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wird jedoch immer ſo rechtzeitig bemerkt, daß Zeit genug gegeben iſt, ſich auf dem Rufe:„Hä brennt!“ oder auch nur„brennt, brennt!“ von der Sprengſtelle in die erforderliche Sicherheitsent⸗ fernung zurückziehen zu können. Nicht minder umſichtig ſind die Pumpvorrichtungen zur Hinaufſchaffung des Waſſers angelegt; nur in den oberen Schichten quillt viel Waſſer aus dem Geſtein; beſondere Querſchläge zwiſchen Fahr⸗ und Förderſchacht ſind zum Auffangen und Anſammeln beſtimmt und in ihnen Waſſerbehälter ausgehauen worden; durch Pumpen wird das Waſſer von Etage zu Etage gehoben und während der Nacht mittelſt einer zweihun⸗ dert-pferdekräftigen Dampfmaſchine zu Tage gefördert. Die unteren Strecken ſind völlig waſſerfrei; man hat Haupt⸗ und Parallel⸗ ſtrecken, Querſchläge u. dgl. m.
Bis unſere Geſellſchaft vollſtändig eingefahren war, hatten wir hinlänglich Zeit, auch unten uns über alle Einrichtungen orientiren zu können; die Einfahrt dauert drei bis fünf Minuten; es verging faſt eine Stunde, bis wir Alle unten waren und die Wanderung antreten konnten. Der Eintritt in die großartigen Hallen iſt überraſchend durch ihre Höhe und Weite; das Salz er⸗ ſcheint in mattem Glanze, deutlich unterſcheidet man aber die ſchwärzlichen dünnen Linien von Anhydrit, die Jahresringe, wie ſie in welligen Biegungen die Steinſalzſchichten trennen; ab und zu leuchtet ein gelblichweißer Knollen aus dem Geſtein, Boracit.
Bei feierlichen Gelegenheiten werden die Strecken mit Lampen illuminirt, zu welchem Zwecke in das Salz Holzpflöcke in paſſenden Entfernungen eingetrieben ſind; wir hatten Magneſiumdraht mit⸗ genommen, welcher ein blendendes Licht beim Anzünden entwickelt und mehr als Tageshelle verbreitet. In einer ſo gewonnenen Be⸗ leuchtung iſt der Anblick einzelner Partieen wahrhaft feenhaft, beſonders im Kaliſalzlager, in einer zu einer Art Grotte erweiter⸗ ten Strecke, wo die prachtvollen Kaliſalze am ſchönſten ſich zeigen und gegen das mattere Steinſalz um ſo mehr hervorleuchten; hier in ebenfalls wellig ſich biegenden Streifen, mit hell⸗ und roſen⸗ roth glänzenden Farben, Carnallit, dort in weißen Streifen, Kieſerit, dazwiſchen graue, Polyhalit, goldgelbe, Tachhydrit, zier⸗ liche ſchwarze Anhydritſchnüre mitten durch, und unten und oben das mattere Steinſalz in dunklerer Färbung. Schöner noch ſollen ſolche Partieen im anhaltiſchen Schachte ſein, wo prachtvolle Stalaktiten von Carnallit, ſchöne Sylvinkryſtalle, blaues Sylvin, blaues und rothes Steinſalz als weitere Zierden die Wandungen ſchmücken.
Im Steinſalz ſelbſt kommen Farbenwechſel ſelten vor; man begeht aber mit dem Gefühl größter Sicherheit mit nicht minderer Bewunderung dieſe großartigen Anlagen, die vor uns durch unſere Lämpchen matt erleuchtet, dann etwas weiter in tiefes Dunkel ge⸗ hüllt ſind und im Hintergrunde die kräftigen Geſtalten der Arbeiter, beleuchtet von ſchwachem Lichte, zeigen. ſehen!“ tönt ein Ruf; ein Salzkarren taucht auf, mit Licht ver⸗ ſehen, und wird im raſchen Laufe vorübergeſchoben, wieder und wieder einer begegnet uns, um raſch dem Förderſchachte zuzueilen; hier arbeitet eine Cameradſchaft an einem Haufwerke losgeſprengter Trümmer aus großen, centnerſchweren Stücken bis zu fauſtgroßen V hinunter; ein Arbeiter tritt vor und bietet in flachem Korbe die prachtvollſten, waſſerhellen Salzkryſtalle in ſchönſter Reinheit. Im Weitergehen durch plötzlich aufleuchtendes Magneſiumlicht blendendſte Helle, den Bergleuten ſelbſt ein ungewohnter Anblick, dann wieder um ſo empfindlichere Finſterniß vor und hinter uns.„Brennt, brennt!“ und raſch ziehen wir uns mit den davoneilenden Arbeitern zurück.
Einige Minuten erwartungsvoller Pauſe, dann kracht ein Schuß, noch einer und noch einer und wiederhallt im rollenden Donner an der majeſtätiſchen Wölbung; anderwärts hört man nur ein Kniſtern im Salze, die Wirkung eines weiter entfernt ab⸗ gefeuerten Schuſſes. Der Dampf verzieht ſich allmählich und wir gehen zur Stelle über die mächtigen losgeſprengten Trümmerhaufen weiter und weiter vom Steinſalz in die Kaliſalze bis zur oben
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„Vorſicht!“ oder„Vor⸗ V
dieſes, neun für die Kaliſalze im Gange.
beſchriebenen herrlichen Grotte, dann wieder zurück bis an den Förderſchacht, an welchen von vier Seiten die Strecken einmünden und das regſte Leben mit den ab⸗ und zukommenden Wagen, dem Einladen in die Fahrkörbe und den vielen hier beſchäftigten Arbeitern herrſcht, dann weiter zum Fahrſchacht, welcher uns an die Oberfläche bringen ſoll. Hier iſt eine Luftpumpe angebracht, durch deren Schwengel, wenn Alles zur Auffahrt fertig iſt, die Luft in ein Bleirohr gepreßt wird und oben im Maſchinenraume eine Trompete zum Tönen bringt; dieſe dient dem Maſchiniſten als Signal.
Die Auffahrt geſchieht eben ſo leicht und ſicher wie die Ein⸗ fahrt. Nach ſo langer Wanderung in der Tiefe in einer denn doch immer mehr drückenden Luft bei achtzehn bis neunzehn Grad Wärme ſehnt man ſich, wieder in friſchere Atmoſphäre zu kommen und der ſalzgetränkten Kleider ſich zu entledigen. In den Stein⸗ ſalzſtrecken iſt die Luft reiner, in den Kaliſalzorten dagegen mit ätzendem Staube gefüllt, ſo daß die Arbeiter hier durch Brillen gegen Entzündungen ſich ſchützen müſſen, beſonders die, welche mit dem Zerkleinern der losgeſprengten Stücke zu thun haben.
Oben angekommen, macht man zuerſt wieder Toilette, um dann die oberen Werke noch in Augenſchein zu nehmen. Mit doppeltem Intereſſe ſieht man jetzt die für die Förderungs⸗ und Einfahrtkörbe thätigen Maſchinen und vergegenwärtigt ſich die verſchiedenen Sicherheitsvorrichtungen. Unglücksfälle ſind noch gar nicht vorgekommen, ſeit die neuen Federvorrichtungen angebracht ſind, wohl aber haben ſie ſich ſchon bewähren können, indem durch Zerreißen des Seiles die Einfahrenden einſt in der Mitte des Schachtes hängen blieben und auf ihre Erlöſung aus der ſo bedenklichen Lage harren mußten. Bevor dieſe Sicherung an⸗ gebracht war, iſt, ſo viel wir hörten, nur einmal ein Fahrkorb mit ſeinen Inſaſſen in die Tiefe geſtürzt und natürlich gänzlich zertrümmert worden. Beim Sprengen kommen hier und da kleinere Unglücksfälle vor, und durch die ſalzigen Staubmaſſen ſind Augenent⸗ zündungen langwieriger Art nicht ſelten. Mit doppelter Freude giebt man ſeinen Beitrag zur Krankencaſſe, da anderweitige Trinkgelder nicht genommen werden, und trotz aller Sicherheit und Gefahrloſig⸗ keit begreift man doch das Sinnige des bergmänniſchen Grußes „Glück auf“, mit welchem Jeder kommt und geht.
In den oberen Werken ſind neun Dampfmaſchinen von zu⸗
ſammen vierhundertfünfzig Pferdekraft thätig; auf beſonderem
kleinem Schienenſtrang mit Kette ohne Ende werden die zu Tage geförderten Salze auf kleineren Karren befördert, und durch ſinnige Vorrichtung hängen ſie ſich am Beſtimmungsorte von ſelbſt wieder aus. Der größte Theil der Salze wird im rohen Zuſtande an die Fabriken geliefert und ſofort von oben herunter aus langen Galerien in Eiſenbahnwaggons geſchüttet. Der Schienenſtrang umkreiſt den alten Feſtungsthurm, auf welchem Otto mit dem Pfeile gefallen iſt und welchen man deshalb durch eine der Bahn gegebene Curve erhalten hat. Die Schienen führen dann an der ebenfalls ſehr alten Kirche vorbei, in deren Thurm eine ſilberne Glocke iſt.— Auch in den preußiſchen Werken wird das Steinſalz auf beſonderen Mühlen, mit einer den Kaffeemühlen ähnlichen Conſtruction, zu feinem Pulver gemahlen und ſofort ſchon im gleichen Raume aus dem ſchlechten Material das Viehſalz bereitet und in großen Mengen auch zu Leckſteinen geformt; man verbraucht dazu an hunderttauſend Centner Steinſalz; acht Mühlen ſind für Die fertig gemachten Salze werden durch Maſchinen auf die Bodenräume gehoben und dort in Säcke gefüllt.
Die preußiſchen Werke förderten im Jahre 1867 im Ganzen eine Million zweihundertfünfzigtauſend Centner Steinſalz und eine Million fünfhunderttauſend Centner Kaliſalze; bis dahin hatte man durchſchnittlich per Jahr neunhunderttauſend Centner Steinſalz geför⸗ dert, eine an ſich großartige, gegenüber den vorhandenen Vorräthen aber verſchwindend kleine Production.(Schluß folgt.)
Rückblicke auf meine theatraliſche Lanfbahn.
Von Franz Wallner
1 1. Ein
Verlorener.
Die Originale verſchwinden aus dem Theaterleben, das früher was dazu gehört, beienur einiger Begabung, weit leichter, als ehedem,
die letzte Zufluchtsſtätte derſelben war. Seit das wilde regelloſe V Wandern der Mimen aufgehört, ſeit ſie ſich alle ihr Brod, und
verdienen, haben die Schauſpieler das Komödiantenthum abge⸗ ſtreift, ohne daß deshalb die Komödianten unter ihnen verſchwun⸗
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