Heft 
(1858) 9 09
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ſchloß.Miar Jaffier, rief Holwell, koſtbarſten Schmuck und die prachtvollſten Ge⸗

vom Boden aufſpringend,ſeid Ihr es, der uns in dieſem furchtbaren Kerker beſucht, dann ſind wir gerettet.Ja, ich bin es. Die Bos⸗ heit hat in das Ohr des ſchwachen Monar⸗ chen ihr Gift geziſcht. Es bereiten ſich große Dinge vor, deren Ende nicht abzuſehen ſind. Obwohl ſelbſt ein Muſelmann, liebe ich doch Euer Volk, das ſtolz, tapfer und gerecht iſt. Auf ein gegebenes Zeichen entfernte ſich der Neger, und kehrte ſogleich wieder mit Kleidern beladen zurück. Thomas und Schrubbs erhoben ſich freudeſtrahlend, und hätten den guten Mann umarmen wollen.Hier zieht dieſe Gewänder an, ſagte dieſer,die Euch das Aus⸗ ſehen der Eingeborenen geben. Die Armee bricht morgen unter meiner Anführung auf nach Cal⸗ cutta, der Fürſt befehligt den Vortrab und iſt heute ſchon vorangezogen. Ihr werdet mich begleiten; das Uebrige wollen wir ſehen.

Mit haſtigen und freudigen Bewegungen befolgten die Gefangenen den Rath ihres Er⸗ retters, und folgten dem Neger, der ſie zu einer ſchon marſchfertigen Heeresabtheilung Jaf fiers führte.

Ehe noch die Sonne aufging, ſetzten ſich die Truppen in Bewegung und unſere Freunde, welche auch mit Schwertern verſehen wurden, mit ihnen.

Der Nabob war indeſſen mit der größten Eilfertigkeit gegen die von ihm bedrohte Stadt vorgerückt.

In Calcutta war Alles in der größten Un⸗ ruhe, die Regierung befand ſich in der vollkom⸗ menſten Rathloſigkeit; die Truppen, welche zur Vertheidigung der Stadt und des ſie beſchützen⸗ den Forts zur Verfügung waren, bildeten zu dem Heere des Fürſten eine unverhältniß⸗ mäßig geringe Macht; der Mangel jeder Nach⸗ richt von Seiten der nach dem Hofe des Nabob abgegangenen Geſandtſchaft vermehrte die all⸗ gemeine Beſtürzung; zudem war auch durch den um dieſe Jahreszeit heftig wüthenden Wind, dem ſüdlichen Mouſſon, die Flucht aus der Stadt zur See unmöglich. Die Phyſiognomie der Stadt war eine bedauernswerthe. Das leb⸗ hafte bunte Gewühl der ſich täglich regenden Menge der Geſchäfts⸗ und Handelsleute, welche

ſchenke, die er nur aufbringen konnte.

Und es kam der Tag, an dem Julie die Seine werden ſollte. Julie, mit dem tiefſten Kummer im Herzen, von ihren Dienerinen und Freundinen umgeben mit bleichen Wangen und rothgeweinten Augen, war in den reichſten Stoffen gekleidet; ihr Kopfputz und ihr Hals ſtrahlten vom reichſten Schmucke der Perlen, Edelſteine und der koſtbarſten Dia⸗ manten.

Am Abend wurde die Ceremonie ohne Prunk und laute Feſtlichkeit, dem Ernſt der gegenwärti⸗ gen Verhältniſſe entſprechend, im Saale des Holwell'ſchen Hauſes vom engliſchen Garni⸗ ſonsprediger vorgenommen. Als Julie durch ein leiſe hingehauchtesJa ſich auf dem Altar der Kindesliebe opferte, durchzuckte ein ſchnei⸗ dendes Weh ihre traurige Bruſt. Das Mahl, welches der Trauung folgte, und an welchem mehrere Kameraden von Ellis, junge Offi⸗ ziere, Theil nahmen, war nicht ſo heiter, als es unter andern Umſtänden geweſen wäre; doch bildete ſich im Verlaufe der Mahlzeit ein gewiſ⸗ ſer Humor, welcher der ganzen Geſellſchaft bald eine fröhlich⸗-gemüthliche Stimmung gab. Es iſt dieß der Antheil der Jugend, Heiterkeit und Frohſinn auf die geringſte Erregung zu entfal⸗ ten, und ſo war auch der jugendliche Theil der Geſellſchaft bald in die ungebundenſte Heiterkeit verſetzt, und der kecke Muth, mit dem die jun⸗ gen Offiziere von dem vorausſichtlichen Angriffe des Nabob ſprachen, beurkundete den ritter⸗ lichen Sinn tapferer Krieger.

Mit einem Male wurde ihre Aufmerkſam⸗ keit rege, ein dumpfes Geräuſch wie ferner Ka⸗ nonendonner erreichte ihr Ohr. Alles ver⸗ ſtummte plötzlich und horchte; der Schall haſtig hin und her eilender Tritte drang in den Saal, Thüren wurden raſch geöffnet und zuge⸗ ſchlagen. Plötzlich ftürzten mehrere Perſonen angſtvoll in den Saal, die die Nachricht brach⸗ ten, daß der Nabob ſoeben mit ſeiner Armee vor Calcutta angelangt ſei und bereits einen Angriff auf die Außenpoſten mache. Zur Be⸗ ſtätigung ertönte in demſelben Momente eine laut krachende Kanonenſalve. Die ganze Ge⸗ ſellſchaft erhob ſich erſchrocken und beſtürzt, als

hier in raſtloſer Thätigkeit fabelhafte Reichthü⸗ ein Ordonnanzoffizier eintrat und vom Ober⸗ mer erwarben, hatte einer drückenden Stille kommando den ſtrengſten Befehl brachte, daß Platz gemacht. Jeder Einzelne empfand die jeder Offizier unverweilt an ſeinem Poſten ſein

drohende Gefahr; man kannte zu ſehr aus frühe⸗ ren Beiſpielen, wie der grauſame Serajah Dowlah mit ſeinen Beſiegten verführe.

Doch Alles dieß hielt den Kapitän Ellis nicht ab, mit einer ſonderbaren, ja unerklärli⸗ lichen Hartnäckigkeit auf die unverzügliche Ver⸗ bindung mit Julie zu beſtehen. Murray ſchien ganz dem Einfluſſe des Kapitäns hinge⸗ geben und alle ſeine Gegenvorſtellungen blie⸗ ben gegen den felſenfeſten Entſchluß Ellis' wirkungslos, welcher mit verdoppelter Zärt⸗ lichkeit ſeine Braut behandelte, und ſie mit einer ſeiner Liebe und ſeinem Reichthume entſpre⸗ chenden Freigebigkeit verſah; er brachte ihr den

müſſe. Alles ſtürzte durcheinander, die Offiziere gürteten ihre Schwerter um und eilten ſchnell davon Ellis, aufgeſchreckt und wüthend, in ſeinem Glücke ſo geſtört zu werden, kleidete ſich ſchnell um, und ſtürzte nach kurzem herzlichen Abſchiede von Julie mit gezogenem Degen hinaus. Nachdem die ganze Geſellſchaft ganz verſtört ſich aufgelöſt hatte, ging Ju lie allein in das für das junge Ehepaar eingerichtete Zimmer. Welche Gefühle durchſtrömten ihr gedrücktes Herz, ſie athmete ſeufzend und preßte ihre Hand an die glühende Stirn. Sie gehörte nun ihm; ſie wurde ſich nun des troſtloſen Ge⸗ dankens klar bewußt, die Gattin eines Man⸗

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nes zu ſein, deſſen Weſen ihr ſo widerwärtig, ſo unleidlich war. Wie düſter und freudenlos erſchien ihr die Zukunft! Auch ſie hörte den fernen Donner der Kanonen, er erſchreckte ſie nicht ſo ſehr, war ſie doch wenigſtens ſo lange noch frei, als dieſer dauerte. Ihr aufge⸗ regtes Gemüth verſcheuchte jeden Schlummer in dieſer fürchterlichen Nacht.

Als Julie am Morgen darauf, von dem Orte und der Einſamkeit des Gemachs bedrückt, ſich anſchickte, um im Freien Erholung zu ſuchen, öffnete ſich die Thür und ſie ſank mit einem lauten Schrei zurück denn Thom as ſtand vor ihr. Dieſer faßte die Sinkende in ſeine Arme, indem er ihr die zärtlichſten Worte zurief. Sie drängte ihn ſanft zurück, während purpurne Gluth ihre Wangen übergoß.

Thomas, ums Himmelswillen! Sie hier in dieſer furchtbaren Stunde, rief ſie,wie kommen Sie hierher? Gott ſei Dank, Sie ſind gerettet!

Er erzählte nun mit haſtigen Worten, was ihm und ſeinen Gefährten während ihrer Ab⸗ weſenheit begegnet ſei, wie ſie nur durch wun⸗ derbare Fügungen dem Tode entgingen und jetzt verkleidet im Heere des Nabob mitge⸗ zogen, vor Calcutta angelangt ſeien, und da gleich bei begonnenem Kampfe im Gewühle des Gefechtes die Flucht ergriffen. Er ſei auf Umwegen, in den vom Feinde noch nicht be⸗ ſetzten Theil der Stadt gelangt, wo er ſeine Verkleidung abgeworfen; ſeine Genoſſen habe er auf dem Wege verloren und er hoffe ſie hier im Hauſe Holwells wiederzufinden.

Schmerzlich war ihm die Mittheilung Juliens. Mit einem Male ward ihm der ſchöne Traum ſeiner Zukunft verwiſcht, eine brennende Wuth durchbebte ſeinen Körper; mit einem Ausdrucke, in welchem Verzweif⸗ lung und Liebe ſich wunderbar miſchten, ſtürzte er ihr zu Füßen und faßte ihre Hand, die er mit Küſſen und Thränen bedeckte.

In dieſem Augenblicke erſchallten Tritte. Thomas ſprang vom Boden auf, Clive und Sakuntala traten ein. Erſterer warf ſich mit einem lauten Rufe der Freude ſei⸗ nem verloren geglaubten jungen Verwandten in die Arme, indem er ihn ſeinen theuern Sohn nannte; auch Sakuntala begrüßte freudig ihren Verwandten, als die Annähe⸗ rung einer lauten und lärmenden Stimme den Austauſch der Zärtlichkeiten unterbrach und Schrubbs nebſt Holwellins Zimmer tra⸗ ten. Außer der düſteren Stimmung Juliens und Thomas' war die Freude eine allgemeine, es freute ſich jeder der Anweſenden der uner⸗ warteten Zurückkunft der ſchon Verlorenge⸗ glaubten.

Die Männer entfernten ſich bald, um die unerläßlich nöthigen Maßregeln zu ihrer und der Ihrigen Sicherheit zu treffen. Sakun⸗ tala blieb bei Julie zurück.

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