— 114— 1 loſen Spiele geſpielt. Hier hatten ſie Robinſon, hier Paul und treuer Herzen erhört, ſetzt der Bube ſeinen Fuß nicht wieder auf Virginie zuſammen ge leſen, und hier war's auch geweſen, wo Inge⸗ unſere Inſel, wo die Treue kein Wahn iſt und mit der Liebe nicht borg ſo glänzenden Freudenſchinnner in Erich's Leben geworfen, Spott getrieben wird.“ als ſie ihm geſagt hatte, ſie würde ſterben vor Angſt, wenn er„Crich, Erich, biſt Du von Sinnen, mir das zu ſagen?“ wieder zur See ginge.——„Wer ſoll Dir's anders ſagen, wer hätte den Muth, Dir Soklein die Hütte, ſo groß und reich der Schatz der Erin⸗ armem Kinde die Augen vollends zu öffnen und Dich anzuflehen: nerungen, der ſich für Den daran knüpfte, der mit verſchränkten weine nicht um den, der Deiner Trauer unwerth iſt!“ Armen am Pfeiler des Einganges lehnte und düſtern Auges auf„Erich, um Gottes B Barmbergileit willen halte ein, Du zex⸗ die lichte Geſtalt ſchaute, welche hell und klar das Mondlicht um- reißeſt mir das Herz, wenn Du ſo von meinem Verlobten, meinem ſloß. Es war Ingeborg, Ingeborg, die auf dem engen Schau⸗ künftigen Gatten ſprichſt!“— platz ihrer Kinderſpiele im erſten Schmerz ihres Lebens mit heißen Das junge Mädchen ſtand bei den Worten plötzlich dicht vor Thränen weinte. Erich Larsſon. Das Mondlicht fiel hell in die durch Thränen 1 Ingeborg Fordenſkiöld war vor acht Tagen ſiebenzehn Jahre aufblitzenden Augen, beleuchtete ihr farbloſes Antlitz, das jetzt alt geworden, ſie kannte außer dem einſamen Eiland, auf dem ſie langſam ſich zu röthen begann unter der Gluth auflodernder d lebte, nichts von der Welt, war, was ihr Vater geſagt, ein Kind, Empörung. ein Kind, dem man ſein Lieblingsſpielzeug genommen. Wie das„Ingeborg!“ rief er heftiger,„laß ab von dem, was nur Kind auf den Weihnachtsbaum, ſo hatte Ingeborg ſich alljährlich ein Wahn erhitzter Phantaſie iſt. Wie kannſt Du einen Mann auf den Beſuch ihres fröhlichen Onkels und des ewig heitern Os- als Deinen Gatten denken, der noch vor wenigen Wochen—“ car gefreut. Wie jener Baum Licht in dunkle Abende bringt,„Halt ein! ich weiß, was Du ſagen willſt. Ueber DeinM ſo hatte die Anweſenheit ihrer Verwandten Freude in ihr ſtilles Lippen ſoll jene Lüge nicht kommen, die meinen Vater verblendet n Leben getragen. Beider Beſuch brachte Ingeborg Abwechſelung, hat. Glaub mir, Erich, ſie hat Unwahrheit geſprochen in ihrem— brachte Anderes, als der tagtäglich im ruhigen Geleiſe ſich ab- unſeligen Briefe.“ ſpinnende Lauf des Lebens, und welches Kind begrüßt eine heitere„Nein, nein, Ingeborg, ſie ſprach die Wahrheit!“ Abwechſelung nächt mit Jubel und Entzücken?„Waren ihre Anſprüche begründet, warum dann nahm ſie 1 3 Wenn Baron Fordenſtiöld ſeiner Tochter vor vier Wochen ſeine Hand nicht an, die mein Vater ihr in ſeinem Namen l geſagt hätte, ſie ſolle ihren Onkel heirathen, Ingeborg würde der Vor⸗ antrug?“ ſchlag vielleicht ebenſo behagt haben, wie der andere, Oscar's Frau„Nanna Hanſen iſt eine Frieſin, Ingeborg. Wer dieſen zu werden und mit ihm über das Meer hinüber in die Welt zu V einmal das Wort gebrochen, iſt auch ihrer Liebe verluſtig! Eine I b ziehen, nach der ſie ſo heißes Verlangen trug. Die Eroberung Frieſin iſt zu ſtolz, das Weib eines Mannes zu werden, der ein dieſes Mädchenherzens, deſſen Gefühle alle noch ungeprüft, war falſches Herz, kein rein Gewiſſen und ſeine Ehre befleckt hat.“ keine ſchwierige, wenn ſie auch Oscar in Anbetracht ihres Reich⸗ Mit lautem Aufſchrei wich das Mädchen zurück, mit weit⸗ thums eine glänzende erſchien. Nur wenige Wochen hatte ihr aufgeriſſenem, glanzloſem Auge ſtarrte ſie auf den unbarmherzigen 1 A ſtilles Glück gedauert, dann hatte Ingeborg es den Freundinnen Sprecher, dann ergriff ſie in wild aufbrauſender Heftigkeit ſeinen 3 verkünden dürfen, und, wie ſo oft im Leben, war mit dem erſten Arm und ſagte zornig:„Wie kannſt Du mir das anthuns 4 K lauten Wort auch dem„ſtillen Glück“ des ruhig freudigen Ge- Ihre Hand ſank, unter ſeinem trüben ernſten Auge, das feſt auf ſ nuſſes das Grablied angeſtimmt! ihr ruhte.„Wie kannſt Du mir das anthun, Erich?“ wieder⸗ 1— J Während dieſer erſten grellen Schmerzensklänge in Ingeborg's holte ſie leiſe. bisher ſo harmoniſchem Leben war ſie eine Andere geworden, und„Weil ich Dich retten möchte, weil ich Dich liebe, Ing 1 was noch vor Wochen nicht einmal ein leiſer Wunſch ihres Her⸗„Erich! Erich!“ rief ſie zurückweichend. da zens geweſen, das hatte binnen Tagen ſich zum glühenden Verlangen Er ſtürzte zu ihren Füßen, ergriff ihr Gewand und ſlüſterte ihr ihrer Seele geſteigert. Fort und fort lauſchte ſie auf die verhall⸗ in leiſen, gebrochenen Tönen:„Ja, Ingeborg, weil ich Dich an ten Töne ihres reinen Glücks, immer ſchmerzlicher ſehnte ſie ſich liebe, weil ich Dich retten muß.“ en zurück nach dem reichen Melodienſchatz des alten Liedes, das da Wie abwehrend ſtreckte ſie die Hand gegen ihn aus, den Blick M. ewig neu bleibt, das auch an ihr ſeine überwältigende Macht und abkehrend von dieſen von Schmerz und Leidenſchaft zerriſſenen l un Kraft bewährt, als ſie es zum erſten Male gehört, ſo kurze Zeit V Zügen, die ſie nur mild, nur ruhig kannte, obwohl ſie wußte, gehört! wie kühn, wie trotzig ſein Herz war. aus Ob es nun nach Anſicht Anderer ein Unwürdiger war, der je⸗ Wild, ſtürmiſch war auch jetzt ſein Ton, als er leidenſchaftlich 1dür nen Zaubergeſang des Herzens angeſtimmt— was wußte ſie da⸗ hinzuſetzte:„Heiß' mich nicht gehen, wende Dich nicht ab! höre ſetz von! Er hatte ihr geſagt, er liebe ſie, und was auch ihr Vater mich an! Ich, Ingeborg, liebe Dich, wie Du geliebt zu werden von ſeinem Verrathe geſprochen— ſie glaubte es nicht! Wo iſt verdienſt, liebe Dich, wie Du geliebt ſein mußt, um dauernd 1 In in ſo geſchützten und behüteten Verhältniſſen das Mädchen zu fin⸗ glücklich zu ſein.“ I den, das von derartigem Unrecht nur einen Begriff hätte; wo—„Erich!“ flehte ſie,„beſinne Dich, komm zu Dir, bedenk, V haſ das Mädchen u finden, das, wenn es wahrhaft liebt, nicht für mit wem Du redeſt, zu wem Du ſo ſprichſt! Erich!“ ſetzte ſie und den Geliebten gegen eine ganze Welt in die Schranken treten weich hinzu,„thu' Dir's ſelbſt nicht Dich ſo zu vergeſſen, V würde? ſo Deine arme Schweſter—“ nun Ingeborg glaubte zu lieben, zu lieben wie eine Heloiſe, zu„O, nicht dies Wort, Ingeborg! hat mein Herz ſchon dulden um einen Abälard!——— oft wie mit tauſend Dolchen durchbohrt, hat mich ſchon manchmal und Wie ſchnitt dieſe Liebe, dieſer Schmerz aber tief und tiefer in an den Rand des Wahnſinns getrieben! Du biſt mir Alles, nur das Herz des Mannes, der, ein ſtummer Zeuge ihres Jammers, nicht Schweſter, Du biſt der Abgott meiner Seele, das Idol mnit am Eingange der Mooshütte lehnte und in lautloſem Schweigen meines Herzens, biſt—“ ihr Schluchzen anhörte! Sie ſah ihn nicht. Sie ſaß auf der„Kein Wort weiter!“ rief das Mädchen in aufflammendem Aug Moosbank im Hintergrunde des Häuschens, den Kopf geſtützt auf Stolze mit ſtrengem Ton.’ die Arme, welche auf dem Tiſche vor ihr einen Halt gefunden, Sie hätte aber eben ſo gut den tobenden Meereswogen ge⸗ l gaw das Geſicht war vergraben in ihudn Händen, unter der Fülle ihrer„bieten können:„fließet rückwärts!“ wenn die Gewalt des Stur⸗ uns Loocken, die aufgelöſt in wirrem Durcheinander über Nacken und mes ſie hinfort getrieben, weit über das Ufer ihres Bettes, weit ns Schultern, über Hände und Arme Foſſen über alle von Menſchenhand künſtlich erhobenen Dämme. Ihn 3„Ingeborg!“ rief endlich der Mann am Eingang weich und riß jetzt die Gewalt der Leidenſchaft hin, fort über alle Schran⸗ pie leiſe, als neues, heftiges Schluchzen ihren zarten Körper immer ken trieb ihn der Sturm wild aufgeregter Gefühle, die Vernunft, liebe uehr erſchütterte. Ueberlegung, feſter Wille und Macht der beſtehenden Verhältniſſe das Sie ſprang empor, ſah durch Thränen auf die Geſtalt, ſank zurückgedrängt und lange im ſtunimen Grabe gehalten hatte. ſchat Zurück und ſprach tonlos:„Ach, Du Erich, Du biſt's!“—„Mein, mein wirſt Du ſein, wenn Du Dich losgeriſſen vo abge Du dachteſt, er ſei's, er, der dieſen Jammer über Dich ge⸗⸗ dem Unwürdigen!“ antwortete er in höchſter Leidenſchaft. bracht?“ rief er heftig.„O nein, Gott ſei Dank! Dank Dei⸗ 8 Da übermannte ſie der Zorn; mit einer Heftigkeit und Bittes zurü uem Vater, der Elende iſt fort, und ſo der Himmel die Gebete keit, die ihrem Weſen und Charakter bis zu dem Angenblic völl lelt 1— 3 fai
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