fall zu gleicher Zeit erfuhr, beſchloß, beſonders auf Darimans inſtändiges Anſuchen, den Palaſt Miar Jaffiers vor allem anzugrei⸗ fen und den Feldherrn zu ermorden.
Schon war die Nacht zu dieſem Vorhaben beſtimmt; da kam die Nachricht von der Nähe der engliſchen Armee, wodurch Serajah Do⸗ wlaherſchreckt und verzagt in ſeiner Rathloſig⸗ keit ſich in die Arme deſſen werfen wollte, dem er ſoeben den Tod zugedacht hatte. Doch es war zu ſpät! Der engliſche General hatte ſchon das eine kleine Strecke von der Reſidenz entlegene Fort Cutwah geſtürmt und genommen, und Miar Jaffier ſeinen Palaſt verlaſſen.
Die Armee Serajah Dowlah's beſtand aus 50,000 Mann Infanterie, 18.000 Reitern und 50 Kanonen; General Clive dagegen hatte nur 900 Europäer, unter denen 100 Ar⸗ tilleriſten und 50 Matroſen waren, 2000 in⸗ diſche Soldaten und 8 ſechspfündige Kanonen nebſt zwei Haubitzen.
Der vorſichtige und erfahrene engliſche Befehlshaber traute den Dingen noch nicht ganz; denn es blieben ihm die erwarteten Nach⸗ richten von Miar Jaffier aus, und er be⸗ fürchtete eine in Indien ſo gewöhnliche Ver⸗ rätherei; daher er unſchlüſſig in Cutwah noch zurückblieb. Doch währte dieß nicht lange, er war von ſeinen Agenten gut bedient, und er⸗ hielt Nachrichten von Miar Jaffier, der ihm mitheilte, daß der Nabob bei dem Dorfe Mun⸗ cara ſich verſchanzt habe, und er rieth den Eng⸗ ländern unverzüglich den Feind zu überfallen.
Die engliſchen Truppen brachen in der Nacht ſofort auf und marſchirten längs des Fluſſes Coſſimbugar. Noch vor Tagesanbruch langten ſie bei dem Ort Plaſſy an, beſtimmt, einer der berühmteſten Großthaten der Englän⸗ der in Indien den Namen zu geben, und nah⸗ men von dem hier günſtig liegenden Walde Beſitz.
Der Nabob mußte von dem Plane der Engländer erfahren haben; denn dieſe hörten zu ihrem Erſtaunen den Schall von Trommeln und Pfeifen, die in den indiſchen Lagern ge⸗ wöhnlich ertönen.
Der Morgen, der über das Schickſal Ben⸗ galens, des Paradieſes der Nationen, wie es in Indien genannt wird, entſcheiden ſollte, brach an. Die ungeheure Armee des Nabob rückte gegen den von den Engländern beſetzten Wald
vor. Die Kavallerie beſtand aus dem tapferen
nordiſchen Voksſtamme der Mahratten; die Ka⸗ nonen, meiſtens Vierundzwanzigpfünder, la⸗ gen auf ſechs Fuß hohen Gerüſten, worauf ſich auch die Munition und ſelbſt die Kanoniere zugleich befanden. Dieſe Maſchinen wurden von 50 Ochſen gezogen und hatten hinter ſich einen Elephanteu, der ſie an unwegſamen Stellen nachzuſtoßen abgerichtet war. Der eng⸗ liſche General überſah von einer Anhöhe aus das feindliche Heer, und mußte mit Beſorgniß über die ungeheuere Anzahl der Truppen ſtau⸗ nen. Er rückte ſogleich in die Ebene und formirte ſeine Linie. Sein Heer verſchwand beinahe ge⸗ Erinnerungen. 1858.
gen das des Feindes, und jeder Soldat hatte eine zwanzigfache Uebermacht gegen ſich; dafür waren die Engländer kampfgeübter, und jeden Einzelnen mußte das glühendſte Rachegefühl zum Helden machen.
Um die achte Morgenſtunde fiel von Seite der Feinde der erſte Schuß. Dieß war das Signal zum Feuern aus allen Kanonen. Aber die Geſchütze des Nabob thaten nur wenig Schaden, da ſie zu hoch gerichtet waren; die Ku⸗ geln der Engländer aber, von erfahrenen Artil⸗ leriſten abgezielt, drangen in die dichteſten Hau⸗ fen der Feinde. Dieſe behaupteten dennoch mit einer unerwarteten Standhaftigkeit ihren Po⸗ ſten, was den General beſtimmte, um ſeine geringe Mannſchaft zu ſchonen, ſich in den Wald zurückzuziehen. Der Feind hiedurch ermuthigt, rückte mit ſeinem Geſchütze näher, aber die Ku⸗ geln fuhren in die Bäume, oder über die Eng⸗ länder weit hinaus; dieſe antworteten aus ihrer ſicheren Stellung mit ihren Feldſtücken, wobei viele der feindlichen Kanonenmaſchinen in die Luft flogen. Zudem begünſtigte auch der Himmel die ſchwächeren Engländer. Ein ſtarker Regen beſchädigte das Pulver der Feinde, welche nicht mehr das Feuer unterhal⸗ ten konnten, während die Europäer im Walde geſchützt mit unausgeſetzter Kanonade die Reihen des Feindes lichteten.
Serajah Dowlah, der bisher in ſei⸗ nem Zelte geblieben, und dem von ſeinen nie⸗ drigen Speichelleckern mit der Hoffnung auf einen nahen Sieg geſchmeichelt worden war, erfuhr mit Schrecken und Beſtürzung den un⸗ günſtigen Hergang des Kampfes. Jetzt trafen die von Miar Jaffier den Engländern zuge⸗ führten Truppen ein, und Clive griff im Sturm an. Eine ungeheure Verwirrung ent⸗ ſtand im Lager der Indier, im paniſchen Schrek⸗ ken zerſtreuten ſie ſich nach allen Seiten, und die Engländer fanden auf ihren Wegen keine weitere Hinderniſſe als Zelte, Geſchütze und Ba⸗ gagen. Der Sieg war entſchieden.
Der Nabob, vor Furcht und Beſtürzung außer ſich, warf ſich auf ein Kameel und eilte in raſender Flucht nach Maradavad. Er dachte nicht mehr daran, ſeine Krone zu behaupten, nur die Rettung ſeines Lebens und ſeiner Schätze war ſeine Sorge. In ſeinem Palaſte war alles in der größten Verwirrung; ſeine Weiber ſchickte er auf fünfzig Kameelen fort, ſeine Schätze ließ er mittelſt Elephanten in Si⸗ cherheit bringen; ſeine Höflinge verließen ihn alle, nur Dariman blieb bei ihm, da er von Jaffier und den Engländern keine Gnade zu hoffen hatte.
Clive rückte nun gegen Maradavad vor, und am 29. April 1757 zog er in die Reſi⸗ denz des Nabob ein, Miar Jaffier folgte in derſelben Nacht. Serajah Dowlah floh, als gemeiner Indier verkleidet, nur von Dariman begleitet, durch ein Fenſter ſeines Palaſtes.
Gleich am erſten Morgen nach dem Einzuge in Maradavad ließ General Clive alle Offi⸗
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ziere ſeines Heeres und alle ehemaligen Gro⸗ ßen des Reichs im Palaſte des Nabob im Thronſaale verſammlen. Hier führte er ſelbſt Miar Jaffier auf den Thron, und huldigte ihm ſogleich als dem neuen Fürſten, indem er ihm eine Schüſſel mit Goldmünzen überreichte. Seinem Beiſpiele folgten die Großen des ehe⸗ maligen Hofes. Miar Jaffierwar nun Na⸗ bob von Bengalen.
Prachtvolle Feſte bezeichneten die Thronbe⸗ ſteigung des neuen Herrſchers und die Englän⸗ der erholten ſich nun von den Strapazen des Feldzuges, und genoßen der lang entbehrten Ruhe. Allgemein war die Fröhlichkeit, nur zwei betrübte Herzen ließ die allgemeine Freude unberührt— es war Thomas und ſein al⸗ ter Verwandter. Nichts ließen ſie unverſucht, um nur eine Spur der Verlorenen zu finden, aber vergebens. Für Thomas insbeſondere war der Zuſtand ein Tantalus⸗Leiden; er wußte Julie von ihrem widerwärtigen Gemale frei, er hatte ſichere Merkmale ihrer warmen Ge⸗ fühle für ihn; jetzt, ſo nahe der Verwirkli⸗ chung ſeiner kühnſten Wünſche, mußte er das ganze Gebäude ſeiner ſchönen Träume vernich⸗ tet ſehen.
Eines Tages wurde General Clive von dem neuen Herrſcher eingeladen, ihn in ſeinen Palaſt zu begleiten, um ihn ſeiner Mutter, welche den Helden von Arnot und Plaſſv zu ſe⸗ hen wünſchte, vorzuſtellen. Die Matrone wollte dem Mannue ſich dankbar zeigen, dem ihr Sohn die Krone Bengalens, das Ziel ihres mütterli⸗ chen Ehrgeizes, verdankte.
Sie empfing den tapferen Krieger mit aller einem ſolchen Gaſte gebührenden Auszeichnung in einem reichgeſchmückten Garten⸗Salon, und in ihrer Geſellſchaft befanden ſich Julie und Sakuntala verſchleiert. Nach dem Aus⸗ tauſche gegenſeitiger Höflichkeitsbezeigungen führte ſie ihre beiden Schützlinge dem Gaſte mit den Worten vor, daß es ihr augenehm ſei, ihm Landsmänninen vorſtellen zu können, in⸗ dem ſie die Damen bat, ihre Schleier fallen zu laſſen.
Der General war nicht wenig erſtaunt über die ſeltene Schönheit beider Frauenzimmer und noch mehr überraſcht, ſich in ſeiner Landes⸗ ſprache in der feinſten und gebildetſten Art angeſprochen zu hören. Tief gerührt hörte er die Löſung des Räthſels ihrer Anweſenheit bei Miar Jaffier, und mit dem innigſten In⸗ tereſſe betrachtete er die beiden der ſchrecklichen ſchwarzen Höhle glücklich entkommenen Opfer. Thränen der maßloſeſten Freude entſtürzten ihren Augen, als ſie von dem Leben ihrer Theuern Nachricht erlangten, und der General ihnen das Verſprechen gab, ſie beide noch am Abend desſelben Tages den Freunden zuzufüh⸗ ren. Für Julie war der Becher des Glückes nicht ohne Bitterkeit; denn ſie mußte den Tod ihres geliebten Vaters vernehmen.
In Maradavad war indeſſen die Nachricht verbreitet, daß Sarajah Dowlah und ſein gehaßter Guͤnſtling gefangen ſeien. In der That
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