Jahrgang 
8 (1865)
Seite
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tihren Agenten über dieſel

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und der Verhältniſſe kundigen Perſonen ſich in Verbindung zu ſetzen, zu dieſem ZweckeAgenturausſchüſſe zu bilden. Nach ein⸗ getroffener ausführlicher Berichterſtattung entſcheidet ſich dann das Ausleihungscomité der Bank für oder gegen die Bewilligung des nach geſuchten d Darlehns. Dieſe Organiſation hat ſich ſo vortrefflich bewährt, daß die Bank von ihrem Entſtehen bis heute, an ihren gegen Zins ausgegebenen, auf viele Millionen ſich be laufenden Capitalien, auch nicht den Verluſt eines einzigen Gro⸗ ſchens zu notiven gehabt hat.

Außerdem aber dienen dieſe Karten dazu, daß die Bankver⸗ waltung die bei ihr Verſicherten bei einem Wechſel des Wohnſitzes nicht aus den Augen verliert und in geeigneten Fällen ſich von ben berichten laſſen kann. Es muß z. B. der Bankverwaltung daran liegen, aus den fernſten Gegenden, wohin ihre Wirkſamkeit ſich erſtreckt, in Erfahrung zu bringen, ob irgend eine bei ihr verſicherte Perſon einem unmäßig laſter⸗ haften Leben, der Trunkſucht u. ſ. w. ſich ergeben, oder einen Leben und Geſundheit gefährdenden Beruf ergriffen hat, oder ob dieſelbe zu ſchwerer Leibes⸗ und Gefängnißſtrafe verurtheilt wor⸗ den, da in derartigen Fällen die Verſicherung ungültig wird. Es

iſt dieſe Controle in einer auf dem Principe der Rechts⸗ und Pflicht⸗ gleichheit gebildeten Vergeſellſchaftung durchaus eine gebotene, und da ſie nur die Aufgabe hat die Innehaltung ſtatutengemäßer Beſtim⸗ mungen zu überwachen, durchaus fern von jeder gehäſſigen Srionage.

Ueberhaupt hat die Lebensverſicherungsbank Grund auch d Nachtſeite der Menſchennatur mit in ihre Berechnnng zu nuhen Wir haben der ſegensreichen ſittlichen Wirkungen der Lebensver⸗ ſicherungsbank ſchon oben gedacht. Aber Tod und Geld, für das verzweifelnde Elend und für die Habſucht ſind dieſe beiden Worte, um welche ſich die ganze Thätigkeit einer Lebensverſicherungsbank dreht, zwei Dämonen, die mit tverführeriſchen Vorſpiegelungen nur zu leicht ihre Opfer berücken. Die Geſchäftsbücher der Bankbureaus enthalten den Stoff zu einer ganzen Bibliothek erſchütternder, aus dem Leben gegriffener Socialromane, und auch der Neue Pitaval könnte ſeinen ſchauerlich feſſelnden Inhalt aus den Papieren der Bank reichlich vermehren.

Neben dem Calcul des ſcharfſinnigen Financiers und den gründlichen Beobachtungen des Statiſtikers iſt darum auch noch der durchdringende Blick des Pſychologen und Criminaliſten er⸗ forderlich, um das Inſtitut vor Schaden zu bewahren.

KAöhärtung

Von Dr.

Zwei junge Mütter unterhielten ſich kürzlich über die Ab⸗ härtung ihrer Kinder. Die Eine badete ihr Kind und wollte es bei jedem Wind und Wetter hinausſchicken, die Andere hielt Erſteres für Verweichlichung, Letzteres im Winter für zu gefährlich, duldete auch weder Mützchen noch Strümpfchen, welche Gegenſtände oder Urſachen der Verweichlichung die Erſtere geſtattete. Die Kinder ſind beide ungefähr drei Monate alt. Welche hat Recht, welche Unrecht?

Alle Kinderärzte ſind heutzutage einig darüber, daß warme Bäder nicht nur als Reinigungsmittel, ſondern auch als mächtige Förderungsmittel der Geſundheit außerordentlich nützlich ſind. Die Reinigung iſt auf andere Weiſe bei ſo kleinen Weſen niemals ſo vollſtändig zu erzielen, als durch ein warmes Bad, und durch die längere Einwirkung des warmen Waſſers auf die Haut wird dieſe weich und geſchmeidig und geſchickt, die ihr zukommenden Ausſcheidungen gehörig zu vollziehen. Kinder, die regelmäßig gebadet werden, ſind Erkältungen keineswegs leichter zugänglich, als andere, wenn ſie nicht unmittelbar nach dem Bade der Ein⸗ wirkung der Kälte ausgeſetzt werden. Das iſt ein durch hinläng liche Erfahrung als unumſtößlich feſtgeſtellter Grundſatz. Das Badewaſſer ſoll bekanntlich im erſten Monat achtundzwanzig Grad des Réaumur'ſchen Thermometers warm ſein und dann allmählich, etwa von Monat zu Monat, um einen halben Grad kühler ge nommen werden, bis ſechsundzwanzig oder höchſtens fünfundzwanzig Grad erreicht ſind. Nach Ablauf des erſten Lebensjahres, wo man die Kinder ſchon kräftiger reiben kann und wo ſie der Kälte beſſer widerſtehen, ſoll man dann kühle und ſelbſt kalte Waſchungen nach⸗ folgen laſſen.

Hierbei ſind einige Erinnerungen zu die gewöhnlichen Badethermometer in es iſt nicht ſelten, daß ſie um zwei oder drei Grad von einander abweichen. Man muß ſich alſo ſtets überzeugen, ob der gebrauchte Thermometer richtig geht, was um ſo weniger Schwierigkeiten hat, als jetzt wohl die meiſten Aerzte zum Zwecke der Krankenunter⸗ ſuchung mit guten Thermometern verſehen ſind. Zweitens iſt bei dem zu wählenden Wärmegrade immer dakauf zu ſehen, wie das Kind ihn aufnimmt: ſobald es auf irgend eine Art im Waſſer Unbehaglichkeit zu erkennen giebt, was es ſonſt nicht zu thun pflegte, ſo iſt die Sache nicht richtig. Iſt das Waſſer zu warm, ſo wird die Haut roth, die Kinder ſchreien, und ſtatt durch das Bad beruhigt und zum Schlafen geneigt zu werden, ſind ſie hinter⸗ her aufgeregt. Iſt das Waſſer dagegen etwas zu kalt, ſo werden ſie blau und erreichen ſchwer ihre natürliche Wärme wieder. Man darf ſich auch durchaus nicht einbilden, daß ein ſo allmählicher Ueber⸗ gang von den warmen Bädern zu den kühlen Abwaſchungen zu machen iſt: die mit den letzteren verbundene Reibung mit dem Ba den Händen ꝛc., die plötzliche und raſch vorüber⸗

machen. Erſtens ſind der Regel ziemlich ungenau,

Badeſchwamme,

der Rinder.

Dornblüth.

gehende Einwirkung der Kälte ſelbſt erregen die Nerven, ziehen das Blut nach der Haut und bringen in einem hinreichend kräf⸗ tigen Organismus eine lebhaftere Wärmeentwickelung zu Wege, während ein zu kühles Bad, wenn es mehr iſt, als eine ſchnelle Eintauchung, dem Körper ſeine Wärme ſo allmählich entzieht, daß keine Gegenwirkung erfolgt, die Haut, ſtatt wie bei den Abwa ſchungen roth zu werden, blaß und bläulich wird und hinterher ſtatt eines behaglichen Wärmegefühls Fröſteln eintritt, welches nun durch kräftige Bewegung vortheilhaft überwunden, durch künſtliche Erwärmung aber ſchwer ausgeglichen und vor übeln Folgen be⸗ wahrt wird. Die Abhärtung ſoll alſo nur dann durch kühle Waſchungen geſucht werden, wenn die Kleinen Kräfte genug ge⸗ ſammelt haben, um ſo gewaltſamen Einwirkungen gehörig wider ſtehen und entgegenarbeiten zu können, was Beides vor Ablauf des erſten Lebensjahres gewiß nicht der Fall iſt.

Alſo vernünftig gebadet, und die Kinder werden ſich dabei wohl befinden! Sie werden ruhiger, bekommen beſſern Appetit und beſſere Verdauung, werden dadurch kräftiger und ſomit geeig⸗ neter, ſchädlichen Einflüſſen, vor denen ſie doch nicht ganz zu be⸗ wahren ſind, zu widerſtehen.

Ebenſowohl iſt durch die Erfahrung hinlänglich feſtgeſtellt, daß es Kindern ſchon im früheſten Alter ſehr gut bekommt, wenn ſie täglich in's Freie gebracht werden. Die friſchere, reinere und im größten Theile des Jahres bei uns auch kältere Luft regt ihre Nerven kräftig an und giebt ihren Sinnen, ſo wenig dieſe auch noch ausgebildet ſein mögen, Beſchäftigung. In Folge davon kommen ſie in der Regel mit beſſerem Appetit nach Hauſe und ſchlafen nachher länger und ruhiger. Ihre Blutbildung und ge ſammte Ernährung wird beſſer, was ſich an der friſcheren Geſichts farbe und dem feſteren Fleiſche ebenſowohl, wie an dem ruhigen Schlafe und dem munteren Wachſein zu erkennen giebt. Man muß nur beachten, wie früh die kleinen Weſen ſchon an dem Hin⸗ ausgetragenwerden Gefallen finden, wie ſie mit Ungeduld darnach verlangen, durch die Vorbereitungen kaum beruhigt werden und in lauteſten Jubel ausbrechen, ſobald die Thür ſich vor ihnen öffnet! Freilich müſſen in unſerm Klima, und namentlich un Winter, die Kinder ſorgfältig gegen die Kälte geſchützt ſein, und zwar ſo vollſtändig, daß beim Nachhauſekommen keins ihrer Glie der ſich kalt anfühlt. So lange ſie im Steckkiſſen liegen, was immer bis dahin der Fall ſein ſollte, wo ihr Rückgrat und ihre Muskeln hinlänglich erſtarkt ſind, um ſie längere Zeit aufrecht zu tragen; wo ſie, kräftige und geſunde Kinder um ihre zwölfte Lebens⸗ woche herum, durch energiſche Beſtrebungen aufrecht zu ſitzen und um ſich zu ſchauen, dies von ſelber kundthun, ſo lange alſo werden die Kinder leicht durch Tücher oder Mäntel von der Form, wie die Thüringer Frauen und Wärterinnen zu tragen pflegen, geſchützt. Ein weiches, wattirtes Hütchen, eine Art Kapuze mit

dichte die chen dem