Jahrgang 
46 (1868)
Seite
735
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unal enen ührt.

ſuche auf, und ſtro

ich die von mir Herabgeſchoſſene, und ich war Egoiſt genug, um in innerſter Seele vollkommen zufriedengeſtellt zu ſein, beſonders da von den beiden andern doch wenigſtens eine, die dem platſchen

den Klange nach in's Waſſer gefallen war, am andern Morgen 8 8 1 8

gefunden werden mußte.

In dieſer Hoffnung gaben wir denn endlich unſere Nacht⸗ ksaging es nun durch den unterdeß rabenſchwarz nach unſerm beſtellten Nachtquartiere im r Finſterniß und wurzelhöckerigem Wege dort an, wo wir die ausgefrorenen Glie ernſtlich ſchneekalt geworden, am wubbern den Kachelö ſirmten. Bald ſtand denn auch auf dem Tiſche vor u e vortreffliche Hollunderſuppe und dampfende Kartoffeln, welchem Mahle wir nun wacker zuſprachen. Darnach bot mir der alte Vogler noch einen Knochen zumAbknaupeln an, der, wie er hinzufügte, von einer Ziege herrühre, die ein Häusler aus ſeinem Dorfe vor Kurzem ausgeſchlachtet habe und wovon er ſich einen Theil gekauft hätte. Der Knabe Carl fing an, mir fürch terlich zu werden, und da er dies fühlen mochte, verſicherte er mich treuherzig, daß ich ſolchen Braten gewiß nicht ſtehen laſſen würde; dabei brachte er ihn unabweisbar herbei.

Um dem gutmüthigen Geber nicht wehe zu thun, griff ich ergeben zum Nickfänger, um wenigſtens durch ein paar Biſſen Beſcheid zu thun, wobei mir jedoch der Duft dieſes Reſtes gar lieblich und ſympathiſch in die Naſe ſtieg, ſo daß ich nun wirklich mit beſtem Appetit und ganz ordentlich zulangte. Und ſiehe da, ich überzeugte mich dadurch gar bald, daß ich Rehbraten, auch wenn mir meine oſteologiſchen Kenntniſſe nicht deutlich geſagt hätten, daß der Braten, ein ſolcher war der noch recht fleiſchreiche Knochen, von einemMosje, Böckert* herrühren müßte. Ich ſchwieg vorläufig zu meiner Entdeckung und knispelte nun das Skelet ſo rein ab, daß es ſchließlich wie polirt auf dem braun⸗ töpfernen Teller vor mir lag. Dies ſchien den Alten, den ich übrigens ſchon von der Seite kannte, daß er, um mit ihm ſelbſt zu reden,manchmal a Reh'chen fund, hoch zu erfreuen, vielleicht nur, weil er glauben mochte, mich bei alleden getäuſcht zu haben.

Wie traulich war es nun im niedlichen Geübchen! Knackernd brach der redſelig gewordene Vogeltobias das dürre Reis über das lederbehoſte Knie, um es in die kleit uerſtätte nachzu ſchieben, wobei die helle Lohe lebhaft zum Thürchen herauszüngelte und nicht nur den heimlichen Aufenthalt durchwärmte, ſondern auch noch mit jenem für mich unbeſchreiblich angenehmen Geruch erfüllte, den das harzig-aromatiſche Fichten⸗ und Tannenreis, wenn es in einzelnen friſchen Zweiglein auf die Gluth kam, verbreitete. Dazu das anmuthende Flackerlicht des Feuerchens, das mit zucken dem Schein alle die Netze und anderen Geräthſchaften an der Wand, wie die vielen Gebauer mit ihren ſchmucken kleinen In ſaſſen erleuchtete, welch' letztere dann im oftmaligen Aufwachen noch ihre heimlichen Locktöne hören ließen. Alles dies aber nach gehabtem Waiderfolg, ausgewärmt, geſättigt und behaglich in einem höchſt bequemen Lehnſeſſel ruhend genießen zu können, während der brauſende Nord unterdeß ſich erhoben, die Umgebung der nie drigen Hütte durchtobt oder zuweilen ruckweiſe pfauchend in die

*Mosje Böckert nennt man ſcherzweiſe einen Rehbock.

gewordenen W. Vogelheerde. kamen wir der, denn

Blütter un

Der Menſch als Poſtſtück. Vor einigen Monaten erſchien ein Eng länder auf einem der Pariſer Poſtämter und bat, ihn wiegen und dann ihm ſagen zu wollen, wie viel er an Porto zu bezahlen hätte, wenn man ihn als Brief nach London ſpedire. Das Verlangen war etwas außer gewöhnlicher Art, aber den Engländern hält man ſchon kleinere und größere Excentricitäten zu Gute, und ſo nahmen die Beamten die Sache für einen guten Spaß, dachten auch wohl, daß es ſich um irgend eine Wette handeln möchte, wie ſie unter den Engländern, die auf und über Alles im Himmel und auf Erden wetten, an der Tagesordnung ſind, und gingen harmlos auf das Verlangen ein. Man wog denſelben, der ziemlich umfangreichen Leibes war, und rechnete eine Summe von achttauſend und etlichen Hundert Franken heraus, welche er für einen Brief vom Gewichte ſeines Körpers an Porto zu bezahlen haben würde. Als aber der dicke John Bull geſchäftig ſeine Brieftaſche herauszog, den genannten Betrag in Banknoten aufzählte und mit ernſter Miene erſuchte, ihm die nöthigen Marken aufzukleben und ihn ohne Verzug mit der Briefpoſt nach England zu befördern, da ward man inne, daß der Lord mehr als einen Sparren zu viel im Kopfe habe, und überwies den Tollhäusler ſeiner Geſandtſchaft zu ſicherer Verwahrung* weiterer Behandlung.

kleine Eſſe fährt das iſt eine Wonne! Und als wir uns nun ſchon um 8 Uhr auf das duftige Lager von friſchem Tannenreiſig warfen, jeder eine warme Decke für die Nacht zur Hand, um die ſpäter zu erwartende Kälte im nicht mehr geheizten luftigen Stüb⸗ chen abwehren zu können, da lauſchte man wohl noch fort und fort Freund Brauſewind zu, wenn er die dürren Aeſte der um den Heerd ſtehendenKrakeln knackend zur Erde warf, dann wieder wimmernd und heulend durch die alten Föhren des nahen Beſtandes zog oder hohl die weite Luft durchrauſchte.

Aber trotz ſeiner ſtarken Stimme hatte mich Herr Blaſius doch nach und nach in tiefen Schlaf gelullt, ſo daß ich, als man mich weckte, es kaum glauben wollte, daß es ſchon Zeit zum Auf ſtehen ſei. Doch ſchnell ſprang ich empor und trat nun vor die Thür des Hauſes, wo jetzt der Wald in tiefſter Schweigſam keit und unter leichter weißer Decke vor mir lag; es war nach beruhigter Natur in der Nacht der erſte Schnee dieſes Jahres gefallen. Raſch hatte ich mich, während der thätige Vogelſteller den Strauch zum Fang beſtellte, im nahen Quell, von dem ich erſt die darüber geharſchten Eisſcherben zertrümmern mußte, ge⸗ waſchen und kehrte ſchnell zurück in's bereits erwärmte Stübchen, um die mit der Dämmerung zu erwartenden Krammetsvögel nicht zu verſcheuchen. Inzwiſchen wurde ein ſogenannter Kaffee, in der That aber nur ein Aufguß auf gebrannte Eicheln, eingenommen; wer wollte, konnte aber auch ſtatt deſſen einen auf grüne Tannen zapfen aufgeſetzten Schnaps, eine Art von Todtenwecker, genießen.

Bald zeigte ſich gen Oſten ein dämmernder Streif und mit deſſen Erſcheinen regte ſich's auch draußen in der Vogelwelt. Zuerſt unterbrach die lautloſe Stille das feigenthümlicheSchackern der einzeln ankommenden Großvögel, deren bald ganze kleine Flüge folgten und ein paarmal auch auf dieKrakeln auffielen, doch ohne darnach in denStrauch einzugehen. Später ſchnippſte es überall von den kleinen muntern Goldhähnchen und den luſtigen Meiſen. Auch das ſchrilllachende Pfeifen des Spechtes oder der kreiſchende Ruf des Eichelhehers durchtönte nur zuweilen den Wald und feſſelte meine Aufmerkſamkeit, bis wieder ein Flug Ziemer den Heerd beſtrich und auch nach kurzem Beſinnen in die Garne einfiel. Ein ſtarker Zug an der Rückleine zund die Netze flogen über die Bethörten zuſammen. Fünfzehn Stück waren ge⸗ fangen und büßten ihr Vertrauen mit dem Tode.

Wir aber, da es ſchon ziemlich hoch am Morgen geworden war, brachen auf, unſere geſtern im Stich gelaſſene Beute noch mals zu ſuchen. Was uns den Abend zuvor unmöglich geweſen, ſollte uns heute Morgen ſehr leicht gelingen; denn glücklicherweiſe war die eine der noch nicht Gefundenen auf freies, grasloſes Ufer gefallen, ſo daß wir die Leichtbeſchneite zu unſerer höchſten Freude ſchon von Weitem liegen ſahen. Die andere aber, die in's Waſſer Geſtürzte, hatte der nächtliche Sturm an den eisgeſäumten Nand

des Teiches getrieben, wo wir ſie ohne Mühe mit einer abge ſchnittenen Stange herausholen konnten. Heiterxen Sinnes trennten wir uns deshalb auf dem Wahlplatze; ich den meilenweiten Weg nach der heimathlichen Stadt antretend; er aber, mein freundlicher Gönner und Waidgenoſſeſchlug ſich ſeitwärts in die Büſche, ſeinen trauten, tief im Walde verborgen gelegenen häuslichen Heerd zu erreichen.

d Blüthen!

So haben die Zeitungen erzählt. Wir laſſen dahin geſtellt ſein, ob die Scene ſich wirklich zugetragen hat, oder aus Mangel ſonſtiger Nach richten von einem ſinnreichen Berichterſtatter erfunden worden iſt, wollen aber unſrerſeits jetzt erzählen, daß der Gedanke, den in Paris ein irrſinniger Lord ausgebrütet, der Gedanke, den Menſchen als Poſtſtück zu behan deln, jetzt in England ſelbſt von einem ſehr klaren Kopfe in vollem Ernſte ventilirt und zur Ausführung empfohlen wird. Der Vorſchlag erſcheint auf den erſten Blick als ſehr abſonderlich, und dennoch verdient er unſere Aufmerkſamkeit und Erwägung im höchſten Grade.

Ein Herr Raphael Brandon hat ſoeben nämlich in einer von ihm verfaßten Broſchüre* nichts Geringeres in Anregung gebracht, als eine totale Umwälzung des Princips, auf welchem die Perſonentransporttarife ſämmtlicher Eiſenbahnen beruhen. Sein Plau geht dahin, das von dem bekaunten Rowland Hill erdachte ſogenannte Pennyportoſyſtem, welches nach und nach in faſt ollen civiliſirten Staaten für den wichtigſten Zweig des Poſtweſens eine völlig neue Aera geſchaffen hat, auch für die Perſonen beförderung auf den Eiſenbahnen anzuwenden. Er beautragt, wie oben

*Railways and the Public.