Die Geſellſchaft zog nun ruhig der Stadt entgegen und erheiterte ſich nicht wenig an den Späßen und Witzen des mit anweſenden Hof⸗ narren Hadſchi. Dieſe verkrüppelte Figur, zum Ueberfluſſe mit einem ungewöhnlich ſtark entwickelten Höcker und mit einem unförmlich großen Kopfe ausgeſtattet, ritt ein ſeiner Perſon entſprechendes kleines Rößlein, auf dem er zur Beluſtigung des Hofes die poſſirlichſten Kapriolen producirte, und bei welcher Gelegenheit er das Unglück hatte, vom Pferde zu ſtürzen. Die Verwickelung des Fußes des Reiters in den Steigbügeln würde unausweichlich deſſen Schlei⸗ fung durch das galoppirende Pferd zur Folge gehabt haben, wäre nicht zur glücklichen Zeit der Sattelgurt geriſſen, wodurch Hadſchi aus ſeiner gefährlichen Lage in die lächerliche Si⸗ tuation kam, den Sattel auf den Rücken nehmen zu müſſen und ſo zur Ergötzlichkeit der Geſell⸗ ſchaft keuchend und ſchwitzend, ſeinen Unſtern beklagend, heim zu gehen.
Dieſer Zwiſchenfallwurde für unſere Freunde von weittragender Bedeutung.
Als die Jagdgeſellſchaft im Palaſte des Nabob angekommen war, wurden die Englän⸗ der angewieſen, im Vorgemache zu warten, da der Fürſt ſie empfangen wolle, nachdem er von der Jagd ausgeruht haben würde. Unwillkür⸗ lich fiel allen Dreien die Aehnlichkeit des ihnen zum Warten angewieſenen Gemaches mit einem Gefängniſſe auf.
Nach zweiſtündigem peinlichem Harren trat endlich ein reichgekleideter Mohamedaner ein,
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ten, thäten aber das Gegentheil; wie ſie wirklich ſchon Kriege geführt, Schlachten geliefert und Belagerungen geleitet hätten. Sie ſeien nun auch ſchon die Mächtigſten unter allen europäi⸗ ſchen Nationen; daß ſie nun ſchon mit gewaff⸗ neter Hand den eingebornen Herrſchern gegen⸗ über zu treten wagen, beweiſe das Schickſal ſeines Bruders, deſſen Kerkermeiſter ſelbſt jetzt ſich erdreiſte, als Abgeſandter vor dem Fürſten zu erſcheinen. Solche Kühnheit verlange die ſtrengſte Ahndung, und es ſei von der bekannten Gerechtigkeit des Fürſten zu erwarten, daß er Gleiches mit Gleichem vergelten und die Ab⸗ geſandten ſo behandeln werde, wie man Dari⸗ man, den Günſtling des Fürſten, behandelt habe.“
Dieſe mit gehäſſigem Eifer vorgebrachte Rede rief ein lebhaftes Gemurmel der Bei⸗ ſtimmung unter den anweſenden Großen des Hofes hervor, nur Miar Jaffierblieb zurück⸗ haltend. Holwell, welchem die Sprache des Indiers bekannt war, widerlegte mit beredten Worten die Einwürfe des Redners, wurde aber durch die lauten Einwendungen der Hofleute unterbrochen und übertönt. Der Tumult wurde gefahrdrohend, da ſogar die Bewaffneten an der allgemeinen Aufregung Theil nahmen, in⸗ dem ſie mit ihren Waffen klirrten und grimmige Drohungen ausſtießen.
Der Fürſt gebot nun Ruhe und befahl Seat, die Bedingungen vorzulegen, unter denen den Engländern ein vorläufiger Friede
„....„ zu bewilligen ſei. Die Bedingungen wären:
welchen Holwell wie einen bekannten Freund Schleifung der angelegten Befeſtigungen, Aus⸗ mit dem Namen Miar Jaffier anredete und lieferung aller den Engländern unterſtehenden der die Armee des Fürſten befehligte.„Ich bin Eingeborenen; Tributzahlung in die Kaſſe des gewiß,“ redete der Eintretende die Engländer Nabob und von dem Fürſten zu beſtimmende freundlich an,„ich bin gewiß, daß Ihr bei einer Geldbußen für die Nachtheile, welche dem ſich bald ergebenden Gelegenheit im Kampfe, Nabob aus den Handelsvortheilen der Englän⸗
eben ſo viel Muth und Tapferkeit zeigen wer⸗ det, wie Ihr es auf der Jagd bewieſet. Für jetzt folgt mir zum Fürſten.“
Sie traten in einen koſtbar verzierten Saal ein, wo Sarajah Dowlah von ſeinen Wür⸗ denträgern und hohen Staatsbeamten umgeben, auf einem mit orientaliſcher Pracht ausgeſtatte⸗ ten Throne ſaß. Außerdem war der Saal mit Soldaten gefüllt, welche beim Anblicke der Fremden einen Ausdruck der Drohung und des Haſſes nicht verbergen konnten.
Holwell hielt eine Anrede, in welcher er alle gegen die Engländer erhobenen Beſchuldi⸗ gungen widerlegte, und bat im Namen des Rathes von Calcutta um den Schutz und die Freundſchaft des Herrſchers von Bengalen, die ſie jetzt bei der feindſeligen Abſicht ihrer Riva⸗ len, der Holländer und Franzoſen, beſonders bedürften.
Nachdem dieſe Rede verdolmetſcht worden war, erhob ſich einer der Würdenträger aus der Umgebung des Fürſten und ſprach in leiden⸗ ſchaftlicher Weiſe gegen das Vorgetragene. Der Redner war der uns bekannte Seat, der Bru⸗
der Dariman’s. Er ſagte:„die Engländer
ſprächen zwar viel von ihren friedlichen Abſich⸗
der erwüchſen.
Ddieſe Bedingungen überlieferten die Eng⸗ länder ſchutzlos ihrem Feinde.
Holwell machte die Vorſtellung, daß er zur Eingehung ſolcher unerwartet wichtigen Bedingungen keine Vollmacht habe; daß er erſt mit dem Rathe von Calcutta konferiren müſſe, dem dieſes Ergebniß ſeiner Sendung ſehr über⸗ raſchend kommen werde; denn keine härteren Bedingungen könnte man vorſchreiben, wenn die Engländer in einer offenen Schlacht beſiegt worden wären.
Jetzt konnte der lange verborgene Unwillen der Verſammlung ſich nicht mehr halten, ſtür⸗ miſch riefen nun die Krieger, ihre Waffen ſchwingend, man müſſe die Hunde zur Ver⸗ nunft bringen. Der heftige Lärm und die wilden Drohungen erregten auch den Grimm Schrubbs' und Thomas,, die unwillkürlich
nach ihren Schwertern griffen, und ſelbſt Holwell, obſchon an ähnliche Rathsver⸗ ſammlungen gewöhnt, konnte ſich nicht ganz enthalten; die wilden Mienen der beiden Krie⸗ ger und ihre Bewegungen ſchürten noch den Tumult— ſchon ſahen ſie einige der Wüthend⸗ ſten ſich erheben, Holwell war ſchon ganz ge—
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faßtn daß das Signal gegeben werde zu ihrer Ermordung.— Noch ein Augenblick, und es war um ſie geſchehen, da erſchien plötzlich als Blitzableiter der unglückliche Hofnarr Hadſchi im komiſcheſten Aufzuge, mit dem Sattel und den ſchleppenden Steigbügeln auf dem Rücken an der Schwelle des Saales. Die Ausbrüche des Zornes ſchlugen im Augenblicke in ein tol⸗ les, nicht enden wollendes Gelächter um, das die poſſirlichen Grimaſſen, welche er vor Ueber⸗ raſchung über die unerwartete Szene ſchnitt, noch vermehrte. Dieſe plötzliche Heiterkeit hatte den unvermutheten Erfolg, die Erbit⸗ terung abzukühlen. Und auch der Fürſt, durch die veränderte Gemüthsſtimmung in etwas ſanfter geworden, den Anfall der allgemeinen Luſtigkeit theilend, entließ die Verſammlung und verſprach den Engländern am nächſten Tage einen definitiven Beſcheid. Gleichzeitig lud er ſie für den Abend desſelben Tages aus hoher Gnade zu einem Feſte, das er mit ſeiner Gegenwart beehren würde.
Holwell und ſeine Gefährten kehrten nun augenblicklich erleichtert, aber ganz erſchöpft und hinfällig in ihre Behauſung zu dem ihnen ge⸗ neigten Wirthe Jaggutzurück.
Wie wunderbar ſind die Wege der Vor⸗ ſehung! Die unſcheinbarſten Dinge ſind oft die wichtigſten Urſachen großer Wirkungen!
Damit die Engländer einer barbariſchen Niedermetzlung entgingen, mußte Hadſchi den glücklichen Einfall haben, mit ſeinem von den Anſtrengungen der Jagd ermatteten Pferdchen noch die lächerlichſten Reiterkunſtſtücke aufzu⸗ führen! Er mußte den Lärm und das Toben einem Trinkgelage zuſchreiben, welche Meinung wahrſcheinlich ihn anſpornte, ſchnell in der Mitte der Geſellſchaft zu erſcheinen, wo er eine ſo draſtiſche Wirkung hervorbrachte.
Ihr freundlicher Wirth ließ ihnen ſogleich ein auserleſenes Mahl auftragen und verhehlte die innige Theilnahme nicht, die er mit ihrer Lage hatte; ſelbſt zur Flucht würde er ihnen hilfreiche Hand geleiſtet haben,„aber,“ bemerkte er,„Flucht iſt für den Augenblick unmöglich; denn ſelbſt in meinem Hauſe ſeid Ihr von Wachen umſtellt, die man nicht würde täuſchen können.“
Troſtlos ſahen die Freunde ſich an.„Jeder Einzelne von uns“ bemerkte Holwell,„kann ſich mit einem Daniel in der Löwengrube ver⸗ gleichen.“ In dieſem Augenblicke trat ein mo⸗ hamedaniſcher Derwiſch ein, der ſorgfältig die Thüre hinter ſich verſchloß und ſich ſchweigend auf einen Teppich niederließ.
Der augenblickliche Schrecken der Geſell⸗ ſchaft über die geheimnißvolle Erſcheinung wich bald einem freudigen Gefühle, als der Ankömm⸗ ling ſeinen großen Turban lüftete und das Ge⸗ ſicht des Freundes der Engländer, Miar Jaf⸗ fiers, zum Vorſchein kam.„Betrachtet mich,“ ſagte er,„als den geheimen Freund und Bun⸗ desgenoſſen der Engländer und meldet ihnen, daß ſie in kürzeſter Zeit die geeignetſten Maß⸗ regeln zu ihrer Sicherheit treffen mögen. Ich


