Heft 
(1858) 9 09
Seite
283
Einzelbild herunterladen

en 8

Der Heldenberg in Wetdorf.

Indem wir auf die Beſchreibung des Hel⸗ denberges, welche bereits das diesjährige Fe⸗ bruarheft unſerer Zeitſchrift brachte, zurückver⸗ weiſen, fügen wir im Anſchluße an die der ge⸗ genwärtigen Nummer beigegebene Abbildung zur Orientirung des Leſers noch einige Finger⸗ zeige hinzu.

Wir befinden uns auf einem großen ebenen Raume, der mit namhaften Koſten und Mühen an die Stelle früherer Schluchten, durch Auf⸗ ſchüttungen von 610 Klafter Erde in einen großartigen Park umgewandelt wurde; den Hintergrund dieſes Raumes nimmt ein ſchönes, in doriſchem Style erbautes Gebäude ein.

Es iſt das Invalidenhaus. Mit aller Bequemlichkeit ausgeſtattet, hat dasſelbe die Beſtimmung, einen Offizier und zwölf invalide Soldaten als treue Wächter des. Heldenberges aufzunehmen.

Die Erſcheinung. Von Nina Cameniſch.

Es tönen die Glocken ſo klangvoll, Daß Alles die Häuſer verläßt; Man feiert Land auf und Land nieder Ein hohes, ein kirchliches Feſt.

Ein Feſt iſt's der Jungfrau Maria, Drum wallten die Jungfrau'n im Zug, Und Jede im glänzenden Haare Mit Anmuth den Blumenkranz trug.

Und Eine die trägt auch ihr Kränzlein Beſcheid'ner als Alle zumal, Ihr ſchwanden der Jahre wohl fünfzig In einſamer Hütte im Thal.

Doch hat ſtets für Gott und die Mutter Ihr Herz fromm in Liebe geglüht. Sonſt hat ſich um's ſchmuckloſe Weſen Noch Niemand auf Erden gemüht.

Und ſeitdem die Mutter geſtorben, Iſt Gott ihre Lieb', ihre Welt; Drum hat auch zur kirchlichen Feier Die Scheue ſich immer geſellt.

Drum will ſie auch heute ſich ſchmücken, Und hält es in Einfalt für Pflicht; Ein Kränzlein papierener Blumen Umzittert ihr ſanftes Geſicht.

Sie prangt in der Urahne Brautſchmuck, Der Schürze von blendendem Weiß; Sie hat ſie zum heutigen Feſte Gewaſchen, geglättet mit Fleiß.

Und wie ſie nun wallt in dem Zuge, Trifft Felendes Lachen ihr Ohr; Ei ſeh't mit dem Kranze die Alte! So ſpotten die Burſchen im Chor.

Und weinend entflieht fie dem Zuge Und kehrt ſich zum Friedhof ſeitab, Und legt dort an dunkelſter Stelle Den Kranz auf ein grünendes Grab.

In großen goldenen Lettern liest man an der Frontiſpice des Gebäudes:Den würdigen Söhnen des Vaterlandes ſei dieſes Haus für ihre in den Jahren 1848 und 1849 bewährte unerſchütterliche Treue und heldenmüthige Ta⸗ pferkeit gewidmet. Das Gebäude ſelbſt ziert als bezeichnendes Emblem der Kriegsgott Mars.

Auf dem großen ebenen Platze vor dem Invalidenhauſe gewahren wir Gruppen von Bildwerken, durch welche der italieniſche und ungariſche Feldzug dem Geiſte des Beſchauers vorgeführt werden. In Mitten die⸗ ſer Gruppen erhebt ſich die lebensgroße ſehr gelungene StatueClios, der Muſe der Ge⸗ ſchichte. Der italieniſche Feldzug wird durch dreißig Bilder ſolcher Helden dargeſtellt, welche in demſelben eine ausgezeichnete Stellung ein⸗ genommen haben. Sie gruppiren ſich um einen 48 Schuh hohen Obelisk, welcher auf ſeiner Spitze die SiegesgöttinViktoria trägt. Ganz in derſelben Weiſe mit derſelben Anzahl von

mzzzzzzz:

Feuilleton.

Es iſt ja das Grab ihrer Mutter; Das einzige menſchliche Herz, Das je ihr in Liebe geſchlagen, Kann ſie nun nicht tröſten im Schmerz.

Sie neigt ſich ſo müd' und entſchlummert; Da ſieht ſie im Traume den Zug, Die flatternden kirchlichen Fahnen Sie rauſchen vorüber im Flug.

Und die mit dem Bilde der Jungfrau, O Wunder! hält ſtille bei ihr; Es neigt ſich aus goldenem Grunde Die Himmliſche huldreich herfür:

Nicht weine, Du arme Verhöhnte, Die wenig auf Erden beglückt; Gott hat ja ein jegliches Leben Mit ſeinem Theil Freude geſchmückt.

Und ward Dir nicht Freude beſchieden, So wurde Dir Frieden und Huld; Und beiden entblühet die Frende, Verlaſſene, habe Geduld!

Ethnographiſches.

Die Lazzaroni in Neapel. Darf der Lazzarone das ganze Jahr durch ein glückſe⸗ liger Mann heißen, ſo iſt er in der ſchönen Jah⸗ reszeit wahrhaft beneidenswerth. Der Lazzarone iſt ein Mann, frei wie der Vogel in der Luft, unabhängig von Hoffnung und Furcht, das Ver⸗ gangene vergißt er und an die Zukunft denkt er nicht. Er ſteht auf, ehe die Sonne ihre hei⸗ ßen Strahlen auf die Straßen wirft, und braucht weder auf den Bedienten zu warten, der ihm die Jalouſien öffnet, noch auf den Barbier oder ſonſt Jemand. Er iſt fix und fertig mit ſeinem Anzuge. Hemd und Hoſen hat er an; wozu Schuhe und Strümpfe und ſolch überflüſſiges Zeug? Sein erſtes Geſchäft iſt die Sorge für ſeine

283

Standbildern um einen gleichen Obelisk tritt uns der ungariſche Feldzug vor Augen.

Dem Invalidenhauſe gegenüber ſteht der ſchon aus weiter Ferne ſichtbare 80 Fuß hohe Obelisk, gekrönt mit einem acht Schuh hohen Standbilde des Genius des Todes, mit der umgekehrten Fackel. Dieſer Obelisk ſchließt ein Mauſoleum in ſich, deſſen Inneres durch zwei eiſerne mit vergoldeten Kreuzen verzierte Thü⸗ ren abgeſchloſſen iſt.

Dieſe Gruft, welche zur Rechten die irdiſchen Reſte des unſterblichen Siegers von Cuſtozza und Novara, und zur Linken die ſeines langjährigen Freundes, des Feldmarſchalls Freiherrn von Wimpffen birgt, iſt mit vier geharniſchten Rit⸗ tern aus Metall geziert. Rückwärts in geringer Entfernung von dieſem Monumente ſind die kunſtvoll ausgeführten Statuen der drei Parzen.

turen! Sein Hausmittel, ſeine Univer ſal⸗Medi⸗ zin hat er gleich bei der Hand. Er hält den Mund an die Waſſerröhre und trinkt ſo viel ihm gut dünkt. Will er ein Bad nehmen, ſo hält er ſich nicht erſt lange mit dem unützen Luxus der Badekammern auf, ſondern läuft an's Ufer, zieht ſich aus und ſchwimmt, ſo lang es ihn freut, ohne Angſt, daß es Jemanden ein⸗ fallen könnte, ihm ſeine Lumpen davon zu tragen. Er mag ſo lange im Waſſer bleiben, als ihm beliebt; kein Menſch klopft an die Thüre um ihn zu erinnern, daß die bedungene Zeit um iſt. Das ganze weite Meer gehört ihm. Nach dem Bade denkt er mit aller Gemächlichkeit daran, die Mittel für ſeine Mahlzeit herbei zu ſchaffen. Dafür iſt bald beſorgt: er hilft einem Obſthändler ſeine Früchte in Ordnung bringen, oder trägt einem Koch ſeinen Einkauf, oder kehrt einem Kutſcher den Stall aus, oder trägt eine Zeitung herum, oder ſtellt ſich lahm, wenn er den Tag gerade keine Luſt hat zu arbeiten, oder macht ſich aus einem Streifen Papier und einem Kamm eine Art Maultrommel und macht den Leuten Muſik vor, wenn es ihn etwa zu den ſchönen Künſten treibt. Hat er das Geld zum Schmaus beiſammen, ſo iſt er in weniger Zeit, als ein Anderer braucht den Tiſch zu decken, in der Schenke; an keine bindet er ſich, bald in der Stadt, bald auf dem Lande, bald mitten zwiſchen beiden. Zuweilen ſpeiſt er an täble d' héte mit⸗ ten unter den handfeſten und redſeligen Dulci⸗ neen der Gaſſe und entzückt die ganze Tafel durch ſeine Geſchichten und Späße. Ein anderesmal ſtreckt er ſich einſam der Länge nach unter einen Baum hin ohne andere Dulcinea als ſeine dick⸗

Geſundheit. Nichts von Doktoren, Arzeneien, ausländiſchen Pulvern, ſeltenen und theuren Tink⸗

bäuchige Flaſche.

Nach Tiſche geht er ſpazieren. Gibt es Hän⸗ del mit einem, ſo iſt von Waffen, Fechtmeiſter, Sekundanten und ſo weiter gar keine Rede; ein paar tüchtige Fäuſte bringen die Sache gleich in Ordnung. Ob das Wetter gut oder ſchlecht iſt, ob die Europäer einander todt ſchlagen oder in Frieden leben, ob man eine neue Welt ent⸗ deckt oder die Hälfte der alten verliert, kümmert ihn nicht im geringſten. Um ſich zu unterhalten und recht vom Herzen zu lachen, braucht er nicht

36*