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das Abhauen den rechten oder den linken Fuß träfe, war mir völlig einerlei, es wäre ſo wie ſo der Tod erfolgt, doch diente der Streit, die ſchreckliche Operation ein wenig zu verſchieben.
In der Ueberzeugung, daß Entſchuldigung und Bitten abſolut fruchtlos wären, raffte ich ſchnell all meinen Muth zuſammen, die bevorſte⸗ hende Gefahr ſteigerte ihn faſt bis zur Wuth. Der Häuptling ſtand noch mit ſeiner ernſten Scharf⸗ richtermiene vor mir und ſchien das Urtheil nach dem Ausſchlage des Streites formiren zu wol⸗ len; da ſprach ich mit allem Nachdrucke zu ihm: „Iſt Dir oder einem der Deinen auch ſchon ein Fuß abgehauen worden und iſt er wieder ge⸗ wachſen wie dem Krebſe die Scheere!?“ Er erwie⸗ derte mir ohne die geringſte Verlegenheit ſogleich: „Weder ich noch einer der Meinen haben ei⸗ nen ſo ſchlechten Fuß, der das Kleid des großen Geiſtes ſtößt wie eine todte Schildkröte, und hätte Einer von uns einen ſolchen Puß, he würde er auch abgehauen werden!“ Dieſe Afff⸗ wort hätte beinahe meine zum Theile ſimulirte Wuth gebrochen. Doch mit Haſt griff ich in die Taſche, zog einen Pack amerikaniſcher Zündhöl⸗ zer heraus, hielt den in dieſem Augenblicke ſo⸗ köſtlichen Schatz meinem unbeugſamen Richter unter das kannibaliſche Katzengeſicht, und ſchrie mit aller Heftigkeit, die dem Dolmeſſchcokaum Zeit ließ, meine Worte zu überſetzen:„Ihr wollt mir, der ich ein Freund des großen Gei⸗ ſtes bin, einen Fuß abhauen? wagt ihr das, ſo ſage ich nur ein Wort und der große Geiſt wirft ſogleich ein ſo großes Stück von ſeinem Kleide herunter, daß Ihr alle erſchrecken wer⸗ det!“ Im Nu warf ich das Päckchen auf den mit dürrem Graſe bedeckten Boden, trat heftig darauf, ziſchend ſprühte ſogleich das Feuer her⸗ aus und die Papierhülle brannte lodernd. In faſt gedanken⸗ und planloſer Eile riß ich die eine drei Quart haltende Spiritusflaſche aus dem offe⸗ nen Reiſeſacke, ſchmetterte ſie zur Erde, daß der Spiritus wit dem zoologiſchen Inhalte rauſchend
auseinander fuhr und augenblicklich von den
brennenden Zündhölzern entzündet wurde. Dier faſt mannshohe hüpfende Flamme, das aus⸗ gebreitete Thiergezücht von Schlangen, Ei⸗ dechſen, Taranteln und Skolopendexn, die im Weingeiſte ſind und ſich ein wenig bewegten— das Alles machte auf die verblüfften Roth⸗ häute einen gewaltigen Eindruck; Alle ſtan⸗ den verlegen und ſprachlos da und mit einer unbeſchreiblichen Siegeswonne fühlte ich mich alsbald ruhiger und in dem Beſitze meiner beiden Füße geſichert.
Ich nahm mein vorletztes Päckchen Zün⸗ der, entzündete es eben auch durch einen hef⸗ tigen Tritt auf dem Boden, um den Reſpekt vor meinen Füßen vollſtändig zu machen, legte Holz darauf und da es eich lebhaft brannte, ermahnte ich die Beſieghatihr Wild darauf zu braten. Sie gehorchten ſtztigend, und löſchten ihr früheres Feuer aus ss wurde eine Büf⸗ felhaut für mich zum Gßzzit ausgebreitet und nun kam auch die wauichttltldene Friedenspfeife wieder zum Vorſg hatte der Häupt⸗
ling einige Züge daraus geraucht, ſo wurde ſie mir ehrfurchtsvoll dargereicht. So widerlich auch der Rauch des nicht tabakähnlichen Krautes ſchmeckte, ſo rauchte ich doch mit Vergnügen und Gravität mehrere Züge, worauf die Pfeife unter den Männern die Runde machte.
Der jugendliche Mexikaner, welcher Sym⸗ pathie für mich an den Tag legte, hatte ſich auf einem Zipfel der Büffelhaut zutraulich nahe zu mir gelagert, die Rothhäute hielten ſich fortan ehrerbietig in einiger Entfernung. Als mir der Erſtere verſichert hatte, daß Nie⸗ mand von den anweſenden Wilden engliſch ver⸗ ſtehe, fragte ich ihn, warum ſie mir nicht, wie ſie das bei feindſeliger Geſinnung dem Frem⸗ den immer zu thun pflegen, ſogleich die Kopf⸗ haut abgenommen haben, worauf er mir zur Antwort gab: Weil Du den Claro*) an Dei⸗ nem Kopfe haſt, den die Apaches für einen Liebling des großen Geiſtes anſehen. Ich hatte nämlich Tags zuvor zwei Exemplare die⸗ ſes prachtvollen Falters gefangen und an mei⸗ ner Mütze befeſtiget, ohne daß ich bei dieſem Vorfalle im Geringſten darauf geachtet hatte.
Nachdem ich ein Stückchen des zwar be⸗ räucherten, aber ſonſt von der Einwirkung des Feuers nicht merklich veränderten Bratens glück⸗ lich durch die Speiſeröhre in den hungrigen Ma⸗ gen hinabgedrückt hatte, trennte ich mich von mei⸗ nen rothen Gaſtgebern und nunmehrigen Freun⸗ den unter wechſelſeitigen Freundſchaftsbezei⸗ gungen. Ich verſchmerzte gern den Verluſt meiner Weingeiſtflaſche, obſchon ſie manchen intereſſanten Fund enthalten hatte, und dankte Gott herzinniglich für den überraſchend glückli⸗ chen Ausgang dieſes tragiſchen Erlebniſſes.
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* 11.*. . Eine Gewitternacht in Texas.
In Ländern, die erſt vor Kurzem der Ci⸗ viliſation aufgeſchloſſen wurden, wo ganze Ge⸗ genden noch unbewohnt ſind, kine großartige Natur noch frei und ungeſtört waltet— da kommt der Reiſende nicht ſelten in Situationen, die ſeine geiſtigen und körperlichen Kräfte auf harte Proben ſtellen. In dieſe Klaſſe gehören alle von Miſſiſippi weſtlich gelegenen Staaten der nordamerikaniſchen Union, darunter auch Texas.
In dieſem Lande, das ſo groß wie Frank⸗ reich und von vielen Flüſſen und Strömen durchſchnitten iſt, beſteht eine einzige Brücke, zu San Antonio de Bexar; ſie iſt von Holz, führt über den San Antonio⸗Fluß und ſtammt noch aus der Zeit der ſpaniſchen Herrſchaft. An den Straßen des Landes hat die Kunſt bis⸗ her noch nichts gethan, als hie und da die ſtei⸗
*) Ein ſchöner großer Schmetterling, der zur Gattung Eyprepia gehört und in Mexiko Claro
len Uferwände an Flüſſen und Strömen durch⸗ ſtochen, um Furthen für das Fuhrwerk zu bil⸗ den. Ein Pflaſter hat noch keine Stadt aufzu⸗ weiſen.
Das Frachtfuhrwerk wird meiſtens mit Ochſen betrieben; man ſpannt deren vier bis ſechszehn vor einen Wagen, immer zwei unter ein Joch, welches auf dem Nacken ruht und mit hölzernen Bogen um den Hals befeſtigt iſt. Das erſte Joch wird mittelſt eines eiſernen Rin⸗ ges mit der Spitze der Deichſel verbunden, alle übrigen mit einer langen Kette, die um die Mitte der Deichſel angemacht iſt. Geſchirre und Lenkſeile kennt man nicht. Das Lenken geſchieht durch das Kommando, ſo wie ſie auch zum ſchnelleren Gehen mit Worten und mit⸗ telſt einer ſechszehn bis zwanzig Fuß langen gewichtigen Peitſche, welche mit beiden Händen geſchwungen wird, angetrieben werden. Bei dem Kommando werden die betreffenden, be⸗ ſonders die des vorderſten Joches, mit Namen genannt.
Die Wagen haben wenig Aehnlichkeit mit unſern Frachtern. Sie ſind in allen Beſtand⸗ theilen ſehr ſtark und ſo breit, daß ein vierzehn Fuß langer, vier Fuß breiter und zwei Fuß hoher Kaſten von ſtarken Brettern darauf Raum hat, auf deſſen ſenkrechten Wänden die hölzer⸗ nen Bügel für die dichte Linnendecke befeſtiget werden. Ein ſolches Fahrzeug, mit acht bis zehn Ochſen beſpannt, legt mit einer Ladung von vierzig bis fünfzig Zentnern täglich fünfzehn bis achtzehn engliſche Meilen zurück.
Wenn ein ſolcher Frachter auch einen Weg von mehreren hundert Meilen zu machen hat, ſo wird weder bei Tage noch bei Nacht, ſei es im Sommer oder im Winter, eingekehrt. Die Fuhrleute haben ihre Lagerplätze im Freien, ohne auf die Nähe menſchlicher Wohnungen zu achten, wenn nur Waſſer und Holz vorhanden iſt. Auf einem ſolchen angekommen, wird zuerſt das Zugvieh abgeſpannt, welches über Nacht ſein Futter ſucht; die Fuhrleute nehmen ihre Proviantvorräthe, machen Feuer, kochen Kaffee, braten geräucherten Speck mit Eiern, backen Maisbrod in einem eigens hierzu beſtimmten gußeiſernen Topfe, der mit glühenden Kohlen umlegt wird. Als Bett dient eine ſchafwollene Decke, in welche ſie ſich einhüllen, und entwe⸗ der in oder unter dem Wagen ſchlafen. Wenn früh Morgens ein dem Abendeſſen ähnliches Frühſtück verzehrt, das Vieh zuſammengeſucht und angeſpannt iſt, bewegt ſich der Zug lang⸗ ſam weiter, der gewöhnlich aus mehreren Wa⸗ gen beſteht, damit ſich die Fuhrleute bei vor⸗ kommenden Unfällen wechſelſeitig Hilfe leiſten können. Wer ſein Fuhrwerk einigermaßen im Schwunge hat, nimmt auch wohl ein Pferd mit, das er Morgens beim Zuſammentreiben der Ochſen reitet, welches Geſchäft oft ſtunden⸗ lang dauert, wenn ſie ſich weit von einander zerſtreut haben, und der Laut ihrer Glocken nicht mehr zu hören iſt.
Reiſende, die viel Gepäck mit ſich führen
genannt wird.
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