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zum Sopha, neben welchem Hektor ſteif ausge⸗ ſtreckt lag..
„Todt!“ ſchrieen ſie Beide.
„Wer? Todt? Wer?“ fragte Voigtlän⸗ der ſich umwendend.
„Hektor iſt todt!“ wiederholte die Magd. „Der Dompfaffe iſt todt,“ Fräulein Kätchen. Leichenblaß, ergriffen wie nie in ſeinem Leben, näherte ſich der alte Mann, um ſich von der Wahrheit dieſer Mittheilung zu überzeugen. Leider war nicht daran zu zweifeln. Beide Thiere lagen leblos da. Dem Vogel war der Hals umgedreht— der Hund war vermuthlich ver⸗
Morgenhäubchen und flog zitternd vor Eile den Weg hinunter.
Dort unten aber„war's fürchterlich!“
Im wüthendſten Eifer den Thäter zu er⸗ haſchen, war Voigtländer im Gaſthauſe angelangt und hatte Lärm geſchlagen durch die Nachricht: er ſei furchtbar beſtohlen und die Räuber hätten ſeinen Hund und ſeinen Vogel, die ihm liebſten Geſchöpfe auf Gottes Erdbo⸗ den, gemordet.
Erſt horchte man mit ungläubigem Erſtau⸗ nen ſeinen beflügelten Worten, als er aber„den Fremden im Gaſthauſe“ geradezu als Thäter
giftet. Starr mit weitgeöffneten Augen ſah bezeichnete und mit apodiktiſcher Gewißheit Voigtländer auf den Hund nieder, dann be⸗ darthat, daß nur dieſer die Gräuelthat voll⸗ lebte eine Wuth ohne gleichen ſein Geſicht und führt haben könne, da bildeten ſich die Geſichter bevor nur irgend Jemand ein Wort hervorzu⸗ etwas länger und alle Hausgenoſſen des Herrn bringen vermochte, ſtürzte er mit dem Geſchrei: Lambert, außer ihm ſelbſt, traten ſcheu zu⸗ „der Fremde, der Fremde!“ aus dem Hauſe, den rück, als, von dem ſchrecklichen Lärm herbeige⸗ Berg hinab und auf das Wirthshaus zu. Die zogen, der Gegenſtand der Beſchuldigung die Frauen ſahen ihn mit fliegendem Schlafrock, Treppe hinabkam.
das graue Haar von dem Morgenwinde eu⸗ Wie ein Stoßvogel fuhr Herr Voigtlän⸗ porgeſträubt, einer rieſigen Fledermaus ähnlich, der auf den erſtaunten jungen Mann zu und vor ihren Augen verſchwinden. faßte ihn an der Bruſt.
„Der Fremde?“— wiederholte dachdenb„Sie Mörder,“ ſchrie er in gellenden Tö⸗ lich die alte Frau und ſchüttelte erſt zweifelnd nen,„Sie Mörder— meinen Hund zu vergif⸗ den Kopf.„Freilich— ſein Benehmen“, ſetzte ten— wie geſagt, Sie Mörder! Meinem Dom⸗ ſie dann hinzu und hob mitleidig den armen pfaffen den Hals umzudrehen— wie geſagt, gemordeten Hektor vom Boden auf.„Weßhalb Sie Mörder, Sie Spitzbube— her das Geld
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er aber die Thiere getödtet haben ſollte—?
„Der Fremde?—“ wiederholte auch Kät⸗ chen ſchaudernd, indem ſie dachte:„Kann man denn mit ſolchen ehrlichen Augen auch ein Sün⸗ der, ein Böſewicht ſein?“
„Tante“, ſprach ſie nach einem kurzen Nach⸗ ſinnen,„Tante, der Fremde iſt es nicht geweſen, darauf ſchwöre ich!“
„Kind— Du kennſt die Welt nicht,“ ſeufzte die alte Frau und trat bedächtig an den offengebliebenen Sekretär um die Papiere we⸗ nigſtens ſo weit zuſammen zu ſchieben, daß ſie die Klappe in die Höhe richten konnte. Ein klei⸗ ner blitzender Gegenſtand ſchurrte dabei leiſe in die Fuge und wurde nur durch die eilfertige Hand des Mädchens vor dem Zerſchmettern gerettet.
Nacdenklich hielt Kätchen das Ding, was ſie aufgefangen hatte, in der Hand und betrach⸗ tete es. Eine dunkle Erinnerung tauchte in ihr auf— ein Gedanke erwachte— ein Argwohn blitzte durch ihre aufgeregte Seele.
„Was haſt Du da?“ fragte vie alte Frau. „Wo kommt das her?“
Kätchen ſah mit freudig ſtrahlenden Au⸗ gen zu ihr auf.„Wo das herkommt? Nun— der Räuber hat es verloren, als er hier gierig in
den Papieren nach Geld geſucht hat“, ſprach ſie
ſehr ſchnell.„Der Onkel wird wiſſen, was es iſt— in ſeiner Hand habe ich es ein Mal ge⸗ ſehen— vielleicht führt es uns auf die Spur, wer hier geſtohlen hat. Ich muß dem Onkel nach— um jeden Preis muß ich ihm nach!“—
Haſtig ſteckte ſie den kleinen Gegenſtand in ihre
Taſche, warf ein großes Tuch über die leichte Morgenkleidung, ſetzte den großen Hut auf das
— her das Geld, das Sie geſtohlen haben!“ Derr Fremde machte ſich zornig von der Hand deſſen frei, der ihn ſo unvermuthet an⸗ gefallen hatte. Er erkannte Voigtländer in der entſtellenden Verſtörung ſeines Weſens nicht wieder und erſt der Zuruf des Wirthes be⸗ lehrte ihn, mit wem er es zu thun hatte. „Voigtländer!“ rief Lambert war⸗ nend.„Voigtländer, nehmen Sie ſich in Acht!“
„ Was wollen Sie von mir?“ fragte der Fremde nach dieſem Zurufe gelaſſener, als ſeine Zornesröthe erwarten ließ.
Mein Geld will ich— mein Geld!“
„Ihr Geld?“ erwiederte der Fremde fra⸗ gend mit verächtlichem Zurückwerfen des Ko⸗ pfes.„Sie wiſſen am Beſten, daß ich Ihr Geld nicht haben kann—“
„Sie haben es und kein Anderer! Sie allein—! Sie ſind der Einzige, dem es zuzu⸗ trauen iſt, einem alten Manne ſeine liebſte Freude und ſein Geld zu rauben. Sie allein! Wozu hätten Sie denn geſtern mein Haus ſo ſcharf gemuſtert— wozu den Hund ſo ſchlau an ſich gelockt— Sie ſind der Räuber— Sie ſind der Mörder meiner Thierchen— ach Du mein Herr Gott, mein ſchöner Vogel— mein kluger Hund!“
„Alter Mann,“ entgegnete der Fremde mit ernſtem tief bewegten Tone,„alter Mann, Sie wiſſen nicht, was Sie thun! der Schreck ſcheint Sie wahnſinnig gemacht zu haben. Wollen Sie hören, weßhalb ich Ihr Haus ſo voller Theilnahme betrachtet habe? Ich bin Ihr Neffe Herrmann Henneberg— ich bin der Sohn Ihrer Schweſter!“
Einen Augenblick fuhr der Alte ſcheu zurück und muſterte den jungen Mann mit großen Au⸗ gen. Einen Augenblick ſchien er zu begreifen, daß es unwürdig ſei, mit ſeinen Beſchuldigun⸗ gen fortzufahren, dann aber fluthete der Zorn über ſeine beſſere Regung wieder hinweg und vereinte ſich mit der Verbitterung, die Jahrzehnde lang in ſeinem kalten Herzen ruhete. Er raſete von Neuem los:
„So alſo hängt die Sache zuſammen, Du Galgenſtrick! So alſo? Hergeſchickt hat Dich die falſche Schlange, die meine Schweſter ſein will — wie geſagt, um mich meiner liebſten Freu⸗ den zu berauben, um das Geld ſtehlen zu laſſen, was ich ihrer Brut nicht borgen wollte? Wie geſagt, ſo alſo finden wir Dich, Du Mörder. Her mein Geld oder ich ſchlage Dich zu Boden, Du Taugenichts, Du Räuber!“
„Onkel— Du biſt in dieſem Augenblicke nicht zurechnungsfähig,“ fiel Herrmann ſehr beſonnen und vorſichtig ein, indem er ſich ſtolz aufrichtete und mit einem Herrſcherblicke die halb ſchadenfrohen, halb verlegenen Geſichter der Umſtehenden überlief.„So viel ich aus Deinen unzuſammenhängenden Reden erſehe, biſt Du beſtohlen in der Nacht und Dein Hund iſt Dir vergiftet. Das ſind traurige Ereig⸗ niſſe, aber—
„Niederträchtigkeiten ſind es!“ rief der Alte ſchäumend vor Wuth.„Faßt den Schelm, Ihr Leute! Schnürt ihm die Hände auf den Rücken— fort mit ihm auf's Amt. Ich will der Brut meiner Schweſter lehren, den Onkel zu berauben!“ Herr Lambert hielt den Alten zurück, der mit eigner hoher Hand den erſten Schimpf auf das Haupt des jungen ſtolzen Mannes verhängen und ihn ſchlagen wollte.
„Halt, Voigtländer!“ rief er,„man richte nicht eher, als bis der Spruch und das Urtheil reif iſt. Allerdings hat Ihr ſonderba⸗ res Heimlichthun, Herr Henneberg, nichts Empfehlendes— weßhalb ſagten Sie mir ge⸗ ſtern nicht gleich, wer Sie ſind?“
„Haben Sie mich darnach gefragt, Herr Lambert?“ erwiederte Henneberg ab⸗ weiſend..
„Nein, das niche, aber Sie ſagten mir doch gleich, daß Sie für die Handlung Oltermann und Kompagnie reiſeten.“
„Richtig und ich ſagte Ihnen auch, daß ich vielleicht Ihre Meinung von der anerkannten Sicherheit dieſer Firma benutzen könne und das war vorläufig genug. Mein Plan ging dahin, meinem Onkel bekannt zu werden, ohne daß er wußte, wer ich ſei, und ihn nach gelungener Bekanntſchaft zu vermögen, mir das Geld, was ich ſchon ein Ral vergeblich von ihm gefordert hatte, zu leihen, damit ich als Kompagnon in die Firma Oltermann eintreten könnte.
„Kompagnon von Oltermann?“ fiel Lam⸗ bert ein—„allen Reſpekt!“.
Gleichzeitig aber ſchrie Voigtländer da⸗ zwiſchen:
„Wie geſagt, er iſt der Räuber! Wie ge⸗ ſagt, er hat ſich die Zweitauſend geſtohlen, weil
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