Heft 
(1858) 10 10
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mögen ſie immerhin nicht ſo ſchwierig erſchei⸗ nen, aber wie viele andere minder gewandte Segler gibt es, die nur unter fortwährendem Grauen über Berg und Thal, Meere und Wü⸗ ſten dahinſchweben müſſen!

Wie ſo perſchieden ſind die Empfin⸗ dungen der Vögel bei ihrem Ausflug im Frühling und bei dem Abgang im Herbſte. Jener lachte ſie mit hundert freudigen Hoffnungen an, kamen ſie ja doch, um den Triumph der Liebe zu feiern, ſich einen häus⸗ lichen Herd zu gründen. Dieſer hingegen ſieht ihrem Scheiden kalt und ruhig zu; auch ihre Herzen haben an Gluth abgenommen. Das Weibchen hat das Ihre treulichſt gethan, ſie hat geboren, gebaut und erzogen; das Männ⸗ chen iſt ſeinen Sängerpflichten im reichlichſten Maße nachgekommen.

Wie ſie nun ſo friedlich und ſelbſtzufrieden heimziehen, begleitet von den Ihrigen, denkt ſich Jeder im Stillen für ſich:Nun, auf zehn Tauſend, oder auch hundert Tauſend, werden unſere Mörder doch wohl nur höchſtens Zehn ereilen..... und zweifelsohne werde ich un⸗ ter dieſen nicht ſein! Doch jene, die in ſo großen Maſſen ziehen, können immerhin noch vom Glücke reden. Was ſoll aber der einſame Wanderer beginnen? Was gedenkeſt du z. B., arme Nachtigall zu thun? O bleib' bei uns, oder flattere höchſtens nur in eine wärmere Gegend unſeres Erdtheils hinter den glü⸗ henden Felſen Südfrankreichs wirſt du gewiß einen zweiten Orient finden, wirſt dir dieſes Land dazu ſchaffen.

Nein, nein, höre ich ſie erwiedern,An⸗ dere mögen bleiben; ſollen ſich einen Orient machen, wie ſie wollen. Mich aber ruft die Wiege meines Geſchlechtes: mir iſt es Bedürf⸗ niß, jenen blendenden Himmel wiederzuſehen, jene glänzenden, geſchmückten Ruinen zu be⸗ ſuchen, wo meine Ahnen ſangen; ich muß meine erſte Liebe, die Roſe Aſiens begrüßen, mich baden in der belebenden Sonne... Da ſchlummert das Geheimniß meines Lebens; da lodert die fruchtbare Flamme, die meinen Ge⸗ ſang wiedergebiert; meine Stimme, meine Muſe iſt das Licht.

So geht ſie dahin; aber nicht ohne Herz⸗ klopfen wird ſie die Alpen überfliegen, wo ihr der Tod aus tauſend Schlünden entgegen⸗ gähnt.

Die geflügelten Jäger verſtehen ſich gar gut auf den Fang ihrer ſchwächeren Brüder. Ueberhaupt ſchlägt zur Wanderzeit den meiſten Vögeln das Sterbeſtündlein. Iſt's nicht die Ermattung, der Hunger oder ſonſt eine zerſtö⸗ rende Gewalt, die ihrem Leben ein Ende macht, ſo ſorgen ſchon die zahlreich lauernden Räuber mit unbezähmbarer Gier dafür, ihre Anzahl um ein Bedeutendes zu verringern.

Iſt das Opfer noch jung, ſo wird ſein Hinſcheiden ebenſo von den Seinen betrauert werden, wie bei uns Menſchen. Mit tauſend goldenen Erwartungen zog er hinaus in die weite Welt, ſchon ſchien das Schickſal ihm hold

da greift ihn der Tod mit rauher Hand, ſei es nun in Geſtalt einer mächtigen Klaue und eines ſpitzen Schnabels, ſei's durch ein raſendes Element oder eine tückiſche, wohlge⸗ zielte Kugel, ſchwere, ſchmerzensreiche Gefan⸗ genſchaft und Krankheit. Auch ihm ruft das unerbittliche Geſchick entgegen:

Fort mußt du, deine Uhr iſt abgelaufen!

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Dr. R. Hirſch. (Nach J. Weil's biographiſch⸗kritiſcher Skizze.)

Rudolph Johann Hirſch wurde am 1. Februar 1816 zu Napagedl in der Hanna geboren. Der Vater Rudolphs war Auſtiz⸗ amtmann und Oekonomieleiter. Vater wie Mutter frommoe, ſchlichte Leute, im kleinen wie im großen Kreiſe allgemein geachtet.

Die Hanna und ſomit auch Napagedl iſt ſlaviſch. Der Knabe Rudolph wuchs empor und ſprach noch mit ſechs Jahren kein Wort deutſch. Ein kleines Klavier führte ihn unbe⸗ wußt an die Taſten, worauf der kleine, derbe Junge wacker herumſchlug. Rudolph zeigte eine auffallende Neigung zur Muſik, daher denn bald der würdige Schulmeiſter des Ortes berufen wurde, um den Sohn des Herrn Juſtizamtmanns zu unterweiſen.

Der alte Mann war ein ſattel⸗, hieb⸗ und taktfeſter Muſiker, und bald zeigte es ſich, was es heißt, guten Grund legen. Mit ſieben Jahren galt der Knabe als Wunderkind in Napagedl und der Umgegend, und hatte die Ehre, vor dem Erzbiſchofe von Olmütz zu Krem⸗ ſier ſich unter vielem Beifalle zu produciren.

Mit acht Jahren wurde Rudolph nach Ol⸗ mütz geſandt, um dort die Schule zu beſuchen. Freilich ging es anfangs, der argen Verſäum⸗ niſſe in der deutſchen Sprache wegen, mit den vorgeſchriebenen Studien langſam vorwärts; das Verſäumte wurde indeß redlich nachgeholt und der Knabe konnte in's Gymnaſium eintre⸗ ten. Mittlerweile war ſein Vater nach Brünn überſiedelt, wo er die Adminiſtration bedeu⸗ tender Herrſchaften übernahm. Nun ſetzte Hirſch ſeine Studien in Brünn fort und ab⸗ ſolvirte daſelbſt das Gymnaſium und die phi⸗ loſophiſchen Jahrgänge. Dabei wurde die Muſik fleißig gepflegt.

Als Hirſch zum Antritte der Univerfitäts⸗ ſtudien nach Wien ging, nahm er im Hauſe des bekannten Schriftſtellers Ebersberg, Redak⸗ teurs desZuſchauer, Koſt und Wohnung. Schon in Brünn hatte der Studioſus durch ein TrauerſpielCatilina ein Ferienpenſum! oon ſeinem Profeſſor die Vorzugsklaſſe er⸗ halten, ſchon dort hatte ſich ſeine Mappe mit kleinen lyriſchen Gedichten gefüllt: nun ver⸗ ſchaffte ihm Ebersberg das für einen jungen Poeten unſägliche Vergnügen, ſich zum erſten

Male gedruckt zu ſehen. Das erſte Gedicht von R. Hirſch erſchien in denFeierſtunden.

Es blieb leider nicht bei den unſchuldigen Verſen; der Juriſt im erſten Jahrgange ging unter die Recenſenten, und zog ſich bei ſei⸗ ner jugendlichen Unreife durch allerlei Klopf⸗ fechtereien und Korreſpondenzen faſt den Ruf eines literariſchen Krakehlers zu.

Nach abſolvirten juridiſch-politiſchen Stu⸗ dien kehrte Hirſch in's Elternhaus zurück und prakticirte beim Stadtmagiſtrat in Brünn. Doch litt es den jungen Literaten nicht lange bei der trockenen Juſtiz, es trieb ihn in'sAus⸗ land, wo er im Klein⸗Paris der Buchhändler, in Leipzig, das Eldorado für Kunſt und Poeſie zu finden hoffte. Der Zufall führte ihn in das Bankhaus Harkort. Hier in dieſem äſthetiſchen Brennpunkte Leipzigs lernte er alles kennen, was die Stadt an Notabilitäten entweder dau⸗ ernd oder vorübergehend beſaß. Wir nennen hier nur Mendelsſohn und Schumann. Schon nach achtwöchentlichem Aufenthalte in Leipzig übernahm Hirſch die Redaktion der ZeitſchriftKomet, die unter Herloßſohn die Stadien der Blüthe und des Verfalls durch⸗ laufen hatte. Unter der neuen Leitung hob ſie ſich raſch wieder, daß ſie zu den beſtredigirten Blättern gerechnet wurde. In Leipzig erſchien gleichzeitig ein TheilBalladen und das Buch der Sonette, welche neue Dichtungen vielen Beifall und ſelbſt Ludwig Uhlands freundliche Würdigung fanden. Noch iſt hier dasAlbum für Geſang, eine Sammlung deutſcher Originalgeſänge und dasBureau de Musique von Hirſch als Beweis zu er⸗ wähnen, daß die Poeſie unſern Dichter ihrer Schweſter der Muſik nicht ganz abtrünnig ge⸗ macht hatte.

Wegen ſeiner äſthetiſchen Leiſtungen ſandte ihm die Univerſität Jena das Diplom eines Doktors der Philoſophie.

In Leipzig trat ein anderer Wendepunkt ſeines Lebens ein. Er lernte Klava, die Tochter des königlichen Bauraths Schulze än Halle, kennen und lieben, was die Veranlaſſung war, daß ſich der Dichter nach einer feſteren Lebens⸗ ſtellung umſah. Franz Graf von Stadion, damals Gouverneur in Trieſt, ließ Hinſch zur probeweiſen Praxis zu(1843). Nach Jahr und Tag war das Staatsexamen glänzend ab 1 gelegt und kurze Zeit darauf fand die Vermä⸗ lung zu Halle ſtatt.

1849 zum Generalkoncipiſten, 1850 zum k. k. Bezirkskommiſſär ernannt, wurde Hirſch im Jahre 1852 von Sr. Majeſtät dem Kaiſer der damals kreirten oberſten Polizeibehörde zu⸗ getheilt und zum k. k. Hofkonzipiſten befördert. Gleichzeitig wurde ihm die Gründung und Lei⸗ tung der Amtsbibliothek übertragen. In dieſer Stellung befindet ſich Dr. Hirſch auch noch dermal.

Seit dem Jahre 1842 bis 1848 hatte ſich Hirſch jeder literariſchen Publikation enthal⸗ ten; erſt das Jahr 1848 weckte von neuem ſei⸗ nen poetiſchen Drang. Begeiſtert von dem Feld⸗