Heft 
(1858) 10 10
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d ſen Lieder und Proſa Sie ſicherlich oft genug bewundert haben, als daß Sie ſich nicht gleich mir darüber freuen ſollten, ſeine perſönliche Be⸗ kanntſchaft zu machen.

Schade um Sie, lieber Aſſeſſor, ſagte Herr Marbach, ihm die Hand drückend, nach⸗ dem er ſich zuerſt vor der Geſellſchaft verneigt hatte, die, um ihm ihre Achtung zu erweiſen, wie ein Mann von ihren Sitzen aufgeſtanden war, ſelbſt Herrn Brand nicht ausgenommen. Schade um Sie, Sie hätten Theaterrezenſent werden ſollen; Dichter und Schauſpieler hätten es Ihnen Dank gewußt.

Nur keine falſche Beſcheidenheit, Herr Marbach, eiferte der Aſſeſſor;ich kenne Sie, und wir Alle hier. Jetzt ſetzen Sie ſich unter uns und ich wette, wir werden es mit Vergnü⸗ gen erkennen, daß Sie in unſerer Nähe ſind, ſelbſt Herr Brand, der, wie ich zu meinem Leidweſen erfahren, ein Feind aller Poeſie iſt, und den ich Ihretwegen, lieber Herr Mar⸗ bach, vor Kurzem faſt beleidigt habe. Sie verzeihen mir jedoch meine Bitterkeit von vor⸗ hin, Herr Brand, nicht wahr? Man iſt zuweilen ein Narr, wenn man ein Freund iſt.

Er reichte bei dieſen Worten dem Banquier die Hand, der ſie ſchmunzelnd drückte und ſei⸗ nen Seſſel näher zu dem berühmten Gaſte ſchob.

Wenn es dem Fremden in den meiſten Fällen ſchwer wird, ein Geſpräch anzuknüpfen, an welchem Alle gleichmäßig theilnehmen kön⸗ nen, beſonders, wenn die Geſellſchaft aus mehr denn drei Gliedern beſteht, ſo erwies ſich Herr Marbach hierin als ein vollkommener Mei⸗ ſter. Ein Blick genügte ihm, die Intentionen eines Jeden zu erkennen und ſeine Bemerkun⸗ gen darnach einzurichten. Die wahre Kunſt zu unterhalten beſteht nicht darin, daß man ſelbſt viel Worte macht und ſeinen eigenen Witz darin ſchillern läßt. Ein Jeder hört am liebſten ſich ſelber reden und derjenige iſt der beſte Geſell⸗ ſchafter, welcher gleichſam über dem Geſpräche ſteht und die Fäden desſelben bald hierhin, bald dorthin zu werfen weiß, wo er eben den ſtärkſten Anklang zu finden denkt. Selbſt der ſtumme Gelehrte wurde in Geſellſchaft Herrn Marbachs beredt und alle Anweſenden beug⸗ ten ſich unwillkürlich vor der Tiefe ſeines Wiſ⸗ ſens, das er, durch Herrn Marbachs Fragen angeregt, gerne enthüllte. Nach und nach ſchickte ſich der gelehrte Herr ſelbſt in den leichteren Konverſationston, der den Geſellſchaften einen ſo gemüthlichen Anſtrich gibt und ſo kam, ehe man es merkte, der Abend. Man war noch nie ſo lange beiſammen geblieben und man ſchied unter den verbindlichſten Verſicherungen für den kommenden Tag, der ſo angenehm begin⸗ nen ſollte, wie der heutige geendet hatte.

Und Herr Marbach ging er auch ſo befriedigt aus dem Saal, in den er als Fremd⸗ ling eingedrungen, welchen er als guter Be⸗ kannter verließ? Wir wollen ſein Selbſtge⸗ ſpräch belauſchen, welches er, auf ſeinem Zim⸗ mer angekommen, im Geiſte hielt.

Schon wieder einen Abend todtgeſchlagen. Immer das alte Einerlei in neuer Auflage. Ich ſehe ſchon, man kann der Stadt auch auf dem Lande nicht entfliehen. Was thun? Mich allein langwellen? O, du gute luſtige Perſon in Goethe'sVorſpiel auf dem Thea⸗ ter, ich bin ſchon einmal, wie du, beſtimmt, der Mitwelt Spaß zu machen und alſo muthig an dem Seil des Oknus gedreht, wenn auch hintendrein ein Eſel daran kaut. Ich bin doch für die Einſamkeit nicht geboren.

Er nahm denFauſt aus ſeinem Reiſe⸗ koffer, blätterte darin und warf ſich, nachdem er einige Seiten geleſen hatte, auf ſein Lager.

Der anbrechende Tag weckte ihn. Er ging ans Fenſter, die Morgenröthe blickte ihm ent⸗ gegen.

Ich hab' dich ſchon lange nicht aufgehen ſehen, du liebe Jugendfreundin, ſprach er halb laut;laß mich auf dem Lande wenigſtens meine Freude an dir haben.

Raſch kleidete er ſich an und ging hinaus. Er durchſchritt die engliſchen Parkanlagen und fand ſich bald auf einer mäßigen Erhöhung, welche von Buchen beſchattet und mit einigen Gartenſtühlen aus Birkenzweigen verſehen war. Hinter einer der Buchen ſaß der ſtumme Ge⸗ lehrte.

Sie haben meine Eitelkeit um einen ſü⸗ ßen Triumph gebracht, Herr von Winter, ſprach Marbach, nachdem ſie ſich wechſelſeitig begrüßt hatten.

Der Gelehrte, welcher den geſelligen Ton über Nacht wieder verloren hatte, blickte Herrn Marbach verlegen und fragend in's Geſicht.

Ich wollte der erſte unter den Gäſten die⸗ ſes Hauſes ſein, der dem jungen Morgen ſein Hallelujah bringt; Sie ſind mir zuvor⸗ gekommen!

Der Gelehrte lächelte.Hätte ich das ge⸗ wußt ſprach er.

Es iſt ſo beſſer, fiel ihm Marbach in die Rede.Ich bin ein Feind der Einſamkeit und was ich genieße, laſſe ich Andere gerne mitgenießen. Wenn Sie es nicht vorziehen, mit Ihren Betrachtungen hier allein zu ſein, ſo erlauben Sie mir auf dem bethauten Sitze neben Ihnen Platz zu nehmen.

Der Gelehrte trocknete mit ſeinem Tuche die weiße Rinde des Sitzes, indem er ſprach: Ihre Geſellſchaft wird mir den Naturgenuß noch angenehmer machen, Herr Marbach.

Dieſer ſetzte ſich.

Da, ſehen Sie hin, fuhr der Gelehrte fort und deutete mit der Hand nach den rothen Wolken.

Die Sonne erhob ſich langſam in ihrer reinſten Strahlenpracht.

Beide Männer ſaßen ſtumm, als ſähen ſie dieß Schauſpiel heut zum erſten Male.

Sie ſind ein Freund der Natur, ſagte Herr Winter nach einex langen Pauſe, indem er die Hand ſeines Gefährten faßte;das er⸗ höht meine Freundſchaft für Sie, die ich ge⸗

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ſtern, gleich bei Ihrem erſten Anblicke unwill⸗ kürlich empfand.

Marbach erwiederte warm den Hände⸗ druck des Mannes. Edle Seelen erkennen ein⸗ ander bald, und ein Händedruck ſpricht deutli⸗ cher zum Herzen, als Worte es vermögen.

Herr von Winter, welcher bemerkte, daß die Zeit, wo man den kalten Frühtrunk zu nehmen pflegte, herangekommen ſei, führte nun ſeinen Begleiter auf dem kürzeſten Wege zu einem Baſſin, in welchem von einem künſtli⸗ chen Felſen herab das klarſte Waſſer in einem mäßigen Strahle ſich ergoß.

Wir ſind die erſten hier, ſprach der Ge⸗ lehrte, nachdem er ſich im Kreiſe umgeſehen hatte;das Waſſer wird Sie erfriſchen. Doch ſehen Sie, in meiner Zerſtreuung vergaß ich den Becher mitzunehmen; erlauben Sie mir, ihn zu holen, ich werde gleich wieder hier ſein. 4 Ich dänke, das iſt nicht nöthig, meinte Herr Marbach,bleiben wir hier und er⸗ warten die Geſellſchaft, vielleicht findet ſich darunter eine mitleidige Seele, welche uns ihren Becher zu benützen erlaubt.

Sie haben Recht, antwortete Herr von Winter;warten wir.

Sie gingen den breiten Kiesweg hinab.

Wiſſen Sie, Herr von Winter, be⸗ merkte Marbach in einem Anfluge ſeines natürlichen Humors,wie mir unſere Situa⸗ tion jetzt vorkömmt? Erinnern Sie ſich an den alten Eleaſar, den Hausverwalter Abrahams im alten Teſtament, wie er auszog, um eine Frau für Jſak zu ſuchen? Sie ſind der treue Diener des würdigen Patriarchen, mich laſſen Sie meinetwegen das Kameel ſein; wir ſind hier am Brunnen, aber die Becher fehlen uns. Wenn nun eine Dame kömmt und zu Ihnen ſpricht: Trink' und auch für Dein Kameel will ich ſchöpfen, dieſe 3

Nun dieſe wiederholte der Gelehrte.

Sei meinetwegen unſere Auserwählte, wenigſtens für den heutigen Tag.

Der Gelehrte lächelte in ſeiner eigenthüm⸗ lichen Weiſe. Es war dieß ein gutmüthiges, aber reſignirendes Lächeln.

Sie ſind ein junger Mann, dem das Blut friſch in den Adern kreiſt, ſprach er;Sie mö⸗ gen immerhin Gefallen finden an ſchönen Mäd⸗ chenaugen. Ich habe dieß Gefühl auch in mei⸗ ner Jugend nicht kennen gelernt, jetzt, wo ich bald grau werden ſoll, iſt es zu ſpät einen Wettlauf, und noch dazu an Ihrer Seite zu unternehmen.

Marbachs Stirne überflog bei dieſen Worten des Gelehrten eine düſtere Wolke, ſeine Züge verwandelten ſich plötlich.

Haben Sie noch nie Gelegenheit gehabt, ſprach er,ſich im Leben zu überzeugen, daß nicht alles Gold, was glänzt? Man erzählt von Früchten, die in dem Schutte Pompeji's aufgefunden worden; ſie ſchienen von außen friſch, wie eben vom Zweige gebrochen, und innerlich waren ſie hohl und Staub.

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