Heft 
(1858) 10 10
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die hohe Bergwand hinanklomm, bis ſie ihn aus den Augen verloren.

Der Alp. Der Alp, von den Graubünd⸗ nern gewöhnlichs Toggeli genannt, wird als ein häßliches Geſchöpf mit großem Kopf, häßlichem Menſchengeſicht, ohne Arme und Beine, geſchildert. Es ſetze ſich des Nachts dem Menſchen auf die Bruſt und verurſache die be kannte Angſt und Beklommenheit. Auch Haus⸗ thiere, beſonders Hühner quäle es, und dies Al⸗ les nicht aus Bosheit, ſondern es falle aus ei⸗ ner Unbehilflichkeit ſo über einen her.

Sagen von der Peſt. Zur Peſtzeit lebten im Dorfe Fanas zwei Brüder. Dieſe gruben ein Loch in die Wand ihrer Stube und ſperrten da ihr Antheil Peſt ein, ſchlugen dann einen hölzernen Nagel drüber und gingen ins Ausland, bis die Peſt vorüber und Alles wieder ruhig geworden war. Als ſie nach Langem heim⸗ gekommen waren, zogen ſie aus Muthwillen den Nagel aus der Wand; da kam die ein⸗ geſperrte Peſt heraus und tödtete ſie auf der Stelle.

Ebenfalls zur Peſtzeit gingen zwei geſpen⸗ ſtiſche kleine Weſen beim Felſenbach hinein ins Prätigau. Das eine trug eine Schaufel, das andere einen Beſen. Als ſie zur ſchmalen Fel⸗ ſenpforte ins Thal hinein ſchauten, ſagte das eine:Geh' Du rechts der Landquart und ſchauf le die Leute herab; ich gehe links der Landquart und wiſche die Leute herunter. Sie thaten es und damit begann die Peſt.

Die Schenenner⸗Jungfrau bei Je⸗ naz. Es ſteht ein Häuschen auf der Fideriſer⸗ Au bei Jenaz. In demſelben wohnte vor Jahr⸗ hunderten ein reicher hartherziger Mann. Der wurde einſt, indeß er ſeine kleine Tochter in der Wiege ſchaukelte, von einem alten Bettler um ein Almoſen angeſprochen. Der harte Mann wies ihn mit rauhen Worten ab; da ſagte der Arme:Willſt du mir nichts geben, ſo geb' ich's dir und waff eine Nuß in des Kindes Wiege; dann fuhr er fort:Setze die neben den großen Stein du ſteinerner Narr; dann wächſt ein Baum ind aus dem Baum ein Zweig und aus dem Zneig eine Wiege und aus der Wiege ein Kind; das wird deine Tochter erlö⸗ ſen, die bis dahin deine Schätze hüten muß. Die Tochter des Rechen wuchs heran, bleich wie ein Schatten und mußte Jahrhunderte hindurch des Vaters Schätz hüten. Sie erſchien erſchrok⸗ kenen Reiſenden z geilen zur Nachtzeit, bleich, in weißem Kleid ind mit ſchwarzem aufgelöſtem Haar und flehte ſieum Erlöſung an, weil das Zweiglein auf dem Baum gar ſo langſam wuchs. Sie wurde im Lauf der Jahre bei ihren Er⸗ ſcheinungen immer ſtummer und ward endlich nicht mehr geſehen

Die drei Shweſtern. Auf den Fide⸗ riſer Heubergen ſtad ein kleines Häuschen, in welchem drei Schzeſtern wohnten. Eine von

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ihnen war ſchneeweiß, ſchön und gut, die an⸗ ſoll der Kirchenpatron St. Johann de Stuſa⸗ dere eine böſe, ſchwarze Hexe, die dritte halb via bei Sonnenaufgang über dem Kirchendach weiß und halb ſchwarz, halb gut und halb bös. emporſteigen, und zwar in ſilbernem Kleide. Wenn die Hexe den Leuten im Thal Unheil an⸗ Aber nur Kinder, in einer gewiſſen heiligen richten wollte und die Gute es durch Rath und Sonntagsſtunde geboren, ſehen ihn, alle Andern Warnung verhinderte und darüber die Hexe in halten ihn für eine bloße Nebelwolke. Dann Wuth gerieth, indeß die Gute weinte; dann trat beuge ſich der Heilige zum Tobel nieder, ſchöpfe die Mittlere vermittelnd zwiſchen ſie, ſo daß die aus dem Bache eine Handvoll Waſſer und be⸗ Hälfte des Unheils zugelaſſen und die andere freie diejenige arme Seele, die es am meiſte Hälfte abgewendet wurde. Einſt machten die verdiene. Hierauf löſe ſich ſeine Geſtalt in der Fideriſer Burſchen und Mädchen eine Bergpar⸗ Morgenſonne auf. tie und wurden in der Nähe des Häuschens der drei Schweſtern vom Regen überfallen. Die Burgſage. Oberhalb der Savier Thal⸗ Gute erbarmte ſich der jungen Geſellſchaft und kirche ſollen die Ruinen einer Burg, Namens lud die Durchnäßten in die Stube. Sie wollte Roſenburg geſtanden haben. Ein hier wohnen⸗ ihnen Küchlein backen, aber die Hexe ſtieß ſie der Burgherr hatte eine Tochker; die einen aus der Küche und buk der Geſellſchaft ſelber jungen Rinderhirten ihres Vaters liebte. Der Küchlein, die von außen ſchön goldgelb wurden, Jüngling wagte ſeine Liebe auf keine andere inwendig aber giftig waren. Das verdroß die Weiſe kundzugeben, als dadurch, daß er tag⸗ Gute und ſie weinte. Die Mittlere kam dazu, über auf dem weſtlichen Berge oberhalb des buk aus grobem Hausmehl grobe braune Küch⸗ Schloſſes auf ſeinem Alphorn Melodien blies, lein und ſagte zur Guten:Wir ſtellen beide, von denen er wußte, ſie würden vom Fräulein die goldgelben und die braunen, den Gäſten vor. gehört werden; Abends, wenn er die Herde Die Eigennützigen werden die ſchönen giftigen heimtrieb, legte er einen Alpenroſenſtrauß auf den eſſen und ſterben; die Beſcheidenen hingegen die niedern Erker, wo er ſie tagüber ſeinem Al⸗ braunen und ihnen wird nichts geſchehen; ſo penhorne lauſchend hatte ſtehen ſehen. Oft wurde geht es halb und halb, wie immer. Die Hälfte das Fräulein von ihrem Vater auf ſeine andern der Geſellſchaft, die von den goldgelben, Schlöſſer im Lande geführt, aber ſie ſehnte ſich ſtarb; die beſſere Hälfte kehrte von der Guten aus den Kreiſen der Ritter und Edelfräulein, reich beſchenkt nach Hauſe. die ſie wegen ihrer Schönheit bewunderten, im⸗ mer wieder in das Thal des Hirten zurück und Sonntagsentheiligung. Ein ver⸗ nannte die Burg des Thales ihre Roſen⸗ moderndes Heutuch hing lange Zeit am Fur⸗ burg, ohne daß der Vater wußte, was die⸗ nerberge über einer Felswand, wo kaum ein ſer Name bedeute. Aber eines Abends, als Menſcheufuß hinkommien konnte. Es ſoll einem eben der Hirt den Strauß auf den Erker Furner, der im nahen Walde an einem Sonn⸗ legte, ſchaute der Burgherr durch eine Mauer⸗ tag Streu ſammelte, vom Winde entriſſen und öffnung des Thurmes ihm zu. Die Blicke der in der Felſenritze aufgehängt worden ſein zur jungen Leute verriethen ihm ihr Geheim⸗ Mahnung, daß er nicht mehr den Sonntag niß, Nachts darauf hörten die Dienſtleute Ket⸗ entweihe. tengeklirr, einen dröhnenden Fall in den Kel⸗ lerräumen der Burg und droben in den Zim⸗ Geſtrafte Spottſucht. LuzeinerKna⸗ mern das laute Weinen und Wehklagen des ben(Jünglinge) und Mädchen machten eine Fräuleins. Denn nächſten Morgen trieb ein Schlittenfahrt. Da ſagte einer von den Knaben: anderer Hirte bergauf. Das Fräulein ritt tief In Gottes Namen wollen wir fahren. Wegen verſchleiert mit dem ſtrengen Vater thalab. Bei dieſes frommen Wortes wurde er von der gan⸗ der Rüfi kam ihm ein Bär entgegen, welcher die zen Geſellſchaft, am meiſten aber von ſeiner Ge⸗ Pferde in den Abgrund jagte. Der Ritter ret⸗ liebten, einem leichtſinnigen Mädchen, verſpot⸗ tete ſich; das Fräulein war verſchwunden. Ei⸗ tet. An einem ſteilen Abhange verunglückten nige Jahre ſpäter ſtarb im Kloſter zu Razis ſämmtliche Schlittenfahrer; nur jener Jüng⸗ eine Nonne, die ſterbend bekannte, ſie ſei das ling rettete ſich. Er wollte auch ſeine Geliebte Fräulein von der Roſenburg geweſen; habe feſthalten; konnte ſie aber nur mehr bei den hier vor ihrem Vater eine Zuflucht geſucht, Zöpfen faſſen und an ſich ziehen; ihm blieb des von deſſen Grauſamkeit ſie in einer ſchreckli⸗ Mädchens Haar in der Hand, ſie ſelbſt aber chen Nacht Zeuge geweſen ſei. Der alte Rit⸗ ſtürzte mit dem Schlitten in die Tiefe. ter beſuchte die Burg nie wieder. Die Dienſt⸗ leute nannten ſie zum Andenken an das ſchöne St. Johann von Stuſavia. Die Fräulein fortwährend Roſenburg. Kirche amPlatz in Savien, zur Zeit ihrer Erbauung 1510 St. Johann de Stuſavia Am Rande eines großen Waldes ſtand eine genannt, liegt am Canunſertobel, welches der Bauernhütte, jenſeits des Waldes lag ein Geiſteraufenthalt der Savier ſein ſoll,(faſt je- Wirthshaus, in welchem oft Tanz und Spiel des Thal hat ſeine Schlucht, die es mit den war. Eine Mutter lag krank in der Bauern⸗ Geiſtern Verſtorbener bevölkerte), gus deſſen hütte. Ihre zwei hübſchen Töchter wären gerne Tiefen im Regen⸗ und Sturmnächken die ar⸗ in's Wirthshaus zum Tanze gegangen. Die men Seelen ihre Klagen emporſenden. Alsdann Mutter weinte und bat ſie, ſie möchten bei ihr 39*

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