Jahrgang 
41 (1868)
Seite
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anbringſt. Aber damit werdet Ihr die ſchwarz⸗weiße Farbe, wenn ſie vorrücken will, nicht aufhalten.

Na, na, rief die Funkenhauſerin dazwiſchen.Ihr werdet Euch doch nicht wegen deſſen ereifern unter einander! Noch lebt der alte Gott; der wird's ſchon recht machen, wenn wir nur fleißig zu ihm beten.

Beten, liebe Frau? ſagte Frau Schulze.Das Beten iſt wohl recht und gut; aber hier wird es wohl nicht viel nützen. Mir ſcheint, hier iſt das beſte Gebet:Hilf Dir ſelbſt, dann wird Dir auch Gott helfen!

Nicht doch, Frau Schulze, ſagte die Bäuerin kopfſchüttelnd. So was müſſen S' net ſagen! Das Beten hilft alle Mal, und ein recht kräftig's Gebet hat unſer Herrgott noch alle Mal er hört. Denken S' an das Bildſtöckel beim großen Kirſchbaum im Wald!

Aber liebe Frau! ſagte Frau Schulze, ihr Lächeln nicht mehr zurückhaltend.Ich habe vorhin geſchwiegen; aber Ihr werdet doch ſolche Märchen nicht im Ernſte glauben?

Nicht? ſagte die Bäuerin in unverhehltem Staunen.Nach meinem heiligen Glauben halt' ich das für wahr wenn ich bet', dann glaub' ich auch und ſpür's inwendig, daß mein Beten was helfen muß, und wenn Sie net ſo beten können nach Ihrem Glauben, Frau Schulze, nachher thut's mir leid um Ihnen da möcht' ich wahrhaftig net tauſchen mit Ihnen.

Und ich ſag', rief Ambros dazwiſchen,die Frau Schulze hat Recht. Selber muß man ſich helfen. Es iſt noch Keiner verlaſſen g'weſen, der ſich ſelber g'holfen hat, und wenn's überall fehlt, nachher kommen wir Oberländer und ziehn wieder auf die Münchner Stadt hinein wir haben's ihna ſchon amal zeigt,

was wir können ſelbiges Mal bei der Mordweihnacht in Sendling. Wir erhitzen uns umſonſt, ſagte Günther.Das iſt

immerhin eine ſchöne, aber auch traurige Erinnerung für Euch damals war das Volk unter allexlei Vorwänden für Privatzwecke aufgereizt und wurde herausgelockt und dann ſchmachvoll im Stiche gelaſſen.

Wir haben's aber doch durchg'ſetzt und haben unſer Land b'halten und unſern Landesherrn, rief Ambros.

Wie man's nimmt. Wenn Frankreich nicht geweſen wäre, möchte es mit Beiden übel beſtellt geweſen ſeim, und wie war es denn ſpäter? Als der öſterreichiſche Adler ſeine Krallen nach Eurem Lande ausſtreckte, wer war's denn, der ihm wehrte und noch als Greis ſeinen Degen in die Wagſchale warf, wer ſonſt, als unſer großer Friedrich der Einzige? Daß noch ein Baiern exiſtirt, habt Ihr Niemandem zu verdanken, als Preußen, und es iſt ſchlimm, wenn ein Fremder die Geſchichte Eures Landes beſſer kennt, als Ihr ſelbſt in Eurer kleinlichen, engherzigen An⸗ ſchauung.

Während der letzten Reden war Tonerl, welche bis dahin im Stalle beſchäftigt geweſen war, eingetreten und hatte zugehört; ſie ſchwieg aber imnier heißer ſtieg es ihr in's Geſicht, und immer lebhafter begannen ihre Augen zu funkeln. Jetzt vermochte ſie nicht mehr, an ſich zu halten.Nein, rief ſie dazwiſchentretend, der Ambros hat Recht. Nicht er aber wer ſo reden kann, wie Sie, dem iſt es eng und muß es eng ſein um ſein Herz.

Toni! rief Günther erſtaunt.

Iſt's etwa net wahr? fuhr ſie feurig fort.Es redit Ihnen kein Menſch was ein, wenn Sie Ihr Preußenland gern haben, und wenn Sie's ſo ſchön machen, wie Sie nur wollen es iſt Ihre Heimath, und die Heimath iſt wie ein Schatz, für den man ſein Leben hergiebt, und Jedem kommt ſein Schatz als der ſchönſte vor. Aber einen Anderen muß er deswegen net auf's Herz treten, Herr! Das iſt kein richtiger Bue, der ſein Schatz ſchlecht machen laßt oder gar auslachen.

Aber mein Gott, rief Günther,wer redet denn davon?

Sie, rief das Mädchen immer heftiger,Sie reden davon! Freilich net ſo g'rad heraus, wie's bei uns der Brauch iſt, aber in der verſteckten Weiſ' die noch viel weher thut! Probiren Siee's einmal, kommen S' mit Ihre Preußen und holen S' uns unſeren König fort, wann S' was erleben wollen! Buebin Lettfeiger wären und blieben daheim, nachher giebt's noch Madeln g'nug, die auch umgehen können mit einem Stutzen!

Ah, das geht denn doch zu weit, ſagte Günther lachend. Ein weibliches Schützencorps! Du gingſt wohl am Ende ſelber

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Und wenn unſere

mit, was Ihr thut! würdeſt Du auch den Stutzen nehmen und mich niederſchießen?

Jeden,riefe Tonerl mit flammenden Augen,und wenn er mir noch ſo feſt an's Herz g'wachſen wär'! Uns iſt es net gleich, Herr, ob wir bei unſerem Weiß das Schwarze haben oder das Blaue. Ich hab's Ihnen ſchon g'ſagt: das Schwarz, das iſt die Feindſchaft und der Haß; das Blau aber iſt die Treu' und

ie B'ſtändigkeit. Wer aber ſo denkt, wie Sie, der iſt falſch! Der meint's net ehrlich mit uns, und wenn er uns no' ſo ſchön thut.

Mitten in der höchſten Erregung brach ihr die Stimme, und mit einem Strome nicht mehr zurückzuhaltender Thränen ſtürzte ſie aus der Hütte. Lautloſes Schweigen waltete einen Augenblick.

Ich glaub, es iſt eine Kuh los worden im Stall, ſagte die Bäuerin nach einer beklommenen Pauſe, obwohl ſich nicht ein Laut geregt hatte.Muß doch nachſchauen, was es iſt.

Ambros folgte ihr; die Fremden waren allein. Das Eſſen blieb unberührt, und der würzige Kaffee duftete vergebens ein⸗ ladend vom Heerde her. Nach wenig Augenblicken brachen die Gäſte auf und kehrten verſtimmt und ſtumm nach dem Hofe zu⸗ rück. Noch am Abend ſandten ſie einen Boten ins Dorf und bereiteten Alles zur Abreiſe. Es waren Briefe angekommen, dar⸗ unter auch für Günther der Befehl, ſich beim Heere einzufinden.

Am andern Morgen waren ſie beim früheſten Tagesgrauen geräuſchlos und ohne Abſchied verſchwunden. Leute aus dem Dorfe waren gekommen, ihr Gepäck fortzubringen. Als die Funken⸗ hauſerin und Tonerl in die Stube traten, lag ein Päckchen Geld auf dem Tiſche; es war die Miethe für den bedungenen Sommer⸗ aufenthalt.Ambros! rief die Bäuerin dem eben Vorübergehen⸗ den zu,da nimm das Geld und trag's in's Dorf hinunter zum Herrn Cooperator! Er ſoll's an die Armen vertheilen, ich will nichts wiſſen davon.

Als ſie ſich wandte, gewahrte ſie erſt ihre Tochter, die wie verſteinert daſtand und ſich ihr, mit einem Male laut aufſchluch⸗ zend, um den Hals warf.Steht's ſo mit Dir, armer Narr? ſagte ſie ergriffen. hab' ich halt doch Recht g'habt? Am End' wär's doch beſſer g'weſen, wenn die Fremden draußen ge⸗ blieben wären aus unſerem Haus und aus unſerem Land. Was net z'ſammen g'hört, thut halt net gut beieinander!

So

3. Bei Kiſſingen.

Der Juli⸗Abend ging trüb zu Ende. Es war, als ſchwebte über ihm ein unheimliches Vorgefühl deſſen, was der folgende Morgen zu bringen beſtimmt war: nur ganz zuletzt brach die Sonne durch das Gewölk und warf einen ſcheidenden Gluthblick auf das friedliche Thal, daß die Waldſäume der Hügel, die es umſchloſſen, ſich rötheten und der Fluß aufleuchtete wie in bluti⸗ gem Widerſchein. Raſcher ſtrömten ſeine Wellen dahin, als eilten ſie, um nicht ſehen zu müſſen, wie ſehr das aumuthige Bild ſich verändert hatte, das ſie ſonſt den lieblich umbuſchten Ufern ge⸗ wohnt waren zurückzuſpiegeln. Wo ſonſt die zahlreichen Gäſte des Städtchens ſich luſtwandelnd ergingen, die aus allen Theilen der Welt herbeigeſtrömt, um an den Geſundbrunnen Heilung ihrer Leiden zu ſuchen oder doch ſie auf einige angenehme Wochen min⸗ der ſchwer zu empfinden da blitzten jetzt Waffen und leuchteten die bunt einförmigen Kleider kriegeriſcher Abtheilungen durch das Geſträuch; ſtatt des ſprachverwirrten Geplauders einer ſchönen Ge⸗ ſellſchaft ließ ſich ein wildes Durcheinander rufender Commando⸗ ſtimmen vernehmen, und die Klänge luſtiger Muſik waren verf ſtummt vor den Lärmzeichen der Trommeln und Signalhörnen, welche um die Wette wirbelten und ſchmetterten.

Schon im Laufe des Nachmittags hatte der entfernte Donntr der Geſchütze die Nachricht beſtätigt, daß die Preußen mit ener ſtarken Heeresabtheilung gegen die Saale vorgingen, um die Ver⸗ einigung der bairiſchen Armee mit dem achten Bundescorps 3

verhindern, und daß es den Anſchein habe, als ſei Kiſſingen ge⸗ 1 7 3.

wiſſermaßen zum Mittelpunkte des Angriffes auserſehen und dazy beſtimmt, den Hauptſtoß deſſelben auszuhalten. Auf einer Anhöhe

hinter der Stadt waren daher ſchon Geſchütze zu ihrem Empfang

aufgefahren, die Stadt ſelbſt nebſt allen umliegenden Anhöhen war beſetzt und alle Wege, auf welchen eine Ueberſchreitung des Stro⸗ mes möglich war, in Eile unzugänglich gemacht. Di

Toni? Nun, ich denke, Ihr würdet Euch wohl beſinnen, Und wenn ich nun unter den Feinden ſtände,

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