Jahrgang 
41 (1868)
Seite
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weitgereiſter Schneider, erklärte ihn für das größte tragiſche

Genie des Jahrhunderts, und der große Kunſtmäcen des Stadt⸗ viertels, eingeräucherter Fleiſchwaarenhändler, verehrte ihm eine ſelbſtgemachte Wurſt und tractirte ihn mit einerkühlen Blon⸗ den und dem dazu gehörigenGilkakümmel.

Trotz ſolcher Anerkennung kehrte Helmerding ſeiner Vaterſtadt den Rücken, indem er der bloßen Naturalverpflegung ein feſtes Engagement mit wirklicher Geldgage vorzog. Zur Exrreichung ſeines Zieles wandte er ſich nach Potſchappel bei Dresden, wo er von dem dortigen Director Dietrich mit offenen Armen empfangen und der kleinen, todesmuthigen Künſtlerſchaar einver⸗ leibt wurde.

Für zwölf Thaler monatlich lieferte er heute einen zärtlichen

Liebhaber, morgen einen ſchwarzen Böſewicht oder Intriguanten;

ſelten oder nie trat er dagegen in komiſchen Rollen auf, die er damals noch unter ſeiner Würde hielt. Obgleich Vater Helmer⸗ ding unter dieſen Verhältniſſen dem angehenden Künſtler unter die Arme greifen mußte und mancher Thaler als willkommener Zu⸗ ſchuß von Berlin nach Potſchappel wanderte, ſo fehlte es doch häufig am Beſten. Aber Helmerding verlor darum nicht den an⸗ geborenen Humor und wußte ſich zu helfen.

Mit einem Freunde, einem jungen, talentvollen Schauſpieler, ertrug er fröhlich und mit dem glücklichen Leichtſinn der Jugend die kleinen Leiden des menſchlichen Lebens. Beide waren bei einem Häring und einem Gericht Kartoffeln ausgelaſſen luſtig, und wenn im kalten Winter ihnen das Holz ausgegangen war, wärm⸗ ten ſie die erſtarrten Hände an der Spirituslampe.

Endlich riß dem Freunde die Geduld, ſo daß er heimlich ausrückte und das undankbare Potſchappel bei Nacht und Nebel verließ, wobei er in der Eile einen Stiefel Helmerding's mit dem ſeinigen verwechſelte. Als dieſer am anderen Morgen erwachte, ſah er ſich gezwungen, zu Hauſe zu bleiben, da der zurückgelaſſene Stiefel des Freundes ihm trotz aller Flüche und Anſtrengungen nicht paſſen wollte, weil derſelbe ihm zu eng war und er ſelbſt kein zweites Paar mehr zu verſenden hatte.

Unter dieſen Verhältniſſen hielt es Helmerding für das Beſte, dem Beiſpiele des flüchtigen Freundes zu folgen und ſich ebenfalls eim eigentlichen Sinne auf die Strümpfe zu machen. Lange Zeit führte er jetzt jenes wechſelvolle Nomadenleben eines wandernden Künſtlers, das Holtei in ſeinenVagabunden ſo anſchaulich und verführeriſch geſchildert hat. In dem verhängnißvollen Jahre 1848 ſpielte Helmerding faſt vor den Thoren ſeiner Vaterſtadt, in dem Dorfe Schöneberg bei Berlin, wohin ſich die Kunſt vor den politiſchen Stürmen geflüchtet hatte, um nicht zu verhungern. Hier mochte ihm wohl zuerſt die Bedeutung der Poſſe und des höheren Blödſinns aufgegangen ſein, der hauptſächlich von dem dortigen Director cultivirt wurde. Der zu jener Zeit noch ziemlich unbe⸗ kannte Kaliſch ließ ebenfalls in Schöneberg die erſten Erzeug⸗ niſſe ſeiner komiſchen Muſe mit dem beſten Erfolge vor einem bunt gemiſchten Publieum aufführen. Damals ahnte weder Kaliſch noch Helmerding, welche Triumphe ſie mitſammen einſt feiern ſollten. Sie gingen häufig aneinander vorüber, ohne ſich zu ſehen und zu ſprechen.

Dagegen machte Helmerding eine andere Bekanutſchaft, welche gewiß nicht ohne Einfluß auf ſeine künſtleriſche Entwickelung blieb. Die innigſte Liebe verband ihn hier mit einer talentvollen, fein gebildeten Schauſpielerin, die von ihrem rohen Gatten zwar ge⸗ trennt, aber nicht geſchieden lebte. Alle Bemühungen der armen Frau, ihre unglückliche Ehe zu löſen, waren ohne Erfolg, ſo daß ihr nichts übrig blieb, als heimlich zu entfliehen, um den thät⸗ Aichen Mißhandlungen des brutalen Mannes zu entgehen. Hel⸗ merding folgte ihr nach Schleſien, wo Beide in Glatz bei dem Direetor Nachtigall ein Engagement fanden. Bald aber erlag die rte, leidende Frau der fortwährenden Gemüthsbewegung; ein plötzlicher Blutſturz machte ihrem Leben ein Ende.

Da der Wirth die Leiche der armen Schauſpielerin nicht in em Hauſe dulden wollte, ſo wurde dieſelbe in einem benach⸗

arten Holzſtall niedergelegt. Dorthin ſchlich ſich der trauernde Blanr wie ein Dieb in der Nacht, um die Todte noch ein⸗ mal zu ſehen und zu umarmen. Zärtlich küßte er die bleichen, kalten Wangen, während ihm die heißen Thränen über die noch von der letzten Abendvorſtellung geſchminkten Wangen liefen. Am nächſten Tage ſollte er in einem neuen Stücke auftreten; in Scheine der mitgebrachten Laterne lernte er die große Rolle

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Sarges, in dem die geliebte Leiche lag. Un⸗ willkürlich ſchloſſen ſich vor Schmerz und Ermüdung ſeine Augen, über das Antlitz der Todten gebeugt war er eingeſchlafen. So wurde er am Morgen gefunden, die eine Wange roth geſchminkt, die andere von dem friſchen Anſtrich des Sarges ſchwarz gefärbt, und an demſelben Abend, nachdem er die geliebte Frau begraben, mußte er Komödie ſpielen. So lernte der zukünftige berühmte Komiker den tiefen Ernſt des Lebens kennen, ohne den er ſchwer⸗ lich ein ſo ausgezeichneter Humoriſt geworden wäre. Aber noch war die Zeit der Prüfung nicht beendet, die Schule der Leiden, die keinem wahren Künſtler erſpart wird, noch nicht geſchloſſen. Nach manchen Irrfahrten kehrte Helmerding nach Berlin zurück, wo in Folge des Jahres 1848 ſein wohlhabender Vater den größten Theil ſeines Vermögens verloren hatte, ſo daß von dieſer Seite keine Unterſtützung mehr zu hoffen war. Nur um zu leben, nahm Helmerding ein Engagement des Theaterdirectors Kallenbach auf deſſen kleiner Gartenbühne vor dem Oranienburger Thore an. Der Scharfblick des praktiſch erfahrenen Bühnenleiters erkannte zuerſt das vorwiegend komiſche Talent des jungen Schauſpielers, der ſeitdem ſich ausſchließlich dem heiteren Genre zuwendete. Kurze Zeit darauf ging Helmerding zu dem Königsſtädtiſchen Theater über, das damals proviſoriſch in der Charlottenſtraße unter dem Director Cerf, dem jetzigen Beſitzer desVictoria⸗Theaters, ſtand. Doch auch hier fand ſein Talent keine Gelegenheit, ſich zu zeigen, da die ſchon vorhandenen Komiker im Beſitz der beſten Rollen ihn nicht aufkommen ließen. Helmerding mußte ſich längere Zeit mit den unbedeutendſten Epiſoden begnügen und blieb ſo gänzlich unbeachtet. Die geringe Gage reichte kaum hin, ihn kümmerlich durchzubringen, und es gab Tage, wo er ohne Abend brod zu Bette ging. In dieſer Zeit der quälte, erblickte er eines

zu den Füßen des

Noth, wo ihn nicht ſelten der Hunger Tages auf der Hausflur einen Korb, auf deſſen Grund drei Silbergroſchen lagen. Wahrſcheinlich hatte ein Dienſtmädchen des Nachbars den Korb ſtehen laſſen. Der Fund ſchien Helmerding ein wahrer Schatz, da er ſelbſt nicht einen Pfennig beſaß und noch nicht gefrühſtückt hatte. Trotzdem widerſtand er der Verſuchung, ſich die drei Silbergroſchen anzueignen, obgleich er dies unbemerkt thun konnte. Mit leerem Magen und betrübtem Herzen ſchlich er zur Probe nach dem Theater. Doch die Tugend ſollte ihren Lohn endlich finden. Welch ein Glück! Zu ſeinen Füßen ſieht er auf der Straße etwas Glänzendes blinken. Er bückt ſich darnach und findet einen Silbergroſchen, für den er ſich jetzt mit gutem Gewiſſen Semmel kaufte. Der Silbergroſchen wurde für ihn zum Talisman und be⸗ zeichnete gleichſam die günſtige Wendung in ſeinem Geſchick. Geſättigt trat er auf die Bühne, wo ihn eine neue Ueberraſchung

erwartete. Ueber Nacht war der Darſteller einer Hauptrolle in der zu jener Zeit neuen und ununterbrochen gegebenen Poſſe

Münchhauſen von Kaliſch erkrankt. Schauſpieler getraute ſich, von dem verlegenen Director auf⸗ gefordert, die bedeutende Partie bis zum Abend zu lernen. Da meldet ſich der bisher vernachläſſigte Helmerding, der die Rolle durch wiederholtes Anhören faſt auswendig wußte, zur ſofortigen Uebernahme. Nach einiger Ueberlegung wird ſein Anerbieten dankbar angenommen und noch an demſelben Abend erobert er durch ſeine originelle Darſtellung des Charakters, aus dem ſich ſpäterder gebildete Hausknecht entwickelte, die Gunſt des Publicums und eine hervorragende Stellung in der Theaterwelt.

Der Neid der Collegen bewies ihm am beſten, wie ſehr er gefallen hatte. Bei einem Diner, wozu er mit einem damals über die Gebühr geprieſenen Komiker von ſeinem Director ge⸗ laden wurde, ſagte der Letztere in Anerkennung dieſer Leiſtung: Auf die Nolle des Knetſchke können Sie reiſen.Aber nicht weit, ſetzte der boshafte College, der jetzt längſt vergeſſen iſt, verächtlich hinzu.

Helmerding kümmerte ſich nicht um den Neid und befeſtigte ſich immer mehr durch ſein Talent und ſeinen unermüdlichen Fleiß in ſeiner mit Mühe erworbenen Stellung, indem er täglich Fort⸗ fnritte machte. Nach dem Aufhören des Cerf'ſchen Theaters in

4 harlottenſtraße nahm er ein vortheilhaftes Engagement in Köln an, wo er ſeine jetzige Frau kennen lernte, mit der er in der glücklichſten Ehe lebt. Später war er wieder in Berlin

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