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(1858) 8 08
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Schon kamen die Vorübergehenden herzu und beluſtigten ſich an dem Zanke der Ver⸗ lobten. Der Eine ſagte: ſie ſollen die Hütte in den Schrank tragen, ſtatt den Schrank in die Hütte! Der Andere: ſie ſollten mit dem Schranke feuern! Ein Dritter meinte: ſie möch⸗ ten von dem Schrank ein Stück abſägen. Der Letzte hatte Auguſten am tiefſten ver⸗ wundet, denn ſie warf ihm einen grimmigen Blick zu. Verbrennen iſt nicht ſo arg als ver⸗ ſtümmeln! Den erſten Witz beantwortete Kon⸗ rad mit einem ſehr bedeutenden Fauſtſchlag; ſeine Ehre war gekränkt.

Unbewußt hatte ſich das unglückliche Paar aus Müdigkeit auf den Schrank niedergelaſſen und trauernd ſaßen ſie da, den Kopf in die Hand geſtemmt, wie die Juden auf den Trüm⸗ mern von Jeruſalem. Guter Rath war theuer. Der Andrang ward immer größer, der Lärm immer toller, Konrad's Aerger und Augu⸗ ſtens Verzweiflung immer tiefer. Da erwachte ein großer Gedanke in dem weiblichen Herzen.

Sie ſtand auf und ſagte:Gott will's nicht!

Konrad! Hilf mir den Schrank zurücktragen zum Michelſephe!Wir ſollen nicht heuern? fragte er erſchrocken und Leichenbläſſe bedeckte ſein Angeſicht.Du ſiehſt's ja! ſagte ſie lakoniſch in reſignirter Verzweiflung und legte Hand an den Schrank. Konrad aber ſprach kein Wort, der Länge nach warf er ſich hin auf den Schrank wie der Krieger ſich ſterbend auf ſeinen Schild wirft, und ſchluchzte laut, ſeine heißen Thränen ſtrömten an dem Schranke hinab, als wollten ſie ein Stück von ihm wegſchwemmen; Auguſte erbarmte ſich ſeiner, ſprach ihm Troſt zu, er aber wendete ſein Geſicht nicht um und weinte in den Schrank hinein.

Da entſtand plötzlich unter der umherſte⸗ henden Menge ein Gemurmel, die Köpfe Aller drehten ſich um, ein Ah! entfuhr den Lippen der Meiſten ein Greis von ehrwürdigem Ausſehen kam heran, die Menge theilte ſich, die Häupter entblößten ſich, hie und da küßte ein Weib das Kleid des Herrn, welcher ver⸗ wundert die Leute anſah, bis er den Schrank und den Konrad darauf als den Mittelpunkt der ganzen Szene erkannte.

Was hat's da? fragte er freundlich einen Handwerker, welcher vor Ehrfurcht von einem Fuß auf den andern hüpfte.Excel⸗ lenz! antwortete er kurz,die Beiden wollen heuern, ihm gehört die Hütte da, ihr der Schrank! Der Schrank iſt für die Hütte zu groß oder die Hütte iſt für den Schrank zu klein, wie Euer Excellenz belieben, und da wird nichts aus der Hochzeit!Wird nichts? lä⸗ chelte der Graf:Ja warum wird nichts? Nu, weil der Schrank nicht'neingeht! Der iſt von ihrer Mutter Bruder, der Pfarrer war, Gott hab' ſie alle Beide ſelig Euer Excel⸗ lenz zu dienen!Und die Hätte? Stammt von ſeinem Vatter, Excellenz, freilich

ein wenig enge weiland ein Stall, Excel⸗

lenz!Und wer ſeid denn Ihr? wendete Erinnerungen. 1858.

ſich der Graf an die Beiden, welche ſich mittler⸗ weile aufgerichtet und Hand in Hand auf den Schrank hingepflanzt hatten.Hofleute, Eure Excellenz, ich Hofknecht ſeit einer Woche und drei Tagen, ſie Hofmagd,'s wird gerade ein Monat ſein.Und Ihr habt Euch lieb? Vom Herzen!Der Schrank? Geht nicht' nein!Alſo wird nichts aus der Hochzeit? Ach nein! Der Graf lachte herzlich.Gibt's denn gar kein Mittel? Ja, wenn man eins wüßt'!Ich weiß eins! ſchmunzelte der Graf. Alle horchten.We⸗ ſel! rief der Greis, und der Oberamtmann trat vor;Weſel! Laßt den ehrlichen Kindern da ein Häuschen bauen, daß ſie darin bequem leben können mit etlichen Kinderchen und nota bene dem Schrank! Und ſo geſchah es. Der Schrank hat ein Häuschen ge⸗ boren und iſt doch nicht ſchmäler geworden.

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Gefahren bei einem Ausfluge in die Wildniß von Nordamerika.

Von P. Gottfried Menzel.

J.

Ich hatte im Frühjahre 1850 die dring⸗ lichſten Miſſionsgeſchäfte in den deutſchen An⸗ ſiedlungen des weſtlichen Texas zu Ende ge⸗ bracht und beſchloß nun, mit dem Beginnen desnahen Sommers meine bisher noch unbe⸗ deutende amerikaniſche Naturalienſammlung zu vermehren. In den bewohnten Gegenden des Flußgebietes der Guadaloupe hatte ich auf meinen Berufsreiſen gelegenheitlich wohl ſchon manches Neue geſehen und geſammelt, aber jenſeits der Grenze der Civiliſation, in dem wüſten Indianergebiete, konnte ich eine weit reichere Ausbeute vermuthen.

Bis an den Llano, einen Nebenfluß des texaniſchen Colorado, war die Civiliſation durch deutſche Anſiedler vorgedrungen und die Wil⸗ den ſollten ohne beſondere Erlaubniß hierzu dieſen Fluß fernerhin nicht mehr überſchreiten, daher auch ſie ſich für berechtigt hielten, den Weißen das Eindringen in ihre Jagdreviere zu verwehren.

Am linken nördlichen Ufer des Llano be⸗ ginnt der ſogenannte Fiſchers⸗Grant, eine aus⸗ gedehnte wüſte Landſchaft, welche derMain⸗ zer Verein zum Schutze deutſcher Auswanderer von den Herren Fiſcher und Müller an⸗ gekauft hatte und von den durch dieſen Verein nach Texas beförderten Deutſchen demnächſt koloniſirt werden ſollte. Es iſt merkwürdig ge⸗ nug, daß zur Zeit dieſes Kaufes weder die Käu⸗ fer noch die Verkäufer dieſes Land mit einem Fuße betreten, noch mit einem Auge geſehen hatten, ja weder betreten noch ſehen durften, denn die daſelbſt noch in wilder Urſprünglich⸗

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keit hauſenden Indianerſtämme kümmerten ſich um einen ſolchen Kauf wenig, erhielten nicht einmal Kenntniß von demſelben.

Die Vorausſetzung, daß ich durch einen Ausflug in dieſen räthſelhaften Grant in den Stand geſetzt werden könnte, über ſeine Brauch⸗ barkeit zur Anſiedlung ein helleres Licht zu ver⸗ breiten, gab dem Vorhaben ein praktiſches In⸗ tereſſe.

Was aber meinem Unternehmen außerdem noch lebhaften Reiz und Antrieb verlieh, waren die Wilden ſelbſt, da ich nach eingeholter Er⸗ kundigung wenigſtens acht verſchiedene Stämme derſelben in ihrem von der Civiliſation noch un⸗ behinderten Leben und Treiben anzutreffen hof⸗ fen konnte.

Ich erfuhr um dieſe Zeit, daß der Häupt⸗ ling des den Weißen befreundeten Stammes der Delawaren, Namens John Conor, bei dem äußerſten Handelspoſten(Trading house) am Llano, vierzehn Meilen oberhalb der letzten Anſiedlung Kaſtell ſich aufhalte und beſuchte ihn, um von ihm Erkundigungen betreffs mei⸗ ner projektirten Expedition einzuziehen. Ich fand in ihm einen Mann, der ſich faſt nur durch ſeine Hautfarbe von einem weißen amerikani⸗ ſchen Landmanne unterſchied. Er ſprach gut engliſch, war mit allen Verhältniſſen des Lan⸗ des, das ich durchreiſen wollte, und ſeinen wil⸗ den Bewohnern genau vertraut; er nahm mich mit überraſchender Freundlichkeit und Gaſt⸗ freundſchaft auf, was mir um ſo mehr ent⸗ ſprach, da er bezüglich des Eſſens die india⸗ niſche Lebensart gänzlich abgelegt hatte und nach amerikaniſcher Weiſe ſpeiſte. Seinen An⸗ trag, mit ihm in der Blockhütte, die dem Per⸗ ſonale des Handelspoſtens als Küche diente, zu ſchlafen, mußte ich jedoch entſchieden ablehnen, da die dielenloſe Erde und die bereit liegende wollene Decke von hungrigen Flöhen förmlich geſchwärzt waren. Ich glaube nicht, daß all mein Blut dieſe Nacht hingelangt hätte, die Hälfte derſelben zu befriedigen. Seine Aus⸗ künfte und Mittheilungen waren im Ganzen nichts weniger als ermuthigend, und er verſi⸗ cherte mir ſchließlich, daß er jetzt dieſes Unter⸗ nehmen nur von 150 Bewaffneten begleitet wagen würde.

Als ich meinen bis dahin verheimlichten Plan mehreren bekannten Anſiedlern eröffnete, machte er unter ihnen Aufſehen, es wurde an⸗ fänglich viel darüber gelacht, und als ſie Ernſt in meinem Vorhaben merkten, boten ſie Alles auf, mich von dem Wagniſſe abzuhalten. Ich betrieb meine geringen Vorbereitungen heim⸗ lich. Mit einem etwa viertägigen Proviant, beſtehend in geräuchertem Speck, Brod und etwas geröſteten Maiskörnern, mit den gefüll⸗ ten Waſſerflaſchen und meinen Behältniſſen für einzuſammelnde Pflanzen und Thiere ſchwer beladen, überſchritt ich wohlgemuth den Llano in Gottes Namen.

War auch meine Kleidung und die übrige äußere Ausſtattung nicht gerade ſo außeror⸗ deutlich, wie ein franzöſiſcher Miſſionär in

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