Jahrgang 
49 (1868)
Seite
771
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klopfendes Herz.Mein armer Otto! ſagte ſie kummervoll, mein armer, geliebter Mann!

Nie hätte ich's für möglich gehalten verzeih's ihm Gott, daß er ſich, daß er ſeinen Kindern Das thun konnte aber fort mit dieſem marternden Gedanken, jetzt gilt es vor Allem, die Ehre zu retten, die auf dem Spiele ſteht!

Was denkſt Du zu thun? rief Eliſabeth beſorgt.

Der Oberbürgermeiſter ſchreibt mir, daß er mit den beiden Beamten, die allein Mitwiſſer der unſeligen Angelegenheit ſind, dahin übereingekommen ſei, dieſelbe der Oeffentlichkeit zu entziehen, im Falle ich Willens und im Stande wäre, den Defect baldmög lichſt zu decken, daß aber im entgegengeſetzten Falle ſeine Pflicht erheiſche, die Sache zur Anzeige zu bringen und einen Proceß gegen die Erben des Schuldigen anhängig zu machen. Ich habe bereits von Stein aus zwei Briefe in dieſer Angelegenheit abge ſandt. Natürlich antwortete ich dem Oberbürgermeiſter, daß ich für die Summe einſtehe und ihm dieſelbe in kürzeſter Friſt ganz oder in Raten zur Dispoſition ſtellen würde. Du wirſt begreifen, Eliſabeth, daß ich keine ruhige Stunde haben kann, bis der letzte Heller dieſer Sündenſchuld abgezahlt iſt! Allerdings wird es ſchwer halten, mir das Geld zu verſchaffen, es handelt ſich um

leine Kleinigkeit die Totalſumme beläuft ſich auf fünfzehn⸗

hundert Gulden. Nur mit großen Opfern wird ſie zu erhalten ſein ich habe keine Garantien zu bieten als meinen künftigen Erwerb, und es fragt ſich noch, ob ſich ein Darleiher findet, welcher ſich mit meinem Ehrenwort und der Chance, daß ich am Leben bleibe, begnügen wird. Im glicklichſten Falle ſtehen uns Jahre der äußerſten Einſchränkung bevor.

Wenn Du es willſt, kannſt Du das Geld augenblicklich erhalten, ſagte Eliſabeth ſchüchtern.Du weißt, meine Tante würde mir eine Bitte dieſer Art nicht abſchlagen.

Nein, mein Kind! erwiderte Schaumberg energiſch,dazu kann ich meine Zuſtimmung nicht geben. Erinnere Dich, wie empfindlich Deine Tante war, als wir den jährlichen Zuſchuß ab lehnten, den ſie Dir zugedacht hatte, wie unwillig namentlich gegen mich, denn ſie weiß wohl, daß Du hierin nur meinem Wunſche nachgegeben haſt. Nun, kaum drei Monate nachher, eine ſo be deutende Summe zu fordern und den Grund dafür nicht angeben zu können, wäre zu auffallend Du fühlſt, daß das nicht an geht! Laß nur ich hoffe Rath zu ſchaffen. Ich habe einen Baireuther Collegen brieflich erſucht, morgen oder übermorgen hierher zu kommen und mich für ein paar Tage zu vertreten; ſobald er eingetroffen iſt, gehe ich nach Bamberg, um dort die nöthigen Schritte zu thun.

Darf ich Dich begleiten? fragte Eliſabeth ſlehend.

Wozu, Kind? Was ſollteſt Du dort, wo ich, durch die un erquicklichſten Geſchäftsgänge in Anſpruch genommen, Dich doch allein laſſen müßte?

Das fragſt Du? rief die junge Frau,fühlſt Du denn nicht, daß mich hier die Angſt verzehren würde? Ich will mit Die gehen, weil ich Dich liebe, weil ich Dich nicht laſſen kann, während Du ſolche Laſten auf der Seele trägſt ich bitte, ich

flehe Dich an, nimm mich mit Dir!

In Gottes Namen, ſagte Otto traurig.Ich will es Dir nicht abſchlagen, wenn es Dich beruhigt. Muß ich doch, ſtatt des Glückes, das ich Dir bereiten wollte, ſo bald ſchon Kummer und Leid in Dein junges Leben bringen! Richte Dich ein, vielleicht morgen ſchon zu gehen, und vor Allem, mein armes Kind, richte Dich auf trübe, freudloſe Tage ein, für lange Zeit!

Eliſabeth ſaß einſam in einem Zimmer des Hotels zum Bamberger Hofe; ſeit einer Stunde hatte ſie den Platz am Fenſter nicht mehr verlaſſen; ſie erwartete Otto's Rückkehr von einem entſcheidenden Gange.

Es war Sonntag; auf dem Marktplatze drunten wimmelte ein buntes Leben; vor der Martinskirche, deren letzter Gottesdienſt, die ſogenannte elegante Meſſe, eben beendigt war, ſtanden ge⸗ ſchmückte Damen jeden Alters in dichten Gruppen, um Neuigkeiten

auszutauſchen und Pläne zu Nachmittagspartieen zu beſprechen.

Die Muſik der Chevauxlegers marſchirte mit klingendem Spiel vorüber, um unter den Bäumen des Paradeplatzes die herkömm⸗ lichen ſechs Stücke vorzutragen. Das Wetter war ſchön, die Ge⸗ ſichter, die einander auf den Straßen begegneten, trugen meiſtens

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einen vergnügten, ſonntäglichen Ausdruck, und die halbe Stadt ſchien unterwegs zu ſein.

Eliſabeth ſah nichts von all' dem Treiben, das ſich vor ihr bewegte, ihr Herz war ſchwer und traurig. Umſonſt hatte Otto geſtern wiederholte Verſuche gemacht, um die erforderliche Summe aufzunehmen, überall hatte man achſelzuckend nach einer Sicherheit gefragt, die er nicht bieten konnte. Eben jetzt that er den letzten Gang in dieſer Angelegenheit; Marbach, dem er ſich vertraut hatte, ohne ihm jedoch den Anlaß zum Bedürfniß des geſuchten Geldes mitzutheilen, hatte noch eine Quelle ermittelt, die Ausſicht gab, die Summe wenigſtens theilweiſe zu erhalten. Mit der Mittagspoſt wollten dann die Gatten nach Berneck zurückkehren.

Eliſabeth ſeufzte bei dem Gedanken an die Heimkehr in das liebe Haus, wo ſie bis vor Kurzem ſo glückſelige Tage verlebt. Wie hatte ſo plötzlich eine dunkle Wolke alle die ſonnigen Freuden überſchattet, ach, und wie machtlos fühlte ſie ſich dem Schlage gegenüber, der ihren geliebten Otto betroffen! Sie ſann über ſeine Weigerung nach, die reichen Mittel ihrer Verwandten in Anſpruch zu nehmen. Mit ihrem einfachen, warmen Herzen, das keinen Werth auf äußere Güter legte, das ſelbſt ſo gerne gab, hatte ſie kein Verſtändniß dafür, warum er in Sorgen und Ruhe loſigkeit dahinleben wollte, ſtatt einen Beiſtand in Anſpruch zu nehmen, der willig, ja mit Freuden gegeben worden wäre. Aber kein Vorwurf miſchte ſich in ihre Verwunderung darüber. Sie liebte ihn! Er ſtand für ſie hoch über allen andern Menſchen; was er beſchloß, was er ergriff, mußte das Richtige ſein und war deun der Stolz, der ſein Liebſtes ſo allein, ohne Zugabe haben wollte, nicht voll des ſüßeſten Gefühls für ſie? und war denn das Zartgefühl, das jede Verletzung faſt krankhaft ſcheute,

nicht eine der ſchönſten Blüthen ſeines ſonſt ſo männlichen Charakters? Sein reizbares Zartgefühl bei dem Gedanken daran⸗

zuckte wieder ein ſcharfer Schmerz durch ihre Seele! Die neue⸗ Sorge war ja nicht Alles, was ſie drückte, war für ihr tiefſtes Herz nur ein Schatten der Laſt, die auf ihm lag der Laſt ihres eigenen Geheimniſſes!

Wenn nun das häusliche Leben wieder begann, wenn die gegenwärtige Aufregung Otto's ſich gemäßigt haben würde, wenn nicht mehr der eine Gedanke an ſeine bedrohte Ehre alles Uebrige verſchlang mußte nicht dann jener Augenblick zwiſchen ihnen zur Sprache kommen, wo ſie ſich vor ihm einer Schuld angeklagt? Und was ſollte ſie dann thun? Sie wußte, daß er von ſeinem Weibe unbedingte Hingebung erwartete, daß ihr Schweigen ihn tief kränken würde und doch, konnte, ſollte ſie ſprechen? Bei⸗ welchem Entſchluß hatte ſie mehr zu fürchten für ihre Liebe?

Plötzlich zuckte ein Gedanke durch ihre Seele, ihr Auge leuchtete auf. Noch einen Augenblick ſtand ſie ſinnend, dann hatten die eben noch ſo erregten Züge einen feſten, ruhigen Aus druck gewonnen. Sie kleidete ſich zum Ausgehen an, ſchloß das Zimmer ab und verließ das Hötel.

Als ſie nach einer Stunde zurückkehrte, fand ſie Otto ihrer harrend. Deiner Abweſenheit doch entſchloſſen, meine alte Schulfreundin auf einen Augenblick zu beſuchen ſie würde mir's allzu übel genommen haben, wenn ſie unſern Namen in der Fremdenliſte geleſen hätte. Da wir heute reiſen, brauchte ich nicht lange zu bleiben.

Ich redete Dir ja ſchon geſtern zu, es zu thun, erwiderte Otto zerſtreut. Er ſah elend und zerfallen aus. Eliſabeth legte den Arm um ſeinen Hals.Es iſt Dir nicht geglückt? fragte ſie beklommen.

Nur mit großer Mühe und durch Marbach's Bürgſchaft iſt es mir gelungen, fünfhundert Gulden aufzutreiben. Der erſten Nothwendigkeit iſt damit allenfalls Genüge geſchehen. Wo ich den Reſt hernehme, muß die Zeit lehren. Habe Geduld mit mir, Eliſabeth, wenn ich Dir jetzt vielleicht nicht ſein kann, was ich

möchte zu viel, allzu viel iſt in mir erſchüttert zu viel habe ich eingebüßt von meinem Glauben an die Menſchheit, an die eigene Kraft ſogar! Dich faß' ich, Dich halt' ich noch, wo mir Alles untergeht, rief er mit ausbrechender Leidenſchaft, indem er ſie an ſich zogEliſabeth, wirſt Du mir bleiben?

Entſchuldige mich, ſagte ſie innig,ich habe mich in: