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ſo genügten drei Packeſel; galt es aber einen weikeren Zug in das ferne Land hinaus, über Berg und Thal, dann war die Nacht vorher voll geſchäftiger Thätigkeit, und alle erzonlichenpfe und Pfannen waren in Bewegung. Welch ein Ko⸗ chen und Braten und Schmoren! welch ein Ge⸗ metzel unter den Hühnern, Tauben und Kapaunen. Die Ilm ward nach Fiſchen durchſtöbert, die Fel⸗ der nach Repphühnern, die Keller wurden ihrer Weine entledigt. Mit Honneuaufgang ritt die luſtige Bande fort, voll übermüthiger Lebensluſt und reizender Ausſichten. Fort ging es, durch Einſamkeiten, deren uralte Rieſenbäume nur den über ihren Wipfeln ruhenden Falken oder das ſcheu an der Hütte des Köhlers vorüberſprin⸗ gende Reh zu erblicken pflegten.
Die Bühne war ſchnell genug hergeſtellt, Vorſtellungen unter freiem Himmel waren am beliebteſten. Da gab man Ein ſiedel's Oper„die Zigeuner,“ mit überraſchender Lebenswahrheit. Biaea aus dem Götz wurden eingeflochten. Die erleuchteten Bäume, die Zigeunergruppen im Gehölz, die Tänze und Geſänge unter dem Sternenhimmel, zu denen von fern das Jäger⸗ horn erklang, bildeten ein Gemälde, deſſen ma⸗ giſche Wirkung man nie vergaß. Auch an der Ilm bei Tiefurt, gerade an der Stelle, wo der Fluß eine reizende Krümmung macht, hatte man ein förmliches Theater geſchaffen. Natürliche Ge⸗ genſtände, wie Bäume, Fiſcher, Nixen, Waſſergei⸗ ſter, Mond und Sterne wurden hier mit dem glücklichſten Erfolge zum Mitſpiele verwendet.
Humoriſtiſches.
Die Schönheit. Aus einem Polterabend⸗ Vortrag. Noch ungleicher, als alle andern Gü⸗ ter dieſer Erde iſt die liebliche Gabe der Schön⸗ heit hienieden vertheilt; ſie iſt nicht nur den Individuen desſelben Geſchlechtes, ſondern auch den Geſchlechtern ſelbſt ungleich zugemeſſen. Bei dem Menſchengeſchlecht iſt die Schönheit dem weiblichen Theil desſelben anheimgefallen und dieſer verſteht es noch dazu weit beſſer, ſeine Vorzüge auszubeuten als der männliche. Der zute Mann ſchafft ſelbſt alles herbei, um durch leider, Putz und Schmuck die Reize der Frau zu erhöhen und ihre Macht zu verſtärken, er ſchmiedet ſelbſt die Kette, die ihn feſſelt, dieſe Kette heißt Ehe. Die Jugend nennt ſie Roſen⸗ kette, ſo lange die Dornen weich und klein ſind, ſpäter nennen ſie viele ſchlechtweg: Dornen⸗ krone.
Doch wozu raiſonniren? Erfahrung macht nicht klug. Jeder Mann iſt ehepflichtig, ſo wie er militärpflichtig iſt, früh oder ſpät muß jeder dran. Amoriſt blos der Werbkorporal, der den Jun⸗ gen durch Berauſchung(an den weiblichen Rei⸗
zen) und durch Handgeld(die Mitgift) verleitet,
früher und quasi freiwillig zur Fahne zu ſchwö⸗ ren; er übergibt dann die Angeworbenen an den Regiments⸗Inhaber, an den Oberſten, Herrn Hymen, und dieſer weiß ſeine Leute in Subor⸗ dination und Disziplin zu erhalten, wenn der Werbekorporal längſt über alle Berge iſt.
Dieſer Oberſt hat auch mebrere andere Gehil⸗
fen und Adjutanten, welche die Rekrutirung be⸗ fördern; ſo z. B. den Nachahmungstrieb des
Menſchen. Was die Mehrzahl ſeiner Mitmen⸗
ſchen thut, das macht er mit und ſo macht er auch die Ehemode mit, ohne zu bedenken, wie koſtſpielig dieſe iſt und daß ſie nicht ſo ſchnell wie die andern Moden vorübergeht.
Endlich verkaufen ja auch die ſchönen, pikan⸗ ten Namen die neue noch unbekannte Wuare; die Namen:„Gebilfin“,„Lebensgefährtin“, „Ehehälfte“, haben ſchon manchen Einſamen zum Kauf verlockt. Der Mann kann wirklich dabei nur gewinnen, denn jede 1 erhält einen größern
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und höhern Werth, wenn auch nur eine 0 hin⸗ zugeſellt wird u. ſ. w.
Aber eine mächtige Gehilfin hat Herr Hymen an der lieblichen Aphrodite, der Mutter des Amor, an der Schönheit. Die Schönheit iſt auch der einzige menſchliche Vorzug, der ſich gleich beim erſten Anblick geltend macht, den Beſchauer ſogleich beſticht, ihn zür ſich einnimmt, und dieſe Wirkung fortſetzt, ſo oft und ſo lange man ſie anſieht.
Dennoch haben wir der Natur zu danken, daß ſie die Schönheit dem weiblichen Geſchlechte zugetheilt hat, denn es iſt doch wahrlich mehr Genuß, die ſchöne Geliebte zu küſſen, und von ihr geküßt zu werden, als ſelbſt ſchön zu ſein, da man ja ſich ſelbſt nicht küſſen kann.
J. R. Klarenberg.
Buchſchau.
An der Grenze. Aus dem Nachlaſſe von Moritz Reich, Herausgegeben durch Alfred Meißner. Prag. Karl Bellmannn's Verlag. 1858.
Es iſt ein durchaus intereſſantes Buch. Wer darin zu blättern beginnt, wird bald davon ſo angezogen werden, daß er es nicht eher aus der Hand legt, als bis er es von der erſten bis zur letzten Seite geleſen, und wer es geleſen, wird den tiefen Eindruck, den es in ihm hervorbrachte, lange nicht los werden. Es iſt nicht der unver⸗ kennbare Kunſtwerth allein, der uns an dieſes Buch feſſelt, es tritt noch das lebendige Mitge⸗ fühl mit der im Innerſten bewegten Seele des Dichters hinzu, deren Streben, Ringen und Lei⸗ den durch alle Worte zittert. Möglich iſt es wohl, daß das düſtere Bild, welches uns Alfred Meißner im Vorworte von den Lebens⸗ und Todesumſtänden des unglücklichen Reich ent⸗ wirft, den Leſer in vorhinein in jene Stimmung verſetzt, welcher auch das Zufällige und Allge⸗ meine von beſtimmter und beſonderer Bedeutung erſcheint;— ſo viel iſt gewiß: neben dem äſtheti⸗ ſchen Intereſſe macht ſich auch das pſychologiſche geltend und wir finden gerade dort, wo eine un⸗ ausgeglichene Diſſonanz uns unangenehm berührt, eine Stelle, wo wir einen tiefen Blick in das Labyrinth einer mit ſich ſelbſt zerfallenen, groß angelegten Natur werfen können.— Moritz Reich griff die Geſtalten, die er uns vorführt, unmittelbar aus dem Volksleben heraus, und wenn er ſie guch oft mit einer Realität zeichnet, die ſelbſt vor kiner Derbheit und einer nahezu unheimlichen Porträtirung phyſiſchen und mo⸗ raliſchen Elends nicht zurückſcheut, ſo geht doch, wie Meißner bemerkt,„eine Strömung von Poeſie durch Alles, was er ſchrieb.“ Hätte uns Reich nichts anderes hinterlaſſen, als die Er⸗ zählung:„Der Jäger auf den Bergen“(Seite 177), in der Alles ſo plaſtiſch hervortritt, daß (uns die rauhe Natur jenes Erdwinkels und die rauhen Menſchen, die ſie ſchuf, lebhaft vor Augen ſtehen; hätte er uns nichts hinterlaſſen, als dieſe Erzählung, in welcher, wie durch den kalten Mar⸗ mor die bunten Adern, nach allen Seiten hin die rothen warmen Aederchen des Gefühls laufen: wir würden ſchon aus dieſem Ueberreſte die unge⸗ wöhnliche Darſtellungsgabe und das kräftige Ge⸗ fühlsleben des Dichters erkennen. Daß auch der Humor ſeine Sache war, wird der Leſer aus der kleinen humoriſtiſchen Erzählung„der Schrank“ erſehen haben, die wir dem Buche entnahmen. (Wir ſchließen dieſen kurzen Fingerzeig— denn für mehr wollen wir unſere Beſprechung nicht gehal⸗ ten wiſſen— mit der Charakteriſtik, welche Meiß⸗ ner am Schluſſe des Vorwortes von dem Dich⸗ ter gibt..
„Eine weiche, träumeriſche Natur, voll über⸗ quellender Empfindung, waffenlos gegen die Bos⸗
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heit und Mißgunſt der Menſchen, ohne andere Erfahrung als die ſeines Herzens, verbrannte er raſch, wie in reinem Sauerſtoff, und machte in ein paar Jahren ein Unglücksleben durch, wie kaum die Unglücklichſten in Decennien. Wenu ſeine Gefühlswelt oft überhitzt, ſeine Phantaſie grell und gewaltſam iſt, wenn feine Menſchen, in ſeinen ſpäteren Erzählungen namentlich, dä⸗ moniſch über ihr Maß hinauswachſen, dürfen wir nicht vergeſſen, welche Geier an ihm fraßen und wie jung und erfahrungslos er war. Seine Seele war keuſch und rein und lebte nur für die Kunſt. Er hatte eine ideale Sehnſucht, die Höhen zu erfliegen, die nur erklommen werden können, und ſein Herz brach, wie das eines jungen Ad⸗ lers, ans Schmerz darüber, daß ſeine Schwinge durchſchoſſen war....... 41
Neue Dichtungen von Moriz Horn. Prag. Karl Bellmann's Verlag. 1858.
Moriz Horn wurde zuerſt durch ſeine größere Dichtung:„Die Pilgerfahrt der Roſe,“ aus welcher Robert Schumann das herrliche „Waldlied“ komponirte, in weiteren Kreiſen be⸗ kannt.„Die Lilie vom See,“ wovon ein Bruch⸗ ſtück unter dem Titel„Belladonna“ im„Erzge⸗ birgiſchem Album“ vom Jahre 1852 erſchien, ferner die friſch erzählte baieriſche Sage:„Die Köhler von Burg“ und namentlich die ausge⸗ zeichnete Idylle„Die Dorfgroßmutter“(Leipzig 1856) lieferten weiter erfreuliche Belege von der poetiſchen Begabung des Verfaſſers, von dem uns jetzt unter obenſtehendem Titel eine Samm⸗ lung poetiſcher Erzählungen und lyriſcher Ge⸗ dichte in trefflicher Ausſtattung vorliegt.
Im K. Weller's Jahrbuche deutſcher Dich⸗ tung(1857) wird der Dichter am Schluſſe ſeiner Biographie folgenderweiſe charakteriſirt:„Horns poetiſche Erſcheinung hat einige Aehnlichkeit mit derjenigen Immerman n's. Urſprünglich und kraftvoll mußte auch er eine gewiſſe äußerliche romantiſche Unklarheit, ein ſeinem eigenſten ori⸗ ginellen Weſen fremden Anflug abſtreifen, bevor er zur vollen Entfaltung ſeines Talentes gelan⸗ gen konnte. Möge ihm denn auch eine ſo ge⸗ deihliche und fruchtbringende Entwickelung wie dem Dichter des„Münchhauſen“ und des„Tri⸗ ſtan und Iſolde verliehen ſein.“— Da wir uns in der„Buchſchau“ nur die Aufgabe ſtellen, den Leſer in Betreff der neueren Erſcheinungen auf dem ſchönwiſſenſchaftlichen Gebiete im allgemei⸗ nen zu orientiren, ſo begnügen wir uns, ohne ſpezielle Kritik zu üben, mit dem Vorausgeſchick⸗ ten und laſſen, dem Leſer ſelbſt zur Probe, ein Ge⸗ dicht aus dem„lyriſchen Anhange“ hier folgen:
Beim Abendlied des Thürmers:
Es naht des Abends tiefe Stille Der weiten Flur, der Berge Maſſen; Bald deckt die menſchenleeren Gaſſen Der Stadt der Schlaf mit ſeiner Hülle.
Des Tages Toſen iſt verklungen, Kaum hört man fernes Hundgebelle, Doch noch herab von einer Stelle Ertönt's wie Abendhuldigungen.
Der Thürmer auf des Altans Runde, Er läßt ſein frommes Lied erſchallen. Wie weich die Flötentöne wallen,
Wie tief ergreifend um die Stunde!
Du Mann dort oben, fern der Menge, Die unten treibt, um zu gewinnen, Du ſitzeſt oft in tieſem Sinnen Auf Deiner Stube, klein und enge.
Du, näher holdem Tageslichte, Du, näher dunkler Wolken Gruppen Und goldgefüllten Sternenkuppen, Du ſchauſt die Nacht vom Angeſichte.


