Jahrgang 
45 (1868)
Seite
712
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geſammelten Prachtſtücke in großen umge⸗ ſtülpten Glasglocken, deren Deckel angeſchliffen werden und ſo hermetiſch ſchließen. Er ſelbſt erläuterte uns bereitwillig ſeine Sammlungen, der Hauptſache nach aus den nachbenannten Mineralien beſtehend. Daß prachtvolle, völlig durchſichtige Salzkryſtalle in beträchtlicher Größe die Sammlung ſchmücken, verſteht ſich von ſelbſt; Stücke in blauen und rothen Farben als Seltenheiten finden ſich in allen Schattirungen.

Die prachtvollſten Stücke bildet der Carnallit(dem Berg⸗ director Carnall zu Ehren) aus der oberen Region der Lager; rein, waſſerklar, findet er ſich noch in milchweißen Varietäten (ſehr ſelten) und ſchön roth gefärbt durch Schüppchen von Eiſen⸗ rahm oder Eiſenglimmer; ein wahres Prachtſtück im viereckigen Glaskaſten zeigt in der Mitte die ſchön rothen Farben und die weißen nach außen oder auch als Adern im rothen Material, ſo daß das Ganze wie ein aufgeſchnittener, ſchön marmorirter und gut durchräucherter Schinken ſich präſentirt; das Mineral beſteht aus Chlorkalium, Chlormagneſium und Waſſer.

Kieſerit(zu Ehren des Geheimen Hofraths Kieſer), weißlich⸗ grau und bald an der Luft ſich trübend, bildet den Hauptbeſtand der zweiten Abtheilung; er beſteht aus ſchwefelſaurer Magneſia und Waſſer. Polyhalit(aus dem Griechiſchen: viel und Salz), hellgrau, matt, findet ſich in der unteren Abtheilung ſchon im Steinſalz in ähnlichen Schnüren wie die Jahresringe aus Anhy⸗ drit und beſteht aus ſchwefelſaurem Kalk(Gyps), ſchwefelſaurer Bittererde, ſchwefelſaurem Kali und Waſſer. Zwiſchen dieſen, mehr als Einſchließungen, finden ſich: Sylvin(dem alten Sylvius zu Ehren), beſtehend aus reinem Chlorkalium, weiß, ſelten röthlich, noch ſeltener blau(neuerdings wird auch in Kalucz in Oeſterreich reiner Sylvin gefördert); dann matt gelblicher Boracit, ſehr werthvoll, beſtehend aus borſaurer Magneſia und Chlormagneſium in von anderen Fundorten etwas abweichender Zuſammenſetzung, daher auch als Staßfurtit unterſchieden, wird zu Borax ver⸗ arbeitet und findet ſich in fauſtgroßen Stücken im Salz eingefügt; Tachhydrit(griechiſch: aus ſchnell und Waſſer), das zerfließ lichſte Mineral, beſtehend aus Chlorcalcium, Chlormagneſium und Waſſer, goldgelb von Farbe, und endlich der für die Landwirth⸗ ſchaft ſo wichtige Kainit, 1865 in Anhalt vom dortigen Berg⸗ meiſter gefunden, beſtehend aus ſchwefelſaurem Kali, ſchwefelſaurer Magneſia, Chlormagneſium und Waſſer; neuerdings wird er auch im preußiſchen Schachte und zwar in gelblichen Kryſtallen gefun den. Der Kainit wurde zuerſt der Fabrik des Herrn Douglas überlaſſen und hat jetzt, zu Dünger verarbeitet, als ſogenanntes Doppelſalz oder ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia die wei⸗ teſte Verbreitung gefunden. Für die Induſtrie iſt das Chlor⸗ kalium der wichtigſte Artikel; aus demſelben werden auch die ſogenannten concentrirten Salze für die Düngung präparirt; eine andere Art Dünger ſind die ſchwefelſauren Kaliſalze; die rohe ſchwefelſaure Kali⸗Magneſia und die vohen Abraumſalze kommen als ſolche ebenfalls zur Düngung in den Handel. Im Jahre 1867 wurden in Anhalt 1,600,000 Centner Rohkaliſalze und 160,000 Centner Kainit gefördert, wäh⸗ rend die Steinſalzförderung auf den Bedarf im Lande, 26,000 Centner, beſchränkt bleibt.

Nach der Beſichtigung der ſchönen Sammlung, die ein voll ſtändiges Bild der Zuſammenſetzung der ſo wichtigen Lager giebt, führte der Herr Bergmeiſter ſelbſt uns in die Mahlmühlen, in welchen die rohen Salzſtücke zu feinem Pulver gemahlen werden; aus dem Steinſalz wird mit Zuſatz von Ocker Viehſalz gemacht, letzteres auch zu Leckſteinen geformt. Die Einfahrt in den Schacht wird als nicht ganz gefahrlos geſchildert, weshalb Fremde beſſer im preußiſchen Schachte in die Tiefe fahren. Auch hier trafen wir Alles ſchon beſtens vorbereitet und wurden von den Herren Bergbeamten ſofort an die Garderobe gewieſen, wo berg⸗ männiſche Kleidung für Herren und Damen in Bereitſchaft iſt. Die Einfahrt iſt nämlich hier ſo gefahrlos, daß ſie auch von

Werke, bewahrt ſeine

Damen gewagt werden kann. Da jedesmal nur drei von uns mit einem Bergmann einfahren ſollten, ſo brauchten wir geraume Zeit, während welcher Jeder Gelegenheit hatte, ſich mit den Ein⸗ richtungen des Fahrſchachtes und den zur Beförderung der Per⸗ ſonen und Laſten erforderlichen Maſchinen bekannt zu machen.

Auch hier wurde uns jede Auskunft und Unterweiſung mit größter

umgeben; an dieſem hält ein Steiger Wache und läßt durch be⸗

ſondere Thüren ein und aus. Die Fahrkörbe ſind viereckig, mit

hoher, geſchloſſener Brüſtung umgeben und mit ſtarkem Schutzdach verſehen, ſo daß kein Unfall geſchehen kann. Der Schacht elbſt

iſt 600 Fuß tief von oben ausgezimmert. Die beiden Fahrkörbe, der auf- und der. abſteigende, werden durch eine zwölfpferdige Dampfmaſchine mittelſt ſtarker geflochtener Drahtſeile in der Art auf- und niedergewunden, daß dieſe auf zwei großen Radtrom⸗ meln ſich auf- und abrollen. Der Fahrkorb ſelbſt iſt jedoch nicht direct mit dem Seile verbunden, ſondern an einem Federſyſtem, ähnlich dem an Eiſenbahnwaggons üblichen, aufgehängt. Die durch die Laſt des Fahrkorbes zuſammengedrückte Feder ſchnellt beim etwaigen Reißen des Seiles entlaſtet auseinander und bewirkt dann durch einen Hebel die Umdrehung zweier Wellen mit ge⸗ zahnten Scheiben. Die Zähne greifen mit Gewalt in die höl zernen Führungsbalken des Fahrſtuhls ein und halten ſomit deſſen fallende Bewegung auf; der Stuhl hängt dann in der Schwebe ſtill, bis er aus ſeiner Lage befreit wird.

Aehnlich iſt die Einrichtung in dem Förderungsſchacht, nur mit dem Unterſchiede, daß dort je zwei Körbe untereinander angebracht ſind; zuſammen faſſen ſie an 25 Centner Laſt. Die Fördermaſchine hat hundertunddreißig Pferdekraft, ihre Seiltrommel ſiebenzehn Fuß Durch⸗ meſſer. Das Einſteigen in den Fahrſtuhl geſchieht nach erhaltenem Signal von unten. Ein verkleinerter Apparat, welcher ſich an einer an der Wand angebrachten Scala, auf welcher die zurückzu⸗ legenden Entfernungen mit den Mündungen der Querſchläge und dergleichen genau verzeichnet ſind, bewegt, zeigt dem Maſchiniſten eben ſo genau an, wo die abwärts⸗ und aufwärtsgehenden Fahr⸗ ſtühle in jedem Augenblicke ſich befinden, und legt es fomit in ſeine Hand, bei der gewünſchten Haltſtelle ohne Stoß anhalten zu laſſen. Die Fahrt abwärts geht ohne merkliche Erſchütterung; das trübe Licht der mitgenommenen Lampe wirft eilig gleitende Schatten auf die Wandungen, welche in etwa Handbreite von dem Fahrkorbe abſtehen. Man fährt, freilich ohne viel davon zu ſehen, 27 Fuß durch Schwemmland und Diluvialkies, dann 576 Fuß durch rothe Schieferletten mit Bänken von feinkörnigem Sandſtein, Roggenſtein und feſtem grauem Kalkſtein, dann mit Aufhören der Verſchalung 192 Fuß tief durch hellen ſtrahligen, feſten Gyps und Anhydrit und durch derben Gyps mit Mergel, dann 21 Fuß durch Salz⸗ thon(dunkelgrauen bituminöſen Mergel mit Anhydrit und Stein⸗ ſalz); dann folgt die Carnallit⸗Region, 135 Fuß mächtig, dieſer die Kieſerit-Region, 180 Fuß, dieſer die Polyhalit⸗Region, 200 Fuß, und endlich die Anhydrit-Region, 685 Fuß mächtig; in den beiden letzteren iſt das kryſtalliniſche Steinſalz mit den ſchon erwähnten Jahresringen. Rechnet man aus Allen das Vorkommniß im Ein⸗ zelnen, ſo beſteht das Ganze aus 989 Fuß Steinſalz, 36 Fuß Auhydrit, 13 Fuß Polyhalit, 51 Fuß Kieſerit, 98 Fuß Carnallit und 13 Fuß Chlormagneſiumhydrat, und daraus ergiebt ſich, daß das damalige Salzwaſſer eine vom heutigen Meerwaſſer etwas abweichende Zuſammenſetzung hatte.

Das Aufſtoßen im Schachte unten geſchieht in ſehr ſanfter Weiſe, wie denn überhaupt wohl nicht leicht eine Fahrt in die Tiefe mit ſo großer Annehmlichkeit und Sicherheit, wie dort in Staßfurt, gemacht werden kann. Gleiches gilt von der Beſichtigung des Werkes ſelbſt. Die ausgehauenen Gänge,Strecken, ſind in ihrer Sohle vollkommen trocken, 27 Fuß hoch und 75 Fuß weit angelegt, ſo daß man mit großen Laſtwagen in ihnen fahren könnte und nirgends durch die Arbeiter oder die hier überall angelegten Schienen⸗ ſtränge, reſp. die auf denſelben beförderten kleinen Frachtwagen, in der Beſichtigung geſtört wird. mit vollſter Bequemlichkeit unten bewegen. Anfangs hatte man in den Strecken größere Pfeiler ſtehen laſſen, das Steinſalz iſt aber ſo feſt, daß man einen Einſturz nicht zu befürchten hat. Nicht minder gut iſt für die Lüftung durch beſondere Ventilationsvor⸗ richtungen geſorgt; die unten allmählich ſich verſchlechternde Luft wird durch den Fahrſchacht nach oben, die friſche Luft durch den Förder⸗ ſchacht in die Abbauſtrecken und von da wieder durch beſondere ſenkrechte Schlote in einen dazu angelegten wagrechten Gang, die Wetterſohle, geleitet, von wo ſie in den Fahrſchacht zieht.

Brennbare Gaſe erzeugen ſich nur ſelten und brennen ohne

den Wänden ruhig brennende Gas vor gegebenem Warnungsru

Zuvorkommenheit gegeben. Der Schacht mündet in einer großen hohen Halle und iſt an der Ausmündung mit einem Verſchlag

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Große Geſellſchaften können ſich

Exploſion ruhig an den Wandungen weiter; man löſcht ſie mit alten Lumpen; Gefahr wäre nur dann vorhanden, wenn das a uf

eine Sprengſtelle erreichte und das Pulver hier entzündete. Es

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