Heft 
(1858) 8 08
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immer, wenn dieſes mit dem Käſen beſchäftigt ſei, ſich unter einen Haufen Heidekraut ver⸗ kriechen; dann ſinge das Mannli:Einäuge⸗ lein, ſchlaf ein, wache es wieder auf, ſo ſei das Käslein jedesmal fertig. Als der unartige Bruder dieß vernahm, zwang er das Kind, ihm ſeine Kühe zu hüten und mit ihm die Kleider zu tauſchen. Darauf ging er in den Kleidern ſeines Bruders ſelbſt in des wilden Mannlis Höhle. Da ſah es recht ſauber aus, grünes Heidekraut lag über dem Boden ausgebreitet, ringsum auf einem Steingeſims ſtanden kleine Gebſen(Milchgeſchirre) aus Tannnenholz, die mit Gemſenmilch angefüllt waren. Keſſel und Herd waren nirgends zu ſehen. Das wilde Mannli hielt den Buben für ſein Einäuglein, ſcharrte das Heidekraut auf einen Haufen zu⸗ ſammen, ließ ihn darunterkriechen und ſang ſein:Einäugelein, ſchlaf ein. Der ſchalkhafte Bube ſchloß das eine Auge zu und guckte mit dem andern unter dem Heidekraut hervor. Als aber das Mannli das muthwillige, offene Auge gewahr wurde und den Trug einſah, gerieth es in Zorn und warf die Gebſen ſammt deren In⸗ halt dem Buben an den Kopf. Hierauf ver⸗ ließ es mit ſeinen Gemſen die Höhle auf immer.

2. Sennalpenſagen.

Dietodte Alp auf Davos. Ein junger Senne hauſte hier. Er hatte eine Ge⸗ liebte d'runten im Dörfli. Kam dieſe zuweilen zu ihm auf die Alpe, ſo wendete er alles Mög⸗ liche an, ſie gut zu empfangen und zu bewirthen. Der Eingang in die Hütte war aber gar ſchlecht. Der Senn wußte Rath. So oft die Geliebte ihn beſuchte, baute er Treppen aus Käſe und ſtellte ihr Rahm und Butter ſeines Kellers zur Verfügung. Kam aber ſeine alte Mutter zu ihm auf Beſuch, ſo gab er derſelben nichts, höhnte ſie wohl gar noch aus. Einſt war die alte Frau Zeuge der glänzendſten Bewirthung der Braut, indeß der Sohn ihr ſelbſt Alles, ſogar Molken und Zieger verſagte, und die Broke(hölzerner Handkübel) nicht einmal da⸗ mit füllte, was doch jeder rechtſchaffene Senn jedem wildfremden Bettler gegenüber zu thun pflegt. Als ſie flehentlich bat, der Sohn möge ihr die Broke mit Molken und Zieger füllen, da füllte er ſie heimlich in ſeinem Uebermuthe mit Unrath und deckte ſie zu. Hierauf ging die Alte zufrieden die Alpe hinab. Ihr ſcholl das helle Gelächter der Sennenbraut nach; ſie ſchaute rückwärts und ſah die muthwillige Dirne auf der Kästreppe ſtehen, den vollen Rahmnapf in der Hand. Nun deckte die Mut⸗ ter auch ihre Broke auf und entdeckte deren ſchändlichen Inhalt. Da ſprach ſie, im Inner⸗ ſten ergrimmt, einen Fluch aus, der ſofort die blühende Alpe auf immer zerſtörte. Flammen fraßen Senn, Braut, Alphütte und Gras.

Eiinne andere Sage dieſer Alp ſpricht von Hexentänzen, die eine Sennerin beſuchte. Durchs

Melken und Käſen oft von ihren Fahrten abge⸗ halten, wünſchte ſie, die Alpe möchte verdorren, damit ſie keine Arbeit mehr damit habe. Feuer verbrannte ſofort das Gras und die Hexe.

Auf einer Schierſer Alp im Prätigau mach⸗ ten ſich Senn und Hirt aus Stroh und Klei⸗ dern eine große Puppe, mit der ſie dann Kurz⸗ weil trieben. Beim Eſſen ſetzten ſie dieſelbe in ihre Mitte. Dieß geſchah auch eines Tages, als ein müdes, altes Weib ſie um einen Löffel Milch bat. Senn und Hirt aber wieſen auf die Puppe und ſagten:Wir haben hier ſchon eine Alte, die wir füttern müſſen, packe Du Dich fort.Ich gehe, erwiederte die Alte,die da aber ſoll auch eſſen und freſſen. Die Männer lachten darüber und begannen von dem Tage an der Puppe Rahm an den Mund zu ſtreichen mit den Worten:Sollſt eſſen und freſſen. Als nun die Zeit der Heimfahrt von der Alp gekommen war, wurde die Puppe auf einmal lebendig und ſagte:Senn und Hirt, der eine von Euch kann nach Hauſe ziehen, der andere muß hier bei mir bleiben. Sie entſchieden durch's Loos, wer zu gehen und wer zu bleiben habe. Der Senne blieb, der Hirte zog bergab. Nach einer Weile ſchaute der heimziehende Hirt auf die Alphütte zurück, und ſah des Sennen blutige Haut auf dem Hüttendache ausgeſpannt; die ſchaurige Puppe winkte ihm drohend zu; zitternd vor Angſt zog er fürbaß und weiter geſchah ihm nichts.

Stuzalp auf Vereina im Präti⸗ gau. Ein Senne, der alles ihm anvertraute Salz den ſchönen Kühen zu lecken gab, die un⸗ anſehnlicheren aber leer ausgehen ließ, muß auf dieſer Alpe noch nach Jahrhunderten her⸗ umgeiſten. Ein klägliches Oi! Oil! rufend, ſtreicht er bisweilen Abends an der Sennhütte vorbei. Es heißt, ſo oft der Mann erſcheine, und ſei es auch am klarſten Abend, ſo ſchneie es doch ganz ſicher am nächſten Morgen. Jetzt komme er jedoch ſelten mehr zum Vorſchein; es ſei eine neue Hütte gebaut worden und dieſe mache ihm Graus, wie alles Neue.

Von der Kloſterſeralp Novai geht die Sage, wenn Jemand dort im Herbſt, nach⸗ dem das Vieh von der Alp heimwärts gezogen, in gewiſſen Nächten übernachte, ſo ſehe er einen Mann aus dem Käskeller herauskommen mit Sennenlederkappe und aufgeſtülpten Hemd⸗ ärmeln. Der Mann zünde ſofort Feuer auf dem Herde an und ſchauegrauſam laid drein, bis es zwölf Uhr ſchlage, dann beginne es ſich draußen vor der Hütte zu regen und zu ver⸗ ſammeln; das ſei dasTodtenvolk; das ſinge dem Sennen darauf ein Lied nach, das wie ein Pſalm töne und ziehe langſam und ſingend thalab in eines der Dörfer, einen Neuen(Tod⸗ geweihten) zu holen vor Tagesanbruch, wo alles wieder zerſtiebe. Die altgermaniſche Sage vomTodtenvolk kommt noch in mehreren Thalſchaften Graubündens vor und wird nicht

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ſelten noch mit vieler Angſt geglaubt. Es ſoll Einem Nachts um zwölf Uhr ein Sarg mit langem Leichengefolge begegnen, am Ende des Zuges gehe abgeſondert und ganz allein in far⸗ bigen Kleidern eine noch lebende Perſon, die man kenne. Dieſe ſei es, die zuerſt im Orte ſterben müſſe, wenn ſich nicht derjenige, der dem Todtenvolk begegne, an ihrer Stelle her⸗ geben wolle.

Auf der Malanſer Alp Tarnuz im Vättiſer Thal waren gar fromme Sennen, die allabend⸗ lich über das ihnen anvertraute Vieh einen Se⸗ gensſpruch ausſprachen. Der Oberfenn hatte einen Lieblingsſchimmel, den er eines Abends ſtreichelte und dann auf einen beſonders guten Weideplatz führte, indeß das übrige Vieh des Segenſpruches wegen um die Sennhütte ver⸗ ſammelt wurde. Der Senn gedachte den Schimmel ſpäter allein zu ſegnen. Als nun die Sennen ſagten:

Gott bhuet is z' Veh in dunkler Nacht,

Halt ſelber üſa Berga Wacht! da zog eine Wolke den Berg hinauf, die Sturm und Gewitter mit ſich brachte; das ſchaffte den Alpknechten große Arbeit, ſo daß der Ober⸗ ſenne darüber vergaß, den Segensſpruch über den Schimmel auszuſprechen. Derſelbe wurde jedoch mit dem andern Vieh in den Stall ge⸗ bracht. Es donnerte und blitzte die ganze Nacht hindurch, der Sturm rüttelte und ſchüttelte an der morſchen Alphütte. Morgens darauf traf man alles Vieh geſund, nur der Schimmel war vom Blitz erſchlagen, worüber ſich der Ober⸗ ſenne ſo grämte, daß er die Alpe verließ.

Oberhalb Flims iſt ein breiter, großer Felſen mit rothen Streifen, als wäre einſt Blut darüber gegoſſen worden. Die Sage erzählt: Die Alpe gehörte Bündnern, die mit den auf der andern Seite des Felſens wohnenden Glar⸗ nern in beſtändigem Streit lagen. Einmal rückten die Glarner mit Uebermacht auf die Alp, ſteckten den Sennen in den Butterkübel und ließen ihn drin erſticken. Der Hirt floh auf den Felſen heraus, blies ſein Alphorn und rief ſo laut er's vermochte, in's Thal hinab um Hilfe:

Die Glarner ſind kommen und haben genommen, Die braune Schellkuh und die graue dazu.

Er blies in ſein Horn, bis er zerſprang und

mit ſeinem Blute den Felſen röthete.

Elfenringe. Auf den Alpen gibt es nicht ſelten Kreiſe bald von fettem grünem, bald von braunem Gras. Hexentänze ſollen es ſo gefärbt haben. Die guten Elfen mußten es ſich gefallen laſſen, mit den Hexen verwech⸗ ſelt zu werden. Lichtelfen machen grüne, Nacht⸗ elfen braune Ringe. Das Geſchäft der Hagel⸗ bereitung wird ebenfalls den Hexen zugeſcho⸗ ben. Sie ſollen in der Höhe Gletſcher zer⸗ hacken und ſie in die Luft ſtreuen, darans entſtehe der Hagel.

(Schluß folgt.)