Heft 
(1858) 7 07
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Jagd von jungen Haſen, Kaninchen und anderem jungen Wilde angeſtellt, wobei die beiden kleinen Hofzwerge die Stelle der Oberjägermeiſter ad⸗ miniſtrirten. Die übrigen Jägerſtellen wurden von kleinen Knaben, die alle grün gekleidet waren, vertreten, und da die zu dieſer Jagd gebrauchten Hunde gleichfalls ſehr klein und luſtig waren, ſo kam es, daß ſowohl die Jäger als Wild und Hunde viel Gelächter verurſachten. Nach Been⸗ digung ſothaner Jagd wurde dieſe ſämmtliche kleine Jägerei an einer beſonders hierzu einge⸗ richteten kleinen Tafel herrlich geſpeiſet.

Den 10. Juni wurden Johannisfeuer ange⸗ zündet und Luſtfeuerwerke abgebraunt bis Mitter⸗

Da gab es aber oft ſtarken Regen und unbänu⸗ keit ſollte übernehmen laſſen; vielmehr ſollte der diges Gelächter. Abt oder ſonſt Jemand dann und wann in die Den 18. divertirete ſich der königl. Hof des Küche ſchauen und zuſehen, ob dort alles gut von Abends im Wirthshauſe mit einer Bauernwirth⸗ Statten gehe. ſchaft, wobei einem Jeden Eſſen und Trinken Die Vorleſung des Teſtaments machte den umſonſt gereicht wurde. Beſchluß der kirchlichen Solennitäten, und nun Den 19. offene Tafel, Koncert und Komödie. lud der Abt ſämmtliche Anweſende nochmals feier⸗ Den 20. ward ein Bauerngericht gehalten, lich zum Schmauſe ein. Unterdeſſen, heißt es in bei welchem der Hofzwerg die Stelle des Richters der Urkunde, daß ſich die Geiſtlichen begrüßten, vertrat und mancherlei kurzweilige Prozeſſefür⸗ ſollte der Abt das Fell der geſchlachteten Kuh auf getragen und ventilirt wurden. dem Kirchhofe ausbreiten, um welches ſich dann Den 21. Beſuch auf Königſtein. die Ausſätzigen(deren es damals in Deutſch⸗ Den 22. Beſchluß der Feſtlichkeiten mit Victo⸗ land viele gab), die von dem Feſte profitiren rieſchießen, franzöſiſcher Komödie, Feuerwerk dc. wollten, lagerten. Sodann ging er wieder zu

nacht... en 23. Juni prachtvolle Rückkehr des Hofes den vornehmern Gäſten, höhlte eine Semmel Den 11. ſolennes Gewinnſtringrennen im nach Dresden. aus, und präſentirte ſie jedem Anweſenden zu Schloßgarten. einer Kollecte für die Armen, welche draußen auf

Den 12. ſah man die königlichen und an⸗ deren hohen Herrſchaften in Zigeunerhabits ſpei⸗ ſen und tanzen.

Den 13. gab es ein ſolennes Schnepper⸗ Scheibenſchießen in dem neu erbauten propren Schießhauſe.

Den 14. divertirete man ſich in den Scheunen des franzöſiſchen Dorfes mit Korndreſchen und

am 15. mit einer luſtigen Entenjagd auf dem Elbſtrome.

Am 16. wurde in den Auen des franzöſiſchen Dorfes ein ſogenanntes Bauern⸗Carouſſel gehalten. Vorerſt mußten zwölf reinlich gekleidete Bauern⸗ burſche mit ebenſoviel wohlaufgeputzten Mädchen unter gewöhnlicher Bauernmuſik auf einem hie⸗ zu abgeſteckten großen Grasplatze tanzen. Nun wollte es ein jedes Paar gerne recht ſchöne machen, und daher ſchwenketen die Burſche ihre Mädchen ſo luſtig herum und dieſe thaten hin⸗ wieder mit jenen ſo freundlich, daß es ohne Lachen und Vergnügen nicht anzuſehen war. Hierauf rennten 24 auf ungeſattelten muntern Pferden ſitzende Bauernburſche nach aufgehang enen leben⸗ digen Gänſen, deren Hälſe, mit Leinöl beſtrichen, mitten im Reunen mit bloßen Händen vom Rumpfe geriſſen werden mußten. Die hierbei ſich äußernde Kurzweil war unvergleichlich. Die Bauernburſche griffen zwar mit aller Behendigkeit den Gänſen nach den Köpfen, allein dieſe ſchnat⸗ ternden Thiere wehrten ſich dagegen mit ihren Schnäbeln ſo gut ſie nur konnten, ſie ſchnappten und biſſen um ſich herum, und wer den Vortheil nicht in Acht nahm, den Gänſehals recht anzu⸗ faſſen, der mußte ſich's gefallen laſſen, wenn er in die Hand oder in die Finger gezwickt wurde. Hiernächſt geſchah es öfter, daß die Knechte an den Gänſen hängen blieben und die Pferde unter ihnen hinweglteſen. Bisweilen aber entfuhr der ſchlüpfrige Gänſehals den Knechten aus den Hän⸗ den und ſo fielen ſie wacker auf den Boden. Kurz, der ärgſte Sauertopf wäre zum Lachen genöthigt geweſen, abſonderlich da die Bauern ſich recht viel damit wußten, jauchzeten und Vic⸗ torie ſchrien, wenn es ihnen glückte.

Ebendergleichen junge Knechte renneten auf einem andern hierzu aptirten Platze mit ſtumpfen hölzernen Lanzen nach dem Ninge, wobei ihnen die muthigen ungeſattelten Pferde nicht wenig zu ſchaffen machten. Wer den Ring verfehlte, der wurde nicht nur von einem über dem Ringe han⸗ genden vollgefüllten? aſſereimer weidlich begoſſen, ſondern auch von dem auf dem Eimer ſitzenden Manne mit einem tüchtigen Dreſchflegel tapfer auf den Buckel geklopfet. Wer hingegen den Ning traf, erhielt ein Glas Wein und participirte von dem ausgeſetzten Gewinne.

Nebſt dieſem war für die Bauernmädchen zur Ergötzung eine ausgeſtopfte und ſauberge⸗ kleidete Puppe, die eine Bäuerin vorſtellte, auf ein Poſtament geſtellt, das, wenn es ſtark berührt wurde, aus hundert Oeffnungen Waſſer ſpritzte. Nach dem Kranze, welchen die Puppe trug, hatten die Mädchen zu laufen. Welche ihn ohne naß zu werden herunter brachte, erhielt eine Belohnung.

Eine ſeltſame Stiftung. Zu den ſon⸗ der Kuhhaut ſpeiſten. Nunmehr wurden die derbarſten Stiftungen gehörte diejenige, welche An⸗ dreierlei Arten von Brod und Wein nebſt drei ſelmus, Graf von Kalw, zu einem immerwäh⸗ gebratenen Schweinsköpfen aufgetragen. Was von renden Andenken und als Sühnopfer für ſeine dieſer Tracht übrig blieb, wurde unter die aus⸗ Sünden im dreizehnten Jahrhunderte errichtete. wärtigen Gäſte vertheilt. Hierauf erſchienen ge⸗ Wir entnehmen das Nähere darüber dem Parochus ſottene Fiſche in einer Gewürzbrühe mit zwei⸗ jovialis, einer, beſouders für Geiſtliche zuſammen⸗ erlei Brod, nämlich Semmel⸗ und Weizenbrod geſtellten, recht empfehlenswerthen Anekdoten⸗ aber dreierlei Wein. ſammlung. Nach dieſem Gange wurde abermals friſches

An dem Wurmlinger Berge zwiſchen Roten⸗ Brod und Wein, und für je zwei und zwei burg und Tübingen ſtand ein altes Kloſter, deſ⸗ Gäſte eine gebratene Gans aufgetragen. Dieſes ſen Bewohner Percipienten und Executoren der Gerichte war das ſonderbarſte; denn in jeder Stiftung waren. Der Abt dieſes Kloſters mußte Gans ſteckte ein gebratenes junges Huhn, und nun vermöge des Stiftungsbriefes allemal Mon⸗ in dieſem wieder eine Bratwurſt. tags nach dem Feſte aller Seelen, von einigen Von dieſem ſtarken Gerichte erhielten beſon⸗ Kloſterbrüdern begleitet, den benachbarten Wurm⸗ ders die dii minorum gentium, die Kirchner, linger Berg beſteigen. An dem Thore des Klo⸗ Meßdiener und dergleichen, nach Belieben ihrer ſterkirchhofes, der auf dem Berge lag, fand er Vorgeſetzten; die Ueberbleibſel aber kamen an dann allemal einen Wagen klein geſpaltenes Holz, die Armen. Zuletzt erſchien der Nachtiſch, Käſe, einen Sack guter Kohlen, ein Fuder Heu und Kuchen, Trauben, Nüſſe, Aepfel und Birnen. auf dieſem eine gebratene Gans vor, welches al⸗ Außer dem Antheile, den die Armen hiervon be⸗ les von den Unterthanen des Grafen, auf deren kamen, erhielten ſie noch überdieß eine Suppe, Güter die Stiftung angewieſen war, herbeige⸗ Fleiſch, Pfefferbrüh und jeder einen Becher ſchafft worden war. Die Gans bekam der Bauer, Wein. welcher das Heu gefahren hatte, von den Kloſter⸗ Die Schmauſerei mußte ziemlich bis an den leuten bei der Uebergabe dieſer Naturalien zum Abend dauern, weil in dem Stiftungsbriefe kei⸗ Geſchenk. Ueberdieß wurde eine dreijährige fette nes Abendeſſens für die Gäſte gedacht wird, da Kuh, drei gemäſtete Schweine, nämlich ein jun⸗ hingegen derſelbe ausdrücklich verordnet, daß das ges Spanferkel, ein einjähriges und zweijähriges Geſinde Abends Fleiſch mit einer Brühe und Schwein herbeigeſchafft. Ferner dreierlei Bier, jeder noch überdieß 10 Schillinge erhalten ſollte. jähriges, zweijähriges und dreijähriges. Weil Nach geendigter Mahlzeit wurde ein feierli⸗ aber dergleichen Bier ſeltener war, als Wein, ſches Gericht über die Frage gehalten, ob auch ſo wurde die Stiftung mit aller Intereſſenten alles nach dem Willen des Stifters veranſtaltet Zufriedenheit dahin abgeändert, daß man ſtatt geweſen ſei, wo Jeder das Recht hatte, ſeine An⸗ des Bieres dreierlei Wein, nämlich rothen, alten merkungen zu machen. Gemeiniglich aber kamen blanken und jungen blanken Wein nahm. Eben⸗ dergleichen nicht vor, weil die Höflichkeit der Gäſte falls mußte dreierlei Brod vorhanden ſein, Sem⸗ kleine Mängel gerne überſah. Wenn Niemand mel⸗, Weizen⸗ und Kornbrod. aufſtand, der etwas zu rügen hatte, ſprach der

Hierauf mußten alle Perſonen, die intereſ⸗ Dechant den Abt und das Konvent durch ein feier⸗ ſirt waren, ſogar der Koch und Fleiſcher, einen Eid liches Urtheil von aller Klage los. Die noch⸗ ſchwören, ds ſie nicht das Geringſte von allen malige Vorleſung der Stiftungsurkunde beſchloß dieſen Dingen zu einem anderen Gebrauche ver⸗ das Feſt. Sobald, heißt es darinnen, ſelbige in wenden wollten, als den der Stiftungsbrief vor⸗ einen weſentlichen Theile verletzt würde, ſollte ſchrieb. Einige Tage nachher ging die Schmau⸗ ſie eo ipso kaſſirt ſein, und alle darauf angewie⸗ ſerei ſelbſt an, wobei alle Gäſte bei Strafe eines ſenen Fonds dem jederzeit lebenden älteſten Scheffel Dinkels in Trauerkleidern auf dem Berge Grafen von Klaw anheimfallen. Die hierbei erſcheinen mußten. Jeder Geiſtliche durfte ſeinen ebenfalls ausdrücklich vorgeſchriebene Ceremonie Küſter mitbringen, auch konnte ein Kloſterherr, war eben ſo ſonderbar, als die ganze Anſtalt. der von rechtswegen Theilnehmer an dem Gaſt⸗ Der Graf ſollte nämlich, wenn er ſie einzuziehen mahl war, jeden wohlgekleideten Mann, der gedächte, zu Pferde an den Wurmlinger Berg kom⸗ ihm unterwegs begegnete, zu Gaſte laden. Je⸗ men, ſich in den Steigbügeln in Höhe richten, und dem, der zu Pferde kam, wurde ein neues höl⸗ einen Goldgulden mit aller Macht über den Thurm zernes Gefäß, in welchem ein Viertel Hafer für der Kloſterkirche hinſchleudern. das Pferd befindlich war, und ein neuer Strick, Dieſe ſeltſame Stiftung erhielt ſich bis gegen den Gaul anzubinden, gereicht, und Jeder durfté das Jahr 1530, wo die allgemeine Revolution dieſes Präſent als ein Andenken an den Schmaus in Kirchenſachen ihr und anderen ähnlichen In⸗ und den Verſtorbenen mit nach Hauſe nehmen. ſtiſtuten ein Ende machte.

Sobald nun Alles beiſammen war, mußten ſämmtliche Geiſtliche ihre Füße entblößen, die Kapuzen überziehen, und ſich zu dem Grabe des Stifters verfügen. Hier wurde alsdann der Seelen⸗Gottesdienſt gehalten. Doch ermahnte der Stiftungsbrief ausdrücklich, daß bei dieſen religiöſen Handlungen ſich ja keiner von Traurig⸗