zur Ehre des Gebieters hevorbrachte. Indeß ſchaute der Sultan, beiläufig geſagt ein junger Mann von zweiundzwanzig Jahren, gravitätiſch auf ſeinen Hofſtaat hin, der ſich in einem Halb⸗ kreiſe auf dem Boden niedergelaſſen hatte; nur öffnete ſich der Halbkreis nach der verkehrten Seite, und alle Herren vom Hofe wandten— denn ſo will es die alte Sitte des Hofes von Bornu— dem erlauchten Gebieter den Rücken. Alle aber waren ſo dickbäuchig und dickköpfig, wie der Kammerherr, ſei es von Natur, oder aber mit Hilfe zahlreicher Hemden und reichlicher Wattirung— Alles nach den Forderungen der Hofſitte— und die ganze ausgeſtopfte Ver⸗ ſammlung war ſich ihrer Würde wohl bewußt. In einiger Entfernung ſtand die mit Keulen, Bogen und Pfeilen und Dolchen bewaffnete Leibwache in blauen Toben. Die Vorſtellung war ſchnell beendet; ein Hofbeamter kam heran, um Bu Khalums Geſchenke in Empfang zu nehmen, wickelte dieſelben in einen Shawl und legte ſie uneröffnet vor den Sultan hin, und hierauf wurden die Reiſenden entlaſſen.
Ein Ausflug nach dem Scharyfluſſe, ſo ſehr die Engländer ihn wünſchten, ſchien nicht zu Stande zu kommen. Aber auch das Befinden des Dr. Oudney würde keine Reiſe geſtattet haben, denn ſein Bruſtleiden machte ihn mit je⸗ dem Tage kränker. Indeß wußte der Scheich die Freundſchaft der Engländer für ſeine Zwecke ſehr wohl zu benutzen; Hillman mußte ihm Kiſten und Sänften zimmern und wurde dafür reichlich beſchenkt, Clapperton ließ Raketen aufſteigen, um den anweſenden Schua eine heil⸗ ſame Furcht vor dem Scheich und ſeinen Ver⸗ bündeten einzuflößen, und Denham gelang es, den Argwohn bei den abergläubiſchen Großen und auch bei dem Scheich in ſtaunende Bewun⸗ derung und endlich in Freundſchaft umzuſtim⸗ men, und zwar mit Hilfe ſeiner Spieldoſe. Der Scheich hatte von letzterer gehört und brannte vor Verlangen, das wundervolle Käſt⸗ chen ſelbſt zu ſehen und zu hören. Als Den⸗ ham es vorzeigte und ertönen ließ, fragte el Kanemi mit großem Intereſſe nach der Ein⸗ richtung und brach aus in den Ausruf:„Wun⸗ derbar, ganz wunderbar!“ Als aber die Uhr den Schweizer Kuhreigen ſpielte, wurde er ſtill, hielt die Hände vor das Geſicht und lauſchte, und als ein Anweſender vor Ent⸗ zücken aufſchrie, verſetze er demſelben einen ſol⸗ chen Streich, daß Alle zitterten. Endlich fragte er:„Würde eine doppelt ſo große Uhr nicht auch um ſo viel ſchöner ſingen?“„Ja,“ verſetzte Denham,„aber auch das Doppelte koſten.“„Wahrlich,“ ſagte der Scheich,„ſo etwas für tauſend Dollar zu kaufen wäre wohl⸗ feill Denham wiederholte täglich die Beſuche mit ſeiner Uhr, er war jedesmal willkom⸗ men, und als er endlich dem Scheich dieſelbe zum Geſchenk anbot, war dieſer ganz für ihn gewonnen.—
Da der Sultan von Mandara ſich oft ſei⸗ nerſeits verſucht fühlte, die Gelegenheit zu feind⸗ lichen Reibungen abſichtlich herbeizuführen, ſo
waren die raubluſtigen Araber durch den Scheich von Bornu an dieſen Sultan mit ihren Wünſchen gewieſen worden.
Allerdings wurden ihrem Führer Bu Khalum zweitauſend bornueſiche Lanzenreiter beigegeben, aber unter dem Befehle des Kaſchella oder Generals Barka Gana, welcher ſeine eigenen Aufträge vom Scheich erhalten hatte.
So unbezwinglich war einerſeits die Wiß⸗ begierde Denhams und ſein Verlangen nach dem Süden vorzudringen, andrerſeits ſeine Luſt zu Abenteuern und ſeine Begierde, den Aus⸗ gang dieſer Sklavenjagd anzuſehen, daß er ohne Vorwiſſen Oudneys und ohne die Bewilli⸗ gung des Scheichs am 15. April ſchon kurz nach Mitternacht heimlich mit ſeinem Neger Barka aufbrach, um irgendwie mit Bu Khalum zuſammenzutreffen. Als er nach Angornu ritt, unter dem Vorwande, dort einen Kaufmann zu beſuchen, den er in Murzuk kennen gelernt hatte, ſtieß unterwegs wie zufällig zu ſeiner Verwun⸗ derung der Fellatah Marami zu ihm, ſein Gefährte auf der Jagd am See, welcher ſeit⸗ dem ſich merklich an ihn angeſchloſſen hatte.
In Jeddi, wo Denham und ſeine Ge⸗ fährten während der heißen Stunden raſteten, erwies ſich der Kaid ſehr zuvorkommend. Er ſchickte ſüße Milch zur Erfriſchung, und als Denham ihn bat, die Haufen neugieriger Ne⸗ ger zu entfernen, welche ſich bis in die Thüre der Hütte drängten, mit dem Zuſatze:„Es ſind lauter Männer, habt Ihr denn keine Frauen? — verſprach der Kaid zugleich auch deren Be⸗ ſuch. Er ſetzte ſich mit Marami vor die Thüre, um nicht zu viele auf einmal einzulaſſen, und nun empfing Denham in ſeinem Zelte nach und nach gegen hundert Frauen aus der Stadt, je drei oder vier zugleich. Statt jeder anderen Unterhaltung hielt er ihnen einen Spiegel vor und ergötzte ſich nun an ihrer Ver⸗ wunderung. Sie konnten nicht ſatt werden ſich ſelbſt zu betrachten, ſchrieen vor Freude, und eine, die mit ihrem Kinde kam, vergoß Freu⸗ denthränen, als ſie das Kleine im Spiegel ſah.
Um vier Uhr Nachmittags ritten ſie weiter und kamen gegen Abend zum Lager. Barka Gana empfing Denham ſehr höflich in ſei⸗ nem Zelte und verſprach, daß er, wenn es Got⸗ tes Wille wäre, keinen Schaden leiden ſollte.
Schon vor Sonnenaufgang waren die Zelte abgebrochen und Alle auf dem Marſche nach Mandara. Die Umgegend war ſtark bewaldet und die Waldung ſo dicht verwachſen, daß für Barka Gana, der nebſt Denham und eini⸗ gen Dienern dem Zuge voraus ritt, durch zwölf mit zackigen Lanzen bewehrte Neger förmlich ein Weg gebahnt werden mußte. Es war äu⸗ ßerſt unterhaltend, dieſe Leute zu beobachten, die mit merkwürdigem Geſchick im raſcheſten Gehen die Zweige zurückbogen und feſthielten und dabei unaufhörlich riefen und ſangen.„Da ſind Löcher! Weicht den Zweigen aus! Hier der Weg! Gebt Acht auf den Tullo! Seine Zweige ſind wie Speere! Schlimmer als Speere! Zur Seite die Zweige!“„Für wen?“„Für
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Barka Gana!“„In der Schlacht wer gleicht dem rollenden Donner?“„Barka Gana!“ „Hin nach Mandara, hin wider die Heiden! Hin zum Gefecht der Speere! Wer iſt's, der uns führt?“„Barka Gana!“„Hier iſt das Thal, kein Waſſer darin!“„Gelobt ſei Allah!“ „Im Kampfe, wer ſchnaubt Wuth, wie der Büffel?“„Barka Gana!“
Nach mancherlei Drangſal gelangte der Zug nach Mora; der Sultan daſelbſt erwies ſich wohlwollend.
Eines Morgens verſuchte Denham zu zeichnen. Sobald man das bemerkte, wurde er mit ſeinem ganzen Zeichenapparate zum Sultan geführt. Es erregte große Verwunderung, daß ſeine Pinſel— die Bleiſtifte— ohne Tinte ſchrieben, und noch größer war das Staunen, daß die Striche durch Gummi verſchwanden. Malem Chadili, ein fanatiſcher Moslem, war zugegen, betrug ſich gegen Denham ſehr artig und ſuchte die Anweſenden über ihn und ſein Land zu belehren, was dieſe mit andachts⸗ vollem:„Ju⸗u⸗u⸗h!“(Wunderbar!) anhörten; dann ſchrieb er einige Worte, wiſchte ſie wieder aus, und ſchrieb endlich, indem er den Bleiſtift tief eindrückte, die Worte:„Bism illah arach⸗ mani aracheme!“(Im Namen Gottes, des Großen und Barmherzigen!) mit großen Ko⸗ ranbuchſtaben hin, ſo daß die Schrift auch nach dem Reiben mit Gummi ſichtbar blieb.„Ganz geht das nicht aus,“ ſagte Denham; der Mos⸗ lem aber, ſich hochaufrichtend, ſagte mit Nach⸗ druck:„Nein, nein, das ſind Worte Gottes, die er unſerem Propheten eingegeben hat, die ver⸗ gehen nicht!“ Mit Enthuſiasmus erkannten der Sultan und alle Anweſenden das Wunder, ſie riefen:„Ju⸗u⸗u⸗h! La ilah ill Allah! Mu⸗ hamed raſſul Allah!“(Nur Gott iſt Gott, Muhamed iſt Gottes Prophet!) und Den⸗ ham, dem es ſehr unbehaglich wurde, war froh, als er die Erlaubniß erhielt, ſich zurück⸗ zuziehen.
Die Feinde, welche der Sultan im Einver⸗ ſtändniß mit Barka Gana und dem Scheich von Bornu ausgewählt hatte, um die Araber für ihre Prahlereien zu züchtigen und ſie Pfeile und Bogen der Neger etwas mehr achten zu lehren, waren die Fellatah, welche von Weſten her bis in die Mandaragebirge vorgedrungen waren.
Um dieſe Feinde in ihren Wohnplätzen zu überfallen, zogen die Araber, von Barka Gana und ſeiner ſtattlichen Reiterſchaar be⸗ gleitet, am 25. April von Mora ab.
Glänzend und prachtvoll war der Zug des Sultans von Mandara.
Die Stadt Musfia, auf die zunächſt der Angriff gerichtet war, erwies ſich durch ihre erhöhte Lage zwiſchen zwei Hügeln auf's Beſte geſchützt. Nach der Seite der Angreifer war ſie gedeckt durch ein trockenes Flußbett, daneben war ein Moraſt und endlich nach dem Walde zu eine tiefe Schlucht, durch welche nur we⸗ nige Reiter zur Zeit hindurch konnten. Von
einem Hügel zum anderen hatten die Fellatah
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