Heft 
(1858) 8 08
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ein und eilte vor allen Dingen ihres Onkels

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wan Erinnerungen. ws

Ich lehnt' im Abendwinde Auf eines Berges Rand Am Stamme einer Linde Und ſah hinab in's Land.

Der Rheinſtrom zog voll S Das grüne Thal dahin, Und mir zog altes Wähnen

Und Träumen durch den Sinn.

Rings ſenkten Burgruinen Das alterſchwere Haupt,

Vom Mordlicht halb beſchienen,

Von Buchengrün umlaubt.

Ich meine faſt, ſie träumten Von Sang und Saitenſpiel, Von Bechern, hellbeſchäumten,

Von Streit und Kampfgewühl.

Herrmann Henneberg. Nooelle. Von Ernſt Fritze.*)

Jeder blieb an dem ihm angewieſenen Platze, bis endlich Kätchen ihr Fenſter öffnete, den Raum bis zur Erde zaghaft mit den Augen abmaß und dann vorſichtig mit Hilfe der Magd ſich hinabließ. Die Magd folgte ihr auf dem⸗ ſelben Wege. Beide ſchlichen ſie dann zitternd um das Haus der Thür zu, bei jedem Schritte fürchtend, von Mördern, Räubern oder Berg⸗ kobolden überfallen zu werden. Sie gelangten indeß ohne Unfall zur Hausthüre und fan⸗ den ſie weit offen ſtehen. Herzhaft trat Kätchen

Thür zu öffnen.Onkel es iſt etwas im Hauſe geſchehen, ſprach ſie gefaßt.Laſſ' uns ſogleich Alles unterſuchen beſonders unſere Wohnſtube.

Der alte Mann zeigte ein ſehr verſtörtes

*) Schluß zum frütheren Hefte. Erinnerungen. Auguſt 1858.

Am Rheine.

ehnen

Der Strom, der Fels, die Linde Erzählen noch von ihr, Und trauernd geh'n die Winde Durch's dunkle Waldrevier.

Weſen.Es werden doch nicht Diebe ſtam⸗ melte er und ſtolperte eilfertig den Hausflur entlang der Stube zu.

Sie war offen und die Thür flog unter dem leiſen Drucke ſeiner zitternden Hand ſo⸗ gleich in ihren Angeln zurück.

Aller Blicke irrten, mit der Erwartung irgend etwas Entſetzliches erfahren zu müſſen, angſthaft umher. Es war nichts zu ſehen. Ge⸗ ordnet ſtanden die Möbel, kein Stuhl verrückt, kein Tiſch verſchoben. Nur ein Laden war be⸗ ſchädigt und hing ſchlotternd vor einer zerbroche⸗ nen Fenſterſcheibe. Das Fenſter ſelbſt war durch dieſe Maßregel geöffnet worden, aber je⸗ denfalls wieder geſchloſſen, nachdem es zum Einſteigen in's Zimmer gedient hatte.

Zieht die Laden auf, befahl Vo igtlän⸗ der mit bebender Stimme. Es geſchah. Der alte Mann wankte zum Sekretär.Hier ſeht Ihr! rief er erſchrocken. Der Schrank war geöffnet, die Kaſten durchwühlt und trotz des Chaos von Papieren und Briefen entdeckte Voigtländer ſogleich, daß ihm die Rollen Gold, die er hier aufgeſpeichert hatte, ſo wie ein Paket Kaſſenanweiſungen, fehlten.

Händeringend betrachteten die drei Frauen⸗

Vor mir lag in der Ferne Der Berge Silbereis,

Am Himmel zogen Sterne Den alten ew'gen Kreis.

Und Wolkenbilder zogen Wie Schatten alter Zeit; Es ſangen dumpf die Wogen Von der Vergangenheit.

Die Zeit der ſüßen Lieder, Der Kraft und Jugendluſt Sie floh und kehrt nicht wieder In die verwaiſte Bruſt.

Sie iſt dahingeſchwunden, Wie eine ſchöne Sag', Und wird nicht mehr gefunden, Wohl bis zum jüngſten Tag.

P. Plattner.

zimmer dieſen Gräuel und mit verbiſſenem Grimme ſtand der alte Mann vor demſel⸗ ben da.

Was iſt Dir geſtohlen? fragte die alte

Frau zitternd und verzagt.

O, mir nur die Kleinigkeit von neunhun⸗ dert Thalern, entgegnete Vo igtländer im Tone des fürchterlichſten Aergers,und von Kätchens Gelde etwa zwölfhundert Thaler Erſparniſſe.

Erſchrocken fuhren Alle zurück. Woher hatte der Dieb gewußt, daß ſo viel Geld hier zu holen war, da ſie es nicht einmal geahnet hatten!

Verſtört raffte der alte Mann die herum⸗

geſtreuten Sachen zuſammen, um ſie wieder

in die Kaſten zu werfen. Seine Gedanken zer⸗ marterten ſich mit der Frage: wer dieſen Fre⸗ vel ausgeübt haben könne?

Während er damit beſchäftigt war, blickten die Frauenzimmer beklommen ringsum. Zu gleicher Zeit rief Suſette, die Magd und das Fräulein:Mein Gott was iſt das mit unſerm Hektor was iſt dem Dompfaffen geſchehen?

Kätchen eilte zum Käfig Suſette

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