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mich vom Einlegen derſelben wieder auf zum 3
Texas vom Hörenſagen in ſeinen Berichten ſie dargeſtellt hat, welche in der Wiener„Preſſe“ und in dem beliebten Blatte„Aus der Fremde“ im Jahre 1856 mitgetheilt wurden; ſo mag ich doch mit meiner Ausrüſtung den Weißen an der Grenze der Civiliſation und den Roth⸗ häuten jenſeits derſelben ſonderbar genug er⸗ ſchienen ſein.
Ich will keineswegs dieſen meinen ſiebzehn⸗ tägigen, an Gefahren und Entbehrungen ziem⸗ lich reichen Ausflug hier beſchreiben, ſondern für den Zweck dieſer Blätter nur einige, wie ich glaube, dem geehrten Leſer nicht unintereſſante Vorfälle, die mich auf demſelben betroffen ha⸗ ben, auswählen und mittheilen.
Schon am zweiten Tage traf ich auf der wüſten, ſteinigen, ſo weit das Auge reichte baumloſen Ebene eine Klapperſchlange*) von ausgezeichneter Größe und Schönheit an. Da ich ein ſolches Exemplar kaum wieder zu finden erwarten konnte, wollte ich den Fund nicht un⸗ benützt laſſen. Ihr Körper von der Dicke eines Mannsarmes hätte aber kaum in einer der bei⸗ den Spiritusflaſchen Raum gehabt. Tödten durfte ich ſie nicht, weil ſie leblos außerhalb des Spiritus ſogleich in Verweſung übergegan⸗ gen ſein würde. Ich ſchob ihr daher ein hohles, hierzu bereitetes Stückchen Holz in den Rachen, verhinderte deſſen Herauswerfen durch ein ſtraff anliegendes Halsband, daß ſie wohl Luft ſchö⸗ pfen aber nicht beißen konnte. So befeſtigte ich ſie mit einer um die Mitte ihres Leibes ge⸗ ſchlungenen Schnur linkerſeits an den oberſten Knopf meines Rockes; ſie reichte im ruhenden Zuſtande mit Kopf und Schwanz bis zu den Knöcheln hinab. Das öftere Rutſchen ihres glatten Körpers in der Schlinge machte mir viel Unbequemlichkeit und Abends mußte ich ſie in der Nähe meines Nachtlagers an den Hals anbinden, ſonſt würde ſie mir ſammt der Pfeife, durch welche ſie oft ein unheimliches Ziſchen hören ließ, entſchlüpft ſein.
Am fünften Tage meiner Wanderſchaft kam ich Vormittags an die Vertiefung eines aus⸗ getrockneten Baches(Crcek), deſſen Ufer mit grünein niedrigen Geſtrüpp bewachſen waren und einen reichen Kräuterwuchs zeigten. Ich hatte einige Pflanzen da geſammelt und richtete
Weitergehen. Da gewahrte ich in weiter Ent⸗
wenn das Zuſammentreffen mit ihnen für den Fremden erträglich ablaufen ſoll. Ich ging längs dem Ufergebüſch ihnen entgegen. Sie bildeten bald einen weiten Halbkreis, als wenn ſie mich zu umringen und einzuſchließen gedäch⸗ ten. Ein flüchtiger Ueberblick ihres formirten Bogens ließ mich ihre Anzahl, die mir übri⸗ gens ſehr gleichgiltig war, auf zwei hundert ſchätzen. Ich ſchritt ihnen fortwährend entge⸗ gen, da zog ſich der Bogen plötzlich zuſammen und der Trupp näherte ſich mir im gemeſſe⸗ nen Schritte.
Wenn ich mir auch ihre Bewegungen und das langſame Vorrücken als Zeichen ihrer Ver⸗ legenheit auslegte, ſo war doch meine immer gewiſſer werdende Ueberzeugung, daß ich einen Schwarm von dem Stamme der Lipans vor mir habe, äußerſt entmuthigend. Dieſer St gehörte ſonſt nicht zu den feindſeligſten gegen die Weißen, aber er war ungefähr vor einem Jahre mit den Amerikanern in Konflikt gera⸗ then, der ſchon von beiden Seiten mehrere Opfer gekoſtet hatte. Ich war von mehreren Seiten, beſonders aber von dem Häuptlinge John Conor, gewarnt worden, mich in ihre Nähe zu wagen. Da die Entfernung durch beider⸗ ſeitiges Vorrücken zwiſchen uns immer geringer wurde, ſo bemerkte ich auch noch zum Ueber⸗ fluſſe, daß es bei ihnen auf einen Akt der Feindſchaft abgeſehen war.
Wir hatten uns auf höchſtens fünf und zwanzig Schritte genähert, da hielt plötzlich der Trupp ſtill, ich blieb denn auch ſtehen, die Kerls unverwandt anſehend. Mir ſchien, als ob ſie ihre Blicke nach meiner linken Seite rich⸗ teten, da konnte ſie nur die Klapperſchlange intereſſiren. Ohne meine Augen von ihnen ab⸗ zuwenden, reizte ich das Thier heimlich durch Kneipen, worauf es ſich öfters mit dem Vorder⸗ leibe bis über meine Mütze emporbäumte, mei⸗ nen Hals umſchlang und den Kopf auf meine Schultern legte. Dieſes Spiel betrachteten ſie etwa zehn Minuten lang mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit, der aber dennoch das Pfeifchen in dem Rachen der Schlange entgangen war. Plötzlich wandten alle ihre Pferde und Maul⸗ thiere um und galoppirten nach verſchiedenen Richtungen auf und davon.
Ich athmete wieder freier und die unfrei⸗ willige Begleiterin an meiner Seite war mir
fernung ſchnell über den Boden hinſchießende ſchwarze Punkte, ich hielt ſie anfänglich für hin und wider fliegende Vögel; aber bald belehrte mich ein Blick durch's Fernglas eines anderen, es waren die ſchwarzen Köpfe reitender India⸗ ner. Ihre ſonderbaren Bewegungen fielen mir auf und ich erkannte ſehr bald, daß ich der Ge⸗ genſtand ihrer Aufmerkſamkeit ſei. An ein Fliehen vor feindlichen Indianern mit einiger Ausſicht auf Entkommen kann kaum ein Reiter, aber nie ein Fußreiſender denken. Unerſchrockenheit iſt das allererſte Erforderniß,
*) Crotalus adamanteus. Holbe.
um ſo theurer. Leider ſtarb ſie nach wenig
Tagen und ich konnte auf ihren ſchützenden Einfluß in ähnlicher Lage fernerhin nicht mehr rechnen. Ich bälgte ſie ab, ließ aber den Kopf und den Schwanz mit der Klapper am Balge unverſehrt, drückte ſie ſo auf ein mäßiges Volumen reduzirt, in eine Spiritusflaſche, in welchem Zuſtande ich ſie bis heute aufbewahre,
Bei meiner Verproviantirung für die Grant⸗ expedition war ich viel zu ſorglos geweſen; geräucherter Speck, nicht ganz 4 Pfund, eben
ſo viel Maisbrod und 1 ½ Pfund geröſteter
Maiskörner bildeten meinen ganzen Mundvor⸗
rath, von welchem ſich vier, im Nothfalle ſechs
ſchuldigung kann ich nur anführen, daß ich die
dachte, daß ich auf wilde Pflanzennahrung, auf den ſüßen Saft eines Kaktus, auf die eßbare Wurzel einer Pflanze*), im günſtigen Falle auf ein Stück Wildpret bei den Indianern gerechnet hatte, daß ich ferner ſechs Bouteillen Trink⸗ waſſer mittrug, da mir der Durſt zu dieſer heißen Jahreszeit in Gegenden, wo Trinkwaſſer oft äußerſt ſelten gefunden wird, viel peinlicher und gefährlicher als der Hunger erſchienen war. Aber ich fand bald Urſache genug, meine Sorg⸗ loſigkeit zu bereuen: der Kaktus gab in dieſer Jahreszeit keinen Saft mehr, die Psoralea fand ich nicht und bei den Indianern war Ge⸗ nießbares nicht zu haben.
Noch ehe ich die San Saba erreichte, war mein Mundvorrath bis auf einige übriggeblie⸗ bene Speckſchwarten, an welchen ich nun meh⸗ rere Tage kaute, verzehrt, und ich litt großen Hunger. Mein Jagdgewehr war der Stock, mit dem es mir immer erſt nach manchem fruchtloſen Verſuche gelang, dann und wann ein Repphühnchen**) todt zu werfen. Doch war der Hunger nach einigen Tagen nicht mehr ſchmerzlich und äußerte ſich blos durch die Ab⸗ nahme der Kräfte; aber die Pein und Gefahr des Durſtes ſollte ich bald auch erfahren.
Ich hatte aus einer Quelle unweit von der
ſechs Waſſerflaſchen gefüllt und trat den Rück⸗ weg nach einer anderen Richtung an, in wel⸗ cher ich die Quellen des Llano zu treffen ge⸗
Tage leben ließ. Zu meiner dießfälligen Ent⸗
dachte. Es war ein heißer Tag, ich ſchritt mit möglichſter Anſtrengung vorwärts. Das Ther⸗ mometer zeigte im Schatten um drei Uhr Nach⸗
mittags 305 R., ich fand den ganzen Tag kein
Waſſer, und meine Waſſerflaſchen waren Abends bis auf eine geleert, die ich wohl noch gerne ausgetrunken hätte, aber nothwendig für den kommenden Tag aufſparen mußte.—
Ich verfolgte nach dem Kompaß meine Richtung am folgenden Tage weit langſamer, ich war matt; da ich kein Waſſer fand, ſo konnte ich meinen Durſt nicht ſtillen, aus der Flaſche nahm ich nur öfters einige Tropfen, um die vertrocknende Zunge anzufeuchten; ſo war ſie aber lange vor Sonnenuntergang leer gewor⸗ den und keine Hoffnung auf Waſſer vorhanden. Ich merkte, wie die Trockenheit des Mundes in den Kehlkopf eindrang, das Athmen wurde immer beſchwerlicher, es wurde ſchwarz vor den Augen, ich ſchwankte bald rechts, bald links, das Bewußtſein ſchwand, ich fühlte das Nieder⸗ ſtürzen nicht mehr, wenigſtens iſt mir keine Erinnerung an dasſelbe geblieben.
Ich erwachte wie aus einem tiefem Schlafe; nach dem Stande der Sterne am Himmel mochte es um zwei Uhr Morgens ſein. Froſt durchrieſelte meinen ganzen Körper. Ein kühler feuchter Nebel zog über die ebene
*) Psoralea esculenta. **) Perdrix virginiuana. Bonast, von der
Größe einer Wachtel.
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Reiſe in ſieben bis acht Tagen abzumachen ge⸗
San Saba meinen hungrigen Magen und die
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