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B(ätter und lüthen.
Noch eine naturwiſſenſchaftliche Vexir⸗Frage. Jedes Kind weiß jetzt, daß die Sonne feſtſteht und ſich um ſich ſelber dreht, trotzdem ſie ſich um die Erde zu bewegen ſcheint, und daß die Erde in ihrem jährlichen Um lauf um die Sonne ſich ebenfalls um ihre eigene Axe dreht; aber wie ſteht es in dieſer Beziehung mit dem Monde? Dreht ſich der Mond ebenfalls um ſich ſelbſt, während er die Erde umkreiſt? Wenn wir uns in den Lehr büchern der Aſtronomie Rath holen wollen, um dieſe Frage zu beant worten, ſo werden wir finden, daß uns dieſelben im Stich laſſen. So müſſen wir denn ſelber verſuchen, uns die Bewegung des Mondes klar zu machen; dem denkenden Leſer ſoll es dann überlaſſen bleiben, aus unſern Auseinanderſetzungen ſich das Nöthige herauszunehmen und ſich die Frage ſelbſt zu beantworten. Wir glauben ſicher zu ſein, daß ein Theil der Leſer und Leſerinnen ſein Ja, ein anderer ebenſo großer Theil ſein Nein bereit hat, gerade wie bei unſerer Vexirfrage in Nr. 52 des letzten Jahrgangs.
Der Mond mag im erſten oder im letzten Viertel ſtehen oder mag voll ſein, immerfort erblicken wir den allbekannten Mann im Mond, natürlich je nach der Geſtalt des Mondes mehr oder weniger verfinſtert. Mit andern Worten: die helle Mondſcheibe hat einige dunkele Flecken, welche wir im mer an einer und derſelben Stelle erblicken. Daraus machen wir den Schluß, daß der Mond bei ſeiner Bewegung uns immer eine und dieſelbe Seite zu kehrt. Dieſer Satz iſt unbedingt richtig, auf ihn können wir ſchwören wie auf die Bibel und, was die Hauptſache iſt, auf ihn können wir unſere wei teren Auseinanderſetzungen gründen. Um uns nun die Bewegung des Mondes um die Erde recht klar zu machen, denken wir uns, daß dieſe, die Dame Erde alſo, in der Mitte eines Saales unbeweglich ſtill ſtehe, daß jener aber, der Herr Mond, in dem Saale jene Dame umkreiſe, aber ſo, daß er ſein Geſicht ihr immer zugewendet hält. Der Herr geht alſo um die Dame genau ſo herum, wie die Katze um den heißen Brei; auch dieſe wendet ihr ſehnſüchtiges Auge nicht ab von dem heißgeliebten, aber nicht heiß geliebten Brei. So iſt auch die Bewegung des Mondes um die Erde, das iſt Wahrheit.
Unſere Frage iſt aber dadurch noch nicht beantwortet. Sehen wir wei ter! Wenn leichtfüßige Jungfrauen und Jünglinge einen Rundtanz voll⸗ führen, ſo weiß Jedermann, daß die tanzenden Paare ſich um ſich ſelber drehen. Denken wir uns nun in die Mitte der Tanzenden verſetzt, ſo wer den wir bemerken, daß dieſelben uns fortwährend andere Seiten ihres Ich zukehren, ſodaß wir ſie abwechſelnd von vorn und von hinten zu ſehen be⸗ kommen. Daraus ſchließen wir, daß, wenn ſich ein Körper um ſich ſelber dreht, wir ihn nacheinander von allen Seiten beſchauen; da dies nun aber beim Monde nicht der Fall iſt, ſo kann ſich der Mond auch nicht um ſich ſelber drehen. Gut, aber wer ſagt denn, daß wir uns gerade in die Mitte des Saales ſtellen ſollen? Nehmen wir einmal Stellung an der Thür des Saales und laſſen jetzt den Herrn Mond die in der Mitte des Saales ſtehende Dame Erde ſo umkreiſen, daß er dieſelbe immer im Auge behält. Werden wir nun nicht, wenn der Herr ſeinen Kreislauf voll endet hat, ihn ebenfalls von allen Seiten, von vorn und von hinten, von rechts und von links, in Augenſchein genommen haben? Sicherlich. Dem Beobachter an der Thür wird es demnach ſo vorkommen, als ob der Herr Mond ſich auch um ſich ſelber gedreht hätte. Ein außerhalb der Mond bahn, alſo z. B. auf der Sonne befindlicher Beobachter, wird alſo behaup ten: der Mond hat ſich nach je vier Wochen einmal um ſich ſelber gedreht.
Unſere Frage hat ſich dadurch in eine andere verwandelt:„Dürfen wir uns auf unſere Beobachtungen des Mondes von der Erde aus verlaſſen, oder müſſen wir uns außerhalb des Mondreviers verſetzt denken?“ Es giebt allerdings viele Bewegungen der Himmelskörper, welche von der Erde aus beobachtet einen ganz andern Eindruck machen, eine ganz andere Erſchei nung hervorbringen, als wenn man ſie von einem andern Punkte des Welt raums aus beobachtete. Ob zu ſolchen Bewegungen auch die Drehung des Mondes gerechnet werden muß, iſt zu unterſuchen. Da uns die Axen drehung des Mondes, von der Erde aus geſehen, zweifelhaft erſcheint, ſo wenden wir uns einmal zur Sonne, welche ſich ja auch um ſich ſelber dreht.
Dieſe Drehung der Sonne aber können wir von der Erde aus recht gut beobachten, wenn auch nicht mit bloßem, ſo doch mit bewaffnetem Auge. Von jedem andern Punkte des Weltalls aber kann die Rotation der Sonne ebenſogut wahrgenommen werden und es ſcheint demnach, daß die Axen drehung nicht zu denjenigen Bewegungen gehört, welche dem Beobachter
auf der Erde anders erſcheinen als dem Beobachter an irgend einem andern Punkte des Himmels. Hiernach würden wir alſo gezwungen ſein anzuneh men, daß der Mond ſich überhaupt nicht um ſich ſelber dreht. Zuerſt alſo nein, dann wieder ja und nun wiederum nein! So kommen wir nicht zum Ziel; greifen wir die Sache deshalb einmal wo anders an. Machen wir uns den Begriff„ſich um ſich ſelbſt drehen“ zuvörderſt recht klar und durchſichtig. Ein Wagenrad dreht ſich doch ſicher um ſich ſelber, das wird Niemand bezweifeln; ein jedes Kind weiß auch, daß ein Wagenrad eine Axe hat, welche im Mittelpunkt des Rades feſtſteht. Es iſt aber nicht durchaus nöthig, daß dieſe Axe gerade im Mittelpunkt liegt; es giebt ja auch unregelmäßige Körper, welche überhaupt kein eigentliches Centrum haben, und dieſe können ſich gleichwohl um eine Axe drehen. Nehmen wir z. B. einen Stuhl mit vier Füßen; wir faſſen ihn an der Lehne, ſtützen ihn auf einen ſeiner Füße und drehen ihn um ſich ſelber herum. Daraus iſt erſichtlich, daß unbeſchadet der Drehung eines Körpers um ſich ſelbſt die Drehungsaxe im Körper liegen kann, wo ſie will. Iſt aber die Lage der Drehungsaxe gleichgültig, ſo kann ſie auch ganz und gar außerhalb des Körpers liegen, welcher ſich dreht. Gehen wir von dieſem Grundſatz aus, ſo können wir die Bewegung des Mondes als eine Drehung um ſich ſelbſt anſehen, bei welcher die Drehungsaxe dann allerdings nicht im Monde, ſondern außerhalb des Mondes und zwar im Mittelpunkt der Erde liegt. Sonach dreht ſich der Mond doch um ſich ſelbſt? Ueberlege ſich aber auch der denkende Leſer oder die wißbegierige Leſerin ja recht genau, ob man auch ſagen könne, daß ein Körper ſich um ſeine eigene Axe drehe, wenn dieſe Axe nicht einmal in ihm liegt; man überlege ſich, ehe man die Frage entſcheidet, ob man ſagen könne, der Mond drehe ſich um ſeine eigene Axe, wenn dieſe Axe im Mittelpunkt der Erde liegt, alſo doch der Erde gehört. Hütet Euch, freundliche Leſer der Gartenlaube, damit es Euch nicht gehe wie jenem ehrlichen Manne, welcher ſich in einer Zuſchrift an die Redaction rühmte, wie leicht ihm die Löſung der in Nr. 52, 1864 auf geſtellten Glas⸗Waſſer⸗Frage geworden ſei, und dieſelbe Frage falſch beantwortet hatte. R. H. Handeln die Thiere nur aus Inſtinct oder mit Ueberlegung? In den Jahren 1851 und 1852 war ich Commis in dem Fabrikgeſchäfte des Herrn Friedrich Heermann in Holzminden; derſelbe hatte auf dem Fabrikhofe einen Fuchs an die Kette gefeſſelt, der faſt nichts von ſeiner Wild⸗ heit verloren hatte, obgleich er jung gefangen war und ſchon anderthalb Jahr an der Kette lag. Manches Täubchen, das ſich dem Häuschen zu nahe wagte, das man Meiſter Reinecke aus Lehm und Steinen bhergerichtet hatte, ward von dieſem mit einem Sprunge erreicht; trotzdem hatte mein Principal ſeine Freude an dem Thier und wollte es nicht abſchaffen. Ich machte mir oft ein Vergnügen daraus es zu necken, vorzuügsch damit, daß ich einen leckern Biſſen ihm ſo nahe legte, daß es ihm mit Voßfemhſ oder Schnauze bis auf ſechs Zoll nahe kommen, aber ihn nicht en konnte. Dann ging ich abſeits und ſah aus gewiſſer Entfernung, Ir ſich vergeblich bemühte den Biſſen zu erreichen; bei dem fünftenſe kam es gar nicht mehr aus der Höhle, es mochte wohl eingeſehen †, daß ſein Bemühen vergeblich war. Nach acht Tagen machte ich den P von Neuem; aus meinem Hinterhalte ſah ich, wie der Fuchs aus ſy Gebäude kam und auf das Stück Fleiſch losging. Als die Längh Kette nicht genügte, drehte er ſich um, fügte zur Länge der Kette die Vnge ſeines Körpers hinzu, erreichte mit dem Hinterlaufe das Stück Fleiſch und ſchob es ſo zu ſich heran.. H.
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Für Landwirthe. Unter den landwirthſchaftlichen Blättern Deutſch lands nimmt jedenfalls die nunmehr ſchon ſeit zwanzig Jahren erſcheinende Agronomiſche Zeitung von Dr. Wilhelm Hamm in Leipzig einen heivor ragenden, wenn nicht den erſten Rang ein. Wir ſehen in derſelben di⸗ größten Männer der Wiſſenſchaft und der Praxis als fleißige Mitarbeit vertreten; ſo: J. von Liebig, A. von Weckherlin, Prof. Dr. Knop, L Rohde, Dr. H. Grouven, Dr. K. Birnbaum, Prof. Dr. J. Kühn, Garten director Jühlke, H. Jaeger und viele andere, namentlich auch aus dem Gebiet der ausübenden Landwirthſchaft. Ein gewählter, nur aus Origina len beſtehender Text, eine große Maſſe des Inbalts und eine gute Ausſtattung mit reichen Illuſtrationen rechtfertigen die Empfehlung dieſer Zeitung, deren Herausgeber auch ſeit Jahren zu den Mitarbeitern der Gartenlaube gehört
Bocks Zuch in peien 6. Auflage. 8
Die fünfte, 12,000 Exemplare ſtarke Auflage des ſchon bei ſeinem erſten Erſcheinen mit allgemeinem Willkommen begrüßten, und Je achtet der vielen Nachahmungen nun ſchon in 56,000. Exemplaren verbreiteten Werkes:
2 Das Buch vom geſunden und kranken Menſchen
von Dr. Carl Ernſt Bock, 17 Profeſſor der pathologiſchen Anatomie in Leipzig.
... Mit 38 feinen Abbildungen. i*ſt vergriffen, und die ſechſte, wiederum verbeſſerte Auflage iſt ſoeben in der erſten Lieferung erſchienen. Hierin dürfte wohl der Beweis liegen, daß das für jede Familie unentbehrliche Buch noch von keiner Concurrenz erreicht worden iſt und ſeine Aufgabe erfüllt hat: die Wiſſenſchaft lebendig und der Volksbildung dienſtbar zu machen.— Die 6. Auflage des Buches vom geſunden und kranken Menſchen erſcheint wieder in ſieben,
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in monatlichen Zwiſchenräunmen auf!
einander folgenden Lieferungen. Der Subſcriptionspreis jeder Lieferung von 5— 6 Bogen iſt nur 7 ½ Ngr., wofür auch der weniger Banittelte u im Stande iſt, ſich dieſen Helfer in der Noth nach und nach anzuſchaffen. en iſ 22a 1 19 Leipzig, im Februar 1865.
Die Verlagshandlung. Ernſt Keil.
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