ſie ihren Gedanken Worte gaben, bedauerten ſie, nicht im Stande zu ſein, aus Eigenem den Bau unternehmen zu können.
„Thörichtes Volk, das Ihr ſeidt“ erklang eine Stimme in fremdem AWccente aus dem nahen Gebüſch, durch das der Fußpfad vom Bache herführte,— und leichtfüßig und hoch⸗ geſchürzt trat ein einzelner Wandersmann her⸗ aus, deſſen beſtaubter Kleidung man die lange Reiſe anſah.
„Thörichtes Volk, das Ihr ſeid!“ wieder⸗ holte er nochmals, als er näher kam.„Ihr be⸗ klagt Euch über Mangel an Barſchaft, um eine eigene Kirche zu bauen,— während Ihr doch ſteinreich ſeid. Daß ich Wahrheit ſpreche, will ich Euch gleich beweiſen!“
Verdutzt ob der Anrede des Fremdlings, der unbefangen zum Tiſche trat und ſeinen an⸗ ſcheinend ſchweren Reiſebündel auf die Raſen⸗ bank warf, rückten die Dorfälteſten näher zu⸗ ſammen, und blickten faſt furchtſam den Wan⸗ dersmann von der Seite an, der jetzt ohne Säumen den Bündel öffnete und mehrere Steine verſchiedener Größe bedachtſam her⸗ ausnahm.
„Am Bilſenberge da drüben, wo ich dieſen ſeltenen Fund machte,“ begann nun der Fremde, indem er einen Stein nach dem andern hin⸗ legte,„da habe ich mich recht von dem Reich⸗ thume Eurer Gegend überzeugt.— Da müht und ſorgt Ihr Euch ab im kärglichen Erwerbe; — und der Hirtenjunge in den freien Bergen da draußen wirft oft mit einem koſtbareren Stein nach einer Kuh,— als Kuh und Ge⸗ höfte, Aecker und Wieſen des Eigners werth ſind!“
Hatte ſchon des Hubenbauers Inneres ſich ſonderbar erregt gefunden, als der Fremd⸗ ling die Steine herauslegte, ſo war er um ſo mehr durch deſſen Worte ergriffen, ſo daß er nicht umhin konnte, näher zu rücken, um des Fremdlings Bekanntſchaft zu machen, ja er trug ihm ſogar ſeine Behauſung zur Einkehr und Nachtherberge an, um ſeine Neugierde in Betreff der koſtbaren Steine befriedigen zu können.
Von dieſem Tage an war der Huben⸗ bauer ein ganz anderer Menſch geworden. Sonſt der Fleißigſte im Dorfe, frühzeitig bei der Arbeit und aufmerkſam in Beſtellung ſeiner Aecker, die reichlich ſeine Mühe lohnten,— ging er jetzt ſtillbrütend vor ſich hin, ſchwärmte tagelang in den Bergen umher, überließ die Führung der Wirthſchaft endlich ganz ſeinem Sohne Sigmund und hing einzig ſeinen wunderlichen Träumen nach. Seine Kammer, die er ſich zum Ausgedinge vorbehalten, und die er vor Jedermann verſchloſſen hielt, barg die Ausbeute und Vorräthe ſeiner täglichen Wan⸗ derungen.
Wenn er Abends, den ſchweren Querſack mit allerlei Steinen gefüllt, heimgekehrt war, und ſich in dieſelbe zurückgezogen hatte, hörte man ihn darin noch ſtundenlange hämmern und meißeln, um den Gehalt ſeiner den Tag über geſammelten Beute zu prüfen,— und kaum graute der Morgen, ſo begann er unab⸗ läſſig ſein mühevolles Tagwerk von neuem.
Der Hubenbauer war vor maßloſer Begierde, in dem Steingerölle der Berge und Felſen Schätze zu finden, endlich wahnſinnig geworden, und eines Tages fand man ſeinen arg zerſchmetterten Körper in einer engen Thal⸗ ſchlucht gegen Meſeritz, in die er vom Burg⸗ berge herabgeſtürzt war,— ein trauriges Opfer der Sucht nach Reichthum.
Sigmund übernahm nach des Vaters Tode mit verdoppelter Kraft die Leitung und Führung des Anweſens, betrieb die Wirth⸗ ſchaft mit Luſt und Liebe, und ward bald einer der vermögendſten Beſitzer. Mehrere Jahre waren ſeit der Zeit ſchon vorübergegangen, und des alten Hubenbauers wirres Trei⸗ ben, ſowie des Fremdlings Erſcheinen beinahe zur Sage geworden, als bei Gelegenheit eines vorgenommenen Hausumbanes Sigmund auch die alte Ausgedingkammer zuſammen⸗ reißen, und den dort aufgehäuften Steinvor⸗ rath, den ſein unglücklicher Vater in ſeinem geiſteskranken Zuſtande zuſammengetragen hatte, wegſchaffen ließ. Unter der Menge der Steine ſiel ihm einer von auffallend vielkan⸗ tiger Form und gelblich weißer Farbe auf, den er der Seltenheit willen zurückbehielt, und nach beendetem Bau auf dem die Stube umziehenden ſogenannten Tellergeſimſe auf⸗ bewahrte.
Eines Sonntags Nachmittags, bevor Sigmund wie gewöhnlich die Schänke be⸗ ſuchte, fiel es ihm ein, den ſo lange unbe⸗ achteten Stein näher zu beſchauen, und wo möglich ſich von ſeinem Werthe zu überzeu⸗ gen. Beſchränkt, wie die Begriff Sigmunds waren, glaubte er hierzu ein Mittel in dem ſchwerſten Eiſenhammer des Hauſes gefunden zu haben, mit dem er unbarmherzig auf den Kalkquarz losſchlug. Und ſonderbar, als der Stein zerſprang, zeigten ſich inmitten desſel⸗ ben glänzende Adern, die in einem hellen, faſt durchſichtigen, kleinern, nur loſe mit der grö⸗ ßeren Maſſe zuſammenhängenden Steine zu⸗ ſammenliefen,— und eben wollte Sigmund zu einem neuen kräftigen Hiebe ausholen, als Nachbar Veit den Eifrigen auf die Achſel ſchlug und ihn aufforderte, doch als Beſt⸗ ſchieber zur Kegelbahn zu kommen, indem ge⸗ rade heute, der vielen fremden Beſuche wegen, die Ehre des Dorfes ſeine Gegenwart er⸗ heiſche.
Sein Lieblingsvergnügen nicht zu verſän⸗ men, beeilte ſich Sigmund, der Aufforde⸗ rung raſch Folge leiſtend, den halbzerſplitter⸗ ten Stein wieder an ſeinen gewohnten Ort
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