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ſchon wieder überwuchert.“
ſagen. Verſuch,
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ihrem Zimmer führen.„Laßt uns gleich hier Lintreten!“ fagte der Geiſtliche ernſt, indem er den Fuß in die geöffnete Thür ſetzte, obwohl die Bäuerin dagegen Einſprache that, daß das kein gerechter Platz ſei für den hochwürdigen Herrn.
„Ihr errathet ohne Zweifel, was mich zu Euch führt,“ be⸗ gann der Geiſtliche, nachdem ſie hinter ſich die Thür zugezogen, „ich habe es Euch ſchon bei unſerem jüngſten Geſpräche an der Kirche angedeutet. Leider war ich damals verhindert, die Sache durchzuſprechen; allein hoffentlich iſt dieſelbe inzwiſchen durch Ueber⸗ legung nur reifer geworden. Ihr wißt, es betrifft die Zukunft, das irdiſche wie das geiſtige Wohl Eures Kindes!“
Der Bäuerin, welche ſich nichts Anderes erwartet hatte, als daß er ſogleich wieder mit einer Strafpredigt wegen der Wieder aufnahme der Fremden beginnen würde, fiel es bei dieſen Worten wie ein Stein vom Herzen.„Ich weiß ſchon, was Hochwürden meinen,“ ſagte ſie geläufig.„Es iſt von wegen dem Kloſtergehen. Sie haben g'ſagt, ich ſoll ſchauen, ob ich den Sinn meiner Tochter net erforſchen kann.“
„Allerdings. Und habt Ihr Gelegenheit gefunden, das zu thun?“ 9 „Jawohl, an der G'legenheit hat's net gyfehlt;
aber g'holfen hat's nix.
Sie will eben vom Kloſtergehen nix wiſſen. Es iſt
mir ſchon lieber, wenn Sie's ſelber probiren und mit ihr reden;
aber ich glaub' allweil, viel werden S' auch net ausrichten mit ihr.“
„Ich werde es verſuchen,“ entgegnete der Geiſtliche,„obwohl das Zureden einer Mutter, der es Ernſt iſt mit der Sache, das Meiſte vermöchte. Ihr hättet ihr eben eindringlicher zureden ſollen. Ich wundere mich, daß trotz der ſchweren Heimſuchung, die über ſie gekommen iſt, ihr Sinn doch noch ſo ſehr an der Welt hängt und an ihrer Eitelkeit.“
„No, das kann ich juſt net ſagen, Hochwürden,“ ſagte achſel
zuckend die Bäuerin.„Die Eitelkeit thut Unſereinem net viel, wenn man den ganzen g'ſchlagenen Tag arbeiten muß. Das
Tonerl meint halt, ſie könnt' in der Welt beten.“
„In der Welt!“ rief eifrig der Cooperator.„In dieſer ver⸗ derbten Welt, welche dem argloſen, unerfahrnen Gemüthe ſtündlich in hundert verſchiedenen Geſtalten der Verlockung erſcheint, und die für jeden Fehltritt eine Verkleidung, für jedes Laſter eine Ent⸗ ſchuldigung bereit hat! Steil und ſchlüpfrig iſt die Bahn, welche durch die Welt zum Heile führt. Sie iſt wie ein über einen Ab⸗ grund geſpanntes Haar, auf dem man wandeln ſoll, und nur die Verblendung kann es wagen, ſich zu rühmen und zu ſagen: Ich falle nicht! Der ſorgt am beſten für ſein Heil, der dieſe Bahn gar nicht betritt, ſondern ſogleich einläuft in den Hafen der Ruhe und der Sicherheit!“
„Freilich wohl,“ entgegnete die Funkenhauſerin.„Aber da müßten nachher alle Leut' in's Kloſter geh'n, und das wird ſich doch net gut machen laſſen.“
„Wollte Gott, es gelänge, in Allen den Kloſterſinn zu er⸗ wecken! Den Sinn der Ergebung, die Erkenntniß der eigenen Hin⸗ fälligkeit, die ſtete Neue und Zerknirſchung über die menſchliche Ver⸗
auch brav ſein und
worfenheit, über den Gräuel unſerer Sünden!“
„Sie müſſen das freilich beſſer verſtehen, Hochwürden,“ ſagte die Bäuerin;„es iſt ja Ihr Geſchäft, aber ich kann mir net helfen, mir fällt dabei immer mein Seliger ein, mein Mann, der Mathies. Der hat g'ſagt, die größte Straf', die man Einem anthun könnt' nach dem Geſetz, wär' die, daß man ihn einſperrt auf ſeiner Leb⸗ tag, und da mein'’ ich halt, ſo große und ſchwere Sünden wird mein Dirndl doch net aufm G'wiſſen haben, daß ſie eine ſo ſchwere Straf' verdient hätt'.“ 2
„Ihr ſcheint meiner ſpotten zu wollen,“ rief der Geiſtliche mit blitzenden Augen.„Ich ſehe wohl, wie es mit Euch ſteht. In den Zeiten der Trübſal waret Ihr zerknirſcht! Als die Hand des
Herrn ſchwer auf Euch laſtete, da trieb es Euch, lihn zu ſuchen; da waret Ihr bereit, meiner Mahnung zu folgen. Nun, da kaum noch das Gras über den Gräbern der Märtyrer und Opfer ge⸗
wachſen iſt, hat die Saat des Böſen die beſſeren Regungen in Euch
Der Bäuerin wurde es warm unter der Haube; ſie rückte die⸗ ſelbe hin und her.„Mit Verlaub, Hochwürden,“— wollte ſie
— ¹ „Schweigt!“ rief er, ſie unterbrechend, aus.„Macht keinen Euch zu vertheidigen, wo Eure üble Geſinnung durch den —
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Augenſchein erwieſen iſt! Habt Ihr trotz meiner angelegenen Warnung die in Euer Haus aufgenommen?“
„No, ich ſollt' doch meinen,“ ſagte die Bäuerin in ſteigender Befremdung,„in meinem Haus ſollt' ich doch Herr ſein!“
„Wohlan,“ fuhr er fort,„wenn Ihr denn in der Verſtockt⸗ heit verharrt und die ſanften Mahnungen nicht hört, ſollt Ihr ſtatt des ſchmeichelnden Rufes des Hirten deſſen ſtrafende Zornes⸗ worte vernehmen! Wer nicht hören will, muß fühlen. In Dingen Eures Seelenheils ſeid Ihr mir untergeben und Gehor⸗ ſam ſchuldig. Kraft meiner geiſtlichen Macht trag' ich Euch auf und befehle Euch, die Proteſtanten zu entfernen, durch deren Um⸗ gang Ihr zu dieſer ſträflichen Lauigkeit im Glauben verführt werdet...
„Befehlen?“ ſagte die Bäuerin.„Das iſt ſonderbar. Ich weiß net viel von dem, was Geſetz iſt bei uns; aber ich hab' doch ſagen hören, daß's bei uns im Baierland auch lutt'riſche Leut' giebt, und daß ſie ſo gut ſein ſollen wie die Andern.“
„Das habt Ihr nicht zu unterſuchen,“ rief der Prieſter ge⸗ bieteriſch.„Eure Sache iſt, zu gehorchen, wenn Ihr nicht ſelber von Eurem Glauben abtrünnig werden wollt. Mögen die amt⸗ lichen Geſetze beſtimmen, was ſie wollen! Geſetze kann man wie⸗ der aufheben! Wer weiß, ob dieſe unglücklichen Verirrten von der reinen Heerde nicht wieder ausgeſchieden werden können! Jeden⸗ falls ſoll dafür geſorgt werden, daß ſie, wo ſie noch nicht ſind, ſich nicht einſchleichen. Man muß Gott mehr gehorchen als den Menſchen; denn es ſteht geſchrieben—“
Mitten im Redefluſſe unterbrach er ſich ſelbſt und blickte be⸗ fremdet nach der Thür, welche ſich leiſe geöffnet hatte. Alwine, welche durch die offenen Fenſter die laut geführte Unterredung ver⸗ nommen, ſtand auf der Schwelle im weiten, weißen Krankengewande, — eine erhebende, Ehrfurcht gebietende Erſcheinung, mit wallendem Haar und begeiſterten Blicken, einer Verklärten gleich.„Es ſteht geſchrieben,“ ſagte ſie mit feierlicher Stimme:„Liebet einander, meine Kindlein! Daran will ich erkennen, ob Ihr meine Jünger ſeid, daß Ihr einander liebet.’ Sie, mein Herr, nennen ſich einen Diener deſſen, der ſo geſprochen? Sie tragen das Kleid eines Trägers ſeiner Lehre und predigen Haß! Iſt das im Sinn und im Geiſte Ihres Meiſters gehandelt?“—
„Ja,“ rief der Geiſtliche, welcher die augenblickliche Ueber⸗ raſchung ſchnell überwunden hatte,„ja; denn die Liebe iſt nicht jenes weichliche, weibiſche Gefühl, das die Welt ſo nennt; die Liebe iſt ſtark und eifrig. Wer ſeine Pflicht thut, der übt die Liebe; denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er.“
„So ſpricht der Ewige von ſich in der Fülle ſeiner Unend⸗ lichkeit,“ rief Alwine.„Er vermag, ſo zu thun; denn vor ihm liegt Alles ausgebreitet vom Beginn bis zum Ende. Er erkennt— Urſache und Folge, er wägt Schuld und That, Wollen und Boll⸗ bringen gegen einander ab. Dem Menſchen aber, dem ſchwachen Geſchöpfe, deſſen Daſein nur vom Morgen bis zum Abend währt, der nur das Nächſte ſieht, was vor ihm liegt und geſchieht, dem hat er ein anderes Maß für das gegeben, was ſeine Pflicht ſein ſoll; denn er ſagt: Liebe den Nächſten wie Dich ſelbſt! Füge keinem Andern zu, was Du nicht willſt, daß Dir geſchehe!’ Sie wollen uns aus dieſem Hauſe, aus dieſer Freiſtätte der Ruhe und des Glückes, welche uns gütige Menſchen bereitet, verſtoßen;— fühlen Sie nicht, daß die Waffe, die Sie führen, auch eine Schneide gegen Sie hat?“
„Die haben wir nicht zu fürchten,“ ſagte der Kaplan gelaſſen. „Auf unſerer Seite iſt die Wahrheit.“
„Die Wahrheit? Wer bürgt Ihnen dafür? Wer dafür, daß unſer Glaube falſch iſt? Uns iſt er nicht minder wahr als der Ihrige! Er hat Millionen beſeligt, hat ſie in allen Wechſel⸗
nicht trotz meines Rathes, ketzeriſchen Preußen wieder
dem,
fällen des Lebens ruhig und ſicher geleitet, hat ihnen Troſt und Zuverſicht gegeben in der Sterbſtunde... Wir glauben all' an Einen Gott!“
„Und doch giebt es nur Eine Wahrheit.“
„Auch nur Ein Licht,“ rief Alwine feurig,„und doch leuchtet Gottes Erde in unzähliger Farbenpracht. Sagen Sie an, womit erproben Sie die Wahrheit?“.
„Die Kirche lehrt, die Wiſſenſchaft behauptet, edie Geſchichte beweiſt ſie!“ 3 4 5 „Dann müßte Gottes Walten hienieden übereinſtimmen mi was Kirche, Wiſſenſchaft und Geſchichte lehren. Thut e⸗ .— 5


