Jahrgang 
42 (1868)
Seite
658
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ſtürmenden Plänkler einſchlug, daß er ſie nach allen Seiten nieder⸗ warf und nach wenig Augenblicken nicht ein Dritttheil aufrecht ſtand. Der dicke Oberjäger war unter den Vorderſten ge weſen; er war auch einer der Erſten, welche fielen, er hatte es wahr gemacht, daß er ſich nicht ſchlecht finden laſſen werde, wenn es gelte.

Die wenigen Uebriagebliehenen mußten erkennen, daß ſie außer Stande waren, den Uebergang aufzuhalten, und daß längerer Widerſtand ſie nur nutzlos einem ſicheren Tode ausſetzen würde Sie wichen daher der Uebermacht und zogen ſich plänkelnd und unter wohlgezielten Schüſſen langſam zurück. Unter den Letzten befand ſich Ambros, den ſein kaltes Blut auch hier nicht verließ. Es kam ihm beinahe luſtig vor, wie die Kugeln ſo dicht um ihn herumpfiffen, und lachend rief er:Ho, ho! Das thut ja hellicht net anders, als wenn im Auswärts ein Imp'(Bienenſtock) zu ſch wümnen anfangt! t

Unaufhal lſdn waren inzwiſchen die Preußen auch gegen das Bollwerk auf der ſteinernen mHaupt bbrüce vorgegangen. Die in der Straße poſtirten baieriſchen Truppen mußten fürchten, in der Flanke gefaßt zu werden, und konnten nicht umhin, zif ihren Rückzug aus der nicht mehr zu haltenden Stadt bedacht zu ſein. Die Geſchütze fuhren ab, um hinter derſelben eine nend beſe Stellung zu finden. Hart hinter den Abziehenden drangen Preußen in lichten Schaaren von allen Seiten nach, und ein erbit tterter Kampf wälzte ſich Schritt für Schritt durch die Straßen, eine Reihe wil der, nicht zu ſchrelbender Einzelgefechte, bis es endlich den Baiern gelungen war, ſich am ſüdlichen Ende der Stadt noch einmal feſt⸗ zuſetzen, wo der mit hohen Mauern umgebene Kirchhof einen feſten, willkommenen Stützpunkt bot. Viele von den tapferen Vertheidi⸗ gern lagen todt und verwundet neben den Leichen der Feinde, die ſie zahlreich zu ſich niedergeſtreckt; eine große Anzahl hatte von der überraſchend und ſchnell ausgeführten Ueberrumpelung nicht eher Kenntniß erhalten, als bis es zu ſpät war und ſie ſich in den Häuſern, die ſie zur Vert theidigung beſetzt hatten, vom Feinde eingeſchloſſen und angegriffen ſahen. Es blieb ihnen kein anderes Loos, als Gefangenſchaft oder Tod.

Auch Ambros hatte mit den zerſprengten Schützen den Weg durch Gäht ten und zwiſchen Gartenhäuſern nach dem Kirchhof hin eingeſchlagen, unabläſſig verfolgt von den immer dichter nachrücken⸗ den Preußen und ihren ruhelos voransſchwärmend en Plänklern. Ihre ſicheren Schüſſe ſtürzten noch Manchen auf den Raſen oder in die Gartenbeete; aber auch die wackeren baieriſchen Schützen ließen es an tapferem Wid derſtand nicht fehlen: jeder Baum wurd zum flüchtigen Bollwerk, jede Mauer zum Walle, jeder Graben dur Bruſtwehr, um ſich noch einmal gegen den Feind zu ſetzen und, wenn es auch umnbglioh war, den Andrang der Uebermacht auf⸗ zuhalten, ihn doch jeden Schritt durch Wunden und Tod theuer genug erkaufen zu laſſen.

Je heftiger und wilder das Gefecht nibrannte, je näher und ſchauerlicher die gräßlichen Bilder des Todes und der Zerſtörung vor ſeinen Blicken ſich entrollten, deſto gelaſſener wurde Ambros; aber deſto ſchrecklicher kam es ihm mit jeder Minute vor, daß er ſich von einer Schaar Männer verfolgt ſah, die er im Leben nie geſehen, denen er nie ein Leid gethan, und die doch mit einem Andrimm auf ihn eindrangen, als wäre er ihr verhaßteſter Feind,

deſto mehr that es ihm leid, dieſe Menſchen, welche ihm alle geſund, kräftig. und ſtattlich gegenüberſtanden, und die ihn nie beleidigt, zur eigenen Vertheidigung verletzen und tödten zu müſſen, wie auf der Zagd ein ſchädliches Raubthier. Durch eine wunder bare Verket ttung der Gedanken kam es ihm plötzlich in den Sinn, wie er vor einigen Wochen auf der Hochplatte neben der ſchiechen Wand geſtanden: er ſah die erlegte Gemſe vor ſich liegen und glaubte Günther's Stimme zu hören, wie er klagte, d daß es un⸗ recht ſei, ſo weit heraufzuſteigen, um ſo viel Kraft und Schönheit

zu vernichten. War es doch nur ein Thier geweſen, dem dieſe Klage gegolten, und nun ſah er vor und um ſich ſo viele kräftige Schönheit zernichtet, ſo viel ſchöne Kraft zerſtört ſah ſo viele

wackere Herzen leiden und brechen, und in ſeinem einfachen, Grunde gutartigen Gemüthe ſtieg die Ahnung auf von himmelſchreienden Entſetz lichkeit des Krieges, ſiel wie ein Bleigewicht der Gedanke auf ſein Herz, daß er ſich ſelbſt in dieſen Kampf gedrängt! Es war nicht Furcht, was ihn anwandelte, wohl aber eine bittere Regung der Reue, doch es blieb bei der flüchtigen Regung des Augenblicks, denn gleichzeitig

im der ganzen, und zum erſten Male

davon mehr

mit dem Erinnern an die Hochplatte war auch ein Laut an ſein

Ohr gedrungen, der ihn nicht minder an jene Stunde mahnte, aus den Reihen der immer näher kommenden Füſiliere war

das Rufen einer Stimme erklungen, die er ſchon gehirt zu haben glaubte.Sollte das Günther ſein? zuckte es ihm plötzlich durch den Sinn, und der auflodernde Grimm ſchlug über der trrichen Regung zuſammen. Wenn er es wäre! Wenn ſein perſönl icher Gegner ihm wirklich gegenüberträte als Feind, Aug' in Auge und Stirne gegen Stirne. Eben war er mit den Gefährten hinter einer langgezogenen Gart zeehae angelangt und ſah gegenüber in halber Schußweite die aufgel öſten preußiſchen Colonnen anrücken, um mit gefälltem Bajönnet die Schützen aus dem Gebüſch zu vertreiben und auf den letzten Halt innerhalb der Kirchhofmauern zurückzuwerfen.

Ein O lheirr, ein ſtattlicher Mann, vor wies mit dem Degen Stimme zum Angriff

In Ambros' Iſt das net taſche griff.Ja, Fremde, der mich i

der Front herſchreitend, dahin und forderte mit lauter, mächtiger f auf. Händen bebte der Stutzen, als er ihn ſah. murmelte er haſtig, indem er in die Patron⸗ wahrhaftig, ich irr' mich net das iſt der unſern Bergen nach dem Weg über'n Gams kogel g'fragt hat der Landkartenzeichner! Al ſo hab' ich doch Recht g'habt: er iſt als Gaſt in unſerm Land g'weſen und hat uns heimlich auskundſchaften wollen. Na, wart', Spion! Dir will ich den kürzeſten Weg zeigen, wenn's auch mein' letzte Kugel iſt! Er drückte ab, und ſchwer getroffen, Officier zu Boden.

Die Truppe ſtutzte einen A lugenblick über den Fall des Füh⸗ rers, aber auch nur einen Augenblick; im nächſten ſchon ſtürmte ſie mit lautem Hurrah gegen das Gebüſch vor und hatte es mit wenigen Schritten umflügelt; was nicht ſtürzte, war gezwungen, eilig hinter der Kirchhofmauer Schutz zu ſuchen.

Einer der Letzten war Ambros, der langſam und Schritt zurückwich; wenn er ſich auch verſchoſſen hatte, war er doch ſtets bereit, den andrängenden Gegnern im Einzelnkampfe mit Haubajonnet oder Kolben zu ſtehen. Schon war er nicht mehr ferne von den äußerſten Häuſern, hinter welchen er ſich Leborgen zurückziehen konnte, und wendete ſich um einen letzten Buſch her⸗ über, da ſah er auf die Entfernung von wenigen Schritten einen Füſilier ſich gegenüber, der, Einer der äußerſten des rechten Flü⸗ gels, das Zündnadelgewehr ſchußfertig an der Hüfte, in ſtürmen⸗ dem Eilſchritt vorging. Ein Ruf der Ueberraſchung klang von den Lippen Beider; eines Gedankens Dauer lagen beiderſeits die Waffen regungslos in ihren Händen.

Herr Günther!? rief dann Ambros, fand.So ſind Sie's wirklich und kein Geiſt? net umſonſt mit'gangen, einander!

Schußbereit, aber Lruhig ſtand d der junge Mann.Du biſt's, Ambros! rief er.Traurig, daß wir uns ſo wiederſehen aber ich will Dir nicht begegnet ſein. Das iſt keine Verletzung meiner Soldatenpflicht, wenn ich an Dir vorübergehe.

Vorübergehen? keuchte Ambros, dem die gewohnte ſinn⸗ verwirrende Gluth wieder zu Kopfe ſtieg.Glaub's ſchon, daß Sie das möchten; aber ob ich Ihna vorüberlaß', das iſt eine andere Frag'. Mir iſt's ganz recht, daß wir da ſo z'ſamm kom⸗ men. Jetzt können wir ausmachen, was wir ausz'machen haben.

Schritt für

der zuerſt Worte So bin ich doch und wir können Abrechnung halten mit

Beſinne Dich, Ambros! rief Günther haſtis entgegen.Ich habe nichts mit Dir abzumachen. Zieh' Dich zurück, ſag' ich noch einmal; ich will nicht Gewalt brauchen gegen Di

So, Gewalt wollen Sie net branahon? knteſchte Ambros. Aber Ihre Kniff' und Pfiff' haben Sie ſchon gegen mich und meine Leut' gebraucht da haben S Sie ſich nicht beſonnen? Wohl haben wir zwei'was abz zumachen mit einander und viel noch dazu! Wer hat mich aus trieben, als wie Sie? Wer hat mir mein ganz' Leben zernichtt, hat mir mein Lieb' g'nommen und mein Glück, als wie Sie? Und net einmal für ſich habin Sie's gethan, nein, bloß zu Ihrem ſchlechten Zeitvertreib! Wer, als Sie, hat mich uuglücklich g'macht und das Tonerl dazu? Wehr' Dich, heimtückiſcher Preuß! rief er wüthend.Wenn ich auch keine Kugel mehr hab', ſo ſchlag' ich Dich mit'n Kolben nieder wie einen tollen Hund. 1

Du biſt ſelber toll und ſiehſt nicht, daß Du in meiner Macht biſt.

lautlos ſtürzte der

'm Haus und aus der Heimath ver⸗

Es koſter mich nur einen Fingerdruch Anemmrinem