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heroiſchem Muth die Sackpuffer ab, welche galante Herren ihnen bieten.
punkt der Rübenzuckerinduſtrie, der Cichorienfabrikation, wahrer
ſchwäbiſchen Bacchantinnen im Nachen feuern etwas zagend, aber mit
Und fragen wir nun, was ſoll ein ſo heiterer, harmloſer, idylliſch⸗ſinniger Dichter in einer Zeit, wie die unſere, wo Handel und Induſtrie alle Kräfte in Anſpruch nehmen, wo der blaue Neckar die Räder von zahlloſen Fabriken treibt, wo Dampfſchorn⸗ ſteine am Fuß der Rebenhügel rauchen, wo Schienenſtränge in's Herz der Alb dringen; in einer Zeit wo ganz Europa ein Waffenlager iſt, wo Trommelwirbel und der Knall des Zünd⸗ nadelgewehres in entfernten Waldthälern die Ruhe des Dichters ſtören? Iſt da noch Platz für ſolche Naturen? Und doch!
Wie wir nach einem Gang in's Grüne beruhigt und verſöhnt, erheitert und gekräftigt wieder kehren zu des Lebens ſchwerer Müh' und Noth, ſo befreit uns die Naturfriſche unſeres Mörike, ſein, um ein Wort von David Strauß anzuwenden,„milder, löſender Humor“ das bedrängte Herz, und über die ſorgenvollen Züge gleitet ein erheitertes Lächeln und innig freuen wir uns, daß es in unſerer zerriſſenen Zeit noch ſo grundgeſunde, heitere, genügſam frohe Herzen giebt, wie unſer Mörike. Greis uns noch lange erhalten bleiben und uns durch noch manche Gabe ſeiner Muſe erheben und erfreuen!
— G. Arnold.
Die Staßfurter Salzlager.
Von Profeſſor Dr.
Von Amerika weiß Jedermann, daß dort in wenigen Jahren aus den Anſiedelungen Weniger große Städte und wichtige Han⸗ delsplätze werden können; auch in Deutſchland haben wir in unſerem Jahrzehnt ein ehemals unbedeutendes Städtchen in Folge glücklicher bergmänniſcher Forſchungen zu einer Induſtrieſtadt hohen Ranges heranwachſen ſehen, zu einem Platze, welcher ſchon jetzt eine beſondere Eiſenbahnanlage nöthig machte, ſeine Exportartikel nach Millionen von Centnern zählt, Tauſenden lohnende Beſchäf tigung giebt und dazu berufen zu ſein ſcheint, einen ſehr wichtigen Handelsartikel, das Kali, bisher größtentheils in den Händen der Engländer, Deutſchland faſt ausſchließlich zuzuwenden.
Und neben dieſem für die Technik wie für die Landwirth ſchaft ſo wichtigen Artikel ſind es die unermeßlichen Steinſalz⸗ lager, welche alljährlich die Touriſten zu Tauſenden nach Staß furt ziehen und, um der intereſſanten geologiſchen Bildungen willen, die Aufmerkſamkeit der Gelehrten in hohem Grade in An ſpruch nehmen, Lager, nach welchen man urſprünglich allein ſuchte und über welchen man die anfangs gar nicht beachteten Kaliſalze entdeckte, ein glücklicher Fund von nicht minderem Werthe, wie die reichen Goldlager in Californien oder anderwärts.
Zu Pfingſten mache ich mit den Lehrern und Studirenden meiner landwirthſchaftlichen Lehranſtalt jedesmal eine größere wiſſenſchaftliche Excurſion; die diesjährige führte uns nach Magde⸗ burg, Hundisburg, den Glanzpunkt der deutſchen Viehzucht, nach Staßfurt, Quedlinburg und in den Harz.
An demſelben Tage, welchen wir der Beſichtigung von Staß⸗ furt gewidmet hatten, waren wir früh am Morgen noch über dreihundert Fuß über der Erde auf der Thurmgalerie des in ſeiner Einfachheit ſo erhabenen Magdeburger Doms, Nachmittags über tauſend Fuß unter der Erde in den prachtvoll ausgehauenen, groß artigen Schachten der preußiſchen Werke in Staßfurt. Von der Thurmgalerie in Magdeburg konnten wir unſere Reiſeroute bis dorthin vollſtändig überblicken, eine an ſich etwas einförmige Ebene, aber durchſchnitten nach rechts und links von Schienenwegen, auf welchen im ununterbrochenen Verkehr die gewaltigen Frachtzüge nach allen Himmelsgegenden dampfen, beſäet mit ſtattlichen Oeko— nomiehöfen und großartigen Fabrikanlagen, überragt und umrahmt von einer Fülle rauchender Feuereſſen, den Denkſteinen der moder⸗ nen Induſtrie, die in Staßfurt ſelbſt wie die Maſtbäume im Hafen einer belebten Seeſtadt dicht gedrängt zuſammenſtehen. Iſt doch die ganze Umgegend von Magdeburg als ein Glanzpunkt der deutſchen Hochcultur ausgezeichnet und berühmt als Mittel
Spiritusfabriken und anderer die intenſivſte Landwirthſchaft kenn⸗ zeichnender Anlagen, faſt troſtlos einförmig für Denjenigen, welcher nur an landſchaftlichen Schönheiten Intereſſe findet, aber von höchſtem Werthe für Jeden, welchen die Culturentwickelung ſeines Volkes intereſſirt,
Die Thurmgalerie eignet ſich zugleich ganz vortrefflich dazu, die Bildungsgeſchichte der ſo bedeutungsvollen Salzlager ſich zu vergegenwärtigen. Man überblickt einen großen Theil der frucht⸗ baren, zwiſchen Thüringerwald und Harz liegenden Hochebene, welche die Geologen als zum großen norddeutſchen Beckengebiet gehörend bezeichnen und deſſen hier in Betracht kommenden Theil, den ſüdlichen, in das Thüringer und das Magdeburg⸗Halberſtädter Becken gliedern.
Man kann ſich geiſtig jene Zeit vergegenwärtigen, in welcher
K. Birnbaum.
das Ganze, mit oder ohne Zuſammenhang mit dem das äußere Randgebirge, bunten Sandſtein, umbrandenden Ocean, noch ein großartiger See oder Moraſt war; man kann ſich denken, wie das Becken periodiſch zu Zeiten gewaltiger Regen⸗ oder Sturm⸗ fluthen mit Waſſer ſich füllte, wie dieſes dann allmählich verdunſtete und die vorher im Waſſer gelöſt geweſenen Salze ſich zu Boden ſchlu⸗ gen, Schichte auf Schichte bildend, deren letzte von einer verhärtenden Kruſte ſchwerer löslichen Gypſes(Anhydrit, wenn waſſerfrei, ge⸗ nannt) bedeckt wurde und ſo eine Jahresbildung begrenzte. Man kann ſich vergegenwärtigen, wie nach und nach Jahresſchichte auf Jahresſchichte zu Boden ſank, oft in welligen Linien, bis ſchließlich die Salzquellen verſiechten und nur noch eine Art Mutterlauge über dem Ganzen ſtand, welche dann ebenfalls ähnlichem Proceſſe unterlag und Schichten unreineren Kochſalzes bildete, durchſetzt mit Salzen anderer Art. Man ſieht dann im weiteren Verlaufe der Jahrhunderte das Ganze mit Thon, Sand, Mergel und Letten überdeckt werden, Schichten von Sandſteinen, Gyps und Kalkſteinen ſich bilden, und hört das Rauſchen der verheerenden Fluthen in der Eiszeit, in welcher von Norden ganze Eisberge
an die deutſchen Gebirgsſtöcke geführt wurden; man verfolgt den
Gang dieſer Fluthen, ſieht, wie ſie an den Gebirgen ſich brechen, dieſe zerbröckeln und die Zeugen ihrer gräßlichen Wirkungen, große und kleine Felsblöcke aus den Gebirgen Skandinaviens, da und dort hinterlaſſen. Bis zur Höhe von über zweitauſend Fuß findet man bei uns dieſe Fremdlinge,„erratiſche Blöcke“, von oft be⸗ trächtlicher Größe, meiſt aus Granit, Gneiß, Syenit beſtehend; in Staßfurt ſelbſt liegen ſie in großer Menge und von bedeuten⸗ dem Umfange. Wir ſehen dann die Sonne wieder durch das düſtere Gewölk ſcheinen, zunächſt eine Stätte gräßlicher Verheerungen beſcheinen, aber auch bald wieder neues Leben erwecken; ganze Thäler ſind ausgefüllt mit Schlamm, Geröll, Erde und Sand, Berge verſchwunden oder doch mächtig verändert; was früher zu Tage lag, iſt begraben, oft tiéf unten, und unſer ehemaliger Salz⸗ ſee iſt bedeckt mit wechſelnden Schichten von verſchiedener Mäch⸗ tigkeit. Jahrhunderte lang lagen die Schätze begraben, bis der Menſch ſie wieder zu Tage förderte, indem er ſeine Bohrlöcher oder Schachte in die Tiefe trieb.
In Staßfurt hatten wir uns angemeldet und trafen durch die Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit der Herren Alles vor⸗ bereitet. Freilich konnten wir nur einige der größeren Fabriken beſehen, die der Herren Douglas und Vorſter und Grüneberg.
Die Herren hatten uns in kleinere Abtheilungen getrennt und machten ſelber die kundigen und unermüdlichen Führer durch ihre Etabliſſements, bis wir uns auf der anhaltiſchen Saline wieder zuſammenfanden, um dort zunächſt die prachtvolle Sammlung der Staßfurter Vorkommniſſe zu bewundern, eine ſehr zweckmäßige, das Studium der Werke ſehr erleichternde Anordnung.
Herr Douglas ſelbſt beſitzt ein zierlichſt gearbeitetes Modell ſeiner großartigen Fabrikanlagen, aus dem reinſten kryſtallklaren Steinſalz gefertigt, ein Feenpalaſt in Kleinen, welcher zeigt, in welcher Reinheit das Salz hier gefunden wird. Der eigentliche Salzſtock beſteht jedoch aus mattem, minder reinem Steinſalz; nur jenes völlig glashelle wird zu Tafelſalz verarbeitet. Die über dem Steinſalz ſich findenden, für die Induſtrie ſo wichtigen
Salze ſind zum Theil an der Luft in hohem Grade zerfließlich; um Cabinetſtücke aufbewahren zu können, müſſen ſie luftdicht ver⸗
ſchloſſen werden. Herr Bergmeiſter Schöne, hochverdient um die
Möge der jugendfriſche
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