Jahrgang 
51 (1868)
Seite
807
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das der engliſche Geſandte gab. Der Platz war mit einer Lichter⸗ guirlande umzogen, welche von neun Uhr Abends bis Mitternacht faſt Tageshelle verbreitete. Die ſchlittſchuhlaufenden Damen und Herren trugen Fackeln, die ſich namentlich im Ringelreihen, der neben der Quadrille getanzt wurde, ſehr ſchön ausnahm. Orcheſter und Büffet waren trefflich. Zufällig in derſelben Nacht noch an einem Balle theilnehmend, kam uns dort die heiße Luft und der im Verhältniß zum Eiſe rauhe Boden faſt unerträglich vor ſo ſehr verdient der Eistanz den Vorzug.

Ueberhaupt hatten wir in Bern im vorigen Winter eine überaus günſtige Saiſon, die ſich mit wenigen Unterbrechungen über drei Monate erſtreckte und die Gelegenheit darbot, die Eis⸗ fläche mehrerer Seen zu erproben. Als auf Feld, Weg und Teich ſchon Alles aufgethaut war, hielt die ſchuhdicke Eisdecke des Moosſeedorfſees noch bis Ende Februar und bot uns beſonders nach Sonnenuntergang, in Mondſcheinnächten noch eine harte, glatte, prächtige Bahn. Auch Thuner⸗, Bieler⸗ und Unterſee luden zu Beſuchen ein. Die Ausflüge auf die drei erſteren hat der geiſt⸗ reiche Verfaſſer der Berg⸗ und Gletſcherwanderungen, Dr. Abraham Roth, in ſeiner Sonntagspoſt in einerwilden Ode von Klopſtock dem Jüngeren dithyrambiſch gefeiert.

Der Unterſee, deſſen Sommerzeit Scheffel in ſeinem Ekkehard verherrlicht, war ſchon vor Neujahr zugefroren. Einſt hatten wir dort eine abenteuerliche Fahrt. Schon frühzeitig von Conſtanz aufgebrochen, waren wir an der Inſel, wo Karl's des Dicken Gebein ruht, vorüber, als dichter Nebel uns umhüllte. Wir fahren fort und hören die Glocke von Radolfzell uns zum Mit⸗ tagsmahl rufen, immer größer wird die Haſt, immer raſcher der Lauf, der Hunger hatte beide Sporen eingeſetzt, da langen wir plötzlich wieder bei Allenſpach, gegenüber der Reichenau, an. Wir waren, ohne Compaß, im Kreiſe herumgefahren und kamen zwei Stunden ſpäter an unſerer Mittagstafel an. Die Reichen⸗ auer Bauern führen auf dem See daher ſtets den Compaß bei ſich. Einmal hatten wir eine luſtige Begegnung. Aus dem Nebel tauchen vor uns zwei ſchnelle Fahrzeuge auf, die ſich begegnen.Wohin, Hans? rief der Eine hinter ſeinem Schlitten, der eine Laſt Holz trug, ſtehend und ihn mit ſeinem langen, mit Stachel bewaffneten Stock fortſtoßend, einem ähnlich befrachteten Bauern zu.Nach Hauſe!Ei woher kommſt Du denn mit dem Holze?Von Allenſpach.Da fährſt Du eben hin. Betroffen zieht Hans den Compaß und ruft:Bei Gott, es iſt wahr! ich fahre eben dahin, wo ich herkomme, und drehte den Schlitten, worauf ſie bald im Nebel ſich aus dem Geſicht verloren.

Ein anderes Mal fuhren wir bis Stein. An der Land⸗ zunge, um welche man in das Steiner Seebecken fährt, waren nordpolartige Eisblöcke aufgethürmt. Spalten mußten überſprungen werden, unter denen die tückiſche Ran lauerte. Unten angelangt, fing es an ſo ſtark zu ſchneien, daß wir den hinwärts von uns eingeſchlagenen, ſtark im Bogen gehenden, gegen neun Stunden langen Weg auf der Nordſeite der Inſel, heimwärts nicht mehr zurück⸗ legen konnten. Wir mußten verſuchen, ob das Eis auf der Süd⸗ oder Rheinſeite uns ſchon trug. Steckborn war paſſirt, wir befanden uns wieder der Inſel gegenüber, dem ſchweizer Ufer entlang ſtür⸗ mend im dichten Schneegeſtöber. Die Nacht brach herein, da krachte es unter mir; ich rufe meinem BegleiterHalt zu. Er hört nicht. Ich breche durch; er auch. Waſſertretend und das Eis vor uns zerſchlagend erreichen wir das Ufer. Die Schuhe werden geleert und dann, um Erkältung zu verhüten, im Dauer⸗ lauf zwei Stunden weit nach Haufe getrabt, ohne Schaden zu nehmen.

Ein ähnliches gefährlicheres Abenteuer wird mir aus Norwegen mitgetheilt. Dort gefrieren noch größere Flächen, als auf den ſchweizer Seeen, die ſich viele Meilen weit auf den Meerbuſen und Binnenſeeen ausdehnen. Bisweilen gefriert ja das baltiſche Meer, die Geburtsſtätte des Schlittſchuhes, ſelbſt und bietet un⸗ überſehbare Flächen..

Der Berichterſtatter nahm an einem Ausflug Theil, welchen ſechs oder ſieben norwegiſche und engliſche Studenten von Chriſtiania aus den Meerbuſen hinab machten. Man beſuchte ein zwanzig engliſche(gleich vier deutſche) Meilen entferntes Dorf, um im Mondſchein zurückzukehren.Es war ein lieblicher Morgen, als wir aufbrachen. Der Himmel war tiefblau und kam an Klarheit der Farbe faſt der Beleuchtung des ſüdlichen Klima's gleich. Mit dem Eiſe konnte ſelbſt das wähleriſcheſte Mitglied des Schlitt⸗

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ſchuhelubs zufrieden ſein; auch wurde die Annehmlichkeit unſerer Fahrt noch beſonders erhöht durch das Bewußtſein, daß das Eis nicht weniger als drei Fuß dick war, und daß es nirgends ge⸗ fährliche Sprünge gab. Füge ich vollends bei, daß der Meerbuſen wenigſtens zwei engliſche Meilen breit iſt und immer breiter wird, je weiter man die Stadt hinter ſich läßt, und daß wir, wenn wir gewollt, bis in's offene Meer, eine Entfernung von nahezu achtzig engliſchen Meilen, hätten fahren können, ſo wird man leicht er⸗ kennen, daß es uns zur vollen Entfaltung unſerer Kräfte nicht an Raum fehlte. Wir machten natürlich keine phantaſtiſchen Kunſt⸗ ſtücke, denn wir hatten eine lange Fahrt vor uns, und mußten ſonach mit unſerer Kraft haushälteriſch umgehen. Schnell eilten wir voran, wozu eine ſanfte Briſe aus Nord uns freundlich Hülfe leiſtete. Da und dort machten wir Halt, um einige Worte mit irgend einem einſamen Fiſcher zu wechſeln, und campirten zeitweilig auf dem Eiſe unter einem auf Pfählen ausgeſpannten Stück Segeltuch. Die Fiſche ſchienen hungerig, wie wir aus der Menge Weißfiſche und kleiner Stockfiſche ſchloſſen, welche einige Fiſcher in ihren Körben hatten.

Plötzlich fuhr ein Eisſchiff mit der Schrelligkeit des Sturmwindes an uns vorüber. Ich hatte nie zuvor eines ge⸗ ſehen. Es iſt gebaut wie ein Eispflug, d. h. es hat eine drei⸗ eckige Geſtalt und ſteht auf Schlittſchuhen. Es trug ein großes viereckiges Segel, das eingezogen werden kann, wenn man das daſſelbe feſthaltende Tau gehen läßt. Dies iſt auch in der That die einzige Art und Weiſe, dieſe Schiffe zum Stehen zu bringen; und ſonach iſt eine Fahrt in denſelben häufig gefährlich und ſelbſt das Leben bedrohend; denn ſollte man ungefähr dem Ende des Eiſes nahe kommen und der Wind ſcharf wehen, ſo iſt die einzige ſich darbietende Ausſicht auf Rettung die, auf das Eis hinauszu⸗ ſpringen auf die Gefahr hin Hals und Bein zu brechen, will man nicht in's offene Waſſer geſchleudert werden.(Es giebt da⸗ her in Holland auch Boote, die auf Schlitteneiſen ſtehen und jene Gefahr verhüten.)

Nach einer angenehmen Fahrt von drei bis vier Stunden kamen wir ungefähr um ein Uhr heißhungerig am Ort unſerer nächſten Beſtimmung an. Wie vortrefflich ſchmeckte da der Kaffee, wie pikant der geräucherte Lachs wie duftig die Cigarre, wie er⸗ heiternd der Punſch! So ging die Zeit ſchnell vorüber, und mit einem dem Widerſtreben verwandten Gefühl verließen wir das warme Zimmer der Dorfſtation, um uns abermals auf den offenen Fjord hinauszuwagen. Wir traten daher unſern Heimweg vielleicht nicht ganz ſo aufgeräumt an, als am Morgen unſere Abfahrt, denn die Sonne war dem Untergange nahe, der Wind wehte uns in's Geſicht und wir waren ein wenig ſteif. Dennoch zogen wir fröhlich aus, in ‚Halbeile Da wurden wir, als wir ungefähr die Hälfte des Weges zurückgelegt, unangenehm über⸗ raſcht, wahrzunehmen, daß ſich allmählich und wie verſtohlen ein dichter Nebel über das Eis zog. Er kam immer näher, bis wir zuletzt in einen undurchdringlichen Dunſtkreis eingehüllt waren. Nun zum erſten Male drängte ſich uns der Gedanke auf, daß wir uns in einer ſchlimmen Lage befänden. Welche Richtung ſollten wir einſchlagen? Kein Stern war mehr am Himmel ſichtbar, kein Compaß in der Taſche, wonach wir die Richtung hätten bemeſſen können! Was thun? Umkehren oder vorwärts rücken? Wir ent⸗ ſchieden für Letzteres. Bald zogen wir aber ebenſo in der Irre umher, wie irgend ein Jäger auf einer ſpurloſen Prairie oder in einem grenzenloſen Urwalde. Und dennoch konnte uns etwas als Führer dienen der Wind. Dadurch, daß wir ihn auf einer gewiſſen Seite unſeres Geſichtes behielten, glaubten wir zuverläſſig. daß wir, wofern er ſich ſeit dem Morgen nicht etwas gedreht, in der rechten Richtung geblieben ſeien.Bleibt nahe beiſammen, rief unſer Anführer, als wir Einer hinter dem Anderen dahin glitten, ‚zund denkt an die Löcher im Eiſe. Dies war eine weitere Gefahr, denn die Löcher, welche die Fiſcher Morgens ge⸗ macht, konnten noch nicht ſtark genug zugefroren ſein, um Nachts ſchon das Gewicht eines Mannes zu tragen. Obgleich ſie aber nicht ſo groß waren, um hindurch zu fallen, ſo hätte man doch leicht, wenn man unverſehens in eines derſelben hineingerathen wäre, ein Bein brechen können. Mittlerweile ward der Nebel immer dichter, ſo daß wir uns endlich genöthigt ſahen, einander gegenſeitig an den Rockzipfeln zu halten. Hätten wir ein Seil gehabt, würden wir die Hochalpenſteiger und Alpenclubbiſten nach⸗ geahmt haben. Bereits hatten wir fünf Stunden auf dem Eiſe