Jahrgang 
46 (1868)
Seite
736
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Vereinigten Königreiches

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erwähnt, den Paſſagier als Brief zu behandeln und ihn, gleichviel wie groß die Entfernung ſeines Reiſezieles ſei, durch das geſammte Gebiet des zu einem und demſelben beſtimmten niedrigen Fahrpreiſe zu expediren. Eine Dreipence⸗Marke ſoll den Reiſenden von London nach dem Kryſtallpalaſte von Sydenham wie nach der äußerſten Spitze von Schottland in dritter Wageneclaſſe befördern. Wer ſich der zweiten Wagenclaſſe bedient, ſoll ſich eine Sechspencemarke, und wer ſich den Luxus der erſten Claſſe gönnen will, eine Schillingsmarke zu löſen haben.

Faſt ſind wir ohne weitere Prüfung geneigt, die Idee in eine Kategorie mit der unſers Lords in Paris zu reihen, mit jeder Seite aber, welche wir in der angeführten Broſchüre weiter leſen, leuchtet uns der Vorſchlag mehr und mehr ein, wir finden, daß er etwas Anderes und Beſſeres iſt als die nichtige Chimäre eines phantaſtiſchen Projectenmachers. Scharfſinnig, klar und ruhig legt der Verfaſſer vielmehr dar, daß ſein Syſtem allen Betheiligten zu Gute kommen würde, Actionären, Publicum und Staat, und überdies zu einem gewaltigen Aufſchwunge der Gewerbthätigkeit auf allen ihren Gebieten Anſtoß geben dürfte. Dabei begründet er ſeine Auseinanderſetzung durch das Poſitivſte, was wir kennen, durch Zahlen. Ende 1865 belief ſich das in ſämmtlichen Eiſenbahnen Großbritanniens und Irlands angelegte Capital auf vierhundert und dreiundvierzig und eine halbe Million Pfund Sterling, die ſich im Durchſchnitte nur zu vier und zwei Fünftel Procent verzinſ'ten, folglich nichts weniger als hohe Intereſſen abwarfen.

Vor Allem nun, fährt Brandon fort, iſt es nothwendig, daß der Staat alle Eiſenbahnen ohne Ausnahme in ſeinen Beſitz bringt, wie dies mit Poſt und Telegraphen der Fall iſt; damit würden ſchon eine Menge koſtſpieliger Directorien in Wegfall kommen und allein an Parlaments und ähnlichen Sporteln. die Kleinigkeit von jährlich etwa einer halben Million Pfund Sterling erſpart werden. Dies ſind indeß blos Fliegen ſtiche bei einem Plane von ſolcher Tragweite. Die Hauptſache iſt, für die leichteſte und billigſte Beförderung zu ſorgen, alsdann wird ſich der Per⸗ ſonenverkehr zu einer bis jetzt gänzlich ungeahnten Höhe ſteigern. Wie das wohlfeile Porto die Correſpondenz verhundertfacht hat, ſo reiſen ſchon jetzt, bei den gegen früher ſo ſehr erleichterten und demokratiſirten Verkehrs⸗ mitteln, Tauſende, wo in den Poſt⸗ und Stellwagen ehedem höchſtens Dutzende reiſ'ten. Im Allgemeinen wird aber noch lange nicht ſo viel ge⸗ reiſ't, wie man reiſen würde, wenn die Fahrpreiſe der Eiſenbahnen ähnlich dem Porto auf einen gleichförmigen Satz reducirt wären. Wir leſen, wie in Perioden von Geſchäftsſtockungen ſich in gewiſſen Diſtricten brodloſe Arbeiter maſſenhaft anhäufen und den Gemeinden zur Laſt fallen, weil die Höhe der derzeitigen Eiſenbahnfahrpreiſe ihnen unmöglich macht, ſich nach entfernten Gegenden und Orten zu begeben, wo es augenblicklich an Ar beitern fehlt und demnach die Arbeit hoch im Preiſe ſteht. Sobald wir eine billige Locomotion haben, wird alſo der Verarmung ein kräftiges Halt geboten ſein. Jeder wird reiſen, wenn die Beförderung ſelbſt ſo gut wie nichts koſtet. Allein dies iſt blos möglich, wenn die Eiſenbahnen aus⸗ ſchließlich vom Staate verwaltet werden.

Das von Brandon vorgeſchlagenePaſſagierporto ſo nennt er es klingt lächerlich niedrig, bleibt jedoch in Wirklichkeit nicht ſo weit hinter dem Durchſchnitte der jetzigen Eiſenbahnfahrpreiſe zurück, wie man vermuthlich glaubt. In runden Zahlen liefen 1865 in England drei und eine halbe Million Perſonenzüge über einundſiebenzig Millionen engliſche Meilen, welche zweihundert und zweiundfünfzig Millionen Paſſagiere be⸗ förderten und an Fahrgeld eine Summe von vierzehn Millionen ſieben⸗ hundert und vierundzwanzig Tauſend Pfund Sterling einbrachten. Dies ergiebt durchſchnittlich auf jeden einzelnen Zug nahezu neunundzwanzig engliſche Meilen und dreiundſiebenzig Paſſagiere, mithin etwa drei und einen halben Paſſagier pro Meile, woraus ferner hervorgeht, daß jede ein⸗ zelne Fahrt zu den gegenwärtig beſtehenden Fahrtaxen im Durchſchnitt pro Kopf mit vierzehn Pence bezahlt wird.

Jetzt bewilligt mir, folgert unſer Autor ferner, für jede Fahrſtrecke ein Perſonengeld von drei Pence, und ich verſpreche einen ſechsmal ſtärkern Ver⸗ kehr als den derzeitigen, ſo daß die Geſammteinnahme der engliſchen Bahnen um vier Millionen Pfund Sterling mehr betragen wird, als jetzt, ohne daß ſich die Betriebskoſten nennenswerth erhöhen dürften. Nun aber läßt ſich mit Wahrſcheinlichkeit annehmen, daß nicht alle Paſſagiere um drei Pence in dritter Claſſe, ſondern daß etwa ein Siebentel in erſter Claſſe zu einem Schilling und zwei Siebentel in zweiter Claſſe zu ſechs Pence reiſen werden. Hierdurch ſtellt ſich der jährliche Ertrag des Eiſenbahnperſonenverkehrs auf zweiunddreißig Millionen Pfund Sterling, während er gegenwärtig, wie wir geſehen haben, vierzehn und drei Viertel Million nicht überſteigt. Vielleicht giebt ſich Brandon einer etwas zu ſanguiniſchen Hoffnnng hin, wenn er vorausſetzt, daß ſein neues Fahrtaxenſyſtem die Perſonenfrequenz der Bahn⸗ fahrten um das Sechsfache vergrößern werde, indeß ſtatuiren wir auch nur die Hälfte, nur eine dreifache Erhöhung, was gewiß nicht überſchwänglich iſt, ſo bleibt immer noch ein Mehr von zwei Millionen über den derzeitigen Einnahmebetrag, abgeſehen von der Erſparniß, welche durch die Einheit der Bahnverwaltung unfehlbar erzielt würde.

Auge faßt, ſo ſehen wir doch keinen Grund, der eine Verwirklichung der Idee in anderen verkehrsreichen Ländern, ſpeciell auf unſeren deutſchen Eiſenbahnen ausſchlöſſe. Unbedenklich behaupten wir vielmehr, Brandons Plan iſt der Kern des Eiſenbahnweſens der Zukunft. Daß er be⸗ reits vor vier Jahren dem engliſchen Parlamente die Grundzüge, welche er in ſeiner jetzigen Broſchüre weiter ausführt, zur Begutachtung unterbreitet hat, und daß man ſeine Vorſchläge einfach ad acta legte, in den großen Papierocean warf, in dem ſo mancher geniale Gedanke ſein Grab gefunden hat, das beweiſt nicht das Mindeſte wide ensfähigkeit ſeiner Idee. Iſt es nicht Rowland Hill ganz ebenſo ls er vor nun⸗ mehr einunddreißig Jahren den engliſchen Ge 5 Plan ſeinerPost office Reform vorlegte, fe engliſchen Poſtweſens, Lord Lichfield, die Sache aller tollen und phantaſtiſchen Pläne ab u die Angel, um welche ſich das geſammte Poſtweſe kann uns ſomit widerlegen, wenn wir in Raphae Hill der Eiſenbahn weiſſagen?

in Gedanke dreht. Wer den Rowland

Das Hans Sachs⸗Denkmal, mit welchem Nürnberg ſich zu Ehren eines ſeiner größten Bürger ſchmücken will, hat in den deutſchen Lieder⸗ tafeln den patriotiſchen Geiſt vielfach angeregt, und nicht bloß die dadurch erſchwungene Beiſteuer zu den Denkmalkoſten, ſondern auch die ſie beglei⸗ tenden Schreiben verdienen freudig begrüßt zu werden. Eines derſelben, vom Sängerverein in Stolpe, theilen wir hier mit:Gerne ſind wir heißt es darinIhrer Aufforderung entgegen gekommen, um zu zeigen, daß in unſerm äußerſten Winkel Hinterpommerns nicht mehr der geiſtige Tod die Herrſchaft hat, ſondern friſch und freudig an der Bildung

Eben deßhalb halten wir es für eine gebotene Pflicht des Handwerker⸗ ſtandes, ſich bei der Sammlung von Beiträgen zu dem Denkmal des reinen und wahren deutſchen Mannes Hans Sachs zu betheiligen und deſſen An⸗ denken dadurch zu ehren. In dieſem Sinne erhalten Sie das Inliegende (25 Thlr.), mit dem herzlichen Wunſche, daß Ihnen von ſämmtlichen Handwerkervereinen Deutſchland möge Größeres geboten werden.

Dieſem Wunſche kann man ſich nur mit Freude anſchließen, denn die Erfüllung deſſelben würde das Denkmal ſelbſt vollenden helfen; vor alle⸗ dem dürften auch die Hof⸗, Stadt⸗ und Privattheater wiederholt an die Ehrenpflicht zu mahnen ſein, die ſie dem Vater der deutſchen National⸗ bühne noch heute ſchuldig ſind..

Die muſikaliſchen Claſſiker bilden das tägliche Brod der Unter⸗ richtsanſtalten ſowohl wie der Kunſtfreunde. Ihre billigſte Verbreitung, ſo daß ſie Gemeingut auch der wenigſt Bemittelten werden können, iſt ein deſto dringenderes Bedürfniß, nachdem die Werke der großen deutſchen Dichter durch wohlfeile Ausgaben Allen zugänglich gemacht worden ſind. Wenn als Hauptaufgabe bei ſolchen Volksausgaben die Verbindung von äußerſter Wohlfeilheit mit größter Correctheit und Lesbarkeit anzuſehen iſt, ſo muß man unter allen Concurrenten der Peters'ſchen Ausgabe den Vor⸗ rang zugeſtehen. Sie umfaßt alle muſikaliſchen Claſſiker und in einer ſo eleganten Ausſtattung, daß man, wären die Preiſe nicht bekannt, nicht ahnen würde eine Volksausgabe vor ſich zu haben. Gewiß werden in die⸗ ſem Gewande die Schöpfungen der Muſikheroen überall Eingang finden.

Auf dem deutſchen Büchermarkte iſt es bis heute eine noch nie dageweſene Erſcheinung, daß bei einem Romane, ſchrift wie dieGartenlaube bereits eine ungeheure Verbreitung gefunden, binnen achtzehn Monaten noch vier ſtarke Auflagen in Buchform nöthig wurden, denen vielleicht bald noch einige andere folgen werden. Gold⸗Elſe iſt in ganz Europa und Amerika denn es exiſtiren bereits engliſche, franzöſiſche, ruſſiſche und holländiſche Ueberſetzungen ein Liebling der Frauenwelt geworden, und das Buch verdient dieſe große Anerkennung ſowohl ſeines ſchönen poetiſchen Geſtaltenreichthums wie ſeiner eben ſo humanen wie klaren und freiſinnigen Lebensanſchauung wegen.

Berichtigung. Es iſt uns zu ſehr um Feſtſtellung ſelbſt der gering⸗

Berichtigung hinnehmen ſollten, die auf unſeren Artikel:Oeſterreichiſche

alſo, daß Herr Dr. Giskra allerdings den entſchloſſenſten Freiheitsmännern

nach den drei erſten Sitzungen daſelbſt auf ſein Verlangen Urlaub erhalten und ſich fortbegeben hat. Ob die Warnung vor dem öſterreichiſchen Ver⸗ haftsbefehl, von welchem die Redaction der Gartenlaube ſpricht, ihn gerade damals traf und ſeine raſche Abreiſe veranlaßte, wiſſen wir nicht. Ein Irrthum unſeres Gedächtniſſes war es, daß wir ſtattNürnberger Hof

Regensburger Hof der 1 gar nicht exiſtirte und gewiß um jene Zeit keinem Club den Namen gab.

Sind alle dieſe Daten und Ziffern auch blos engliſchen Verhältniſſen entnommen, wie das Project ſelbſt nur das engliſche Eiſenbahnnetz in's

Siegmund Koliſch.

Für die Waſſerbeſchä gingen wieder ein: Br. in Adorf 3 Thlr. 7 ½ Sgr.; Frau M. W. in Pir Köen 5 Thlr.; A. Kr. in Altenburg 1 Thlr.; für Weiterbeſorgung eines Brief F. v. G. in Annaberg 1 Thlr.; von einem Freunde der Gartenlaube 2 fl dam 5 Thlr.; N. N. 10 Thlr.(Beantwortung Ihres Briefes nach Angab aller bisherigen Eingänge 163 Thlr. 1 Sgr.

digten in der Schweiz na 1 Thlr.; Comet 1 Thlr.; A. V. G. 1 Thlr.; ein deutſcher Bruder in es an Gerſtäcker 1 fl. rhein.; W. Stolz und A. W. Scholz in Detmold 2 Thlr.; rhein.; G. in Carwitz(Hinterpommern) 1 Thlr.; Paul Hoffmann in Pots⸗ e Ihrer genauen Adreſſe); Coſche und Hager in Leipzig 20 Thlr.

Die Redaction.

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Inhalt: Das Erkennungszeichen. Der Wunderglaube in Paris. Von Ludwig Kaliſch. Die Wald⸗ und Waidmannsbilder. Nr. 27. Ein Jagdtag im November. Menſch als Poſtſtück. Das Hans Sachs⸗Denkmal. Die muſikaliſchen

Von A. Godin.(Fortſetzung.) Ein Muſikabend beim Prinzen Louis Ferdinand. Mit Abbildung. Staßfurter Salzlager. Von

Von Profeſſor Dr. K. Birnbaum.(Schluß.) Wild⸗ Guido Hammer. Mit Abbildung. Blätter und Blüthen: De Claſſiker. Marlitt's Gold⸗Elſe. Ahuwund Stunn⸗

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2..... 1.... 5 Verantwortlicher Redacteur Ernſt Keil in Leipzig. Verlag von Ernſt Keil in Leipzig. Druck von Alexander Wi 4* f* 5 2 3

und Geſinnung beſonders des kleinen Handwerkerſtandes gearbeitet wird.

Marlitt's Gold⸗Elſe wurde ſo eben in vierter Auflage ausgegeben.

der durch eine weitverbreitete Zeit⸗

fügigſten Wahrheit zu thun, als daß wir anders, denn mit Dank eine Berühmtheiten 2. Der Miniſter des Innern ſich bezieht. Wir bemerken

des Frankfurter Parlaments nach Stuttgart gefolgt iſt, daß er aber ſchon

geſchrieben haben, der unſeres Wiſſens in Frankfurt

Summe

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