Heft 
(1820) 1
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kennbare Zuneigung war nicht die einzige urſache. Das ſeltſame Zuſammentreffen des Stuͤckes mit einem ge wiſſen andern Ereigniſſe, die Vorausſetzung, daß ich Herrn von Sendow etwas mitgetheilt, was ich ihm nie hatte mittheilen ſollen, war hanptſaͤchlich Schuld an des Fuͤrſten Faſſungsloſigkejt und unſerer Ungnade. Mit Einem Worte: der verſtorbene Fuͤrſt iſt nicht

Bruno's Vater allein, er iſt auch dein Vater. Herr von Sendow ſelbſt wußte das nicht, als die begangene

Schuld mich zwang, ihn zum Gemahl zu nehmen. Er

ußte blos, daß er Hofmarſchall wurde, weil er mich

durch ſeine Hand, die mir außerdem ein ewiges Schrek⸗ ken geweſen waͤre, von der Schande losſprach. Denke, wie unſelig mein Leben ſeyn mußte an der Hand des⸗ jenigen, der ſchon durch den Schritt, der mir meine Ehre bewahren ſollte, alle Anſpruͤche. meine Achtung verwirkt hatte.

Frau von Sendow war auf die Verzweiflung ihrer Tochter gefaßt geweſen. Aber nur ſaufte Perien roll⸗ ten Arminien uͤber die Wangen. Sie pries den Him⸗

mel, daß er der Armen ſeinen Thraͤnenbalſam nicht

vorenthielt, und brach dann in ſolgende Worte aus: