Jahrgang 
44 (1868)
Seite
695
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Martinsgans.

Mit Abbildung.

Es iſt ein froſtiger Novembermorgen. Die Berge haben die grauen Nebelkappen tief über die Ohren gezogen; ſtill wie im Vorſchlummer auf den Winter ruht mit bleichem Lächeln die Flur. Durch den entlaubten Hag huſcht der muntere, anmuthige Gnom der deutſchen Vogelwelt, der Zaunkönig, während der

Edelfink auf blätterloſem Zweige klagend itrauert um Frühling,

Minne und um die entflohene Gattin, welche der Wanderzug

nach milderen Gefilden getrieben.

Im ländlichen Gehöft dort iſt es ſchon lange lebendig. Jetzt tritt der Hausherr aus der Thür, doch nur mit flüchtigem Blick ſpäht er heute nach Wind und Wetter. Wichtigeres beſchäftigt ihn. Er ſchreitet über den Hof, öffnet einen verſchloſſenen Raum, und alsbald verkündet fröhliches Geſchnatter, welchen Gefangenen er die Kerkerthür geöffnet. Wohlgefällig ruht das Auge des Land manns auf den feiſten Gänſen, und ehe die Aernſten ſich deſſen verſehen, ergreift ſeine rauhe Hand zwei der Argloſen an den ſchönen gebogenen Hälſen, und er trägt, ungeachtet ihres Sträubens, die kläglich Trompetenden dem Hauſe zu, von wo ihm die Bäuerin entgegenkommt und ſein älteſter flachshaariger Junge mit einem mächtigen Butterbrod in der Hand. Auch der Knecht und die Magd eilen herbei, das ehrwürdige Antlitz Großmütterchens zeigt ſich am Fenſter, und Allen läuft das Waſſer im Munde

zuſammen; denn bald wird lieblicher Duft das Haus erfüllen,

heute iſt der elfte November, den Tiſch ziert Mittags die mit köſtlicher brauner Kruſte überkleidete, fettglänzende Martinsgans. Und Großmütterchen, das Fenſter öffnend, mahnt, doch ja die Borsdorfer Aepfel und den Beifuß nicht zu vergeſſen.

Die Martinsgans iſt das Feſtgericht des elften November. An keinem andern Tage werden unter dengeflügelten Schweinen in germaniſchen Landen ſo arge Verheerungen angerichtet. Nur in wenigen Gegenden entzieht man ſich der allgemeinen Sitte, z. B. am Niederrhein, wo friſche Wurſt mit Reisbrei, oder an der Ahr, wokalte Milch und Weckſupp an die Stelle der Gans treten.

Welchen Urſprung aber mag ein Gebrauch haben, der faſt über das ganze germaniſche Europa verbreitet und deshalb wohl geeignet iſt, unſere Aufmerkſamkeit in Anſpruch zu nehmen?

Der elfte November iſt der Tag des heiligen Martin; doch weder deſſen Lebensbeſchreibung noch der Auszug daraus in der Aurea Legenda geben Aufſchluß über die wunderliche Ver bindung zwiſchen dem ehrwürdigen Biſchof von Tours und einem ganz gewöhnlichen Gänſebraten. Der Heilige wird hoch zu Roß abgebildet; die Gans aber iſt einCavaleriſt zu Fuß, wie ſie Maſius wegen ihres watſchelnden Ganges treffend nennt. Erſt ſpätere Sagen melden, der Heilige ſei durch Gänſe im Predigen geſtört worden, oder, wie Andere wollen, er habe ſich, als er noch ſehr jung zum Biſchof gewählt werden ſollte, aus Beſcheiden heit im Gänſeſtalle verſteckt, ſei jedoch durch das Geſchnatter der Hierauf ſpielt dieEin ladung zur Marlinsgans inDes Knaben Wunderhorn an: Wann der heil'ge Sanet Martin Will der Biſchofsehr' euntfliehn,

Sitzt er in dem Gänſeſtall,

Niemand find't ihn überall,

Bis der Gänſe groß Geſchrei⸗

Seine Sucher führt herbei.

Nun dieweil das Gickgadkslied

Dieſen heil'gen Mann verrieth,

Dafür thut am Martinstag. Man den Gänſen dieſe Plag',

Daß ein ſtrenges Todesrecht

Gehin muß über ihr Geſchlecht.

Eine weitere Erklärung verſucht die Verbindung des Biſchofs mit der Gans davon herzuleiten, daß bei der Beerdigung deſſelben, am 11. November 402, die ſtattliche Anzahl von zweitauſend Mönchen zugegen geweſen und bei dieſer Gelegenheit eine un⸗ geheure Menge von Gänſen aufgezehrt worden ſei. meinen, die Zeit der fetten Gänſe treffe gerade mit Martini zu ſammen, der Biſchof ſtehe aber in keiner nähern Beziehung zu ihnen, außer daß früher an dem ihm geweihten Tage Gänſe in die Klöſter geſchenkt worden ſeien. Letzterer Deutung ſchließen ſich

Kbereits alte Priameln an: gens Martini, wurſt in festo

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Noch Andere!

Nicolai! Nicht weniger iſt der biedere kaiſerlich gekrönte Poet und Pfarrer zu Effelder und Meſchebach, Büttner, der Meinung, man gehe den Gänſen deshalb um Martini an den⸗Kragen, Weil ſie alsdeun recht ftück' im vollen Fleiſche ſteh'n, Auch von der Weide ab und in die Ställe geh'n, wozu der Moſt komme, der den Gänſebraten vorzüglich hinunter ſpüle.

Doch alle dieſe Erklärungen können nicht genügen. Der Sitte Urſprung iſt ein ganz anderer; nicht chriſtlichem Boden iſt ſie entwachſen, ſondern wurzelt, um es ſogleich zu ſagen, im Götter⸗ glauben unſerer Voreltern. Dahin deutet ſchon eine flüchtige Zu⸗ ſammenſtellung deſſen, was der Brauch am Martinstage zu beob achten gebietet. Merkwürdige Züge treten uns in dieſen Gebräu chen entgegen. Im Böhmerwalde z. B. trinkt das Landvolk ſich am Martinstage Schönheit und Stärke zu. War aber nicht ganz dieſelbe Sitte bereits an den Wuolansfeſten der heidniſchen Deut ſchen üblich? In Schleſien, Böhmen, Sachſen und Schwaben bäckt man zu Martini die ſogenanntenMärtenshöxruchen. Hat man aber in dieſen gleich den Brezeln der Faſtenzeit nicht ſchon längſt einen Reſt uralter Opferſpeiſen nachgewieſen? Am Nieder rhein loderten noch zu Anfang dieſes Jahrhunderts am Vorabend des Martinstages rieſige Feuer auf allen Höhen zum nüächtlichen winterlichen Himmel empor, und noch jetzt entzündet man hin und wieder an jenem Abend gewaltige Scheiterhaufen. Zu dieſem Martinsfeuer bettelt die Jugend ſingend Holz und Stroh; als dankeuswerthe Zugabe ſieht man Aepfel, Kuchen, Wiünſte, Speck und Rauchfleiſch an und heiſcht ſie ohne Ziererei. Dem Gewährenden wird ein Danklied geſungen, dem Geizigen dagegen Uebles gewünſcht in einem Reime, welcher ſchließt:

Und eine Eule fliegt um's Haus,

Die kratzt ihm noch die Augen aus. Sobald das Martinsfeuer entweder im Dorfe oder auf einer nahen Anhöhe mit ſeinen rothen Flammen die Umgebung beleuchtet, er⸗ hebt ſich um daſſelbe wildjubelnder Reigen, undSanet Märten, ein in Stroh gehüllter Burſch, umreitet auf ſeltſamem Roſſe einem vorn mit einem Pferdekopf gezierten Stecken den glühen. den Scheiterhaufen. Wunderkräftig iſt, nach dem Volksglauben, die Aſche, die vor Schneckenfraß ſchützen ſoll und deshalb über die mit Winterkorn beſäeten Felder geſtreut wird. Rechnet man hinzu, daß der heilige Martin auf alten Bildern als Ritter zu Roß und angethan mit einem langen, weißen Mantel dargeſtellt wird, und

daß die im Herbſt ziehenden Raben und Krähen nicht blos Martins heerden oder Martinsvögel, ſondern ſogar Godes⸗, d. h. 1 74 8 1

Wodes⸗ oder Wuotanshühner genannt werden, ſo bleibt kaum ein berech⸗ tigter Zweifel übrig, daß wir in dem frommen Rittersmanne Mar⸗ tin keinen anderen, als den gewaltigen Himmelsrieſen und Götter⸗ vater Wuotan ſelbſt, und in der Rolle, die er dabei ſpielt, An klänge an die Vorfeier des altdeutſchelf Mittwinterfeſtes vor uns haben. Man vergegenwärtige ſich zum beſſern Verſtändniß Fol⸗ gendes.

Als die alten Götter noch nicht vor den ſiegreichen Strahlen des andringenden Chriſtenthums erbleicht waren, beſtand ein großer Theil des Cultus in dramatiſchen Darſtellungen, welche Götter⸗ thaten verherrlichten. Wenn daher, nach Beſtellung der Winter ſaat, um Martini eine Art Vorfeier zum Jul⸗Feſt begann,da zogen die Götter zu Wagen und zu Roß durch die Gauen, em pfingen Opfergaben und ſpendeten Segen dem keimenden Getreide. Es war ein frommer Mummenſchanz, bei welchem das menſchliche Weſen Derer, die ihn aufführten, dadurch angedeutet war, daß ſie ſich in weiße Gewänder, in die Farbe des Lichts kleideten. Unter den Opferſpenden nahm, wie bei den Opfern überhaupt, die Gaus, deren Zucht frühzeitig in Deutſchland betrieben wurde, eine her vorragende Stelle ein. An die Götterumzüge und Opfer ſchloſſen ſich Schmauſereien an, bei welchen das Fleiſch der Opferthiere verzehrt und deren vom Prieſter aufgefangenes Blut dem Meth beigemiſcht getrunken wurde. Mit Einführung des Chriſtenthums verwandelten ſich die Götter in Teufel und grauenvolle Spukgeſtal⸗ ten oder in Heilige, und ſo wurde auch frühzeitig Odhins Walten

auf Sanct Martin übertragen, wobei das Odhin dargebrachte Opfer, die Gans, folgerichtig als Martinsgans ſich vererbte