Heft 
(1858) 10 10
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reich zu ſein ſchien; ſeine Ufer waren änßerſt üppig bewachſen und eine Unzahl Waſſerhühner durchzog das Waſſer nach allen Richtungen, um ſich in dem nahen Graſe und Schilf zu verſtecken, während eine Menge junger Wildenten auf den klaren Fluthen einherſchwamm. Zuweilen wurden einige dieſer Tollkühnen das Opfer eines Raub⸗ fiſches und dieſer fand wiederum den Tod in dem Rachen eines plötzlich aus dem Rohr her⸗ vorſchießenden Alligators. Indem ich aus Vor⸗ ſicht mein Gewehr, das ich in einem etwaigen Kämpfe mit jenen Ungethümen leicht hätte ver⸗ lieren können, auf dem Lande zurückließ, beeilte ich mich, meinen Fiſchzug zu beginnen, verſah mich mit einem tüchtigen Knüttel und ſtieg in den Kahn. Die mir zuerſt begegnenden Kaimans zogen ſich zurück; einige von den größten folgten mir. Ich verfolgte ihre Bewegungen und ruderte mit allen Kräften, um in den See zu kommen, auf deſſen tiefen Gewäſſern ich mich vor ihnen ſicher glaubte. Aber kaum hatte ich den halben Weg zurückgelegt, als eine große Anzahl derſelben auf mein Fahrzeug losfuhr und ſich bemühte, dieſes umzuſtürzen. Meine Lage war ſehr kritiſch.

Zwei ungeheure Alligatoren ſtürzten mit ſolcher Wuth auf mich los, daß ich ihre Köpfe und einen Theil des Oberkörpers außerhalb des Waſſers erblickte; ſie gaben ſcheußliche Töne von ſich und bedeckten mich mit Waſſer und Schaum. Im erſten Augenblicke ſchien mein Muth zu ſchwanken; bald aber nahm ich meine ganze Kraft zuſammen und vertheidigte mich mit meinem Stocke ſo gut als es ging. Der Feind machte Miene nachzugeben ſchon athmete ich freier kurz darauf waren jedoch beide zum Angriff wie⸗ der erſchienen. Als ich das bemerkte, ſteuerte ich mit verdoppelter Schnelligkeit dem Ufer zu, denn da lief ich zum wenigſten keine Gefahr, von den Beſtien umringt zu werden. Nur von einer Seite angegriffen, konnte ich mich beſſer vertheidigen, im Nothfall auch an's Land ſpringen. Auf der Erde bewegen ſich die Alligatoren ſehr unge⸗ ſchickt, während ſie im Waſſer mit Blitzesſchuelle einherſchießen.

Mit Grauſen mußte ich aber erblicken, daß mir meine gierigen Verfolger zuvorgekommen waren und ſich quer vor den Eingang in den See gelegt hatten, um mir ſo meine einzige Hoffnung abzuſperren. Verzweifelt fuhr ich nun an dem Ufer entlang und ſuchte mit haſtigen Blicken einen Durchgang. Kaum aber war meine Abſicht klar geworden, ſo ſchoß auch ſchon in meiner nächſten Nähe ein zwölf Fuß langer, alter Alli⸗ gator hervor, um auf mich Jagd zu machen. Zum Glück hatte ich einigen Vorſprung und ent⸗ wiſchte demſelben, während er mir ſein durch⸗ dringendes Geheul nachſandte. Man wird leicht die Freude begreifen, als ich endlich anlegen und meinen peinlichen Aufenthalt verlaſſen konnte. Als ich mich umdrehte, um den Kahn nachzuzie⸗ hen, ſah ich meinen Verfolger, der ſich mir un⸗ gefähr bis auf zwei Klaftern genähert hatte, wild emporſpringen, alsbald aber in die hoch auf⸗ ſchäumenden Wellen zurückfallen, wobei ich von oben bis unten mit Schlamm bedeckt ward. Ich zog mich haſtig zurück und ohne ihm den Rücken zu kehren, ſah ich denſelben auch kurz darauf auf dem Ufer des Sees ſelbſt emporklettern. Er hatte Kopf und Oberleib außerhalb des Waſſers und fixirte mich mit ſeinen kleinen, wilden Augen. Schnell ſuchte ich nun nach meinem Gewehr, welches mit einer Kugel geladen war. Als ich zurückkehrte, war der Koloß immer noch da und ſchien nach Fiſchen zu ſpähen. Bei meinem Her annahen verlor er ſich langſam in den Fluthen, tauchte dann nochmals auf, aber nur um alsbald von meiner wohlgezielten Kugel getroffen, für immer zu verſchwinden. Jetzt dachte ich endlich mit Ruhe an die Zubereitungen meiner Abend⸗ mahlzeit gehen zu können.

Während ich ſo gemüthlich meine Forellen

anrichtete, ſchlich ein Kaiman der größten Art, von mir unbemerkt, in meine nächſte Nähe. Glücklicherweiſe erblickte ich ihn aber noch zeitig genug, um ſchnell bei Seite ſpringen zu können, wobei ich aber zuſehen mußte, wie das Unge⸗ heuer mit einem furchtbaren, wahrſcheinlich auf mich abgeſehenen Schwanzſchlag, den größten Theil meiner koſtbaren Mahlzeit in's Waſſer warf. Einen Moment noch, und es hätte mich von hinten gepackt und in die ſchwarzen Tiefen des Fluſſes hinabgezerrt. Die unglaubliche Keck⸗ heit dieſes Thieres flößte mir vieß Beſorguiß die Nacht hindurch ein, denn ich mußte fortwährend auf einen neuen Angriff gefaßt ſein.

Ich unterſuchte mit mehr Sorge meine Lage als zuvor; da bot ſich mir ein furchtbares Schau⸗ ſpiel dar; dieſes machte mich ganz verwirrt, ſo unbegreiflich erſchien mir das, was ich ſah.

Die Oberfläche des Waſſers, von einem Ufer zum andern, ſchien eine kompakte Maſſe zu ſein, ſo drängte ſich eine Unzahl Fiſche, die wahr⸗ ſcheinlich durch irgend eine Gefahr erſchreckt, nun eilends dem Meere zuſchwammen. An beiden Seiten bildeten faſt eben ſoviel Alligatoren ein fürchterliches Spalier; ſie waren ſo aneinander⸗ gedrängt, daß Jemand, ſo wenig Luſt man auch dazu verſpürt haben würde, bequem auf ihren Köpfen hätte fortkommen können. Tauſende von Fiſchen fanden zwiſchen ihren Zähnen den Tod. Dabei zermalmten ſie mit ihren mächtigen von Blut triefenden Kinnladen gleich mehrere Opfer auf einmal, die ſich gar jämmerlich herumſträub⸗ ten. Eine ſchreckliche Scene war es, wie ſie in dieſen förmlichen Damm von Fiſchen, den ſie äußerſt wachſam okkupirten, hineintauchend, ein gräßliches Geklapper hören ließen, wie ſie dann wieder emporkommend, eine Fluth von Blut und Waſſer aus ihren Rachen hervorſpieen und dam⸗ pfende Wolken aus den Naſenlöchern empor⸗ warfen.

Der Lärm dieſer Ungeheuer hinderte mich die ganze Nacht zu ſchlafen. Am folgenden Mor⸗ gen war jedoch alles ſtill; nur hie und da ſah ich eines derſelben am Ufer.

Nun ſetzte ich meine Reiſe ſtromaufwärts fort. Als ich an der Mündung des Sees vorüber⸗ fuhr, wo ich am verfloſſenen Abend eine ernſte Gefahr überſtanden hatte, wurde ich von neuem Schrecken befallen; ein plötzliches Geräuſch ließ ſich im Rohr vernehmen, und ein enormer Alli⸗ gator ſchoß mit fürchterlichem Geheul auf mich zu, tauchte unter meinen Kahn und überſchüttete mich, als er auf der anderen Seite emporkam, mit einem wahren Regen ſchäumenden Waſſers. Uebri⸗ gens bedachte ich den Kopf des Thieres mit ſo tüchtigen Stockhieben, daß es abermals verſchwand und dann langſam dem Ufer zuſchwamm. Kurz darauf erblickte ich hinter mir ein neues Unge⸗ thüm dieſer Art, mit ungefähr hundert Jungen, die ihrer Mutter wie Küchelchen folgten. Sie wa⸗ ren alle von derſelben Größe, d. h. über eine Elle lang.

Nun überließ ich mich dem Strome und in⸗ dem ich mich fortwährend am Ufer hielt, erblickte ich eine Unzahl eigenthümlicher Kegel, welche in Geſtalt unſerer Heuſchober regelmäßig, wie ein Lager läns dem Strande, aufgepflanzt waren. Ich war kaum zwanzig Schritte von denſelben entfernt und obſchon ich aus Beſchreibungen wußte, jene Bauten ſeien nichts anderes als Alligatoren⸗ neſter, beſchloß ich, mir dieſe merkwürdigen Kon⸗ ſtruktionen in der Nähe anzuſehen. Allerdings war dieſe Inſpektion keineswegs gefahrlos, da dieſe Neſter gewöhnlich von köloſſalen Wächtern beſchützt werden. Ich mußte mich daher auf einen äußerſt hitzigen Kampf gefaßt machen. Die meiſten derſelben waren jedoch verlaſſen, und ringsum lagen große Eierſchalen verſtreut. Die Neſter be⸗ ſtanden aus einer Lage Schlamm, Gräſern und verſchiedenen Pflanzen. Sie hatten eine Höhe von etwa 1 ½ Elle und einen Durchmeſſer von Elle.

Die Alligatoren werfen erſt eine Schichte Schlamm auf, dann legen ſie eine Anzahl Eier darauf und abermals Schlamm, und fahren ſo fort, bis ſie den Bau mit einer ſtumpfen Spitze vollenden. Die Sonne und die durch ihre Wärme erhitzten Pflan zen tragen nun dazu bei, die Eier auszubrüten.

Uebrigens iſt die Liebe der Eltern zu ihren Jungen nicht groß, denn erſtere verzehren dieſe oft kurz nachdem ſie das Ei verlaſſen haben.

Anregendes.

Das nachtheiligſte Hinderniß für die Verſtan⸗ desentwicklung der Menſchen iſt ihre Eitelkeit. Wenn ſich die Menſchen nicht für klug hielten, ſo könnten ſie leicht viel klüger werden.

Der Name eines großen Mannes iſt ſein ſchönſter Titel. Witz und Verdienſt, die einer langen Auslegung bedürfen, ſind immer matt.

Viele Leute reden öfters von ihren ſogenann ten ehemaligen dummen Streichen, dantit man glauben ſoll, ſie machen gegenwärtig geſcheidte.

Hunde und Schmeichler machen öfters durch die Heftigkeit ihrer Liebkoſungen ihre eigenen Herren ſo ſchmutzig, daß ſie ſich Fußtritte von denſelben zuziehen.

Eiinſeitige Männer ſind am meiſten geneigt, die Weiber zu verachten, während ſie doch von denſelben beherrſcht werden. Es ſind Knechte, welche heimlich ihre Herrn läſtern.

Eine Laterne ohne Licht wird nie leuchten, und wer ſelbſt nicht klar im Kopfe iſt, ſich auch Andern niemals verſtändlich machen können.

Wer kein Geld hat, iſt gewiß arm, aber wer nichts als Geld beſitzt, noch viel ärmer.

Kurioſa.

Bei dem Kinderfeſte, das vor Kurzem auf der Hetzinſel zu Prag gefeiert wurde, machte ein Stritzel von 5 Ellen Bange und 60 Pfund Schwere nicht geringes Aufſehn. Dieſes Rieſengebäck erin⸗ nert an den Kuchen, welchen König Auguſt II. im Jahre 1721 für die hohen Gäſte backen ließ, die dem großartigen Manöver bei Dresden bei⸗ wohnten. Der Wagen, auf welchem der Kuchen in ein beſonders dazu hergerichtetes großes Zelt im Hauptlager gebracht wurde, hatte über 10 El⸗ len in der Breite und wurde von 8 Pferden ge⸗ zogen. Die Länge des Kuchens betrug 14 Ellen, die Breite 6 Ellen, die Dicke in der Mitte eine halbe Elle. Man hatte dazu gebraucht 18 Scheffel Mehl, 82 Schock Eier, 3 Tonnen Milch, 1 Tonne Hefen und 1 Tonne Butter. Um den Rand des Kuchens lag eine große Menge Pretzen, Sem⸗ meln und Zwieback.

Der Ofen und die Maſchine, den Teig in denſelben zu rollen, war mit großen Koſten blos für dieſen Zweck gebaut worden.

Der Kuchen wurde von einem Zimmer manne angeſchnitten. Dieſer machte zuerſt mit einem drei Ellen langen krummen Meſſer, deſſen krummes Heft er an die Schultern anlegen mußte, ein Loch, trat hernach hinein, und unter⸗ nahm die große Arbeit des Zertheilens. Die Austheilung geſchah erſt au hohe Perſonen, die darum anſuchten.

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