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ſage nicht mehr, dem Weiſen genügt ein Wort.“ Nach dieſen freundſchaftlichen Andeu⸗ tungen entfernte er ſich ohne eine Entgegnung abzuwarten..
Beſtürzt und nachdenkend ſaßen unſere Freunde und ſuchten vergebens nach einem Ret⸗ tungsmittel aus dieſer verhängnißvollen Lage, als ein Abgeſandter des Fürſten eintrat, der ſie einlud, in Zeit von einer Stunde ſich nach Hofe zu begeben. Sie mußten dem Unver⸗ meidlichen ſich fügen und machten ſich endlich auf den Weg. Schon auf der Straße mußten ſie die unerfreuliche Wahrnehmung machen, daß unter dem Volke ſelbſt Haß und Fanatismus gegen ihre Landsleute in großem Maße rege war. Im Palaſte angekommen, wurden ſie in einen Saal geführt, in welchem die Gäſte, die engſte Umgebung des Fürſten, ſich bereits be⸗ fanden. Bald erſchien auch der Fürſt, der mit einer lärmenden Muſik empfangen wurde.
Eine große, reich beſetzte Tafel nach indi⸗ ſchem Geſchmacke brachte bald Lebhaftigkeit in die Geſellſchaft und der Hofnarr that das Seine, um die Heiterkeit immer zu ſteigern. Nachdem unter vereinten Anſtrengungen der größte Theil der Speiſen ohne Beihilfe künſt⸗ licher Inſtrumente mit bloßer Verwendung der Finger verzehrt war, wurden auf ein Zeichen des Nabob die Getränke gebracht und die Eng⸗ länder aufgefordert, die berühmte Tüchtigkeit ihrer Landsleute im Trinken zu rechtfertigen. Es wurde ihnen eine bedeutende Quantität ſpaniſcher und griechiſcher Weine vorgeſtellt, von denen ſie Gebrauch machen ſollten, beſon⸗ ders nahm Schrubbs die Einladung hiezu in allem Ernſte auf trotz der leiſen Mahnung Holwells, im Trinken die größte Mäßigkeit zu beobachten.
Die Lebhaftigkeit der Unterhaltung ſteigerte ſich nun immer und erreichte ſchon einen hohen
„Grad, als auf einen Wink des Fürſten eine Schaar reichgekleideter Almetris oder arabiſcher
Tänzerinen eintrat, welche Tänze des üppig⸗ ſten Charakters aufführten.
Die Geſellſchaft zeigte ſich immer lärmen⸗ der, immer wurden die leeren Flaſchen durch neue erſetzt. Die Extaſe, in welche die Zecher durch die lärmende Muſik wie durch die Exal⸗ tationen der Tänzerinen verſetzt wurden, war mit die Veranlaſſung, daß man die Becher ſchnell und eifrig leerte, bis ein großer Theil der Geſellſchaft ſich im unzurechnungsfähigen Zuſtande befand. Selbſt der edle Nabob ließ ſich von dem Beiſpiele ſeiner Zechgenoſſen hin⸗ reißen und bald war auch an ihm die Wirkung des Weines deutlich zu bemerken.
Die Tänzerinen verſchwanden endlich und nun erreichte das Bachanal ſeinen Höhepunkt. Die Engländer wurden förmlich gezwungen zu trinken, und je mehr ſie widerſtrebten, deſto mehr wurde ihnen zugeſetzt. Hadſchi trauk mit Schrubbs um die Wette, und ſelbſt der Nabob fand es nicht unter ſeiner Würde, mit jedem einzelnen der Engländer, taumelnden Schrittes, einen Wetttrunk einzugehen.—
Jetzt wurde geſungen, gelärmt, geſprungen; Schrubbs faßte den ſinkenden Nabob, und im Uebermaße trunkener Luſtigkeit führte er mit ihm den Matroſentanz auf, dann ſanken beide, wie die meiſten ihrer Vorgänger nieder und ſchlummerten.
Thomas und Holwell hatten dieſe Szene ſo wie die anderen wilden Gruppirun⸗ gen nur noch wie durch einen Nebel geſehen, da ſie wider ihren Willen eine Maſſe der feu⸗ rigſten Getränke hatten verſchlucken müſſen. Sie kämpften vergebens gegen die ſie überman⸗ nende Müdigkeit und erlagen ihr endlich.
Als ſie am andern Morgen mit ſchwerem Kopfe und brennender Zunge erwachten, be⸗ fanden ſie ſich in einem kleinen dunklen, mit Eiſengittern und mit einer eiſernen Thüre ver⸗ ſehenen Gemache. Sie waren in einem Kerker.
(Schluß folgt.)*
——.—
Der Schrank.
Eine Humoreskee. Von Moritz Reich.*)
Schon waren ſie dreimal aufgeboten wor⸗ den. Mögen Jene, welche ſchon in der angeneh⸗ men Lage waren, Bräutigam zu ſein, ſich die Empfindungen ausmalen, welche in dem Hof⸗ knechtsherzen ſich regten, als der Pfarrer die ehrbaren Brautleute Konrad Blümel und Auguſta Klat von der Kanzel herab zum letzten Male aufbot, und alle Köpfe ſich rück⸗ wärts bogen, um ihn in ſeiner Scharlachweſte und ſie in ihrer breiten blauſeidenen Schürze zu bewundern.
Wunderbare Fügung der Natur, daß das Herz nicht nach Rang und Namen fragt, daß ein Stück Brod oft mehr Freude erregt als eine lek⸗ ker beſetzte Tafel, und Konrad im Bewußt⸗ ſein ſeines Beſitzes, Auguſte ihrer Mitgift ſo ſelig daſaßen, wie je ein hochadeliges Paar in der Notredame⸗Kirche, umringt von den Pairs des Königreichs, blitzend in Gold und Juwelen, in Sammt und in Seide!— Und was war ſein Beſitzthum? Und was war denn ihre Mitgift?
Er war der Erbo, der alleinige, einer klaf⸗ terhohen, drei und einen halben Schuh im Ge⸗ vierte meſſenden, mit Stroh gedeckten hölzernen Hütte, die er erſt ſein nennen konnte, nachdem er die Schulden ſeines jüngſtverſtorbenen Herrn Vaters, welche darauf hafteten, in der Brannt⸗ weinſchenke getilgt. Soviel von ſeinem Erbe.
Was ihre Mitgift anbelangt, ſo war ihre Mutter zwar eine ſehr redliche Perſon und ſo⸗ gar die Schweſter eines vor dreißig Jahren ver⸗ ſtorben Pfarrers, aber herzlich arm, ſo arm, daß nach Bezahlung der Begräbnißkoſten, nichts für
*) Siehe Buchſchau.
die einzige, aber unverſorgte Tochter dablieb, als — ein großer, breiter, tiefer, hoher Kleider⸗ ſchrank, welcher die Ehre hatte, von dem beſag⸗ ten Pfarrer, der da war ein Bruder ihrer ſelig verſtorbenen Mutter, herzurühren, und für ein Familienheiligthum zu gelten.
Der große Moment war alſo gekommen. Auguſta'’s Mitgift, der Schrank, ſollte in Konrads Erboe, die Hütte, gebracht werden, denn ſo will es die Sitte. Der Schrank war im Hauſe eines Bauers einquartirt, der wegen ſeines Reichthums Auguſta's Vertrauen beſaß.
Arm in Arm ging das Paar hin, ſie ſtieß ihn, er ſtieß ſie in die Seite, keines wollte mit der Sprache heraus, bis der pfiffige Michelſephe ſie errieth und ſeinen Sonntagsſtaat aus dem Schranke nahm, ohne ein Wort zu ſagen. Und ohne ein Wort zu ſprechen, packte nun Konrad oben an, ſie unten, beide waren über und über roth, und trugen den altehrwürdigen, eichenen Hausrath mit einem leiſen„Zahlsgott“ zur Thüre hinaus. Gewiß blickte in dem Augen⸗ blicke die Mutter ſelig und der Herr Pfarrer vom Himmel herab. Sehr oft mußten ſie nie⸗ derſetzen und dann ſtemmten ſie die Arme in die Seite und ſahen einander verſtändnißinnig an, ihr Blick ſchien zu ſagen: Bin ich nicht reich? wie er ſchwer iſt!— Sein Blick hinge⸗ gen ſagte: Der Schraͤnk iſt ſchön und gut— aber meine Hütte! na! die iſt mir doch lieber! — Viele erboten ſich auf dem Wege, mittragen zu helfen, aber Alle wurden kurzweg mit einem: Schön dank! abgeſpeiſt— es ſollten keine pro⸗ fanen Hände das Familienheiligthum be⸗ rühren!
Endlich ſind ſie an der Hütte angelangt! Konrad und Auguſta ſtehen einander ge⸗ genüber, ebenſo Hütte und Schrank— große Pauſe!.
Zum letzten Male wird das Rieſenmöbel
angefaßt und der erſchrockenen Hütte genährt
— weit auf wird die Thür geriſſen, der
Schrank wird der Länge nach— hineinge⸗
ſchoben! o nein, welch' ein Unglück! will er nicht? will ſie nicht? Beide wollen nicht! er iſt zu korpulent, ſie zu ſchmal— unmöglich! Der Schrank wird geſtürzt und geſtürzt— alle Rip⸗ pen krachen, er will nicht hineingehen! Der Schweiß rinnt von der Stirne des Paares, beide fürchten einander anzuſehen, ihre Herzen pochen gewaltig: warum iſt er auch ſo groß? denkt ſie und redet dem Schrank in's Gewiſſen; warum iſt ſie auch ſo ſchmal? denkt er und verſetzt ſei⸗
ner unſchuldigen Thür einige Ohrfeigen—end⸗
lich fährt ihm ein: Himmelſakrament! heraus, ſie fängt an zu weinen! er ſagt: wein’ Du noch! ſie ſagt: ſchimpf' Du noch! er ſagt hitzi⸗ ger: da iſt nur Dein dummer Schrank ſchuld! ſie jammerte noch lauter: nein! Deine Hütte iſt ſchuld!— Du haſt eine ſchöne Muttergabe! ſpottet er, Du ein ſchönes Erbe! höhnt ſie; prächtige Mutter das! ſchreit Konrad,— laß
mir meine Mutter unbeſcholten! weint ſie,
Dein Vater war der rechte! akkurat!
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