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lichen Verhältniſſe lebte. Erſt nach ihrem Tode, der kurz vor dem Ableben des großen Kurfürſten erfolgte, nahm er die Stelle eines Schloßhauptmanns und Oberſtallmeiſters an, worauf er bald zum Oberkammerherrn befördert wurde, ſo unentbehrlich wußte er ſich ſeinem neuen Gebieter zu machen!
Der Kurfürſt Friedrich der Dritte zeichnete ſich beſonders durch ſeine Prachtliebe und unbegrenzte Eitelkeit aus, die ihn auch hauptſächlich zur Annahme der preußiſchen Königskrone trieb. Seine erſte Prinzenſorge war die Stiftung des Ordens de la générosité, und das höchſte Ziel ſeines damaligen Ehrgeizes war— der engliſche Hoſenbandorden, um den er ſeinen eigenen Vater beneidete. Im Anfange ſeiner Regierung überließ er ſich ganz der Leitung ſeines früheren Erziehers, des verdienſtvollen Eberhard Dankelmann, dem er wegen Rettung ſeines Lebens zum größten Danke verpflichtet war. Derſelbe war von Geburt ein Bürgerlicher und wurde auf Wunſch des Kurfürſten von dem Kaiſer Leopold mit ſeinen ſieben Brüdern in den Freiherrnſtand erhoben, nachdem er ſeine Ernennung zum Grafen abgelehnt hatte, um mit ſeinen Brüdern in gleichem Stande zu verbleiben. Streng gegen ſich und Andere, ſparſam und gewiſſenhaft, vermehrte Dankel⸗ mann die Staatseinkünfte, indem er Handel und Ackerbau be⸗ förderte, ſo daß er mit Recht von ſeinen Zeitgenoſſen der„preußi⸗ ſche Colbert“ genannt wurde.
Hochgeachtet und vom Volke geliebt, war der würdige Miniſter
ein Dorn in den Augen der damaligen Junkerpartei, welche ihm ſeine bürgerliche Abkunft und ſein entſchiedenes Auftreten nicht ver⸗ zeihen konnte. Seine Feinde vereinigten ſich zu ſeinem Sturz; an ihrer Spitze befand ſich der undankbare Herr von Kolbe, der hauptſächlich dem argloſen Dankelmann ſeine ſchnelle Beförderung und hohe Stellung zu verdanken hatte. Die Gelegenheit ließ ſich leicht finden, und die Verſchworenen benutzten die bekannte Ver⸗ ſchwendungsſucht und Eitelkeit des Kurfürſten, um den treuen Diener zu verderben. Die Prachtliebe des Gebieters, beſonders die Erhaltung eines unverhältnißmäßigen Hofſtaates und eines zahlreichen Heeres verſchlangen die Revenuen des Landes und leerten den Staatsſchatz. Dankelmann rieth zu Erſparniſſen und ſah ſich genöthigt, ernſte Vorſtellungen zu machen, wobei er vielleicht den Ton des früheren Erziehers nur zu ſehr vorwalten ließ. Mit ſchlauer Liſt nährte Kolbe den unausbleiblichen Zwieſpalt, indem er die gereizte Stimmung des Kurfürſten durch ſcheinbar ab ſichtslos hingeſtreute Bemerkungen und hämiſche Einflüſterungen noch zu ſchärfen verſtand.„Dankelmann,“ ſagte der Kurfürſt bei einer ſolchen Gelegenheit,„will den Kurfürſten ſpielen, doch ich werde ihm zeigen, daß ich ſelbſt Herr bin.“ Ddeer treue Diener ahnte ſeinen nahen Fall. Bei einem Feſte in ſeinem Hauſe auf dem Werder in Berlin, welches jetzt„das Fürſtenhaus“ heißt, trat der Kurfürſt in das Arbeitszimmer Dankel⸗ mann's, deſſen Einrichtung und ſchöne Gemälde er laut bewunderte. „Alles, was Ihre Hoheit hier ſehen,“ entgegnete der Miniſter, „wird bald Ihr Eigenthum ſein.“ Als aber der Kurfürſt ver⸗ wundert ihn nach dem Sinne dieſer räthſelhaften Worte fragte, antwortete er:„Ich werde in Ungnade fallen, gefangen geſetzt und aller meiner Würden und Aemter beraubt werden. Aber eines Tages wird meine Unſchuld an den Tage kommen und Ihre Gnaden werden mir Gerechtigkeit widerfahren laſſen.“ Gerührt ſah der Kurfürſt ſeinem ehemaligen Erzieher in das würdige Geſicht, dann ergriff er ein auf dem Tiſche befindliches Neues Teſtament und ſchwor, ſolches ſolle nimmer geſchehen,„ſo wahr——“ Aber Dankelmann unterbrach ihn und ließ ihn nicht den Schwur voll enden, indem er behauptete, es werde dennoch ſo kommen, da der Kurfürſt ſelbſt ihn nicht vor den Feinden ſchützen könne.
Nur zu bald ſollten ſeine Befürchtungen in Erfüllung gehen. Auf Anſtiften der Junkerpartei wurde dem Kurfürſten von dem Kammermohren und Hofnarren eine Schaumünze in die Hände geſpielt, welche die Freunde und Verehrer Dankelmann’s ihm zu Ehren prägen ließen. Auf der einen Seite war das Wappen der Familie, ein wachthaltender Kranich, auf der anderen das Sieben⸗ geſtirn der„Plejaden“, eine Anſpielung auf die ſieben Brüder Dankelmann, am Himmel über einer Stadt angebracht.
Dieſer Anblick genügte, um die Eitelkeit des Kurfürſten ſo ſehr zu verletzen, daß er bald darauf den ausgezeichneten Staats⸗ mann unter den frivolſten Vorwänden verhaften und wie einen gemeinen Verbrecher auf die Feſtung Spandau und ſpäter nach Peitz bringen ließ, wo er Jahre lang ſchmachtete und erſt nach
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dem Tode des Kurfürſten die Freiheit erlangte, nachdem er ohne Recht und Urtheil ſeines ganzen Vermögens beraubt worden war.
Nach dem Sturze des ehrlichen Dankelmann wurde der zum Reichsgrafen von Wartenberg erhobene Herr von Kolbe der all⸗ mächtige Miniſter des Kurfürſten. Mit ihm kam die ſchamloſeſte Günſtlingsherrſchaft zur Regierung, indem dieſer das Land ausſog und ſich mit dem Blut und Schweiße des armen Volkes bereicherte. Er ſelbſt bezog ein feſtes Gehalt von hunderttauſend Thaler, un⸗ gerechnet der Geſchenke und Beſtechungen, die er von allen Seiten erhielt und zu erpreſſen wußte, ſo daß er in kurzer Zeit ein Ver⸗ mögen von mehreren Millionen aufhäufte. Um ſich für die Zukunft zu ſichern, beredete er den Kurfürſten ihm eine Urkunde auszuſtel⸗ len, durch welche er im Voraus von jeder Rechenſchaft für ſeine Amtsführung entbunden wurde.
Die Hälfte der Staatseinkünfte wurde durch die Unterhal⸗ tung des Heeres verſchlungen, die über zwei Millionen betrug, während die ganzen Revenuen ſich auf vier und eine halbe Mil⸗ lionen Thaler beliefen. Faſt eben ſo große Summen forderte der verſchwenderiſche Hof, der einen nie vorher gekannten Luxus ent⸗ faltete. Das Gefolge des Kurfürſten war ſo groß, daß zu ſeiner Krönungsreiſe nach Königsberg in Preußen allein dreißigtauſend Pferde zum Vorſpann gebraucht wurden, während die damit ver⸗ bundenen Feſtlichkeiten viele Millionen erforderten. Um dem fort⸗ währenden Geldmangel abzuhelfen, wurden die drückendſten Steuern auferlegt, ſogar eine Perrücken⸗, Karoſſen⸗ und Schweineborſtenſteuer. Aber das Alles reichte nicht hin, und ſo ſuchte der Miniſter ſtets nach neuen Quellen, um die Anſprüche ſeines Gebieters und ſeine eigene Raubſucht zu befriedigen. Er nahm keinen Anſtand, die wichtigſten Aemter den Meiſtbietenden zu überlaſſen und gegen Subſidien das Blut und Leben der eigenen Landeskinder an fremde Fürſten im Kriege zu verkaufen, wie es ſpäter der berüchtigte Landgraf von Heſſen in dem nordamerikaniſchen Freiheitskampfe that. Ja, ein Werkzeug des Miniſters machte dem Kurfürſten den Vorſchlag, die elf Tage, die bei Annahme des neuen verbeſſerten Kalenders im Februar 1701 ausfielen, den Beamten an ihrem Solde abzu⸗ ziehen, was er jedoch mit den Worten zurückwies:„Ich will, daß meine Leute mich nicht chicaniren, ich ſie aber auch nicht.“
Während Graf Wartenberg ſich in dieſer Weiſe bereicherte und der Hof von einem Feſt zum andern taumelte, ſtarben Tau⸗ ſende durch Hunger und Peſt, die, von Polen eingeſchleppt, die Oſtſeelande zwiſchen der Memel und der Oder verwüſteten. Die Provinz Preußen verlor allein durch ſie zweihundertſiebenundvierzig⸗ tauſend Menſchen, ein Drittel ihrer Bewohner, in Königsberg ſtarben ſiebentauſend, in Danzig zweiunddreißigtauſendſechshundert Menſchen und viele Städte und Dörfer in Pommern verloren faſt ihre ſämmtlichen Einwohner. Noch trauriger ſah es auf dem platten Lande aus, wo die ſtrengen Jagdgeſetze zur Schonung des Wildes den Landmann ſeiner Saaten beraubten und oft zur Ver⸗ zweiflung trieben. Jeder Verſuch, dieſem unerträglichen Zuſtand ein Ende zu machen, wurde auf das Härteſte beſtraft, und als eine Anzahl von einſichtsvollen Männern, an deren Spitze der Feldmarſchall Barfuß, die Grafen Dohna, Lottum, Dön⸗ hoff und der Hofmarſchall von Werſen ſtanden, den Miniſter wegen ſeiner Unterſchleife, Erpreſſungen und Gewaltthaten anklag⸗ ten, mußten ſie ihr Erkühnen mit Gefängniß, Verbannung vom Hofe und Dienſtentlaſſung büßen.
Mehr als je beherrſchte der frivole Günſtling ſeinen ver⸗ blendeten Herrn, unterſtützt von ſeiner intriguanten Gemahlin, welche die Tochter eines Schiffers Rickers aus Emmerich im „Herzogthum Cleve war. Ihr Vater, der nebenbei eine gemeine Winkelſchenke hielt, benutzte die Reize ſeiner Töchter, um die Gäſte herbeizulocken. So lernte ſie auf einer Reiſe der kurfürſtliche Kammerdiener Bidecap kennen, der ſich in die ſchöne Katha⸗ rina verliebte und ſie mit ſich nach Berlin führte. Hier ſah ſie Herr von Kolbe und knüpfte mit der nur zu gefälligen Frau ein Verhältniß an, worauf ſie ſich von ihrem Manne ſcheiden ließ und den Günſtling ſo zu feſſeln wußte, daß er ſie wirklich heiratheteé. Das ränkevolle Weib erhielt mit der Zeit Zutritt am Hofe und wurde ſogar die Titular⸗Favorite des Kurfürſten, nicht nur mit Bewilligung, ſondern hauptſächlich auf Betrieb ihres würdigen Gatten, der keinen Anſtand nahm, den Neigungen ſeines Gebieters, der auch in dieſer Beziehung ſeinem Vorbilde, Ludwig dem Vier⸗ zehnten von Frankreich, nacheiferte, die eigene Ehre zu opfern.
Indeß ſoll ſich nach glaubwürdigen Berichten das Verhältniß
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