Heft 
(1858) 9 09
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der Wolldecke faſſen, um ſich auf dem Lager zu

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willigkeit verwunderten. Aber kaum hatten ſie mit knapper Noth an ſeiner Seite Platz zu grei⸗ fen verſucht, ſo merkten ſie auch ſchon den Vor⸗ theil des Mittelmannes, der von allen Seiten gegen die Kälte geſchützt und nicht in Gefahr war, leicht über Bord zu fallen. Der Diener mit der Laterne verließ nun den Ort; die Freunde befanden ſich im Finſtern. Die bei⸗ den Eckmänner mußten krampfhaft den Zipfel

erhalten und ſich wenigſtens nothdürftig gegen die nächtliche Kühle zu ſchirmen. Sie ſagten ſich leiſe gute Nacht und Emil ermahnte Alle noch einmal zu grabesſtillem Schweigen.

Einige Augenblicke herrſchte wirklich laut⸗ loſe Stille, ſo daß man ſelbſt die leichten Athem⸗ züge jenſeits der ſpaniſchen Wand vernehmen konnte. Das machte nun unſern Emil außer⸗ ordentlich unruhig.Ob ſie wohl in denſelben vier Mauern iſt das holde Moosröſelein? dachte er.Gewiß, mir ſagt es mein ahnendes Herz, und wenn mein Herz es nicht ſagte, ſo wäre es aus der ſorgfältig aufgeſtellten ſpani⸗ ſchen Wand zu erſehen, denn, gäbe es keine Damen hier, was hätte ſie für einen Zweck?

Ein ziemlich lauter Seufzer aus bewegter Bruſt war die erſte Folge dieſes Gedanken⸗ ganges.

Emil, fehlt Dir was? fragte der be⸗ ſorgte Falke ſo leiſe als möglich.

ten, wie Du ſie ſprichſt, für ſolche Mädchen, die halb noch Kinder ſind, ſehr verderblich wer⸗ den können? Ich hoffe, daß die Geſelſſchaft, der win zu Dank verpflichtet ſind, nichts von Deinem Geſchwätz gehört hat und bitte Dich jetzt ernſtlich, ſtill zu ſein, wenn ich noch Ach⸗ tung vor Dir haben ſoll, denn jetzt vereinigſt Du Leichtſinn und Undank.

Emil, der vom Latein nur noch ſchwache Reminiscenzen hatte, ſchien die Rede des Freun⸗ des gar nicht verſtanden zu haben oder er war bei dem murmelnden Vortrage desſelben ein⸗ geſchlafen kurz es erfolgte keine Antwort darauf. Der Mathematiker fragte nur noch, ob Falke deßhalb lateiniſch geſprochen, um nicht durch eine deutſche Rede die Nachbarſchaft hinter den blauen Pyrenäen im Schlafe zu ſtören, und fing, ehe noch Antwort erfolgte, in regelmäßigen Athemzügen zu ſchnarchen an. Auch Falke erlag der Müdigkeit. Als bald darauf der Mond aufging und durch das ſchmale Spitzfenſter der Hütte blickte, waren bereits alle Augen geſchloſſen.

Die Nacht war kühler als gewöhnlich, und Emil wie Falke boten der Nachtluft zu viele Blößen, um nicht unbehaglich in ihrem Schlummer geſtört zu werden. Mit dem In⸗ ſtinkte, der im Schlafe uns leitet, ſuchten nun beide ſo viel als möglich von der Decke zu erobern, doch je mehr von der einen Seite

Ach, ich kann nicht ſchlafen, Falke, er⸗ wiederte Emil ziemlich laut.Meine Ruh' iſt hin, mein Herz iſt ſchwer.

Umgekehrt, Emil, nahm auch der Ma⸗ thematiker das Wort,Dein Herz iſt hin und um die Ruhe iſt es eine ſchwere Sache.

Du haſt Recht, Freund, antwortete Emil nun bereits laut genug, um in allen Winkeln der Hütte deutlich verſtanden zu werden.Ich habe mein Herz verloren an die wunderbare Maid.

Aha, an die Wirthstochter, mit der Du vor Kurzem Salat wuſcheſt! ergänzte Kunze boshaft, da er wohl merkte, was Emil mit ſeinem Geſtändniſſe bezweckte.

Statt aller Antwort kneipte ihn Emil heftig in die bloßgeſtellte Seite, und fuhr, als ob er nichts gehört habe, fort:Ein ſolches Mädchen ſah ich noch nicht, und ich habe doch viele ſchöne Mädchen geſehen. Hättet Ihr ſie doch beobachtet, Freunde! So viel Lieblichkeit von Roſenwangen und Veilchenaugen ſaht Ihr noch nie in dem Schatten eines Strohhutes. Ich hätte den Eſel beneiden mögen, den ihre zarte Hand hinter die Ohren ſchlug. Und

ein Füßchen hat die Holde, ein Füßchen, zu ſchön für dieſe Erde, es verdient auf den Hän⸗

den getragen zu werden oder auf Wolken zu herausſtellte, die frühere Lage wieder herzuſtel⸗

wandeln.

Jetzt wurde es nachgerade dem Phitplogen zu bunt und er fing in ernſter Weiſe und zwar in lateiniſcher Sprache an, Herrn Emil Vor⸗ ſtellungen über die Unſchicklichkeit ſeines Betra⸗

gens zu machen.Denkſt Du denn nicht, gens z)

meinte er unter anderm,daß ſolche Albernhei⸗

gezogen wurde, eine deſto ſtärkere Gegenwirkung mußte auf der andern erfolgen. So kam, was kommen mußte: es löſte ſich die Naht in der Mitte der Decke, und der Mathematikus, der ſeinen Vortheil ſo klug berechnet zu haben glaubte, lag fröſtelnd und faſt unbedeckt, doch ohne ſich zum klaren Bewußtſein ſeines unbe⸗ haglichen Zuſtandes ermuntern zu können. Noch hielt die Naht an einigen Punkten, aber noch ein raſcher Ruck von Seiten Emils und beide Eckmänner vollten polternd mit ihren Decken auf den Boden. Kunze erwachte ſo⸗ gleich und ſtaunte nicht wenig, ſich allein und unbedeckt in dem engen Raume zu finden, der ihm durch das ſchwache Mondlicht völlig unbe⸗ kannt und unheimlich vorkam. Er ſchrak ſelbſt zuſammen, als ſich zu beiden Seiten aus der Tiefe zwei Geſtalten, jede mit einer Wolldecke erhoben und einander und ihn mit großen ver⸗ blüfften Augen anſtarrten. Endlich löſte ſich Alles in lautes rückſichtsloſes Gelächter auf. Nun war erſt guter Rath theuer, wie man mit zwei Deckenbruchſtücken drei Leute bedecken ſollte. Die Debatte hierüber, anfangs leiſe geführt, nahm erescendo an Lebhaftigkeit zu trotz aller Pſt! und Favete linguis des Philologen. Als ſich endlich die Unmöglichkeit

len, hieß es, Einer von uns muß über Bord, das Schiff trägt nur Zwei. Falke, wie im⸗ mer vermittelnd, ſchlug vor, abwechſelnd zu

ten. Er ſelber wolle den Anfang machen und das erſte Stündchen im Freien kampiren. Kunze und Emil zeigten ſich augenblick⸗ lich damit einverſtanden und nach wenig Mi⸗ nuten lagen die Beiden wieder in feſtem Schlafe, während Falke, in die Fenſterniſche gelehnt, ſeinen Gedanken freien Lauf ließ. Allerhand Bilder aus ſeinem Leben zogen ihm durch den Kopf, traurige Bilder, denn er hatte bereits alle ſeine Lieben begraben und ſtand nun ſeit Jah⸗ ren einſam und auf ſich ſelbſt gewieſen, ja freundlos da, denn in ſeinen Kameraden konnte er das nicht finden, was er vor allem verlangte, ein volles warmes Herz ohne Selbſtſucht. Ge⸗ liebt hatte er nie; wie hätte der arme Student auch daran denken ſollen, ſeine Augen zu einem Mädchen zu erheben, wie er es ſich dachte! Die Hoffnung auf eine einſtige glückliche Liebe lag ihm ſo entfernt, daß er ſich ſelbſt nie, wie die Jugend pflegt, träumeriſch mit dieſen Gedan⸗ ken beſchäftigte oder hin und wieder im Vorbei⸗ he einem Mädchen in's Auge blickte: Iſt's dieſe?

Da die Kälte immer empfindlicher wurde, ſo freute ſich Falke nicht wenig auf die be⸗ hagliche Wärme des Lagers. Als die Stunde vorüber war, näherte er ſich dem Bette und weckte Kunzen. Dieſer bemerkte beſtinumt, er werde erſt nach Emil wachen, denn er kenne

ihm nach einer Stunde den Platz einräumen werde. Auf dieſes weckte Falke den Poeten, der in Betreff Kunzens dieſelbe Aeußerung that. Während die Beiden unter ihren warmen Decken ſich ſtritten, ſtand der arme Philolog klappernd an ihrem Bette und ſann vergebens nach einer neuen Vermittelung. a dem Streite, der ihm in mehrfacher Hinſicht zuwider war, ein Ende zu machen, entſchloß er ſich, für dieſe Nacht der Ruhe zu entſagen.Soſchlaft dennin Frieden, ſagte er ſchmerzlich lächelnd, wenn Ihr nicht in Ruhe wachen könnt. Darauf zog er ſich wieder in ſeine Fenſter⸗ niſche zurück und blickte in die Nacht hinaus. Kaum fingen die Beiden wiederum zu ſchnarchen an, ſo fühlte er ſich leiſe an der Schulter berührt. Mit unheimlichem Grauſen wandte er ſich um und ſah mit Schrecken eine lange weiße Erſcheinung vor ſich ſtehen. Ein großer Turban verhüllte ihr Haupt.Herr

Sie ſcheinen ein guter, braver Mann zu ſein und ſprechen, wie ich vor Kurzem Ohrenzeuge war, ein zu gutes Latein, als daß man Sie nicht warm halten ſollte. Kommen Sie alſo und theilen Sie mein Bett mit mir..

er der freundlichen Einladung folgen ſolle. Die Erſcheinung hatte nicht ſobald dieſe U⸗ ſchlüſſigkeit bemerkt, als ſie fortfuhr:Folfn Sie mir ohne Bedenken, lieber Freund. ſie

wachen und zu ſchlafen, ſo zwar, daß immer Schlafloſigkeit der heutigen Nacht verſchffte

der eine nach dem andern außerhalb des Bet⸗

tes ſich ein Plätzchen ſuche, während die beiden nen und lieb zu gewinnen. Mit dieſen Jor⸗

fübrigen ſich des Lagers und der Decken erfreu⸗

ten ſchob der Fremde(denn die Erſcheiſing

den Menſchen zu gut, um zu glauben, daß er

Falke, fing die Erſcheinung zu reden an,

Falke wußte nicht was er ſagen und b

mir Gelegenheit, Sie unbemerkt kennen zuſr⸗