— .—- dr der Feldweg ſo ſchmal, daß man das feuchte Gras mit den Hän Reloweg— 8 den ſtreifen muß.. Mitten im grünen Laub liegt ein Haus verborgen, wo der Schatz daheim iſt. Das Silberlicht glitzert in den Scheiben, der
Brunnen vor der Thür rauſcht, rothe Nelken hängen über braune Geländer. Leiſe huſcht das Mädchen hinauf und damf
öffnet ſich das Fenſter und ein Bild mit blonden Zöpfen lugt herab. Lange noch bleibt ihr Liebſter ſtehen, lange noch plaudern die Beiden. Es hört ſie Niemand der Brunnen rauſcht.
Allein nicht allezeit verläuft die Scene ſo idylliſch. Gar oft verlegt auch der Begleiter ſeinen Standpunkt nach oben und die Geſchichte kommt dahin, wohin es bei Romeo und Julie gekom men iſt, nur daß unſere Beid den den Pater Lorenzo entbehrlich finden.
Von der Kanzel herab und von der Verwaltungsbehörde wird gewaltig gegen dieſe Promenaden geeifert, allein die Bauern denten Ländlich, ſittlich!
Die Neigung derſel lben, jedes Feſt durch Exceſſe zu verherr lichen, hat auf Seiten der Poli izei eine Neigung geweckt, ſolche Feſte überhaupt zu beſchränken. Die Polizeiſtunden werden ver— ſchärft gehandhabt; die Kirchweihen ſind im ganzen Gau auf den nämlichen Tag verlegt worden. Für den Verwaltungsmann ſind dieſe Maßregeln freilich nothwendig, für den Cul turhiſtoriker geht doch manches Cähte verloren. Volksthümlichkeit iſt ein harter Kaufpreis für die Ordnung!
Nur auf den Almen herrſcht noch die alte Ungebundenheit; denn dieſe liegen fünftauſend Fuß über dem Polizeiſtrafgeſetzbuch. Auch hier wird getanzt, ohne Handſchuhe, ja bisweilen ſelbſt ohne Schuhe, und dennoch iſt's unſäglich luſtig!
Auf dem Heerde ſitzt der Hüteybub und ſchlägt die Beine übereinander, daß die braunen Knice am Feuer glänzen. Den Hut mit der Hahnenfeder hat er tief in die Stirn gerückt und bl läſt die Schwegelpfeife, das kleine Inſtrument, auf dem die Ländler ſo ſchneidig klingen.
Und wie er ſo ruhig ſitzt und wie die Funken ſo kniſternd
„ Nr
ch ſollte und wollte Theologie ſtudiren, natürlich in Berlin hl eiermacher, demſelben Manne, deſſen hundertjähriger am 21. Nopember zu begehen iſt. Er, der gefeiertſte ages zog mich vor Allen an. Ich war einige Zeit llenſen nach Berlin gekommen, hatte die Reſi d fand deshalb immer neues Vergnügen Phyſiognomie Berlins und der Berliner zu ſtudiren. n erſten Mal ſah ich in den nächſten Tagen Schleier⸗ ege nach dem Thiergarten. Doch war zunächſt ht e„ neine Aufmerkſamkeit erregte, ſondern ſeine Be gleiterin, eine Junogeſtalt, die in imponirender Gkmeſſenh eit ein herſchritt gleich der tragiſchen Muſe, und neben der ſich der kleine, bewegliche Sehleiermacher merkwürdig genug ausnahm. Seine Begleiterin. aber war die ſchöne Henriette Herz, ſeine intimſte Freund din, mit der ihn Gewohnheit und Bedürfniß Jahrzehnte lang täalich zuſammenführte. 4
Die Borleſungen begannen. Schleiermacher wollte ich zuerſt hören, er ſollte der Prieſter ſein, der mich einführte in das Heilig thum der Wiſſenſchaft. Noch lange vor dem„akademiſchen Viertel“ ſaß ich in ahnungsvoller Stimman im Auditorium Schleiermacher's; chrwürdig erſchienen mir die grauen Wände, die ſchon ſo viele ſeiner herrlichen Worte gehört, geweiht das Katheder, als eine Stätte, von der Licht und Begeiſterung ſtrömte. Das Auditorium zatte ſich bald vollſtändig gefüllt; wie verhaltene Feſtfreude klang „x das Gemurmel der Stimmen der erwartuugsvollen Studenten⸗
wo Geſe. Ich habe ſpäter noch oft auf andern Univerſitäten und
ſchen eeer 4 Linden war einmal eine Caricatur ausgeſtellt: wie die mente anlangit dem„kleinen“ Schleiermacher ſpazieren geht, ſo nämlich, daß die Mädchtem s Strickbentel mit ſich ſührt, aus dem nur oben der erſcheinen aufer a herdusſehi Die Unte rſchrift des Bildes hieß:„Die vergeblich wird t ſich einen Ridicule angeſchafft.“(Ridicule heißt:„etwas
51en zugleich wein kleiner Arbeitsbeutel der Frauen“.) Weder bisweilen im Och die Herz waren dadurch im mindeſten verletzt, und durch die⸗L Lorgedſt eizählt die Geſchichte ganz harmlos in ihren„Erinne⸗
hüpfen, da kommt es den Sennerinnen, ſammen ſind, mit einmal in die Füße!
die zum Haingart bei⸗. Wie gut iſt's jetzt,
gerade heute die beiden Nudeiberſehan hier oben ſind, die des Nachts den Hirſch im Wald anpürſchen wollen! Auch ein Holz⸗ knecht hat geſtern zugeſprochen, und ehe man weiß, wie es kam, drehen ſich drei Paare im circulus vitiosus! Der Raum iſt freilich klein, allein was thut's zur Sache? um ſ heller klingt Dsiampſen, um ſo öfter geht's herum! Da droben in dieſer friedlich Primnitiben Einſamkeit iſt man
auch duldſamer gegen die„Herriſchen“;
denn wenn Fremde auf
den Hütten übernachten, ſo werden ſie freund lich ſt zur Theilnahme
an ſolchen Bällen aufgefordert. Und dieſem Falle Nein?
welches Mädchen ſagt in
Kaum daß die erſten Jodler hinunterklingen zur unteren
Hütte, wo die Herrſchaften campiren,
Plaid empor und lugen neugierig durch
14
„Geht'’s eini!
klettern die Fräulein im die halb geöffnete Thür. ruft der Jägerburſch mit den Fingern ſchnalz und jetzt huſchen ſie lachend herein— die Gräfin Helene und
ſanfte Mathilde und das ſchöne Mariechen. Schmeichelnd faßt ſie der Jäger bei der Hand, wo das Demantringlein funkelt, und im nächſten Reigen tanzen die drei vornehmen Fräulein. Ei,
wie luſtig iſt doch Alles, was gegen G) ge
den Brauch iſt! Anfangs
geht's wohl ein wenig„daneben“; beſonders die blonde Kleine
„ 4
iſt widerſpenſtig.„Wart',
raunt ihr der Jäger in's Ohr,„Du
wirſt ſchon noch folgen lernen, wenn einmal der Eh'tanz losgeht,
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wenn der Rechte kommt!
Draußen um die Hütte flattert der Wind, das Almengeläute
klingt aus der Ferne. Hin und wieder
trat eines der Mädchen
hinaus und horchte. Dort ſtand die blonde Kleine und ſtrich mit den trotzigen Händchen das Haar aus dem heißen Kindergeſicht.
1
„Ja, wenn der Rechte kommt!
fragend ſah ſie einer Sternſchnuppe nach,
Himmel tief in's Thal hinabfiel.
— Erinnerungen an Friedrich Schleiermacher.
dachte ſie leiſe, und welche vom glitzernden
Carl Stieler.
bei andern Profeſſoren theologiſche Collegien gehört, eine Zuhörer⸗ ſchaft wie die Schleiermacher's aber nirgends wieder gefunden. Wer ſich einmal von ihm angezogen fühl te, kam immer wieder, ſo ſah man auf denſelben Plätzen d disſe lben Hörer. Gleiche Be⸗
geiſterung, gleiche Ideale blitzten aus
den intelligenten Geſichtern,
wie ein vieltheiliger Körper ſaß die Schaar und in Allen wirkte
und lebte der große Meiſter.
Mit ſchnellem Schwung öffnete ſich die Thür; allgemeine
Stille, allgemeines Erheben, während
ein kleiner Mann mit
behenden Schritten zum Katheder eilt, es war der⸗Mann, den ich ſchon ein Mal geſehen hatte. Ich hatte nahe dem Katheder Platz genommen, mein Blick hing feſtgeſaugt an den geiſtvollen Zügen des großen Lehrers. Sein höchſt bedeutender Geſichtsausdruck
zeigte Ruhe und Bewegung in wunderbarer 2 der in Kämpfen errungene
ſcharf ausgeprägten Zügen ſpiegelte ſich
Vereinigung. In den
Charakter, ſeine feurigen Augen blickten eben ſo ſcharf forſchend als innig theilnehmend über die Wer ſonmulung. Die ſonſt feſt
geſchloſſenen Lippen bewegten ſich, ſein W
Waren ſeine Vorträge außerordentlich
Vortrag begann.
durch ihren Inhalt, ſo
war auch die Methode ſeines Lehrens ganz einzig, ja die einzig richtige Methode. Wir nannten Schleiermacher unſern Sokrates, wenigſtens war ſeine Methode die ſokratiſche, nur in anderer zeit⸗ gemäßer Anwendung. Ich weiß noch, wie oft wir in unſern Ge⸗ ſprächen ſeine den herkömmlichen und den damals angewendeten
Methoden entgegengeſetzte dnunderien einig:„Wer von Schleiermacher nicht
Darin waren wir Alle denken lernte, der khunte es
nirgends lernen.“ Seine Methode war die unterſuchende, von der Erfahrung ausgehende, die entwickelnde Methode. Man
erkannte in ihm die lebendige Werkſtätte
man beobachtete das Werden der Gedanken, 24
hörte denken, man fühlte es, und Jeder wurde zur
hde des erzeugenden Geiſtes,
man 8 denken, man Gedankener⸗
zeugen bewegt. Sein ganzer Gedankenproceß war nur wie ein
Aufruf zur Selbſtentwickelung und zum
Jedem für ſeine Wahrheit gelten ſollte.
Selbſterwerb deſſen, was
Denn geiſtige Selbſt⸗
daß
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