Heft 
(1858) 10 10
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ſellen,

Was übrig blieb, gab man den Trompetern, Paukern und Waldhorniſten preis, und als ſich deshalb die Wache zurückzog, ſo läßt ſich, wie das Buch, dem wir dieſen Bericht entnehmen, hinzu⸗ ſetzt,gar leicht erachten, was es für eine luſtige Trenchirung müſſe gegeben haben.

Ein Seitenſtück zu dieſem Kuchen iſt die berühmte Königsberger Bratwurſt, über welche in Lilienthal's Erläutertem Preußen Nachſtehendes zu leſen.

Anno 1601 den 1. Januar haben die Flei⸗ ſcher allhier zu Königsberg eine Wurſt 1005 El⸗ len lang durch die Städte Königsberg nach dem Schloß getragen und Ihro fürſtl. Gnaden davon 130 Ellen verehrt. Sie ſind mit Trommeln und Pfeifen aufgezogen, voran ein Führer mit einem Spieße, wohlausgeputzt mit Federn und Binden, mit fliegender weißgrüner Fahne. Dieſen ſind gefolget 103 Fleiſchhauerknechte, haben die Wurſt getragen. Auf beiden Seiten ſind gegangen, welche die Wurſt in Acht nahmen, daß ſie nicht Scha⸗ den litte. In der Altſtadt ſind ſie von den Bäckern empfangen worden, welchen ſie anch viel Ellen von ſelbiger Wurſt geſchenket und von den Bä⸗ ckern nachmals zu Gaſte behalten worden, auch bis in die Nacht zuſammen luſtig geweſen.

Auf Begehren fürſtl. Durchlaucht iſt von den Fleiſchhauern, was die lange Wurſt gekoſtet und darauf gegangen, Alles auß's fleißigſte überſchla gen und zum Bericht aufgeſetzet worden.

Die Wurſt hat gewogen 885 Pfund. Dazu iſt kein ander Fleiſch gekommen: als 81 lautere Schweineſchinken, die Därme von 45 Schweinen, item anderthalb Tonnen Salz, item anderthalb Tonnen Bier, item 18 q⅓ Pfund Pfeffer. Item haben daran gearbeitet 3 Meiſter und 87 Ge⸗ haben dabei ausgetrunken 2 Faß und 1 Tonne Bier; aber die ganze Zeche über iſt aufgegangen ungefähr 40 Faß Bier. Den erſten Tag daran gearbeitet von 6 Uhr des Morgens an bis auf den Abend um 7; des andern Tages von 8 bis um 1. Der Kränze, womit ſie ge ſchmückt war, ſind geweſen 109. Macht Alles in Summa 412 Thaler 16 gr. 3 pf.

Humoriſtiſches.

Der Bauer und ſein Gänſejunge. Bauer: Junge, wos weinſt denn? Junge: Nu lachen ward'ch doch ne! Bauer: Gewiß hout der Fuchs eine Gons ge⸗ ſtouln? Nu brengn werd er mer ſe ne. Biſt'n denn ne nochgeloufen? Nu vorauslonfen konn ich ne. Lief er denn übern Barg? Nu durchn Barg freilch ne. Ich ward der de Gons an Luhne ob⸗

Junge: Bauer: Junge: Bauer: Junge: Bauer:

5 ziehn!. Junge: Nu zulehn wardt er mer ſe freilch ne. Bauer: Karle, mußte denn immer's letzte

Wort hon?

Nu's erſte loßt er mer ju ne.. Wort, Karle, durchdraſchen ward ich dich. Nu ſtiehn bleiben ward'ch ouch ne!

Junge: Bauer: Junge:

Ein Komponiſt erhielt unlängſt den Auf⸗ trag, eine Fuge zu komponiren. Man mälelte an dem Honorar und machte ihm ein Angebot weit unter der Forderung. Der Künſtler ärgerte ſich, komponirte aber die Fuge doch und verwen⸗ dete hierzu nur folgende Noten:

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b, a, g, a, g, e, 1 welcher muſikaliſche Rebus unſchwer als Baage

exekutirte die Fuge vor mehreren Kennern, die außerordentlich begeiſtert waren, ohne zu ahnen, daß ſich der Künſtler füglich mit gutem Fuge gerächt hatte.

In den Wohnungen der vornehmen Hindu's befindet ſich ein Zimmer, welches Krod⸗ hagara oder Schmollzimmer genannt wird. In dieſes Zimmer zieht ſich dasjenige Familienglied zurück, das mißgelaunt oder ärgerlich iſt und wartet in der Einſamkeit, bis es verſpürt, daß der Zorn verraucht und die gute Laune wieder eingekehrt iſt. In Deutſchland iſt das anders; da geht der Mann, wenn er ſich zu Hauſe ge⸗ ärgert hat,zu Biere.

Merkwürdige Erſcheinung. Profeſſor: Sehen Sie, meine Herren, es iſt eine ganz merkwürdige Erſcheinung, daß die Giftmi ſcherinen des Alterthums größten theils Weiber waren!

Ein engliſcher Publieiſt gibt folgende amerikaniſche Definition über einige wichtige Be⸗ griffe im Sinne der jenſeits des Occans jetzt gebräuchlichen Anſchauungen. Das Leben: die zum Gelderwerb beſtimmte Zeit. Das Geld: der Zweck des Lebens. Der Mannn eine Geld⸗ Erwerbmaſchine. Die Frau: eine Geld⸗Aus gabemaſchine. Kinder: Zukunftsſaat der einen oder der andern Gattung.

Der ehrliche Diener. Bei Baron X war große Tafel. Die Konverſation drehte ſich um die Unredlichkeit der Bedienten, wobei die Frau vom Hauſe ſich laut rühmte, an Johann ein ſeltenes und erprobtes Exemplar der Treue zu haben. Wie der Wolf in der Fabel, trat dieſer ſoeben mit einer Schüſſel zerlegter Faſanen zur Thüre herein. Da ſteht die Baronin auf, um ſelbſt irgend Etwas aus einem Schranke zu nehmen, und verlangt deßhalb von Johann den Schlüſſel, den derſelbe in Verwahrung hatte. Dieſer, der eben einem der Gäſte die Schüſſel präſentirt, greift mit der andern Hand ſchnell in die Roch⸗ taſche, überreicht der hinter ihm ſtehenden Baro nin ein Viertel Faſan, das ſoeben von der Schüſſel in ſeine Taſche gewandert war, und be merkt erſt dann ſeinen Irrthum, als ſchon ein ſchallendes Gelächter der anweſenden Gäſte ſeine eben geprieſene Ehrlichkeit lohnte.

In ein Schloß im weſtlichen Böhmen kam eines Tages ein mit Spiegeln und Glas han delnder Hauſierer aus der Neumärker Gegend, und ließ mit lauter Stimme ſeinen Ruf ertönen: Spirglo, ſchöne Spirglo kaafts,

Kaaft's ſehr ſchüne Spirglo!

Da trat die lebhafte, kleine Nichte des dor tigen Amtmannes an den Hauſirer heran und fragte ihn neugierig:Wie heißts? Hons haß ih döß braucht's aber nit z'wißen! Und damit wandte ſich der Gefragte grollend ab, und ging unter Brummen zum Thore hinaus.

N Der Wirth bei den drei Kronen zu L. in Oberöſterreich war ein gar gemüthlicher, dicker Siebziger, mit vollen, rothen Wangen und freund⸗ lich blitzenden Aeuglein. Wenn ihn ſeine Haus⸗ freunde des Vormittags beſuchten, fanden ſie ihn dann regelmäßig in ſeinem weichen Großvater⸗ ſtuhle am Fenſtertiſchchen bei einem Kreuwürſtel und einem Gläschen guten alten Weines, den er beſonders verehrte. Auf Befragen um ſein Ve finden gab er jedesmal mit behaglichem Kopf⸗ nicken zur Antwort:Danke ſchön, danke meine

zu entziffern iſt. Ein renommirter Orgelſpieler

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braucht auch ſo ein alter Mann noch mehr auf der Welt? A Würſterl, a Glaſerl Wein, und dann a g'ſundes Schlagerl, mehr verlang' ich mir nit! Und ſo geſchah es auch, wie ſichs der alte Lebemann wünſchte. Eines ſchönen Vormittags ſaß er wieder mit auf dem Bäuchlein gefalteten Händen im weichen Großvaterſtuhle, vor ihm auf dem Tiſche lag noch ein halbesWürſterl und imGlaſerl ein kleines Reſtchen Wein. Auch dasSchlagerl war dabei, denn der gute Alte war ohne Schmerzeu ſelig im Herrn ent⸗

ſchlafen. 4

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Buchſchau.

Balladen und Romanzen von R. Hirſch. 2 Theile. Dritte Auflage. Wien, Verlag von E. Hügel, 1858.

Dieſe dritte Auflage derRomanzen und Balladen zeichnet ſich vor den früheren durch ſorgfältige Sichtung und größeren Reichthum des Inhaltes aus. Wurde ſchon die erſte Auflage bei⸗ fällig von der Kritik begrüßt dieBlätter für literariſche Unterhaltung prognoſticirten, der Dichter werde ſich zu einer literariſchen Notabi⸗ lität emporarbeiten, und Wolfgang Menzel lobte den Rhythmus der Sprache, die Phantaſie, das Gefühl des Dichters: ſo verdient die Samm⸗ lung, wie ſie uns jetzt vorliegt, die freundlichſte Anerkennung.

In der WidmungAn A. Böttger charak teriſirt der Dichter den Inhalt ſeines Werlchens mit folgenden Worten:

s iſt manches drin von unſern guten Alten, Wie ſie beſtanden ſchweres Kampfgedränge,

Und doch in Treu und Glauben feſtgehalten; Dann wechſelt mit der Schlachten Feſtgepränge, Du ſiehſt mitunter ſchnurrige Geſtalten;

Auch ſind mit Anſtand Scherze lang nicht Zoten, Und mag ich ſelbſt kein Bravo der Zeloten!

Von den vier Gruppen, in welche die Ge⸗ dichte gebracht ſind:Sage und Geſchichte, Geurebilder,Heitere Scenen,Phantaſie ſtücken ſpricht namentlich die erſte an, in wel⸗ cherMahmud,Der Schiffsball von Genua, Rabbiniſche Legende,Der Organiſt von Cöln als vorzüglich durch Ton und Empfindung her⸗ vorzuheben ſind.

Still und Bewegt. Neuere Gedichte von Ludwig Foglar. Prag. Carl Bellmann's Verlag. 1859.

Ein gewiegter, mäunlicher Sinn ſpricht aus L. Foglar's Dichtungen. Ohne einerſeits mit Gefühlen zu tändeln, weiß der Dichter die zar teſten Saiten anzuſchlagen und den leiſen Regun⸗ gen des Gemüthes ſinnigen Ausdruck zu geben, und ohne andererſeits in bittere Verſtimmung zu gerathen, den Mißſtänden der Zeit entweder in humoriſtiſcher Weiſe den Zerrſpiegel der Satyre entgegenzuhalten, oder ernſt und mit Nachdruck dem Beſſeren das Wort zu reden.

Semmering und Reichenau. Führer für einen oder zwei Tage, von W. A. Julius. Wien, Wallishauſſer'ſche Buchhandlung, 1858.

Es iſt ein nettes Büchlein, das ſich ebenſon durch ſeinen gedrängten überſichtlich geordneten Inhalt, wie durch ſeine Ausſtattung empfiehlt, die nichts zu wünſchen übrig läßt. Namentlich iſt das Panorama der Semmeringbahn in Far⸗ bendruck hervorzuheben.

Herren, der Nachfrage! Ich bin's zufrieden. Was