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5 b — 89)
Illuſtrirtes
Wöchentlich 1 ½ bis 2
Familienblatt.
Bogen. Vierteljährlich 15 Ngr.
Süden und Uorden.
Eine baieriſche D
Von Herman Schmid. (Fortſetzung.)
Wie im Fluge breiteten ſich die Preußen auf- und abwärts am Ufer aus, um eine geeignete Stelle für den Uebergang zu finden. Die auf der Brückenbarricade befindlichen Schützen ſahen ſich bald auch von den Seiten beſchoſſen und waren genöthigt, ſich hinter die Geſchütze zurückzuziehen. Die anderen Abtheilungen in den Arcaden des Curſaales, in den Promenaden des Gartens und im Ufergebüſch unterhielten indeſſen ein lebhaftes Feuer, indem ſie mit wohlgezielten Kugeln manchem Gegner, der ſich furchtlos oder übermüthig zu weit vorgewagt, den Rückweg erſparten. 1
Auf ein Knie niedergelaſſen, mit geröthetem Angeſicht, ließ Ambros gleichmüthig wieder und wieder ſeinen Stutzen knallen, wie er es ſonſt wohl beim luſtigen Scheibenſchießen gethan; kein Gedanke ſtieg in ihm auf, daß auch ihn ein Geſchoß, wie er ſie hinüberſendete, von drüben erreichen könnte. Kaltblütig, als wäre es das Schwarze in der Scheibe, nahm er ſeinen Gegner auf das Korn und mußte an ſich halten, bei deſſen Falle nicht in lautes Juchzen auszubrechen, wie es am Schießſtand üblich, wenn der Schuß den Punkt getroffen und die Maſchine geweckt hat..
„Wenn das weiter nichts iſt,“ rief er dem neben ihm ſtehen⸗ den Cameraden, dem feinen Studenten, zu,„dann iſt net ſo viel dahinter. Aber wie wird denn das werden? Wenn wir net hinüber und die Preußen net herüberkommen, da können wir ein⸗ ander ein paar Tag' lang anſchauen und viel Pulver verpuffen! Ich hab' mir den Krieg anders vorgyſtellt, viel luſtiger, daß ſich
wwmas rührt und ſich einem das Blut rigelt.“
alten Lieder taugen mehr, weil ſie nicht mehr wahr ſind.
Der junge, ſchlanke Jäger, dem am Abend zuvor die traurige Weiſe vom Morgenroth durch den Sinn gegangen war, handhabte nicht minder eifrig ſeinen Stutzen und war eben daran, eine Patrone zu öffnen.„Ja wohl,“ ſagte er, halb als Antwort, halb vor ſich hin,„auch im Kriege geht die Poeſie verloren, wie überall. Der Bauer ackert und driſcht mit dem Dampfe, ſtatt des gemüthlichen Poſthorns pfeift die Locomotive, und für das: luſtige Laden des Gewehrs und den ſpringenden Ladſtock überholen ſie uns da drüben und ſetzen die Patrone fein ſtill und heim⸗ wückiſch von hinten in's Rohr. Was wohl der alte Deſſauer ſagen würde, wenn er aufſtände und ſähe, wie ſie ſchießen— ohne eiſer⸗ nen Ladſtock, auf deſſen Erfindung er ſich ſo viel zu gut gethan! Wir werden es ihnen wohl bald ablernen müſſen, aber es iſt doch ſchade um den Ladſtock und um das Laden! Nicht einmal die
Wie
könnte man dann noch das Lied vom treuen Camerad ſingen:
Will mir die Hand noch reichen, dieweil ich eben lad’“*?“
““ 0* — Herausgeber Ernſt Keil. 6 — In Heften à 5 Ngr. orfgeſchichte von 1866. Ein unarticulirter Laut unterbrach ihn in dem halblauten
Geſang. Mit flüchtigem Seitenblicke gewahrte Ambros, wie der Stutzen den Händen des durch die Bruſt Getroffenen entglitt; wie er mit dieſen, als ſuche er einen Gegenſtand, um ſich daran au⸗ zuhalten, in der Luft herumtaſtete und dann zuſammenknickte, mit einem ſchweren Seufzer im letzten Athemzuge das junge Leben verhauchend.—
Ein ſchmetterndes Hornſignal gellte von der Stadt her und gab den zerſtreuten Plänklern das Zeichen, ſich zu ſammeln.
„Da hilft wohl nichts mehr,“ ſagte Ambros, indem er flüchtig hinzutrat und den Todten betrachtete.„Da kann kein Bader in der Welt mehr'was ausrichten. Der hat's überſtanden, Gott geb' ihm die ewige Ruh'! er den Schützen zu, welche von allen Seiten laufend herbeikamen. „Warum wird denn zum Sammeln g'blaſen? Das heißt ja zu⸗ rückgehen!“
„Das heißt,“ erwiderte der eben vorüberkommende Oberjäger, beinahe athemlos vor Beleibtheit und von der Anſtrengung des Laufens,„das heißt, daß die Preußen richtig über den Steg bei der Lindenmühle da unten gegangen ſind und daß ſie uns in den Rücken kommen, wenn wir uns nicht weiter zurück aufſtellen.“
„Na, hab' ich's net g'ſagt?“ rief Ambros, indem er ſich dem Zuge anſchloß.„Wenn ſie nur net auch noch das G'länder hätten ſtehen laſſen. g'macht!“
„Wer hätte aber auch das denken ſollen?“ erwiderte laufend und keuchend der Oberjäger. die Katzen, und die Schützen dort am Lindenbaum waren auch zu weit aufgeſtellt und haben ſie nicht aufhalten können. Ihre Zimmerleut' ſind voraus, ſo keck, als wenn's gar keine Kugeln gäbe und als wenn drunten gar kein Waſſer wäre. Aber wir wollen's doch noch wieder gut machen,“ rief er, die kleine Schaar, die ſich ſammelte, um ſich aufſtelleno.„Wir wollen ihnen jetzt noch entgegen und ſie zurückwerfen oder wenigſtens aufhalten, ſo lang' es geht. Vorwärts, Cameraden!“
Die muthigen Burſchen folgten dem Rufe des Oberjägers; ſie wollten ſich nicht nachſagen laſſen, daß ſie ruhig zugeſehen, wie der Feind vor ihren Augen den Uebergang erzwang. Mit Hurrah⸗ ruf und gefälltem Bajonnet ſtürzte ſich die kleine Schaar gegen den Eingang des Steges, über welchen eben eine größere Schaar der Feinde angerückt kam und ſie mit einem Regen von Kugeln überſchüttete, der mit unheimlichem Sauſen ſo dicht unter die vor⸗
Aber was iſt denn das?“ rief
Wir haben es ihnen doch gar zu kommod;
„Die Kerle können ja klettern wie
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