Jahrgang 
6 (1865)
Seite
89
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eines Fleiſchers wendeten. Er war nicht im Stande den kleinſten Wurm zu tödten, der bei einem Spaziergange über den Weg, dicht vor des Wandlers Füßen kroch dennoch ſchickte er Tauſende von Menſchen in den Tod. Ein ſolcher Mann war ſicher für meine Rettungsverſuche am ſchwerſten zugänglich. Dazu kam, daß ich nicht ein Mal genau wußte, wie ſtark oder ſchwach die Ver⸗ hafteten ſich compromittirt hatten und daß wir, meine Familie und ich, in dem Rufe ſtanden, zwar keine Feinde der Freiheit, aber doch keinesweges begeiſterte Anhänger des Convents zu ſein. Dieſes Alles wirbelte bunt in meinem Gehirne durcheinander. Gegen Morgen erſt ſchlummerte ich ein. Mit der Beſchreibung des Abſchiedes, der Klagen, Wünſche

um fünf Uhr raſſelte die Diligence zum Thor von Arras hinaus,

um Abends nach ſieben Uhr erſt über das Pflaſter von Paris zu

rollen. Ich war ſeit Jahr und Tag nicht in der Hauptſtadt ge weſen. Mit Staunen betrachtete ich daher die wunderlichen Zier⸗

rathen an den Häuſern. Republik, Freiheitsbäume, deren Spitzen die phrygiſche Mütze trugen, Sprüche aus Rouſſeau's Schriften und dergleichen. Die geſchäftigen Menſchen eilten hin und her, Ausrufer mit den neueſten Nachrichten vom Kriegsſchauplatze, die Beſchlüſſe des Convents, die Liſten der Verhafteten, die Verurtheilungen, die Executionen verkündend. Hier und da an den Ecken erhob ſich auf einem Tiſche ein Volksredner, den eine brauſende Menge umgab; dort zog ein Bataillon Nationalgarde, von der Uebung kommend, über den Platz; dann wieder drängte ſich ein Haufe faſt grotesk ge⸗ kleideter Jacobiner durch die Menge. Paris war in fieberhafter Bewegung. Man hatte heute, am achten April, wieder zahlreiche Opfer unter die Guillotine befördert; man ſprach von neuen Ver⸗ ſchwörungen der übrig gebliebenen Mitglieder der Gironde, an deren Spitze Louvet ſtehen ſollte.

Bei einem Freunde unſeres Hauſes, einem Herrn Brotteau, nahm ich Quartier und begann noch an demſelben Abende in der Dunkelheit einige Nachforſchungen. Ueberall begegnete ich rauſchenden und erregten Menſchengruppen. Man hörte das O3 irs und die Marſeillaiſe von Männern, Frauen und Kindern ſingen. Die rothe Mütze gewahrte ich häufig, und namentlich ſiel mir eine ſonderbare Mode der Damen auf: ſie trugen Strick⸗ beutel von ungeheuerer Größe, auf welchen die zerſtörte Baſtille abgebildet war. Ich ging zunächſt zur Wohnung der Madame Marion Lepelletier in der Straße Blanes Manteaux. Hier erfuhr ich aber, daß geſtern auch der Wirth, ein Schneider, verhaftet worden ſei, weil er ſich fälſchlich für einen Volksvertreter aus⸗ gegeben. Nur die Schließerin, eine alte Frau, wohnte noch in dem Hauſe.

Am' folgenden Morgen lenkte ich zunächſt meine Schritte nach den Gefängniſſen des Luxembourg, aber den Gefängnißwärter Lambert konnte ich nicht ſprechen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil man auch ihn verhaftet hatte. Es hieß, er habe Gefangene begünſtigt, und er wurde auch am 13. April gulllotinirt.

So niedergeſchlagen mich dieſe beiden erſten vergeblichen Be⸗ mühungen machten, ich ſammelte meine Gedanken und Kräfte den⸗ noch wieder. Paris ſchien mir heute ſeine gewöhnliche Phyſiognomie wieder erhalten zu haben, und ohne die beliebten rothen Mützen, die Fahnen und Inſchriften hätte man nicht geglaubt in dem ungeheuern Krater umher zu wandeln, aus dem der gewaltige Feuerſtrom über Europa ſich ergoß. Nur einige Zettelankleber waren von gaffen⸗ den Neugierigen umringt. Die Affichen enthielten Erlaſſe des Convents, Aufforderungen zu patriotiſchen Gaben für die frei⸗ willige Nordarmee, Drohungen gegen ſchlechte Bürger, darunter die Theaterzettel, endlich Verſteigerungen von Möbels verjagter Ariſtokraten. Eine der Affichen lautete:..

In dem Quartier de la Sorbonne haben vorgeſtern Abend bei einer Verſammlung der fünften Section Kundgebungen zu Gunſten des verhafteten Ariſtokraten Conrandin ſtattgefunden. Die ſchlechten Bürger, welche ihre Stimmen erhoben haben, mögen ſich hüten. Ihre Köpfe ſtehen nicht feſter als der einer Gyps⸗ figur, welche man aus dem vierten Stock auf das Straßenpflaſter wirft. Conrandin war Rath des geſtürzten Tyrannen Ludwig Capet. Wäre er auch ſonſt kein Verbrecher, das genügte. Ebenſo ſchuldig aber wie er ſind ſeine Fürbitter. Wer mit u3 Freun⸗ den der Tyrannen iſt, wird das Bret küſſen(hingerichtet werden).

Unterzeichnet: Drei wachſame Aaisen⸗

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und Befürchtungen will ich Sie nicht länger aufhalten; genug,

Ueberall Fahnen mit den Farben der

.

Sie können ſich denken, welchen Eindruck dieſer Anſchlag auf mich machte! Doch im ſchlimmſten Augenblicke pflegt der Muth am meiſten und ſichtlichſten zu wachſen. Ich ſah ein, daß ich ſofort auf das Ziel losgehen und einen Beſuch bei Robespierre wagen müſſe. Die Liſten der Gerichteten oder Ver⸗ urtheilten wieſen noch nicht die Namen unſerer Freunde auf, und ſo lange ſie noch lebten, wollte ich die Hoffnung nicht ſinken laſſen. Robespierre wohnte im Hauſe des Tiſchlers Duplay, in der Straße St. Honoré, da, wo heute Nummer 396 iſt.

Schlag neun Uhr bog ich in die Straße St. Honoré ein. Je näher ich der Wohnung des gefürchteten Mannes kam, um ſo ſchneller fühlte ich mein Herz ſchlagen. Endlich war ich dicht an dem Hauſe des Tiſchlers Duplay. Ich ging auf die andere Seite der Straße und betrachtete das Gebäude. Die Hausthür war offen und auf dem Flure bemerkte ich eine Gruppe von Sanseulot⸗ ten. Sie hatten ſich einen Tiſch in die Mitte des Flures geſetzt und genoſſen ihr Frühſtück; an der Wand lehnten ihre Piken. Alle trugen die rothe Mütze und rauchten aus kurzen Pfeifen; einige laſen Journale, andere führten lebhafte Unterhaltungen. Es war die Wache, welche der Convent täglich im Haufe Robespierre's aufziehen ließ. An den meiſten Fenſtern der Häuſer ringsum ſah ich die Vorhänge herabgelaſſen; man wollte nicht immer das Schau⸗ ſpiel der zum Schaffote abziehenden Karren mit Verurtheilten ge⸗ nießen, welche man durch die Straße St. Honoré führte.

Am Eingange des gefürchteten Hauſes trat ein baumlang Mann, in eine Carmagnole gekleidet, Holzſchuhe an den Füßen, einen Cavalerieſäbel an der Seite, auf mich zu Wen ſuchſt Du, mein kleiner Bürger? fragte er eine Wolke Tabaksrauch in dietſt ulaſend Den Bürger Lehas antwortete ich mit einer leicht zittern⸗ Stimme. Der Menſch betrachtete mich mit gerunzelter Er iſt bei Robespierre.

Eben deswegen will ich ihn ſprechen.

Du haſt ein Anliegen?

Ja.

Weißt Du nicht, daß Meldungen um Zutritt immer des Abends vorher abgegeben werden müſſen?

Ich wußte es nicht, ich bin fremd und komme direct von Arras.

Von Arras? aus Robespierre's Geburtsſtadt?

Dieſer Ort ſchien eine Empfehlung für mich zu ſein, Wäh⸗ rend der Unterredung traten nun die übrigen Mitglieder der Wache heran und ich ſah mich von einem Kreiſe furchterweckender Geſtal⸗ ten umgeben. Die Unſauberkeit, welche auf Allen lagerte, gab ihnen ein entſetzliches Anſehen.

Ein guter Bürger? rief der Eine.

Nicht doch. Es iſt ein Muscadin.

Ha! ha! ha! lachte ein Dritter.

Wahrhaftig! Puh! wie er nach Biſam riecht.

Ich bemerkte zu meinem Schrecken, daß ich wirklich dieſen Parfum an mir hatte.

Bürger, für einen Patrioten iſt Deine Uhrkette zu lang.

Dein Hut iſt mit einer Schnur eingefaßt, ein Zeichen des Ariſtokraten.

Sein Hals iſt gut für die Laterne.

Die Geſellſchaft wollte ſich ausſchütten vor Lachen über dieſen Witz. Ich ſah ein, daß ich nur durch die größte Entſchiedenheit aus dieſem Feuerkreiſe und zu meinem Zwecke komme könne. Raſch griff ich in die Taſche und zog meine Sicherheitskarte hervor, die mir Herr Brotteau beſorgt hatte.

Ich verbitte mir nun ernſtlich dieſe ſchlechten ich.Auch im Scherz Ariſtokrat genannt zu werden, iſt eine Be⸗ leidigung. Willſt Du, Bürger, meine Karte prüfen, dann wirſt

n ſehen, daß ich unverdächtig bin, und ſo frage ich Dich zum tten Male, wo iſt der Bürger Lebas?

Der Rieſe warf einen Blick auf die Karte, deren Stempel ihm bekannt war, und ging damit in das Haus. Glülklicher Weiſe kam er bald zurück und brachte mir die erfreuliche Nachricht: Lebas wolle mich ſogleich ſprechen. Ich erhielt die Er⸗

ubniß in das Haus zu gehen. So war ich denn innerhalb der Mauern, aus denen ſo viel Jammer, Angſt und Verzweiflung über Millionen hervorbrach! Ich will nicht in Abrede ſtellen, d meine Seele Gott empfahl und im Stillen den Entſchluß

er

von

den Stirne.Lebas?

.

Späße! rief