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Zeit ihre verderbliche und doch auch wieder ſo ſegensreiche Macht auch an ihr bewährt haben wird, wird auch ſie freundlich an uns denken— wenn dann auch das Grab ſich über uns geſchloſſen hat. Wir Beide, ich und Ihr, Funkenhauſer⸗Bäuerin, wir ſind wohl die Nächſten an dem ernſthaften Schritt drum haben wenigſtens wir Frieden gemacht. Wir ſind nicht mehr Feinde, und wenn wir uns einmal in der Ewigkeit wiederſehen, ſo werden wir wohl auch wieder Freunde werden.“
Die Funkenhauſerin ſah ihr ernſthaft ſicht.„Werden wir uns denn wiederſehen in ſie dann.
„Ich verſtehe, was Ihr meint!“ rief Frau Schulze entgegen; „aber habt deswegen keine Sorge! Wir ſehen uns wieder in der Swigkeit. 47
Die Bäuerin erwiderte nichts; ſie nahm die dargebotene Hand der Scheidenden und ſtand noch eine Weile regungslos, als Beide ſchon aus dem Haine getreten waren und den Seeweg hinunter⸗ wandelten. Erſt nach einigen Augenblicken wandte ſie ſich und ſchritt tiefſinnig dem Pfade nach, den Tonerl vor ihr eingeſchlagen hatte. Als ſie bei der Capelle ankam, traf ſie Tonerl auf der Betbank knieend, die Arme aufgeſtützt und das Antlitz in den ge falteten Händen verbergend, durch deren Finger ſich einzelne Tropfen hervorſtahlen.
„Haſt ſie verſtanden, Mutter?“ ſagte ſie leiſe, als dieſe neben
und bewegt in's Ge⸗ der Ewigkeit?“ fragte
ihr niederkniete.„Weißt, für wen die Frau Schulze und das Fräul'n Trauer anhaben?“ „Wie kann ich das wiſſen?“ entgegnete die Bäuerin.„Hab'
Aber errathen kann ich's leider Gottes!“
„Mutter, ich weiß's,“ ſagte Toni, indem ſie ſich gefaßt die Thränen abtrocknete.„Ich g'ſpür's inwendig auch ohne Fragen. Du haſt jetz nix mehr vor mir voraus wegen dem Ledigbleiben.“
Die Bäuerin erwiderte nichts; ſie ſchien zu beten, und ihre Augen hingen an dem Heiland, deſſen kunſtloſes Bild in der Ca⸗ pelle dargeſtellt war, wie er, das Kreuz ſchleppend, mühſelig unter der Laſt deſſelben zuſammenbricht. Er wendete das Antlitz nach
ſie auch nit fragen wollen.
den Betern hin, und es war, als ob ſein Blick mit gramvoll flehender Bitte auf ihnen hafte. Die Funkenbauſerin weinte nicht;
aber auch ſie ſchlug die Hände vor das Geſicht und verharrte noch einige Augenblicke ſchor igend, der Blick mahnte ſie wie ſtrafend an eine frühere, Stund Plötzlich erhob ſie ſich, auch Tonerl ſtand auf; Beider Blicke trafen ſich und hingen mit einer unaus⸗ deſpwwahenen und doch von Jeder verſtandenen Frage feſt in einander. Von der Stelle, wo ſie ſtanden, konnten ſie den Weg gewahr werden, der ſich am See hinzog, und ſahen das Fräulein, von der ſorglichen Mutter geleitet, langſam auf demſelben dahin⸗ wandeln
Einen Augenblick ſchien die Bäuerin noch mit ſich zu kämpfen; ihre Lippen bewegten ſich in ſtillem Selbſtgeſpräch; bald aber ging
es in Murmeln und dann in laute Worte über.„Und meinet⸗ wegen kann er ſagen, was er will,“ rief ſie dann.„Ich kann einmal nit anders... Tonerl, Du haſt junge Füß'. Geh' voraus nach'm Hof! Ich will noch einmal hinunter in's Dorf— ich hab' was vergeſſen.“
Toni trat vor die Mutter hin und ſah ihr mit feuchten Augen und herzinnigem Lächeln in's Geſicht.„Was haſt denn vergeſſen, Mutterl?“ fragte ſie.„Ich glaub', das kann ich noch beſſer errathen, als das wegen dem Kloſter!“
„Wenn Dus errathen kannſt,“ ſagte ihre Mutter raſch, „nachher mach', daß Du heimkommſt! Ich will Dir's nur einge⸗ ſteh'n: ich bring's nit über's Herz, daß das arme, kranke Fräul'n,
das vielleicht noch ein paar Wochen zu leben hat, fort ſll. Ich bin vor der Frau Schulze dag'ſtanden, wie Ein's, das ein ſchlecht's G'wiſſen hat, und hab' die Augen nit auf⸗ ſchlagen können. Das iſt mir in meinem Leben noch nicht paſſirt.. Ich hab' ſie ſelbigesmal in den Funkenhauſerhof aufg'nommen, und es iſt mir nit ſchwer worden. D'rum will ich mein gut's Werk, wenn's eins iſt, nit halb thun, ſondern will's durchführen, wenn's auch ein Biſſel Beißen braucht. Richt' die gute Stuben
ſo von uns
her auf im Hof, Tonerl! Ich will der Frau Schulze und dem Fräul'n nach; ich will ihnen ſagen, ſie ſollen auf'm Funkenhauſer⸗ hof bleiben, ſo lang ſie wollen— wir wollen d' Freundſchaft
nit auf die ungewiſſe Ewigkeit verſchieben.“ Obwohl die Botſchaft den Frauen unerwartet und über⸗ raſchend kam, klang ſie ihnen doch ſehr willkommen und wurde
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der wie eine Altane ſich an Arme
die ich es
deſſen
daß ſogar verwandtes Blut worden. die Bewohner aus richtigem Gefühl
daſſelbe thaten, vorzurufen.
winens in den kleinen Kreis; denn ſo ſehr in die unerwartete Erfüllung ihres Lieblingswunſches und der Einzug auf Kraft zu neuen Flammen angehaucht zu bald, dauern, Reſt deſſelben aufzehrte und dem Erlöſchen immer näher zuflackerte.
glaubte. ihr Küünjihien Anlaß,
zu können. wohin die
braven Frau, d hatte und nun in ſo kurzer Zeit ganz kinderlos werden ſollte.
Schon in im Dorfe verbreitete, die Preußen, die lutt'riſchen Leut', früheren Jahren auf dem Funkenhauſer Hofe gewohnt, ſeien wieder
angeſchritten. auf Kiſſen zurecht zu machen, und die ſonſt ſo entſchiedene Fräu konnte
Befangenheit nicht erwehren, als ſie den jungen dem ernſten, ſtreng blickenden Antlitz auf ſich und auf
das Haus zukommen ſah. geleitete den dunklen Gaſt mit ehrerbietigen Bücklingen in's Haus und wollte ihn an der großen Geſindeſtube, vor deren offenem
ſich einer leichten 2 Mann mit
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beſonders von Alwinen mit Entzücken aufgenommen. ſchein der Roſen, die einſt auf ihren Wangen heimiſch geweſen, erblühte auf Augenblicke wieder, einmal, als ſie die Nachricht ver⸗ nahm, und dann, als ſie nach langſamer, beſchwerlicher und ſorg⸗ fältiger Fahrt den Funkenhauſerhof erreicht hatte. Trotz ihrer Schwäche eilte ſie von ihrem Wohnzimmer auf den Gang hinaus, dem Hauſe hinzog, und breitete die dem ihr entgegenlachenden Landſchaftsbil de zu begeiſtertem Gruße entgegen.„O Dank, Dank,“ rief ſie,„daß ich wieder hier bin! Dank dem Himmel und den guten Herzen Dank, durch erreichte! O dieſe Luft! Sie iſt ſo balſamiſch und weich, als käme ſie über die Blumen des Paradieſes. Von dieſem Orte möchte ich mich nicht wieder trennen; hier möchte ich bleiben!“ Es währte nur wenige Tage, ſo war auf dem Hofe unter Bewohnern und Gäſten das frühere trauliche Verhältniß hergeſtellt, und wer ſie ſo ruhig und freundlich mit einander ver⸗ kehren ſah, hätte es nicht für möglich gehalten, daß noch vor kurzer Zeit ein ſo ernſtes Zerwürfniß zwiſchen ihnen beſtanden, zwiſchen ihnen gefloſſen und vergoſſen daß die Gäſte aus Klugheit, auch nicht mit einer Silbe als ob Ambros nie gelebt hätte. Den Dienſtboten
Das Meiſte trug dazu bei,
des Vorgefallenen gedachten; es war, und im Hauſe nie eine Stelle gehabt wurde in der Stille auf's Strengſte eingeſchärft, keiner Weiſe ſeiner Erwähnung zu thun und ebenſo Alles zu ver⸗
meiden, was ſich auf den Sohn und Bruder der Gäſte, auf Günther, bezog. So kam es, daß der Name deſſelben von Seite
der Hofbewohner unausgeſprochen blieb, während die Anderen um hinwieder keine Erinnerung an Ambros her⸗ Es folgte ſich eine Reihe ſtiller Tage, nicht vom hellen Sonnenglanze der Freude erfüllt, wie früher, aber warm beleuchtet von einem ſchönen Abendroth derſelben, friedlich und
angenehm.
Die einzige und bitterſte Störung brachte der Zuſtand Al⸗ den erſten Tagen dem Hofe ihre Lebensgeiſter angefriſcht und den Funken ihrer hatte, zeigte ſich doch nur daß dieſer neuen Flamme der Stoff fehlte, um auszu⸗ daß, je heller ſie brannte, ſie nur um ſo ſchneller den
Es war bald völlige Gewißheit, daß auch ihr letzter bei der
Ankunft ausgeſprochener Wunſch ſich erfüllen werde: es ſollte ihr vergönnt ſein, an hofft, die Heilung für immer zu finden und ſich von der geliebten Gegend nicht mehr trennen zu müſſen. auf's Tiefſte ergriffen und litt um ſo ſchmerzlicher, Beſorgniß vor Alwinen,
dem Lieblingsorte, von dem ſie Geneſung ge⸗
Frau Schulze war davon
die, als ob ſie das Bedenkliche ihres Zuſtandes nicht ahne, immer gleich heiter und liebenswürdig blieb, hinter einem ſtets lächelnden Antlitz verbergen zu müſſen Sie ſchrieb viele Briefe; vom Krankenbette der Tochter, das ſie ſonſt nur ſelten verließ, wegkommen und ungeſtört ſich ausweinen Niemand ſtörte ſie dabei;
hauſerin beobachtete ſie wohl, aber ſie ſchwieg und litt mit der die, wie ſie glaubte, den einzigen Sohn verloren
mit den Vorgängen auf dem Funkenhauſer⸗ einverſtanden war, war der Cooperator. als die unglaubliche Mähr ſich die in
Der Einzige, der hofe nicht zufrieden und den nächſten Tagen,
gekommen und von der Bäuerin eigens zu ſich hinaufgeholt wor⸗ den, kam er ganz gegen ſeine ſonſtige Art in finſterer Haſt her⸗ Die Bäuerin war eben beſchäftigt, für Alwinen der Hausbank vor dem Hofe einen bequemen Nuheſitz aus
Dennoch war ſie ſchnell wieder gefaßt,
Fenſter ſich draußen die Gröd mit der Bank hinzog, vorüber nach
Ein Wider⸗
niemals und in
als ſie ihre
andere kamen an und gaben
kein Menſch kümmerte ſich, Briefe gingen und woher ſie kamen; die Funken⸗
ihre der obe
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gal eic Kir dure legir das
daß auff wie
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